Montag, 23. August 2004

"(...) Eine 16-Jährige, die das Erbe der Großmutter in Höhe von 10.000 Euro spart, statt es sofort auszugeben, riskiert, dass ihre arbeitslosen Eltern deshalb weniger Sozialhilfe - Verzeihung: Arbeitslosengeld II - bekommen. Das ist gar nicht gut für den Familienfrieden. Wenn eine 55-Jährige vor 25 Jahren eine Kapitallebensversicherung in der Hoffnung abgeschlossen hat, diese würde ihr als 60-Jährige einen soliden Gewinn und somit eine Alterssicherung garantieren, dann erweist sich das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt als Fehlkalkulation, zu dem ihr als Arbeitslose kaum noch Perspektiven bleiben. Ein Ehepaar, das seit Geburt des Kindes monatlich 25 Euro auf ein zinsgünstiges Konto eingezahlt hat, um dem Nachwuchs ein Startkapital geben zu können, muss sich als Vermögen anrechnen lassen, was niemals für die Befriedigung eigener Bedürfnisse gedacht war.

Spitzfindige Hinweise wie die, Konten für Kinder hätten eben unter deren Namen angelegt werden müssen, sind lebensfremd. Niemand weiß, ob das süße Baby nicht zum drogenabhängigen Teenager heranwächst. Es gibt für Eltern gute Gründe, sich die Entscheidung darüber vorzubehalten, ob sie 18-Jährigen eine große Summe in die Hand drücken wollen. Wer vor zehn Jahren begonnen hat, für ein Kind zu sparen, konnte Hartz IV - Entschuldigung, Herr Müntefering - nicht vorhersehen. Bestraft wird also nicht nur Eigenvorsorge, sondern auch noch etwas anderes, was ein stabiles Gemeinwesen braucht: Vertrauen in die Politik. Das wird sich rächen. (...)"

taz

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Leben - Berlin - 21-08-2004

"So gesehen ist ja alles nicht schlecht. Es läuft doch. Alles hat seinen Gang, alles hat seine Ordnung gefunden. Sicher, manches ist bestimmt von den Regeln, gegen die man nichts machen kann, manches ist einfach da, weil man sich daran gewöhnt hat und es doch auch gut so ist. Da muss man eben auch Abstriche machen, weil nicht mehr alles geht, weil die Kraft nicht reicht, weil man ja auch Platz für sich selber braucht. Aber als Ersatz gibt es ja das schöne Gefühl irgendwo in der upper middle class zu sein, das Gefühl, trotz aller Verrückheiten die man in seinem Leben so angestellt hat, es am Ende doch noch geschafft zu haben. Das man sich nicht hat schnell verführen lassen, sondern nur langsam; man hat ja abgewägt und war klug."

"Na sicher, es könnte ja besser laufen. Das mit der Hartz Sache, dass ist schon nicht ok und das was die da machen, dass kann am Ende ja auch nicht gut gehen, da baut sich doch sicher eine Menge Wut auf. Na klar, die Banken haben das ja auch verdient, was die da anstellen, mit unserem Geld, die sollten mal sehen, was passieren würde, wenn wir alle, alle gleichzeitig einfach unser Geld abheben würden und wieder unter dem Kopfkissen bunkern würden. Und billiger wäre das auch, bei den Gebühren, haha. Ja, nee, ich kann nicht, ich hab ja grad was auf einem Festgeldkonto, wegen später."

"Ne sicher, ich hatte schon besseren Sex, aber darum geht es ja nun auch nicht. Wir haben unser Arrangement gefunden, ich weiß, das klingt jetzt so blöd, aber ich fühl mich so wohl dabei weil ich endlich mal nicht mehr nachdenken muss, ob alles so richtig ist. Das kann man ja auch gar nicht mehr, wegen der Kinder, das ist ja ne ganz andere Verantwortung. Auch wenn mich das schon mal stört, aber es es ist ok."

"Ja, die letzte Calexico fand ich auch nicht mehr so gut. Irgendwie flach. Konzert hab ich mir nicht gegeben, ist ja auch wahnsinn, was die Konzerte heute kosten."

"War ja irgendwie klar, dass das mit denen nichts wird. Das hat doch irgendwie nie richtig gepaßt. Meine Frau hat auch immer gesagt, dass sie sich absolut nicht vorstellen kann, was die mit dem will. Was der von der will. Das paßte hinten und vorne nicht, auch wenn es schade ist, dass sie jetzt wieder alleine ist. Ich gönn ihr echt mal, dass sie jemanden findet, der zu ihr paßt und nicht nur so tut."

"Ich weiß nicht, es ist egal was ich mache, es rinnt mir irgendwie immer zwischen den Fingern wieder weg. Wie bei meiner letzten Firma. Total seriös, gutes Konzept, endlich mal ordentliche Grafik, aber dann ging eben das Geld aus. Verfickte acht Monate fürn Arsch. Völlig. Und jetzt such ich wieder und es gibt echt nichts. Die suchen nur Praktis, keine fertigen, weil die so teuer sind. Und ich arbeite schon für kaum was. Ich hab echt keinen Bock mehr"

"Noch Bier da?"

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Samstag, 21. August 2004

Fragen zu Olympia:

  • Wer hat den afrikanischen Staaten die Nationalhymnen komponiert? Und bei der politischen Stabilität einiger Staat: Bliebt die Hymne oder macht sich jeder neue Staatschef ein eigene? Warum klingen die nach Filmmusik?
  • Atmen 100 Meter Läufer auf der Strecke? Wenn nicht - ist das nicht ein wenig ungesund?
  • Warum sind die Eurosport Kommentatoren in fast allen Disziplinen so viel besser?
  • Woher haben ARD/ZDF Kommentatoren, die ganz offensichtlich gerne Luftpistolen Schießen, Trampolin und Bogenschießen kommentieren. Wenn nicht Olympis ist, wo kommentieren die dann?
  • Ist es okay, wenn ich mich ein wenig unwohl fühle, wenn eine Dame (nicht die, die war "nur" dritte, die andere hab ich nicht gefunden) 182,5kg, also mich an jeweils einem Arm locker heben kann?
  • Mir die ganze Zeit die kleinen Mädchen beim Turnen leid tun?
  • Wenn ich mir gerne vorstelle, dass Dressurreiter mal ohne ihr Pferd so dämlich rumlaufen sollten?

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Ah! Ein sehr großes Paket wurde mir heute geliefert. Das zeit.de Fanpaket, welches ich gewonnen hatte. Endlich: die Zeit Kaffeetasse. Ich muss auch sagen: es scheint sich auszuzahlen, dass Giovanni di Lorenzo mit seinen ja immer schicken Hemden, nun Chefredakteur der "Zeit" ist. Denn das Paket kommt in einem sehr schönem gedecktem Grün, ein Gruß an den Sommer und doch dank des braunen Inlays schon eine Aussicht auf den nahenden Herbst.

Die Vorfreude auf die Kaffeetasse war natürlich ebenso groß wie das Paket. Man hat sich nicht lumpen lassen, und sogar einen Brief geschrieben in dem man mich für mein Glück beglückwünscht. Unter dem Brief fand ich etwas großes, blaues.

Schnell stellte sich das große blaue als praktische Umhängetäsche heraus. Es ist ein sehr hanseatisches Blau, ungefähr so ein blau, wie ihn weißhaarige Herren tragen, wenn sie im Übersee-Club sind. Die Tasche ist schon mal sehr praktisch, dachte ich, wunderte mich aber, wie da die Kaffeetasse reinpassen sollte?Hm, hm machte es ihn mir. Aber ich schaute schnell in die tolle Tasche rein.

Es fanden sich: Ein Pocket Quiz "Politik und Geschichte", ein Mini Radio mit Batterien, eine schicke Uhr (Danke Giovanni) und keine Kaffeetasse.

Ok - keine Kaffeetasse. Das wunderte mich doch. Woraus trinken die bei Zeit ihren sicher leckeren Kaffee? Als ich das letzte Mal in der Redaktion war, hab ich sträflicherweise nicht darauf geachtet, auch weil ich Angst hatte, die Gräfin würde mich sehen und inquisitorisch fragen, was ich denn da machen würde, auf dem Gang, alleine, na? Denn bei der Zeit, dass hab ich gesehen, arbeiten alle immer in ihren Büros. Niemand geht über die Gänge, und wenn nur kurz und huschend. Das muss heute immer noch so sein. Zwar ist die Gräfin verstorben, aber Helmut "der Alte" Schmidt" ist ja noch da und der hat bestimmt jetzt die Aufgabe der Gräfin übernommen, und geht ab und an die Flure ab. Das erscheint mir aber trotzdem keine Erklärung für den Mangel an Kaffeetassen bei der Zeit zu sein. Also: Hallo Herr di Lorenzo: Ich weiß, Sie haben viel zu tun. Erstmal alle Leute kennenlernen, Frau Radisch finden, das Layout verändern, einen Sporteil in das Segment "Leben" einbringen, eine Spalte einrichten, in der jede Woche ein anderer Blogger etwas schreiben darf und so weiter. Aber die Laune, ja die Qualität einer Zeitung läßt sich nicht zuletzt auch an seinen Kaffeetassen festmachen. Die "Bild.de" Kaffeetasse die ich besitze ist sehr, sehr bunt und häßlich. Wie man es erwartet. Der N24 Kaffeebecher dagegen ist hübsch blau, dezent, unaufdringlich und seriös. Ich will Ihnen ja nix sagen, aber sowas in der Richtung N24 Becher könnte zu der Zeit schon passen.

Achja - Danke!

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Hab' Geduld in allen Dingen, vor allem aber mit dir selbst. Hl. Franz von Sales

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