Montag, 21. November 2005

Das ist auch so einer, bei dem ich nie weiß, ob er mich völlig wahnsinnig macht, oder ob man ihn für seine Recherchearbeit loben soll. Wahrscheinlich erwartet der das, denn er sieht am Ende seiner Sendungen immer so in die Kamera, als habe er gerade eine große Fleißarbeit vollbracht für welche es das ganz große Lob zu geben hat.

Die Rede ist von Prof. Dr. Guido Knopp, der Mann, der uns via ZDF in den letzten Jahren Serien wie "Hitlers Helfer", "Hitlers Generäle", "Hitlers Frauen" oder ""Hitlers Badewasser", "Hitlers Hunde" "Hitlers Kinder" gebracht hat. Rein vom historischen Standpunkt ist dem Mann selten was vorzuwerfen. Natürlich verkürzt er, aber Fernsehen kann nun mal kein Studium ersetzen, und verglichen mit dem, was Stefan "Ich wäre so gern bei der RAF gewesen, musste aber gerade auf die Kinder von Ulrike Meinhoff aufpassen" Aust bei Spiegel TV manchmal los lässt, sind die Knoppschen Verfilmungen geradezu pures Gold. Es ist sowieso schon erstaunlich genug, dass das ZDF für solche, teilweise höchst aufwendig produzierten Serien Geld ausgibt und sie zudem auch nicht im Nachtprogramm versteckt. Dem Vorwurf, er würde sich mit seinen "Hitlers sonst was" Serien ein wenig sehr einseitig bewegen, sei entgegnet, dass das 3. Reich eben heutzutage vor allem eins macht: Quote. Und ohne die geht nun mal nichts. Zudem ist die Quellenlage recht gut, was man bei anderen Themen nicht behaupten kann. Es leben (noch) viele Zeitzeugen, die sich zu dem Thema auch freimütig äußern können und es werden immer mehr Akten aus der Geheimhaltung freigegeben. Das Sammeln dieser Aussagen ist sicher ein großes Verdienst des Recherche Teams.

Was mich an seinen Dokus immer wieder stört, ist die Sicht des Historikers von oben herab. Ein unter Historikern verbreitetes Phänomen. Man verlässt sich auf die gut dokumentierten und in Film festgehaltenen Aussagen der Führungselite, was die politische Anatomie eines Staates sicher gut darstellt, aber nicht deren Arbeitsweise. Und schon gar nicht festgehalten wird das Lebensgefühl der Bevölkerung. Was Oma Maria so dachte, oder Hans Müller, wenn er in seiner Bäckerei keine Juden mehr bedienen durfte. Da musste erst Walter Kempowski kommen, der mit seiner sehr lesenwerten "Echolot" Buchreihe Tagebucheinträge aus allen Bevölkerungsschichten zusammengetragen hat. Das zu lesen ist spannender und bietet mehr Einblick, als alle Knoopschen Dokumentationen zusammen.

Ärgerlich wird es, wenn Prof. Knopp hingeht, und olle Kamellen als seine Rechercheleistung hinstellt. So geschehen gestern, in seiner Sendung "History" in der er auf den U-Boot Zwischenfälle im kalten Krieg einging. Unter anderem auf den Untergang des sowjetischen U-Boots K-129, das 1974 vor Hawaii sank. Die US Regierung entwickelte einen Plan, der laut Knopp bis heute superstreng geheim ist.

Sagen wir mal so, der Plan ist heute so geheim, dass es sogar einen deutschen Wikipedia Eintrag dazu gibt. Und seit 1978 gibt es ein Buch zu der Sache. Die Schlussfolgerung des ZDF Teams, die CIA könne evtl. gelogen haben, als sie sagten, man habe das ganze Boot nicht heben können, ist dann auch nicht mehr sensationell, dafür aber extrem ärgerlich.

Aber genau mit solchen "Sensation" wartet die Sendung "History" ebenso auf, wie die "Hitler" Serie. Irgendwann kann man einfach nicht mehr erkennen, was eigentlich die eigene Rechercheleistung ausmacht, und was schlicht und ergreifend allgemeine Wissenslage ist, die da vermittelt wird. Also schwanke ich immer, wenn ich den Knopp im Dreireiher mit diesem freundlichen Lehrerton erblicke. Ob ich mich ärgern soll, oder Mann dafür dankbar sein muss, dass er es immerhin schafft, Geschichte zu vermitteln, ohne die Leute zum einschlafen zu bringen.

P.S.: Zur Serie "Hitlers Kinder" hatte ich mit dem Mann mal ein Interview gemacht. Wurde nie gedruckt, weil die Redaktionen meinten, der Mann sei schon langweilig genug, dass müsse man nicht auch noch zeigen. Fand ich im persönlichen Gespräch mit ihm überhaupt nicht. Ein sehr engagierter, freundlicher Mensch, mit dem dringenden Anliegen, Geschichte unters Volk zu bringen, auf dass es nicht verblöde. Interview in den Kommentaren.

Permalink

 


Donnerstag, 17. November 2005

Wilmersdorf. Irgendwo da mittendrin. Ich komme an einer kleinen Schule vorbei, offenbar eine Sonderschule, wie ich gleich lerne, denn aus der Schule strömen ein paar Trisomie 21 Kinder vorbei, die mich mit ihrem seligen Lachen in den kleinen Gesichtern sofort und immer tief berühren. Alles strömt auf ein halbes Dutzend Kleinbusse des Malterhilfsdienst zu, deren Fahrer versuchen, die aufgedrehte Kinderschar einzufangen und vor allem zu sortieren, was nicht ganz leicht zu sein scheint. Um einen Überblick zu bekommen, rufen einzelne Fahrer die Namen der Fahrgäste, was zu weiteren Verwirrungen führt, da es mehrere Stefanie, Marco und Thorsten zu geben scheint. Während die Fahrer hinter der Kindermeute her hetzen, die schwieriger zu bändigen scheint, als ein Rudel junger Hunde, wächst in mir Verdacht, dass die Kinder den ganzen Aufruhr mit purer Absicht und Spaß an Freud veranstalten. Das schelmische Grinsen einiger spricht da Bände.

Irgendwann hat zumindest ein Fahrer seine Ladung zusammen und in den Kleinbus bekommen, ist aber noch nicht los gefahren, da er seinen Kollegen noch beim Sortieren hilft. Immer noch geht es draußen zu wie auf einem indischen Bahnhof zur Rushhour. Als ich am Bus vorbei gehe, spricht mich ein Mädchen an:

Mädchen: "Kommst Du mit?" Ich: "Ne, ich darf nicht mitfahren, ich geh doch nicht mehr in der Schule" Mädchen: "Aber Jens [damit muss der Fahrer des Kleinbusses sein], kommt doch auch immer mit." Ich: Ja, der fährt Euch ja auch nach Hause. Mädchen: "Fahr Du uns doch mal." Ich: "Ne, ich darf nicht so ein Auto fahren. Das darf nur Jens." Mädchen: "..."

Dann mischt sich ein Junge ein, dem offensichtlich beide Arme fehlen: Junge: "Der soll auch nicht fahren. Jens soll fahren" Mädchen: "Warum denn, der ist doch nett" Junge: "Aber der hat doch gesagt, das er nicht darf." Mädchen: "Aber der ist nett" Junge: "Ne, der ist blöd"

Weitere Insassen des Busses mischen sich ein. Es wird kurz diskutiert, ob ich a) doof sei, b) fahren kann, c) überhaupt weiß, wo alle wohnen. Der Junge bleibt standhaft und behauptet weiter, ich wäre doof. Andere behaupten zu meiner Beruhigung das Gegenteil. Dann wird es plötzlich ruhig und der Junge sagt noch mal leise, dass er mich doof finden würde, worauf ihm das Mädchen antwortet: "Na und, und Du hast keine Arme." Stille. Lautes Gelächter und innerhalb von fünf Sekunden verfällt der gesamte Bus sehr fröhlich lachend in ein "Stefan hat keine Aaaaarme, Stefan hat keine Aaaaarme" Gesang. Stefan singt am lautesten, während das Mädchen mich mit einem begeisterten "Du auch!" zum mitsingen auffordert. Der Fahrer Jens rettet mich rechtzeitig, bevor die Wilmersdorfer Bevölkerung die Polizei ruft, weil da ein Mann mit grauen Haaren auf dem Bürgersteig vor einem Bus voller behinderter Kinder steht und "Stefan hat keine Aaaaarme" singt.

Permalink

 


Dienstag, 15. November 2005

TOKIO HOTEL heisst jetzt:
BRIGADE SCHANTAL KONOPASCHKE!

schantal

Die Abt. Ritus und Erholung der Brigade Schantal Konopaschke (Ex-Tokio Hotel), bestehend aus den Brigadisten LACHMANN, FRANK (argh.de), DAHLMANN, DON, LEWIS, PARKA (gespraechsfetzen.de) und BJERG, BOV (bov.antville.org) gibt bekannt, dass am Jahresende wieder die nun bereits zum zweiten Male stattfindende und also mit Fug als schon fast beinah so gut wie traditionell zu bezeichnende Brigadenjahresendfeier einschl. Kulturprogramm stattfinden wird (anschl. gesell. Beisammensein).

Es wird ein Unkostenbeitrag in Höhe von Euro 3.- erhoben. JEDER IST WILLKOMMEN!

Dienstag, 20. Dezember, 21 Uhr.

Wer ist wer?

Don Dahlmann (21) gilt als der Hüftschwung der Brigade Schantal Konopaschke. Der weitgehend karnophage Starblogger empfing seinerzeit den Segen David Bowies. Sein Weblog: don.antville.org - Irgendwas ist ja immer

Parka Lewis (22) treibt Sport unter Kunstpalmen. Als ausgebildeter Synapsen-Entgrater setzt er sich dafür ein, den Dialog der Kulturen langfristig an den Zielen der Brigade auszurichten. Sein Weblog: gespraechsfetzen.de - Widerspruch in Auflösung

Bov Bjerg (23) bietet entlang der Wertschöpfungskette ein vollständiges Spektrum an Leistungen. Der begeisterte Narkoleptiker befindet sich im kalten Witzelsucht-Entzug. Sein Weblog: bov.antville.org - Eier Erbsen Schleim & Zeug

Frank Lachmann (19) kann seit kurzem

  1. nach der Party einfach nach Hause laufen. Er sammelt
  2. Treueherzen für Punks (7teiliges Bratpfannen-Set!). Er hat
  3. schon seit langem einen 3.1 Hang zu 3.2 Auflistungen. Sein Weblog: argh.de - Angewandtes Saisongemüse

Permalink

 


Hurra! Endlich kann ich nicht nur all meine Suchergebnisse, Mails, Messanger Gespräche und meine Urlaubsplanung dank Satellitenfotos mit Google abwicklen. Nein! Jetzt wird auch noch jeder Besucher mit Google Analytics bis auf die Knochen durch gescannt.

Erwähnte ich schon mal, dass mich Google so langsam an die "Tyrell Corporation" aus "Blade Runner" erinnert?

Permalink

 


Montag, 14. November 2005

Im Kaolitionsvertrag zwichen CDU und SPD ist auch ein neues Urhebergesetz/Raubkopiergesetz aufgeführt, dass dann so aussehen soll:

  • Rootkits, wie das von SonyBMG, die das CD/DVD Laufwerk überwachen, die darüber hinaus eingreifen, wenn man eine Kopie erstellen will und sich nicht mehr vom Rechner entfernen lassen, werden legal
  • Sorgt der Käufer einer CD/DVD nicht dafür, dass sich die Software des Rootkits regelmäßig updaten kann, verliert er das Recht, die Musik auf seinem Rechner anhören zu dürfen.
  • Sollte ein Rootkit oder andere Kopierschutzmassnahme den Rechner beschädigen, ist der Hersteller und Vertreiber CD dafür nicht verantwortlich zu machen
  • Wenn man mit einem Laptop das Land verlässt, muss man vorher die gesamte mp3 Sammlung löschen.
  • Sollte bei einem Einbruch, Feuer oder anderen Dingen die original CD verloren gehen, muss man sofort alle mp3s auf seinem Rechner löschen, da man nicht mehr nachweisen kann, dass man die original CD ordnungsgemäß erworben hat.
  • Wenn man pleite ist, oder persönliche Insolvenz anmelden muss, muss man sofort sänmtliche mp3s von seinem Rechner löschen, damit man nicht in Versuchung kommt, diese zu verkaufen

Ein kleiner Spaß. Ist gar nicht im Koalitionsvertrag. Ist nur eine Idee von SonyBMG, die angeblich Aussagen dieser Art in der Eula (Urheberschutz/Nutzungsvertrag) der CD/DVD stehen hatten, die mit dem bekannten Rootkit ausgelifert wurde. Beides, sowohl diese Eula als auch das Rootkit, sollen mittlerweile zurückgezogen worden sein.

Es bleibt allerdings der etwas bittere Nachgeschmack, dass man seitens der Musikindustrie tatsächlich immer noch glaubt, dass sich man mittles stärker angezogenen Daumenschrauben den Kunden schon zurecht erziehen könne. Und das der Kunde alles mitmacht.

Insgesamt gesehen sind das natürlich alles schon sehr schöne Ideen, wenn auch etwas unausgegoren. Ich habe da noch ein paar Tipps für die Musikbranche:

  • Die CD/DVD bleibt immer Eigentum des Herstellers/Vertreibers
  • Pirvatkopien sind nicht erlaubt. Man kann die Rechte an digitalen Kopien, die mit einem Überwachungsprogramm ausgestattet sind, das jedwege Vervielfältigung unterbindet, jedoch gegen ein Zusatzentgeld online beim Hersteller/Vertreiber erwerben
  • Gehen die Daten durch einen Festplattencrash oder ähnliches verloren, hat man kein Recht, die Daten erneut ohne Entgeld zu erhalten
  • Der Nutzer muss beim Einlegen der CD ein Formular mit seinen Daten, seiner Personalausweisnummer und seiner Sozialversicherungsnummer ausfüllen an de Hersteller/Vertreiber abschicken.
  • Verfügt der Rechner nicht über einen Onlinezugang, kann die CD/DVD nicht abgespielt werden, da die erforderlichen Datenn nicht übermittelt werden können
  • Der Hersteller/Vertreiber kann mit den Daten machen was er will

Link zur Eula via dem Ix sein Linkdump

Permalink

 


Nächste Seite