Mittwoch, 5. Mai 2004

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Malorama hatte einen wundervollen Link zur Retortenstadt Brasilia gefunden. Fantastische Bilder. wußte auch gar nicht, dass die Stadt noch so belebt ist. Hatte mir, warum auch immer, vorgestellt, die Niemayerschen Bauten seinen alle bröcklige Betonhaufen, an denen sich Moos angesetzt hat. Das Design der späten 50ern, frühen 60er mag ich ja sehr. Nicht das ich es wirklich schön finden würde. Schön ist dann doch anders. Aber ist spannnend. Es ist so ungebremst Zukunftsgläubig. Furzen wir halt die Altstädte mit ihren hässlichen, kleinen, schlecht beheizten Wohnungen weg und bauen dafür schöne, neue Betonbauten mit grooooossen Plätzen drumherum und einer U-Bahn, die unter Glas fährt. Alles aus dem Weg, die Zukunft kommt, und 2002 leben viele von uns sowieso auf dem Mond und haben einen Robotor als Haushaltshilfe. Wie man sich Anfag der 60er Jahre auch außerhalb von Braslia die Zukunft der Städte und deren Architektur vorgestellt hat, kann auch schön am Beispiel der Weltausstellung 1964 in New York sehen.

Weitere Links zum Thema: City of tomorrow Electropedia (bißchen runterscrollen bis "Retrofuture")

Wer auch so Links hat, bitte her damit! Ich interessiere mich eigentlich für alles, was so Design- Architekturmäßig aus der Zeit kommt

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Montag, 3. Mai 2004

Oh, Montag! Heute morgen mit der Verwalterin meiner neuen Wohnung gesprochen, und nachgefragt, wann der Mietvertrag kommt. Oh, sagte sie, der Vormieter hat sich doch für jemanden anderen entscheiden, weil die schneller einziehen können. Aha, sage ich, morgens um zehn die Dimension des Ganzen noch nicht völlig begreifend. Ja, sagt sie. Aha, sage ich. Das machen wir ungefähr viermal, bis ich mich zu einem: "Das ist jetzt aber doof" durchringen kann. In dem Moment, wo ich das sage, schieben die kleinen Männchen in meinem Kopf die Einrichtungspläne der letzten Tage beiseite und legen dahinter eine häßliche Tür mit der Aufschrift "Konsequenzen" frei.

Denn: meine Wohnung ist schon vermietet . Ab dem 01.06.04. Und der kleine, freundliche Neapolitaner würde gerne deutlich vor dem 01.06.04 einziehen, wie er mir schnatternd am Telefon berichtet hat, nachdem er den Mietvertrag für meine alte Wohnung unterschrieben hat.

Ich sage zu der Verwalterin: "Das ist aber mehr als sehr doof, DENN ICH HABE LETZTE WOCHE MEINE WOHNUNG VERMIETET, NACHDEM MIR IHR VORMIETER ZUGESAGT HAT, UND SIE MEINTEN ICH SOLLE DAS MIT IHM KLÄREN, SIE WÜRDEN NUR NOCH DEN VERTRAG RAUSSCHICKEN!" Ich sage das ein wenig lauter. Die Verwalterin zuckt durchs Telefon mit der Schulter, sagte aber "Ohje", Ich so: "Allerdings". Sie so: "Tja". Ich so:"Das ist, um es deutlich zu sagen, Scheiße" Sie so: "Tut mir leid."
Ich so:"Haben Sie noch was anderes in der Ecke?" Die Antwort hätte ich mir auch selber geben können.

Ich bin obdachlos! Ich werde nie wieder eine Wohnung bekommen! Nie! In nichtmal vier Wochen werde ich weinend unter einer Brücke schlafen müssen, verzweifelt den Stecker meines PC in der Hand auf der Suche nach einer passenden Dose. Denke ich gerade, während ich sehr, sehr, sehr teure Maklerangebote durchscanne, wo immer 2,32 x NKM/incl.MWSt hinter steht, dafür, dass diese Wegelagerer einem die Tür aufmachen und Sachen wie "Da ist eine sehr exklusive Gegend" sagen. Maklern sollte es verboten werden, Wohnungen und Häuser unter 500qm zu vermieten. Da klingelt mein Handy. Die Verwalterin nochmal: Sie so: "Also, dass ist ja ein Ding" Ich sie: "Wie jetzt?" Sie so: "Da leg ich auf, das Telefon klingelt und dran ist eine Mieterin in der Raumerstrasse, 20 Meter von der anderen Wohnung entfernt, auch 2 Zimmer, blablabla die spätestens zum 1.6. einen Nachmieter sucht. Schauen Sie sich die Wohnung heute Abend an, wenn sie sie wollen, ist es ihre." Ich so: "Ach" und setze gedanklich in Klammern: "Wehe, die ist nix."

Montag, doo!

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Samstag, 1. Mai 2004

Während in anderen Stadtteilen Berlins, die Völker aufeinander schlagen, habe ich mich heute in das wirkliche, echte Grauen begeben. Nicht so läppisches Steine rumwerfen, Autos abfackeln und unschöne Dinge über die Ordnungshüter rufen. Das kann ja jeder. Das ist ja leicht. Das machen die ja schon im Kindergarten, besonders in staatlichen, wo sowas zur Grundbildung gehört. Naaahein...ich war im Wedding unterwegs. Auf dem Müllerstrassenfest. Das Müllerstrassenfest geht so: Man sperrt die vierspurige gleichnamige Strasse, stellt in loser Reihenfolge Losbuden, Bratwurststände und Klamottenbuden auf, nebst einem von der freiwilligen Feuerwehr und dann kommen alle, alle Weddinger und wollen sich auf Teufel komm raus amüsieren. Als gefühlter embedded Journalist im Wedding habe ich meine alte, knarzende Kodak DC 3200 Kamera (1Mp!) herausgeholt, mir ein altes T-Shirt mit einem lustigen Spruch angezogen und folgende Dokumentation unter Einsatz meines Lebens (mußte eine Bratwurst essen) zusammengestellt.

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Donnerstag, 29. April 2004

Achtung - ein Nerd Problem

Das ist ein sehr spezielles Problem, aber vielleicht kennt sich einer damit aus...

Ich hab seit heute ein neues, kleines Spielzeug - eine <a href="www.megatime.de" target=Blank">Casio WQV 10 , die ich bei Ebay für sensationelle 50 Euro geschossen habe. Die Bilder, die die Uhr macht, sollen per mitgelieferten Infrarotadapter auf dem PC kommen, was schon mal gar nicht geht. Aber es gibt auch eine weitere Möglichkeit, nämlich die Bilder per PDA (Palm Software) aus der Uhr zu holen, was hervorragend klappt.

Nur: Wie bekomme ich die Bilder vom PDA auf den PC?

Theoretisch gibt es die Möglichkeit, dass man die Bilder per Irtranp auf den Rechner bekommt. Den passenden IR Adapter hab ich ja. Aber wie erkläre ich dem Adapter, dass er da was holen soll? Interessanterweise merkt XP dank des Adapters schon, dass da ein IR Gerät ist, aber ich kann dann nur Daten zum PDA senden, nicht welche von ihm wegholen.

Komplizierte Welt, dass. Wäre schön, wenn einer weiter wüßte...

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Mittwoch, 28. April 2004

Die erste Frage war "Oh mein Gott, was zieh ich nur an?" Ich meine, ich war ja nicht einfach irgendwo eingeladen, sondern in einer der Schaltzentralen der bundespolitischen Macht: Der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz. Dazu erreichte mich die Einladung auch erst gegen 16.00 Uhr und würde ich eine hysterische Tucke sein, dann wäre ich kreischend zum "Gianni" gelaufen und hätte ihn angefleht, das er mich noch dran nimmt, weil die Haare, so kann man doch nicht unter Leute gehen und Gianni hätte "Tsi Tsi" gesagt, und "maken wia alles gut, trinke erstemale Prosecco auffe Hausse, dann wia sehen was mitti Haare" und ich hätte "Danke, Gianni," gesagt und übermorgen hätte ich meiner besten Freundin erzählt, wie toll Gianni das noch gerettet hat, nur 150 Euro, aber ich schweife ab, denn ich bin ja keine Tucke und meine Haare sind nach einem heftigen Anfall neulich kurz und stehen jetzt in alle Richtungen, so wie in der Loreal Werbung, wenn die jungen Dinger mit dem Gel in den Haaren rumturnen und Klimmzüge machen, nur das meine Haare das mit ohne Gel und einfach so machen, was so schon ein wenig peinlich ist und noch peinlicher wird, wenn die Frage kommt, warum man denn jetzt auch so eine Frisur hat und man sagt, dass das von Natur ist, aber ich schweife ab, denn mir ist ja relativ wenig peinlich. Jedenfalls musste ich mich schnell zwischen zwei gleich sauberen Hosen und zwei gleich sauberen Hemden entscheiden, was ja ganz schön anstrengend ist, ungefähr so anstrengend wie ein tödlicher Männerschnupfen. Männer wissen was ich meine.

Drei Stunden später stehe ich also in einem Monster aus Glas und Beton mit Blick auf den Reichstag und das Brandenburger Tor und bin ein wenig erleichtert, denn die Künstler, deren Werke da ausgestellt werden, sehen natürlich aus, als hätten sie ihre Klamotten, ihre Frauen und ihre Kinder bei Humana gekauft. Meine mutige Kombination, grau-blaues Hemd auf japanische Jeans zu Markenschuhen von Woolworth wird von den wichtigen Honoratioren nicht naserümpfend zur Kenntnis genommen.

Nun muss die Ausstellung eröffnet werden. Das ist immer so, und ich erkläre den Hasen, die nie auf Ausstellungseröffnungen gehen jetzt auch mal gerne warum das so ist: Das ist so, weil da einer was erzählen kann, der vorher 12 Semester BWL studiert hat, im 11. Semester seine Frau auf einer Bumsparty im Keller eines Freundes kennengelernt hat und er sie solala fand, aber wegen des Diplom/Magister/Staatsexamensstress wusste er jetzt auch nicht, was er mit ihr sollte, also war sie halt da, hat Kaffee gebracht und sich mit ihm gefreut, als er bestanden hat und das gleich so dolle, dass sie schwanger war und sich dachte: "Na, als Kulturhistorikerin kann ich ja auch später noch was machen, oder vielleicht auch was mit Sprachen, das wird ja immer gebraucht" und er dachte "Ups - na ja, hoffentlich wird sie nicht dick später" und jetzt ist er Referent in einem Rheinlandpfälzischen Ministerium, wohnt aber Wiesbaden, weil es sich da netter leben lässt, und hat zwei Kinder und wenn er in Woche ab und zu in die Schaltzentrale der Macht nach Berlin fahren kann, dann kann er auch gleich die ansässige Kulturreferentin ficken, was praktisch ist, weil seine Frau wegen der Dauerdiät und der damit verbundenen leichten Neigung zu Depression, die der Hausarzt mit ebenso leichten Anti-Depressiva auffängt, sowieso nichts bemerkt und die etwas blöde Kulturreferentin glaubt ihm, dass er unbedingt nach Berlin will, was natürlich gelogen ist, wegen des Hauses in Wiesbaden und weil er keine Gütertrennung hat. So, ist das. Soll ja keiner sagen können, dass es hier keinen bildungspolitischen Auftrag gibt, der nicht erfüllt wird.

Also einer redet, dann noch eine, auch eine Referentin, diesmal aber für Kunst und sie sagt Sachen wie "Variationen des Formenalphabets" und "imaginäre Farbkompositionen" und "visuelle Haptik". Das muss sie sagen, dafür wird sie bezahlt, auch wenn sich der Text, den sie über die Künstler vorliest anhört wie die Wohnungsbeschreibung eines windigen Maklers. Das die zweijährige Tochter des Malers mit dem Humana Fetisch während der Rede die ganze Zeit halblaut "blblblblblbl" macht, amüsiert aber leider nur mich, aber es kann ja auch nicht jeder in diesem Raum die Metaebenen von Kindersprache durchschauen. Die anderen Menschen sind scheinbar damit beschäftigt der Frau zuzuhören, was ich außerordentlich interessant finde. Aber die tragen auch Krawatten und müssen das wohl tun. Ich kenn mich mit diesen Menschen, die tagtäglich in einer Schaltzentralen der Macht sitzen ja nicht so aus. Im ersten Moment scheinen sie irgendwie anders zu sein, sehr konzentriert. Im Gegensatz zu mir langweilen sie sich nicht und scannen die Dekolletees der anwesenden Damen, was allerdings auch langweilig ist, bis auf eine, aber die scheint an ihrer linken Hand festverwachsen mit einem deutlich älteren Herren mit großem Bauch und wenig Haaren und einer sehr, sehr hässlichen Nase, um den immer andere jüngere Herren stehen, und deswegen ist er wohl einer der Macht hat in der Schaltzentrale der Macht und ich frage mich, ob ich sie fragen soll, ob es nun ordinärer ist mit der Macht zu vögeln oder sie genau danach zu fragen, aber ich habe die leise Vermutung, dass meine Frage in der Gruppe nicht das Amüsement auslösen wird, was ich gerade habe. Am Ende ist es dann auch noch seine Adoptivtochter oder Nichte und dann ständ ich aber ganz schön blöd da.

Die mir fremden Menschen werden etwas normaler, als die Reden vorbei sind und das Buffet eröffnet wird. Dann sind alle wieder Tiere denn bei Schweineschulter auf Wirsing und Gemüse in Salbeibutter geht’s halt los, und wer zu erst mit einem Teller voller Essen wiederkommt, ist eben ein Winner. Komischerweise kommen erst ganz viele Frauen mit vollen Tellern. Ich trinke derweil Rotwein um meinem Image gerecht zu werden. Zwei Stunden später bin ich ein klein wenig angeheitert, aber immer noch ein wenig fassungslos über die Sache auf der Toilette. Die war natürlich auch ganz doll modern und ich bin gut erzogen und das führte fast zu einer Katastrophe, denn ich versuchte den Wasserhahn aufzudrehen, nachdem ich mir schon die Seife auf die Finger geschmiert habe, nur: da war kein Wasserhahn. Also, da war schon ein Hahn mit was dran, aber das ließ sich nicht bewegen. Ich dachte: "Aha, Lichtschranke vielleicht. Oder Annäherungsdeflektor" aber nix da. Ich schwenkte meine Hände, die mit einer Seife getränkt waren, die ein ganzkleines bisschen nach Sperma aussah wie ein blöder hin und her und hoch und runter und mal langsam mal schnell, aber nix passierte. Kein Wasser für mich. Der Hahn starrte mich amüsiert an und ich hasste ihn und seinen Designer sofort. Dann kam noch einer raus und wusch sich hinter mir die Hände. Mit Wasser. Das konnte ich hören. Also warte ich bis er weg war, drehte mich um und starrte wieder auf so einen Designerhahn und nichts passierte. Und dann trat einer neben mich und machte eine listige Handbewegung mit dem Hahn, sagte: "So geht das" und schaute mich dabei an, als sei ich eben aus einem Irrenhaus in Bayern entflohen, wo man sich sowieso nicht wäscht. Ich hab den Hahn gehauen, als er weg war und verfluche hiermit alle Wasserhahndesigner. Alle Zähnen sollen ihnen ausfallen, bis auf einen, und der soll stinken.

Wer einen modernen Wasserhahn aber nicht benutzen kann, der hat auch nichts in der Schaltzentrale der Macht verloren. Allerdings habe ich mir geschworen, dass, sollte ich jemals von Landesvertretung von NRW zum lesen eingeladen werden, genau diesen Text vorlesen werde.

P..S.: Der Rotwein war geil. Dornfelder aus dem Staatsgut. Kann man direkt in der RP Landesvertretung beim Pförtner für 5 Euro die Flasche erwerben. Hicks. Prost.

P.P.S.: Bilder waren auch hübsch

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