Das grosse Rennen von Belleville
Frankreich, Ende des der 40er Jahre. Champion hat ein Problem. Zum einen seinen Namen, aber das ist zunächst nicht so schlimm. Viel schlimmer ist für das kleine, pummelige Kind, dass es alleine bei seiner Großmutter, Mme. Souza, lebt und sehr, sehr traurig ist, da die Eltern nur noch als schwarz-weiß Bild an der Wand existieren. Da hilft es auch nicht, wenn die Oma ihrem Enkel einen kleinen, tolpatschigen Hund schenkt. Oder eine Eisenbahn. Oder ein altes Klavier entstaubt. Champion bliebt traurig und alleine, bis Mme. Souza die rettenden Idee hat: ein Fahrrad. Von hier bis zu der Teilnahme an der Tour de France 10 Jahre später ist es nicht weit. Doch Champion wird entführt. Aber die Entführer haben nicht mit Mme. Souza, Bruno, dem mittlerweile ebenso fetten wie alten Hund und den Tripletts von Belleville gerechnet.
Der Film ist ganz großes, grandioses Kino. Und das gerade weil er nach alten tradionellen Zeichentechniken gemalt wurde und auf den Einsatz von Computern weitesgehend verzichtet. Der Film ist überzeichnet: die Bösen sind nur tiefschwarze, rechteckige Klötze, Schiffe haben einen Rumpf, der 100mal höher als der Aufbau ist und die Radfahrer bestehen nur aus Waden, Oberschenkeln und einem einem riesigen Adamsapfel. Und obwohl er urkomisch ist, schwebt über dem Film die ganze Zeit eine leichte Melancholie, eine dunkle Traurigkeit, eine latente Verzweiflung, die nur wenig durch den Kampfgeist der Figuren aufgefangen wird. Die Figuren sind unten, sie haben keine Chance auf einen Aufstieg, aber sie lassen sie auch nicht weiter runterdrücken. Wie Bruno, der immer die vorbeifahrenden Züge anbellt. Man braucht ein paar Minuten, um sich in den Zeichnungen und der Stimmung der 50er Jahre wieder zu finden. Aber schnell ist man mittendrin im Geschehen, dass im übrigen fast ohne Dialog auskommt. Mme. Souza und ihr Enkel sprechen jedenfalls nicht. Am Ende bleibt aber eine wundervolle Mischung aus Melancholie und schrägem Humor, aus Stille und Überzeichnung, aus Sieg und Hoffnung. "Das grosse Rennen von Belleville" ist definitiv der schönste Film, den ich bisher dieses Jahr gesehen habe, und es wird schwer, ihm dieses Jahr diesen Titel streitig zu machen.
Wohnungsupdate
Wohnung I:
Das war die, die ich unbedingt haben will/wollte. Nachdem die zuständige Fachverwalterin aus dem Urlaub zurück gekehrt ist, haben wir entspannt telefoniert. Dann hab ich ihr alle Unterlagen noch mal geschickt, weil das erste Fax nicht mehr aufzufinden war. Dann hat sie mir gesagt, dass die Wohnung teurer wird, aber leider wüßte sie nicht wieviel. Dann hab ich eine Woche nix von ihr gehört. Dann hat sie heute auf meine Mailbox gesprochen und will jetzt noch eine Bescheinigung meines Vermieters, dass ich keine Mietschulden habe. Dann hat sie gesagt, dass ich man mich als Mieter favourisieren würde. Dann hab ich ich zurück gerufen und auf ihren Anrufbeantworter gesprochen und gesagt, dass ich sie die Bescheinigung gerne haben könne, mein Vermieter aber ein zwar sehr rüstiger, aber technischen Neuerungen eher abgeneigter Mensch sein, und ich die Bescheinigung schriftlich bei ihm anfordern müße und das es vielleicht leichter sei, wenn sie meinen Vermieter einfach anrufen würde. Aber da hatte die Dame schon Feierabend.
Wohnung II Würde ich vielleicht sogar noch mehr gerne haben wollen, weil sie rund 80 Euro billiger ist, als Wohnung I. Interessanterweise erreicht man bei der Verwaltung zwar immer die Zentrale, aber nie, nie, nie, nie, nie die zuständige Sachbearbeiterin. Die sei da, ich solle es später nochmal probieren. Seit einer Woche probiere ich es dreimal am Tag. Sogar Nachts. Keiner da. Ich bin auch listig, und hab meine Rufnummerübermittlung ausgeschaltet UND rufe von verschiedenen Apperaten aus an, damit sie nicht immer nur eine Nummer auf ihrem Display hat. Vielleicht ist das auch Spiel, und man muß erst hundertmal anrufen, und der, der es zu erst schafft, bekommt einen Antrag auf einen Mietvertrag.
Jedenfalls sehe ich ein Dilemma auch mich zukommen. Wohnung I ist zwar toll, toll, toll, hat aber den Nachteil, dass sie 1.Stock, Hinterhof liegt. Hinterhof ist zwar okay und groß und hell, aber eben Hinterhof, und Wohnung II liegt nach vorne UND nach hinten und ist auch toll, toll, toll und hat zudem mehr Sonne und einen größeren Balkon. Dafür liegt Wohnung I deutlich zentraler und hat eine wundervolle, riesige Wohnküche und auch einen Herd und eine Spüle, was Wohnung II nicht hat. Dafür hat Wohnung II eine große Speisekammer, in der auch die Waschmaschine verschwinden kann, so groß ist die. Dafür ist Wohnung I so geil aufgeteilt, dass man ein Zimmer in schlechten Zeiten locker unvermieten könnte, was ja in diesen schlechten Zeiten und in Anbetracht meines noch nicht erschienenden Millionen Bestsellers nicht doof ist. Das Dilemma wird groß sein, wenn ich nächste Woche die Zusage für Wohnung I bekomme. Vielleicht sollte ich keine von beiden nehmen und einfach noch mal von vorne anfangen.
Und demnächst fange ich so Einträge mit dem Satz: "Liebes Tagebuch..." an.
In den beiden politschen Randblättern der Republik, der "taz" und der "Bild" diskutiert man darüber, ob man "Mein Kampf" nun lesen soll oder nicht. Ich kann dazu sagen: Ich habs während meines Studiums mal teilweise lesen müssen, und es ist langweilig. Das finden SIE, höre ich meinen inneren Friedmann da sagen, während er mich am Arm schüttelt. Ja, antwortet mein innerer Dahlmann und weist darauf hin, dass es das Werk auch als Hörbuch gibt. Von Qualtinger gelesen. Und wenn man sich diese CD mal angehört hat, muss man immer lachen, nicht nur über das Buch, sondern über den Autor, was vielleicht nicht die beste Art und Weise ist mit dem Autor umzugehen, aber auch keine gänzlich falsche.
Was auf den Teller kommt wird gegessen
Je älter ich werde, und je mehr ich koche und damit lerne, mit frischen Produkten umzugehen, desto mehr wundere ich mich, was ich mir in füheren Jahren so an Zeug unbedacht in den Magen geschaufelt habe. Eben sah ich auf "Phoenix" eine Dokumentation über Lebensmittelzusatzstoffe. Da wurde mir nichts so viel neues erzählt, außer der Tatsache, dass es heute teilweise völlig unmöglich ist selbst Grundstoffe der Ernährung zu bekommen, die nicht chemisch angereichert sind. Zum Beispiel Salz. Was soll man an Salz schon falsch machen können, denkt man. Tatsache ist aber, dass es in Deutschland keinen Hersteller gibt, der Salz ohne die sog. "Rieselhilfe" (Aluminiumhydroxid z.B.) herstellt. Gut, kauft man halt Fleur de sel, kann man da sagen, aber erstaunlich ist es schon. Anderes Beispiel: Wenn ein Joghurt 12% Fruchtzubereitung enthält, besagt das nur, dass er 3,5% Fruchtanteil haben muss - bei 150g Erdbeerjoghurt entspricht das etwa einer halben Erdbeere. Der Rest der Fruchtzubereitung besteht aus Zucker und Aromen. (Quelle: Wikipedia) Natürliche Aromen sehen von nahem so aus: Natürliche Aromen werden mit Hilfe physikalischer, enzymatischer oder mikrobiologischer Verfahren oder aus Aromaextrakten der betreffenden Pflanzen gewonnen. Aromen gelten als natürlich, wenn sie aus pflanzlichen oder tierischen Stoffen gewonnen werden. So produziert ein Schimmelpilz, der auf Holzfasern wächst, ein Erdbeeraroma, welches als natürlich benannt werden darf. (Quelle: Wikipedia)
Das Problem ist ja: Wie kann ich dem ganzen Müll entgehen? Da hilft auch nicht immer der Gang zum Bio-Markt. Beispiel Erdbeeren. In den letzten Wochen wurden in vielen Märkten Erdbeeren angeboten. Das ist ja nun schon mal das eine, Erdbeeren im April. Die kamen aus Spanien und Greenpeace warnte eindringlich vor dem Verzehr. (Wobei man bei spanischen Obst und Gemüse überhaupt etwas vorsichtiger sein sollte, wie die Freitag neulich berichtete) . Aber sind Erdbeeren in Deutschland weniger belastet? Jein. Wenn Blattläuse an der Ernte nagen, greifen auch deutsche Biobauern zur Chemiekeule, da gegen die mittlerweile vielfach resitenten Läuse nichts anderes mehr wirkt.
Das frustrierende ist gar nicht mal mehr, dass uns elne Lebensmittelindustrie mit Tütensuppen zum Narren hält, jahrzehntelanges, chemisches Düngen den Boden versaut hat, und eine chemische Industrie schneller als der Gesetzgeber ist. Letztlich entscheidet ja jeder selber, was er so ißt. Wenn man es sich denn leisten kann. Denn frische, hoffentlich saubere Produkte sind sehr teuer. Letzteres fiel mir vor einem Jahr auf, als ich wegen eines säumigen Kunden knapp bei Kasse war und mein Geld mehr als sonst einteilen mußte. Essen, und vor allem gute Zutaten, waren mir immer wichtig, da hab ich ignorant über die Preisschilder hinweg geschaut. Wenn das Konto leer war, wurde halt an anderen Sachen gespart. Aber der Versuch mit wenig Geld den Lebensmittelzusätzen aus dem Weg zu gehen erweis sich als Sisyphos Arbeit. Zumal ich auch nie wußte, was es bedeutet, wenn auf dem Etikett "Lt. Gesetzt ohne Konservierungsstoffe" steht. Letztlich bin ich nach dem Prinzip vorgegangen: Wenn irgendwas auf dem Etikett steht, was ich nicht verstehe und/oder offensichtlich keine natürliche Zutat ist, kauf ich es nicht.
Sicher, man muß auch nicht gleich durchdrehen. Wer als Kind die 70er Jahre überlebt hat, als es Süßigkeiten gab, die merkwürdigerweise genauso schnell vom Markt verschwanden, wie sie aufgetaucht waren, dem kann eigentlich nichts mehr passieren. Da ist die Leber schon gut vorbereitet. Aber bedenklich finde ich diese Sache: Wer Geld hat, kann sich gutes Essen und damit auch eine gute Gesundheit, erlauben, wers nicht hat, muss 99 Cent Burger essen.
Warum man als Bausparer einfach ein blöder Verlierer ist.
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