Dienstag, 20. Mai 2003

Der Sinn des Lebens

Die Menschen werden geboren, laufen hin und her, dann sterben sie.

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Montag, 19. Mai 2003

Wie man im Sommer eine Dame zu sich nach Hause zwingen kann

Wenn man des Sommers im Park eine Dame kennen lernt, bzw. mit einer, einem zwar schon einigermaßen, aber noch nicht soooo gut bekannten Dame dort rum läuft, ist das natürlich doppelt fein. Doch was macht man, wenn man nach etlichen Stunden gegeseitigen Imponiergehabes Hunger bekommt? Man könnte natürlich in ein Restaurant gehen, aber das ist ja nicht Sinn der Sache. Man hat ja nicht Stundenlang im Park rum gehangen und der Dame die Mücken aus den Haaren gestrichen, nur damit man in einem Restaurant von einem gelangweilten, genervten und/oder schleimigen Kellner bedient zu werden. Lieber der Dame folgende Menüfolge ins Ohr säuseln, schnell nach Hause, kochen, servieren und sich loben lassen.

Vorspeise: Ziegenkäse mit einer Melisse/Thymian/Honig Marinande auf Ruccola

Frische Zitronenmelisse (Auf jeden Fall frisch!) Frischer Thymian Flüssiger Honig 2-4 Ziegenfrischkäsetaler (Picandou - an der Käsetheke erfragen) Pinienkerne 1 Limette Pfeffer aus der Mühle Olivenöl Ruccola

Dame am Tisch/Balkon hinsetzten und gute Musik auflegen (Zum Beispiel Carl Tjader - Ultimate Carl Tjader) Als allerersten schlachten wir die liebevoll aufgezogene Zitronenmelisse. Wir zupfen unter dem Eindruck schmutziger Gedanken dem Gestrüpp ungefähr eine ½ Handvoll Blätter ab. Genauso verfahren wir auch mit dem Thymian. Dann wetzen wir das Messer und zerkleinern das Grünzeug in feine Schnipsel. Von einer jungfräulichen Limone schaben wir etwas Rinde ab. Alles in eine kleine Schale, ein Schuss Olivenöl hinzu. Dann fügt man den flüsigen Honig hinzu. Hier muss man abschmecken, wie süss man es haben will. Kurz ziehen lassen. Währenddessen die Pinienkerne sanft in ein wenig Butter anrösten und leicht salzen. Mit dem Ruccola belegt man kleine Teller, so daß man eine Art Bett heraus bekommt. Auf den Ruccola legt man die Ziegenkäsetaler. Auf die Ziegenkäsetaler verteilt man reichlich von der Marinade. Und darüber die noch warmen Pinienkerne streuen.

Die Hauptspeise Pasta a la Limone

Pastamenge nach Gusto Ein Töpfchen Sahne Frische Blattpetersilie Ein EL Creme Fraiche Pfeffer aus der Mühle 1 oder 2 Zitronen (je nach Dicke und Säuregehalt)

Nach der Vorspeise sollte man eine kleine Pause einlegen, denn das folgende Hauptgericht geht rasend schnell. Neue Musik einlegen (Zum Beispiel Elvis Costello und Burt Bacharach - Painted for Memory). Pasta aufsetzen. Am besten Penne, oder Orecchiette, die nehmen die eher flüssige Sosse besser auf. In einen kleinem Topf Sahne langsam erwärmen (NICHT kochen!) Zitronensaft langsam und unter steten rühren reinpressen (immer mal wieder abschmecken, da jede Zitrone anders sauer ist!). Blattpetersilie klein schneiden und 3/4 des Zeug reinwerfen. Den Klecks Creme Fraiche rein. Frischer Pfeffer aus der Mühle. Immer vorsichtig und langsam umrühren, sonst wird Schlagsahne draus. Wenn Pasta fertig, abtropfen lassen, in den Topf, Sosse drüber, verrühren, den Rest der Petersilie drauf damit es schön aussieht.

Nachspeise Joghurt-Eis mit einer Orangen Campari Sauce

1-2 Orangen 1 EL Zucker 1- ½ Zimtstange 3 EL Campari Joghurt Eis (am besten Vanille oder Blutorange)

Einen großen Teil des Rezeptes kann man fertig machen, während man die Hauptspeise zubereitet. Das spart am Ende Zeit. Ein wenig von der Orangenschale abschaben. Orangen halbieren und pro Nase ungefähr zwei bis drei Filets rausschneiden. Den Rest der Orange auspressen. Den Saft, die Filets, den Zucker in einem kleinen Topf vorsichtig erwärmen. Zimtstange reinpeffern. Kurz warm halten aber nicht kochen. dann den Campari untermengen. Zimtstange rausholen. Das Eis portionieren, die Sauce drüber und mit der abgeschabten Orangenschale garnieren.

Getränke Ja, über die müssen wir reden. Denn wir haben ja Sommer und da kann man nicht einfach den Brunello aus dem letzten Jahr zum Essen servieren, weil die Dame sonst noch vom Balkon fällt, was ja kontraproduktiv ist.

Als Apéritif empfiehlt sich im Sommer was leichtes. Ein trockener Sherry, ein Pernod-Soda oder ein Campari-Soda leiten das Menü ganz gut ein.

Zur Vorspeise/Hauptgang nimmt man am besten einen fruchtigen Weißwein. Ich bevorzuge deutsche Weine, möglichst aus dem Rheingau, die nicht allzu viel Säure haben. Auch gut ist ein französischer Rosé. Ja, Rosé. Ich weiß, dass ich das geschrieben habe. Und, nein: Rosé ist kein Verschnitt von Rotwein und Weißwein, denn das ist in Deutschland bzw. in der gesamten EU verboten. Auch Most aus Rotweintrauben und Most aus Weißweintrauben darf nicht verschnitten werden. Gute Rosé sind sehr selten geworden. Erstaunlich gut sind einige Italiener, allerdings sind die auch sehr teuer. Wirklich empfehlenswert sind und bleiben die französischen Rosé, die aus einer Spielart der Chardonney-Traube gewonnen werden.

Als Digestif nimmt man entweder einen Mampe Halb und Halb (Deutscher Bitterorangenlikör, im Geschmack ähnlich wie Ramazotti, paßt hervorragend zur Nachspeise), einen Averna mit einem Schuss Zitrone, einen fraz. Calvados oder einen kräftigen Brandy (z.B. 103er)

Mittlerweile sollte es langsam dunkel geworden sein. Das Geschirr steht unabgewaschen in der Küche, im Hintergrund läuft die "Best of Burt Bacharach" und zwei zufriedene Augenpaare treffen sich.

Dank an Le Maitre Uffelmann für den Ziegenkäse

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Sonntag, 18. Mai 2003

Dinge, die ich nicht verstehe, Teil 1589

  • Warum sich Menschen Softpornos anschauen

  • Warum Menschen sich als Anrufer in einer Fernsehsendung casten lassen um ihre Lebensumstände zu erzählen, aber in der Sendung mit einem anderen Namen Namen angesprochen werden wollen, weil die Nachbarn es nicht mitbekommen dürfen.

  • Warum Menschen sich nackt im Internet abbilden lassen, aber einen winzigen schwarzen Balken über die Augen legen.

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Samstag, 17. Mai 2003

Visionen

Wenn man mit dem Fahrrad durch eine längere Zeit durchs Parks fährt, kann man auf komische Ideen kommen. Heute hatte ich mitten im Volkspark Rehberge die Vision eines Whoppers von Burger King vor meinem Geschmacksknospen. Das trieb mich dazu an a) etwas schneller zu fahren und b) mein dürres Konto zu ignorieren. Als ich eine halbe Stunde später den Burger King am Leopoldplatz betrat hatte ich eigntlich schon keine Lust mehr auf einen Whopper. Aber da ich gerade dabei bin stringente Handlungsabläufe in mein Leben zu ignorieren integrieren, beschloss ich das jetzt durch zu ziehen. "Don," sage ich zu mir, "du bist jetzt 36, jetzt musst du auch mal lernen Dinge bis zum Ende zu machen." Das die blöde Kuh mir zu den King Nuggets Ketchub statt der Barbequesoße gab, konnte meine Disziplin nicht weiter erschüttern. Als ich den ersten Bissen in den Whopper rammte brach allerdings alles in mir zusammen und ich wurde sehr, sehr wütend. Am liebsten wäre ich wieder reingangen, und hätte der blöden Kuh den Burger mit einer gleichzeitigen, heftigen Drehung des Handgelenkes ins Gesicht geschmiert und "Blöde Kuh" gebrüllt. Sie hatten den Käse vergessen und mich so um meine Vision betrogen. Immer das gleiche mit den Scheiß-Visionen.

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Mittwoch, 14. Mai 2003

Es war immer dasselbe. Jedes zweite oder dritte Wochenende. Schon am Wochenende vorher war mein Vater in der Garage verschwunden. Und je näher das eine Wochenende kam, desto mehr wurde rumgeschraubt und Benzinzusätze angeschleppt. Damals gab es noch jede Menge Benzinzusätze. Ungefähr so viele, wie es Potenzmittelwerbung in Jerry Cotton Heftchen gab, und textlich gesehen versprachen auch beide in etwa dasselbe. Man erkannte angeblich gutfuntionierende Benzinzusätze am Geruch. Je weniger Benzingeruch, bzw. je mehr Benzinzusatzgeruch, aus dem Flammrohr rauskam, desto besser wirkte der Zusatz. Mindestens 3PS, raunten sich die Fahrer gerne zu. Ich habe soviele Abgase im Fahrerlager des Nürburgrings eingeatmet, dass ich wohl bis heute blind jeden Benzinzusatz erriechen kann.

Immer wenn mein Vater anfing den Zusatz ins Benzin zu schütten, war es Donnerstag. Dann war der Wagen fertig geschraubt, wurde auf den Hänger gefahren und am nächsten Tag fuhren wir alle zusammen zum "Ring". Mein Vater war praktischerweise mit den Verantwortlichen gut bekannt, und bekam so immer die Garage mit der Nummer 21. Es ging um die Nordschleife. 27,5 km bessere Landstrasse mit null Auslaufzone. Hobby- und Profirennfahrer gemischt. Und jedes Wochenende flog mindestens einer ab. Das erkannte man immer daran, dass die Rennleitung über Lautsprecher sagte: "Bitte jemand von der Boxencrew der Startnummer 123 zur Rennleitung". Da zog man kurz scharf Luft zwischen den Zähnen ein und hoffte das der Unfall an einem nicht allzu schnellen Streckenteil passiert ist. Wenn man "Fuchsröhre", "Bergwerk" oder "Schwedenkreuz" hörte, wurden die Sorgenfalten tiefer. Bei "Hatzenbach", "Adenauer Forst" oder "Brünnchen" konnte man erleichert aufatmen. Aber gestorben ist selten einer, denn das waren ja Hobbyfahrer, die hatten mehr Angst um das teure Auto, und sind deswegen selten über das Limit. Mein Vater sagte mir mal, rund eine Woche bevor er seinen Opel Ascona B Höhe Pflanzgarten völlig zerlegte und zwei Tage im Krankenhaus lag:"Der Ring ist nur für den gefährlich, der kein Respekt vor seinem Auto hat."

Für einen kleinen Jungen wie ich es damals war, bedeuteten Rennwochenenden immer ein Spektakel. Jede Menge Autos, der Geruch von Benzin, Abgasen. Der ohrenbetäubende Lärm eines Achtzyinders dessen Grollen so tief war, dass man Schläge in die Magengrube bekam. Außerdem ist es als neunjähriger unglaublich Selbstbewußtseinbildend, wenn man mit dem Aufkleber "Boxengasse" auf der Jacke rumlaufen kann, die einem von den anderen neunjährigen Jungs unterscheidet, deren Väter keine Rennfahrer waren. Auch in der Schule machte sich eine locker dahin geworfene Bemerkung über diesen oder jenen Rennfahrer immer gut. Mit anderen Worten: Nach einem Rennwochenende war ich zwei Tage lang ein arroganter Kotzbrocken.

Das größte für einen Auto- und Rennbegeisterten Jungen war natürlich die Formel Eins. Ich kannte alle Teams, alle Fahrer, alle Motoren. Aber ich war vorher noch nie bei einem Rennen gewesen. Das sollte sich ändern, als mein Vater über dubiose Quellen schon damals nicht eben billige Karten ergatterte. Inkl. Fahrerlager. Das Fahrerlager war damals nicht so abgeschottet wie heute. Die Autos standen unter Zelten, die Mechaniker schraubten rum und man konnte sich daneben stellen und Fragen stellen. Die Luft war voller Gerüche. Scharfes Benzin, dumpfes Öl, ein wenig Bratwurstgeruch wehte von der Strecke rüber. Menschen wuselten hin und her und die Fahrer liefen mit lässig runtergekrempelten Overalls um ihre Autos herum. Man hörte tausend Sprachen, klirrendes Werkzeug, plärrende Radios und dann wurde kurz ein Motor angelassen, und dann zitterte der Asphaltboden, und schon an der Lautstärke wurde klar: Mit diesen Maschinen ist nicht gut Kirschen essen.

An der Hand meines Vaters lief durch dieses Fahrerlager und sah die, die ich bisher nur aus den Quartettspielen kannte. Carlos Reutemann. James Hunt. Mario Andretti. Emerson Fittipaldi. Ich war ein sehr kleiner glücklicher Junge, als mir Hans Joachim Stuck einen "March" Aufkleber schenkte. Unser Rundgang war fast beendet, als wir an die Garage meines Vaters kamen. Die Garage mit dem kürzestem Weg zur Strecke. Da waren die Weltmeister drin. Ferrari. Und vor der Garage hockte Niki Lauda neben seinem Auto, das bar jeder Verkleidung war und sprach mit seinen Technikern. Der Wagen sah aus der Nähe völlig anders aus, als auf den Bildern in der Autozeitungen oder Quartetts. Ein geducktes Metallmonster, vorne was Aluminium, eine Sitzschale in der Mitte, gefolgt von einem 200 Liter Tank, hinten 600 PS dran. Unglaublich filigran, zerbrechlich, furchterrregend.

Ehrlich gesagt hatte Lauda das Aussehen eines Hasen und nach all den großartigen Menschen die vorher schon gesehen hatte, kam er mir klein, verkniffen und unsympathisch vor. Das war etwas enttäuschend, denn Niki Lauda war als Weltmeister in meinem Quartett sowas wie die unschlagbare Karte mit Joker. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir minutenlang neben Niki Lauda standen, ihm zusahen, wie er mit dem Techniker sprach, wie sie an irgendwelchen Aufhängungsteilen rumzerrten und Kabel am riesigen 12 Zylinder zur Seite schoben. Irgendwann schaute er uns an, grinste schief, stand auf und mein Vater stellte ein paar technische Fragen, die mich nicht interessierten. Aufhängung. Reifen, Einspritzung. Langweilig. Ich wollte wissen wie schnell das Auto war, immerhin war doch das Vorgängermodell mit 340 km/h in meinem Quartett angegeben. Aber Lauda meinte nur, dass das auf die Getriebeübersetzung ankommen würde. Toll. "Ich weiß nicht" wußte ich auch vorher.

Am Renntag waren wir nicht bei Start und Ziel. Wir hatten zwar Karten dafür, aber mein Vater meinte, dass sei langweilig da, da würden die Wagen so schnell sein, dass man sie kaum sehen könne. Also taten wir das, was hundertausend andere Rennfans an dem Tag auch machten. Wir latschten kilometerweit durchs Gelände, bis wir endlich am Streckenabschnitt Mühlenbach angekommen waren. Da stand man direkt an der Strecke auf einer Böschung und schaute aus drei Meter Höhe ins Cockpit und sah den Fahrern bei der Arbeit zu. Jedenfalls für drei Sekunden. Man hatte allerdings auch einen großartigen Blick auf weitere Teile der Strecke. Das Rennen lief schlecht für Niki Lauda. Er fuhr irgendwo weit hinten, vielleicht fünfter oder so, auf jeden Fall heizte ihm James Hunt, der in Führung lag, deutlich ein. Ich weiß dann noch, wie man plötzlich, nicht weit entfernt, eine Rauchsäule sah. Man sah sie sehr lange und der Rauch war sehr schwarz. "Da hat einen erwischt", murmelten die Fans, und ich dachte: "Hoffentlich ist es der blöde James Hunt." Nach den ersten aufgeregten Minuten, in dem man spekulierte wer das nun gewesen sein könnte, wurde es ruhig, und alle starrten einfach nur noch auf die große, sehr dunkle Wolke, die fast kerzengerade in der Luft stand und sich kaum zu bewegen schien. Dann kam die Durchsage über Streckenlautsprecher, dass es Niki Laudas Wagen war, der in Flammen aufgegangen sei. Man wisse nicht, ob er noch leben würde. Wir sind dann nach Hause gefahren, meine Mutter wollte meinem Vater das Rennfahren verbieten, aber der meinte immer nur "Quatsch." Was könne er dafür, dass sich der Lauda nicht auf dem Ring auskennen würde. Die würden ja schließlich nur einmal im Jahr da fahren, er immer, und ausserdem nicht so schnell. Aber da war ich schon auf der Rückbank eingeschlafen.

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