Liebe ist Krieg. Hört man oft und gerne, wenn es um Probleme geht oder als Rat, welchen Weg man einschlagen sollte, wenn man nicht mehr alleine sein möchte. Ich frag mich dann immer: Gegen sich selber, oder andere? Und wer sagt mir, wann es Zeit ist, Frieden zu schliessen?

Permalink (9 Kommentare)   Kommentieren

 


Shiraz / Protocolo ist eine gute Mischung um sauer zu sein. Darauf, dass man immer nur hört. Darauf das einem immer nur vermeintliche Absichtserklärungen um die Ohren gehauen werden. Was wäre wenn. Wie es denn wäre, wenn nicht. Man wird am Ende so ärgerlich, dass man sich dabei ertappt, dass zwei Kippen gleichzeitig tot im Aschenbecher hängen und man so verspannt ist, dass man die dritte mit einem "Fickt euch" auch noch anmacht. Um Ende festzustellen, dass man es selber schuld ist. Die toten Kippen, die toten Lieben, die Gefühle auf Eis, die Absichtserklärungen. Man hat es nicht besser verdient.
Man ist immer nur so gut, wie die Summe seiner Teile - oder ist man so gut wie die Summe der Teile, die man bekommt? Ich war schon immer schlecht in Mengenlehre. Ich war immer nur gut im Sein. Im So-Sein. Im Nichts-Anderes-Sein. Im Nichts-Anderes-Sein-Können, weil alles Ding seine Zeit hat, und wer ist man, das man in Gottes Werk greift. Es gibt Momente, in denen einem Begegnungen erscheinen, wie die Feder in der Luft und es gibt Momente, in denen Begegnungen so lange auf sich warten lassen, wie Henry Morton Stanley auf Dr. Livingstone.
Das schlimme ist die Gewissheit. Dass man warten muss. Das man sich nicht nehmen kann, sondern, dass man verdammt dazu ist zu warten. Auf die Begegnung, auf den Moment, auf den richtigen Zeitpunkt. Zwischen den Momenten bleibt nur das Warten. Geduldig zu sein. Still zu halten. Es bringt nichts, diese Momente mit schnell erreichbaren Erlebnissen zu füllen. Mit Postkartenmotiven. Mit errechenbaren Gefühlen und deren Erfüllung. Man muss immer warten - darauf, dass man geliebt wird, darauf, dass jemand es meint, darauf, dass jemand sich nicht die Zeit verkürzen will, darauf, dass jemand nicht ein Möbelstück sucht, dass sie ihr Leben einordenen will, darauf, dass man nicht nur Erfüllung längst vergessener Wünsche ist, darauf, dass jemand die Seele interessiert und darauf, dass jemanden die sichtbare Seele langweilt und sie auf die andere Seite Herzens blicken will. Das kann eine sehr lange Zeit sein. Und die Tage werden zu Monaten und die Monate werden zu Jahren, aber nach acht Jahren muss es langsam mal gut sein. Nein, es ist Zeit, dass es gut wird.

Permalink (13 Kommentare)   Kommentieren

 


I

Wie oft hatte mich irgendetwas wach werden lassen, meinen unruhigen Schlaf beendet, in dem mich immer wieder eine Bilderflut knapp an der Grenzen der Erschöpfung hielt. Die ersten Lichtstrahlen, die sich selbst noch müde durch die Feuchtigkeit arbeiteten, sorgten für Klarheit zumindest in der Angelegenheit des Schlafs. An Ruhe war nicht mehr zu denken, nur noch an vergangenes. Ich konnte mich noch dunkel daran erinnern, wie früher meine Hand sanft auf einer Hüfte lag und ich spürte, wie sich ihr Körper mit den leichten Atemzügen hob. Immer im gleichen Rhythmus, immer mild und leise, den Kopf ein wenig nach unten gedrückt, die Knie angezogen, so dass man sich einfügen konnte wie ein lange vermisstes Puzzlestück. Manchmal drängte ich in solchen Momenten meinen Körper an den ihrigen, drückte meinen Unterleib gegen sie und wartete darauf, dass ich eine Erektion bekam. Ich umfasste eine Brust, die ich sanft streichelte, küsste kaum merklich ihren Nacken, wischte das Haar aus ihrem Gesicht und ließ die Phantasie kreisen. Wenn die Erektion da war, hörte ich auf, wartete, bis die Lust sich wieder aus meinem Kopf verabschiedete und lauschte ihrem Atem, der in der ganzen Zeit nur ein bisschen schwerer geworden war. Ich sagte ihr nie etwas davon, ich vollendete das Spiel nicht ein einziges mal. Ich wusste selber nicht, warum ich das tat. Vielleicht um nach zu sehen, ob sie mich auch dann liebte, wenn sie gar nicht bei sich war.

II

Es war kindisch, aber ich hatte eine wahnsinnige Angst davor, dass sie mich nicht lieben könne. Das dies alles nur ein Spiel sei, dass ich nicht verstehen würde. Das sie eines Tages einfach nicht mehr kommen würde, weil ich sie langweilte, weil es sowieso doch nur für den Übergang war. Lag vielleicht daran, dass ich selber oft bei diesen Gedanken ertappte, dass ich oft selber Liebe so abgestreift hatte. Wie eine Verpackung, die man nicht mehr braucht, weil einem der Inhalt schon lange abhanden gekommen ist. Ich glaube, so habe ich mehr Liebe verbrannt, als manche Menschen in ihrem ganzen Leben bekommen. Und natürlich ist es eine Sucht. Am Ende will man auch gar nicht mehr die Liebe, sondern nur noch die Insignien. Ich will die Hingabe, ich will die Blicke, ich will das Denken. Von wem ist mir egal. Das ist kalt und dumm, das weiß ich. Aber wie die innere Blockade überwinden, die eigenen Barrikaden, die man sich im Laufe der Zeit aufgebaut hat? Ich war ja froh, wenn ich es überhaupt schaffte mich so für einen Menschen zu interessieren, dass ich ihn in mein Leben lassen konnte.

III

Das war früher leichter. Aber da ging es auch nur um Sex. Da waren die Begegnungen in verrauchten Küchen so zielgerichtet und einfach, dass sich die üblichen Fragen einfach stellen mussten. Da reichten Schlüsselreize wie eine Lackhose, zwei blitzende Augen und ein sarkastisches Gemüt um nicht nur einen Abend, sondern auch die nächsten Monaten zu füllen. Solange der Sex neu war, solange man nicht jeden Quadratzentimeter Haut erkundet, solange man die Grenzen der Lust und des Schmerz nicht gesehen hatte, solange blieb das spannend. Danach wurde es vorhersehbar, ein wenig fad, wie eine Mahlzeit, die man zu oft eingenommen hatte. Der Zauber des Nichtnachdenkens war verflogen und dann fingen die kleinen Dinge an zu stören, die vorher nicht da zu sein schienen. Und diese plötzlich auftretenden Kritik macht mich wahnsinnig, weil sie ein Zeichen für Distanz ist. Dann sieht man den Schmutz, die Art wie jemand aufsteht und wie schlampig sie plötzlich in Fragen der Unterwäsche geworden ist und beginnt zu hassen. Nicht diesen Menschen persönlich, aber doch soweit, dass sie verantwortlich dafür ist, dass das der Zauber verflogen ist, dass der Alltag mit seiner Gartenzwergmentalität gewonnen hat. Die Lust an der gemeinsamen Entdeckung ist vorbei und was folgt ist der Abstieg in die Niederungen des Beziehungsleben.

IV

Am Ende wird der Ton giftiger, weil man nicht mehr damit beschäftigt ist, den anderen zu entdecken, oder gemeinsam neue Sphären zu durchqueren, sondern nur noch damit beschäftigt ist, den eigenen, immer kleiner werdenden Freiraum zu beschützen. Im Grunde ist die Liebe ein ewig andauerndes Rückzugsgefecht. Da gibt es weder einen Status Quo, noch einen Status quo ante über den verhandelt wird, sondern nur den Rückzug auf einen immer kleiner werdenden Raum, den man immer verbissener verteidigt. Der Gedanke ist mir schon zu anstrengend und wenn ich Zeuge solcher Gefechte bin, dann warte ich erschrocken, bis sich der Rauch wieder legt und warte unangenehm berührt darauf, dass ich mit einbezogen werde, dass die böse Frage "Oder hab ich etwas nicht Recht?" fällt. Dabei will ich gar keinen Rat geben, außer einem, aber den will keiner hören. Sie bleiben lieber in einander verbissen, als sich zu überlegen, wie es war als sie noch nicht zusammen waren. Das ist wie mit dem Rauchen. Ich habe in einem Seminar mal den Tipp bekommen, dass ich mir einfach mal vorstellen soll, wie es war, als ich noch nicht geraucht habe. Ich habe das Seminar daraufhin sofort abgebrochen, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte und mir war klar, dass ein Nichtraucher Seminar, dass auf einer solchen Prämisse aufgebaut ist, bei mir auf keinen Fall erfolgreich sein würde. Aber vielleicht ist es ja bei diesen Paaren genau wie mit meiner Raucherei. Vielleicht können sie sich auch nicht mehr erinnern, wie es vorher war und liegen lieber Tage,- Wochen-, Monate,- und Jahrelang in einem ebenso stummen wie verbissenen Ringkampf, der niemals einen Sieger haben wird. Da wird dann die Lust an der Entdeckung mit der Angst vor Verlust getauscht. Jedenfalls habe ich Angst vor diesen Dingen, weil sie immer passieren, weil man ihnen nicht entgehen kann. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man feststellt, dass man nicht mehr anders kann, als mit diesem Menschen zusammen zu leben und dann hat man den Salat. Wer hat also Angst vor Virginia Wolff? Ich.

V

Also bleibt die nur die ewige Flucht, aber je älter ich werde, desto schwieriger wird es, weil ich mich nun selber fragen muss, was ich eigentlich will. Ich weiß, dass ich das leise Atmen einer Frau im Nebenzimmer hören möchte, während ich in der Küche sitze und meinen ersten Tee trinke. Ich will dann später wieder unter die Decke, zu ihr, ihren schlafweichen Körper spüren, meine ausgekühlte Haut an ihrer wärmen. Ich will, dass sie sich umdreht und ihren Kopf in die mein Schultertal legt.
Aber wie umgeht man den Rest, den man an einem beliebigen Samstag in jedem Kaufhaus beobachten kann, wenn Männer die ultimative Demütigung erfahren, wenn sie in der Herrenausstatterabteilung von ihren Freundinnen und Frauen in braune Hosen gesteckt, wenn sie in Umkleidekabinen gejagt werden und am Ende den Befehl bekommen "Dreh dich mal um." Man fragt sich unweigerlich: War das vielleicht sogar das erste, was die Frau gedacht hat, als sie ihn kennen lernte? "Wenn ich mit ihm zusammen bin, dann kaufen wir erstmal eine vernünftige braune Hose, die hinten vernünftig sitzt". Deswegen gehe ich nie mit meinen Freundinnen einkaufen. Es ist der einzige Weg, dieser Form der Demütigung zu entgehen. Es ist der einzige Weg dem sinnlosen Kampf um die wenigen Millimeter persönlicher Freiheit zum entgehen, es ist ein Mittel, den Zauber zu bewahren.

VI

Und der Zauber ist das wichtigste. Nichts ist schöner, als der Anblick einer Frau, schlafend, die sich in die Bettdecke gewickelt hat, ein Bein angewinkelt, das andere gestreckt, die Haare als fraktales Schauspiel über das Kissen geworfen, die dort liegt, als würde sie dahin gehören, als würde sie nie etwas anderes tun, als sei sie nur für diesen Augenblick geschaffen worden, für diesen einen Moment und jeder Moment, der darauf folgt ist eine Verschwendung von Zeit, Leben und Sein, denn der Anblick ist genug für ein ganzes Leben und er frisst sich hinein und man merkt, wie er sich in das Gehirn hineinätzt, und das er Halt sein wird, in den vielen dunklen Stunden, den kalten, wenn alles vorbei ist, und die Augen der Frau zu einer traurigen Waffenkammer verkommen sind, und die Mauer da ist und man merkt, dass es nun vorbei ist.

VII

Also gibt es eine Grenze. Oder auch eine Angst. Die Angst Schönheit zu sehen, sie wieder zu verlieren um am Ende mit der Erinnerung alleine zu bleiben. Und mit der Frage, warum es einem schon wieder nicht gelungen ist, etwas zu bewahren, warum man schon wieder etwas nicht aufgehalten hat, sondern im besten Fall nur teilnahmslos zugesehen hat. Warum man lachend die erste Risse gesehen hat, warum man nicht so gut sein kann, wie man es selber gerne wäre. Warum man immer wieder genau bei den Menschen landet, die scheinbar für solche Beziehungen gemacht sind, die eben auch nichts anderes haben wollen, als eine hübsche, fette Kerbe im Herzen, die nur sagt „Ich war da“.

Permalink (20 Kommentare)   Kommentieren

 


Hamburg!

Nachdem Du das bißchen Kultur aus der Schanze rausrenoviert hast, schicken wir jetzt aus Berlin Hilfe.

bettinescu-show/wodka für alle
one woman show
Filmische Lesung mit Wodka-Performance
am 30.10.2004
METROPOLIS KINO Hamburg
21:15 Uhr
Dammstorstr.30a
20354 Hamburg

Hierbei handelt es sich um eine Dame, welche vor ein paar Jahren ein Stipendium bekam, mit dem sie hätte nach London, Paris, New York oder Tokio gehen können, um Film zu studieren. Sie ging stattdessen nach Bukarest. Diese Lesung berichtet in Film (die Videokamera war immer dabei) und Wort über ihre teilweisen haarsträubenden Erlebnisse. Was das "Wodka-Performance" bedeutet muss man selber rausfinden, aber das Auto sollte man zu Hause lassen.

Und wo ich schon bei Tipps und Termin bin: Am Sonntag ist auch mal wieder Kaffeesatzlesen. Mehr Infos hier

Permalink (1 Kommentar)   Kommentieren

 


Manches scheint nur weit weg

dann trat ich einen schritt zurück
sah die dinge aus der ferne an
vieles war an seinem platz
und manche kleinigkeiten stimmten nicht
wieder zurück in meinem sumpf
sah ich den wald vor lauter bäumen nicht
und ich veränderte drauf los
ohne abstand ohne überblick
ich ging zurück auf distanz
und wie beim dominio ergab es sich
das ich veränderte was war
nur manche einzelteile paßten nicht
so schrieb ich weiter hin und her
und hoffe das es einen sinn ergibt
doch das liegt nicht in meiner hand
und ich vertrau auf einen sinn an sich
steh ich dir eigentlich im weg
kannst du mich besser aus der ferne sehen
sieh doch durch mich hindurch
ich wollte immer nur dein fernglas sein
denn was man größer sieht wird klar
doch in machen fällen stimmt das nicht
kann ich nicht einfach nur dein fernglas sein

© Barbara Morgenstern

Permalink (5 Kommentare)   Kommentieren