Montag, 4. August 2008

One Goal

Es gibt so Dinge, von denen man weiß, ganz, ganz sicher und tief im inneren weiß, dass sie falsch sind. Cola mit grünem Tee zum Beispiel. Man will es nicht gut finden, aber dann... irgendwo scheint es im Hirn Rezeptoren für schlechten Geschmack zu geben. Sie mögen beim ein oder anderen schwächer ausgeprägt sein, aber da sind sie doch. Und so kann ich mich nicht entscheiden, ob ich nachfolgendes Video nebst der Musik nun sehr, sehr schlecht finden soll, oder ob es so schlecht ist, dass es schon wieder gut ist, oder ob ich tatsächlich gut gemacht finde, so tief in mir drin, da wo, keiner hinschauen sollte.



Es handelt sich, dass muss ich mit der gebotenen Vorsicht sagen, wohl um ein internes Motivationsvideo von Mercedes, das bei You Tube aufgetaucht ist und neben dem üblichen "Wir fassen uns alle an die Hand und sind glücklich" Pathos Geschwurbel, insgesamt an einer schweren 80er Jahre Schmalzigkeit leidet. Immerhin, dass muss man dem Schreiber des Textes lassen, hat man es geschafft, in nur vier Minuten die gesamte restliche Automobilwelt zu beleidigen, inkl. Erwähnung der "Japs", was, wenn mich nicht alles täuscht, ein wenig politisch korrektes Wort für den Japaner an sich in den USA ist. Aufgefallen ist mir, neben der Musik, für die U2 und die Simple Minds eventuell mal Tantiemen einfordern könnten, dass es wohl zu Kernkompetenzen eines Mercedes Verkäufers gehört, den Wagen innig zu polieren. Und wichtig zu schauen.

So... und jetzt alle: "Oooooonnnne Goal...."

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Samstag, 2. August 2008
Ich mag übrigens auch gerne den “Kommissar” mit Erik Ode und bekomme dann glasige Augen, wenn die im VW Käfer und natürlich in schwarzweiß auf Gangsterjagd gehen. Daraus abzuleiten, das Fernsehen wieder schwarzweiß zu machen und den Sendeschluss neu aufzulegen, würde ich deswegen nicht kommen.

cjakubetz über die immer noch herrschende Realtitätverweigerung in manchen Verlagen.

Die kann ich auch bestätigen und zu meiner großen Überraschung fand ich diese Verweigerung häufig auch bei Journalistenschülern. Ob nun bei in der Axel-Springer-Akademie, wo ich mir mal zum Thema Online-Journalismus/Blogs den Mund fusselig geredet habe, oder bei den regelmäßigen Schulungen, die für die DAA mache - die Onlinekompetenz der meisten Leute, die sich für das Thema Journalismus interessieren, hält sich in sehr engen Grenzen. Auch und vor allem in Sachen Online-Recherche. Das Google eine Zwangsumleitung auf die deutschen Seiten ist den meisten noch bekannt, dass man die mit google.com/ncr umgehen kann schon nicht mehr.

Dazu kommt häufig eine ungeahnte Arroganz. Man sei schließlich Journalist und habe eine Ausbildung erhalten, um auswählen zu können, welche Nachrichten und in welcher Form man diese an die Leserschaft weitergibt. Eine Schüler meinte zu mir mal in großer Runde: "Die [gemeint sind die Leser] haben doch keine Ahnung. Denen muss man alles auf niedrigen Niveau erklären." Meinen Einwand, das Internet würde die oft einseitige und flache Berichterstattung allein dadurch verändern, weil die Leser mehr und bessere Informationen dort finden würden, wischte der Kollege mit dem Satz vom Tisch, dass die doch gar keine Zeit hätten, sich mit sowas zu beschäftigen.

Die neue ARD/ZDF Onlinestudie zeigt deutlich, wo die Reise hingeht. Dabei sind es nicht mal die Zahlen bei den 14 bis 20jährigen, die mich als Printmensch nervös machen würden. Dass dort über 90% mittlerweile online sind, ist wohl eher normal. Aber das bei den über 60jährigen, ich sag mal der Kernzielgruppe der Tageszeitungen, die Zahlen sich dramatisch verändert haben, sollte den Verlagen zu denken geben. 2000 waren gerade mal 4,4% online, 2008 sind es schon über 25%. Wenn die anfangen, ihre Informationen online zu suchen, dann dürfte das die Verlage erst recht schmerzen.

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Donnerstag, 31. Juli 2008

Tja, Musikindustrie

Wir in Berlin lehnen jedoch als eine der ersten Staatsanwaltschaften die Ermittlung der Person hinter einer IP-Adresse grundsätzlich ab. Seit Herbst 2007 fragen wir nicht mehr beim Provider nach, wenn uns die Musikindustrie eine Anzeige übermittelt, sondern stellen das Verfahren sofort ein.

Sagt eine Oberstaatsanwältin aus Berlin in der Süddeutschen und bestätigt eine Herangehensweise, die so auch schon von anderen Staatsanwaltschaften umgesetzt wird. Und offenbar suchen die Staatsanwälte da bundesweit den Schulterschluss und versuchen eine einheitliche Regelung zu finden. Ein Vorschlag lautet wohl, dass man erst eingreift, wenn die Musikindustrie, bzw, deren Anwälte nachweisen können, dass mehr als 100 Dateien angeboten, bzw. runtergeladen worden sind. Wíe sie das machen wollen, ist dann wieder eine andere Frage. Normalerweise schaffen sie es gerade eine oder zwei Dateien nachzuweisen.

Die wachsende Ablehnung der Staatsanwaltschaften in Deutschland gegenüber geringfügigen Copyright Verletzungen treibt die Industrie auch immer häufiger zu wirren Ausfällen. So geistert in Brüssel die Idee rum, dass die Provider den Datenstrom ihrer Kunden überwachen sollen und wenn eine Copyrightverletzung festgestellt wird, mögen sie die Daten an die jeweiligen Rechtsabteilungen übermitteln. Irgendwie könnte man das Gefühl bekommen, dass die Musikindustrie mit aller Macht an ihrem Geschäftsmodell festhalten möchte, selbst wenn das bedeutet, dass man grundlegende Bürgerrechte komplett über den Haufen wirft.

Nur mal zur Erinnernung - das Problem der Tauschbörsen ist seit 1999 bekannt, also bald zehn Jahre. In der Zeit ist der Musikindustrie nicht gelungen, einen eigenen, vernünftigen Onlineshop zu errichten. Das musste Apple 2001/2002 übernehmen. Aber selbst nach diesem Erfolg passierte nichts. Stattdessen versuchte man sogar, Itunes auszutrocknen, was kläglich gescheitert ist. Dazu die Katastrophe mit DRM verseuchten CDs, die sich teilweise nicht mal mehr in Autoradios abspielen ließen. Man hat so gut wie nichts unternommen, um den Kunden die Musik ins Haus zu liefern und man könnte, wenn man es böse meinen würde, angesichts der Zahlen in Sachen Abmahnungen fast auf die Idee kommen, die Industrie habe die Abmahnungen als erfolgreiches Geschäftsmodell entdeckt, auf dem man sich bequem ausruhen kann. Wie die Dame im Interview zu bedenken gibt, laden viele Menschen ein Musikstück auch runter, um mal zu hören, wie es ist. Wenn es nicht gefällt, wird es wieder gelöscht. Ob hinter dem Download eine vereitelter Kauf steht, kann nie bewiesen werden.

Aber das sind vermutlich nur letzte Zuckungen einer sterbenden Industrie. Wenn ich lese, dass Sony gerade mal 600 Millionen für die restlichen 50% an BMG Music auf den Tisch legen will, reicht mir das eigentlich. BMG hat einen riesigen Backkatalog, der alleine schon einiges Wert ist. Und nur mal so zum Vergleich. Microsoft hat letztes Jahr für gerade mal 1.6% Facebook Anteile immerhin 240 Millionen Dollar auf den Tisch gelegt. Oder anderes Beispiel: für 500 Millionen Euro bekommt man gerade mal drei Jahre das Recht, die Bundesliga auszustrahlen. Das zeigt deutlich, auf welchem Platz die Musikindustrie in der Werteskala angekommen ist.

Immerhin: zu einer Sache taugt die Musikindustrie noch. Als schlechtes Beispiel hat sie die Film- und vor allem die TV Industrie gezwungen, etwas klüger zu sein.

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Dienstag, 29. Juli 2008

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Freitag, 25. Juli 2008

Das ist schon komisch. Vor sechs Jahren standen die Berliner vor dem Brandenburger Tor und feierten Gerhard Schröder, der sich gegen den Kriegskurs von Bush jr. gewandt hatte. Zu zehntausenden verdammte man die USA und ihre Kriegspolitik. 2008 stehen rund 200.000 Berliner (laut Presseberichten - es gibt auch Quellen, die von "mehr als 100.000" sprechen) vor der Siegessäule und feiern einen Mann, der nicht mal Präsident ist. Nicht mal ein offizieller Kandidat, denn der Parteikongress, auf dem das alles bestimmt wird, ist erst Ende August. Wie auch immer: da waren ziemlich viele Menschen, die ihre Hoffnung zu Obama getragen haben.

Amerika - das ist der große Bruder. So habe ich es seit der Schule immer wieder gehört. Amerika hat die Nazis vertrieben, die Schokolade gebracht, den Rock'n roll und Coca Cola. Sie haben Menschen zum Mond geschossen, sie haben ziemlich viele Dinge erfunden die irgendwie wichtig sind und die letzten 60 Jahre unseres Filmgeschmacks bestimmt. Aber dann gibt es dann noch diese Mr. Hyde Seite. Reagan und Bush jr. sind zwei schöne Beispiele. Manchmal hat man sich gewundert, was die Amis denn jetzt schon wieder treiben, aber im Grunde war das eben so ein Aufstöhnen, wenn ein Familienmitglied mal wieder ernsthaft rumspinnt. Man ist mal kurz sauer, aber irgendwann ist alles wieder gut, und dann freut man sich heimlich.

Bush hat die Mr. Hyde Seite so lange und so oft rausgehangen, dass es schwer wurde zu verzeihen. Der vermutlich unnötige Irak-Krieg, Guantanamo, die Umweltsache - alles Dinge, die bei den meisten US-freundlichen Deutschen auf mittelschweres Unverständnis stießen. Totaler Liebesentzug war die Folge, denn plötzlich erschien der freundliche, große Bruder als ein durchgedrehter Speed Junkie, der außer Kontrolle war. Und dann auch noch die letzte Wahl 2004, als ein völlig versnobter John Kerry antrat, der so unsympathisch war, dass man die Hemdsärmeligkeit von Bush auf seiner Farm schon fast wieder mochte. Trotzdem - der Liebesentzug blieb erst mal.

Aber wie das mit dem Liebesentzug halt so ist. Irgendwann schmerzt er einen selber auch. Man macht das ja irgendwie gegen seinen Willen und mit Wehmut denkt man zurück an die besseren Zeiten in der Familie, als alle noch an einem Tisch saßen. Und jetzt also Barack Obama. Ich bin mir gar nicht mal sicher, ob die Berliner nicht auch zu Frau Clinton gelaufen wären. Denn im Grunde mag es vielen offenbar egal sein, welcher Demokrat denn am Ende zur Wahl antritt. Vermutlich hätte es sogar ein Republikaner sein können, jetzt nicht unbedingt Schwarzenegger, aber halt so einer aus dem linken Flügel der Partei. Hauptsache einer, der zeigt, dass der große Bruder von seinem Trip der letzten Jahren runter ist. Hauptsache, dass einer kommt, und die Fehler eingesteht. Hauptsache, man kann die aufgesparte Zuneigung wieder ein Stück rauslassen.

Ich glaube, dass deswegen 200.000 Menschen gestern da waren. Weil man hofft, dass mit einem Präsidenten Obama jemand kommt, der Schluss macht mit dem Gebrüll der letzten Jahre, der die Dinge beendet, Guantanomo auflöst, dem Irak eine Zukunft gibt, die völlig durchgeknallten Finanzmärkte an die Kandarre nimmt und wenn er grad dabei ist vielleicht Homeland Security mit dazu. Einer, wie Bill Clinton und Al Gore, die vermeintlich für das Amerika stehen, das man so gerne hätte. Weltoffen, halbwegs friedlich, diplomatisch, gastfreundlich, hoffnungsvoll. Mir kommt es fast vor, als würden die Deutschen darauf warten, dass Obama zum Präsidenten gewählt wird um endlich aufatmen zu können, weil der große Bruder zur Familie heimgekehrt ist und man den ärgerlichen Liebesentzug beenden kann.

Wenn man sich da mal nicht täuscht.

Ich hab so ein bisschen die Befürchtung, dass man von Barack Obama ein wenig zu viel erwartet. Das sich McCain und Obama in vielen Dingen (Gleichgeschlechtliche Ehen, Todesstrafe, Budgetkürzungen etc.) erstaunlich ähnlich sind (man will da nichts bis wenig ändern) wird ebenso erstaunlich oft und gerne übersehen. Vielleicht ist das so, weil McCain für das alte, hässliche Amerika steht. Das mit dem Vietnamkrieg, dem wirtschaftlichen Niedergang der 80er Jahre, der Bush Familie, während Obama eher das Amerika der 90er Jahre repräsentiert. Weil McCain scheinbar die Politik repräsentiert, gegen die man in den 80er und den letzten Jahre auf die Strasse gegangen ist, während Obama die Verfehlungen der letzten 30 Jahre nicht anhaften und er ins 21. Jahrhundert schaut. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Hoffnung auf all die Dinge am Ende halt nur auf den Aussagen beruht, die man halt so macht, wenn man im Wahlkampf ist. Und selbst wenn er alles so meint, wie er es sagt: Obama ist noch lange nicht gewählt. Vermutlich hat er sich heute gefragt, warum man nach dem Krieg die Deutschen nicht einfach eingemeindet hat, damit die auch wählen können, denn in den USA hat er noch keine 200.000 Leute zusammen bekommen, die seine Rede hören wollten.

Denn während Obama durch die Weltgeschichte gondelt, macht McCain in den USA ganz unten Wahlkampf. Er geht von Haus zu Haus, in Kneipen und Restaurants. Dafür mögen sich die Medien nicht interessieren, die Wähler in den USA aber schon. In den Umfragen sieht es zwischen beiden mehr als eng aus und der richtige, der schmutzige Wahlkampf hat noch nicht mal begonnen.

Wer sich für die Unterschiede zwischen McCain und Barack Obama interesiert, hier ein paar Links. Man wird viel lesen müssen.

Wikipedia en.wikipedia.org (Obama) en.wikipedia.org (McCain)

ontheissues.org (Seite nicht mehr ganz taufrisch)

obama-mccain.info (Keine Ahnung, wer dahinter steckt. Whois sagt es ist ein Privatmensch, aber man weiß ja nie, wofür der nun wieder steht. Ist aber die einzige Seite die ich gefunden habe, auf der die Argumente direkt gegenüber stehen)

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