Moralisches Echo

Dies las ich heute im Zuge der Echo Verleihung. Es handelt sich um ein offizielles Statement des Bundesverband Musikindustrie (BVMI) "Kollegah & Farid Bang treten als zwei außerordentlich erfolgreiche Repräsentanten des Genres HipHop auf, das seit über einem Jahrzehnt von sehr vielen Menschen hierzulande gehört wird. Das ist der Grund, weshalb sie im Vorfeld für einen Auftritt angefragt wurden und nun live performen werden.”

Das ist moralisch und ethisch zu tiefst erbärmlich. Wenn ich jetzt ein "Best of..." der nicht verbotenen Lieblingslieder des Nationalsozialismus neu vertone und irrsinnig viel davon verkaufe, bekomme ich dann auch einen Echo? Sagt der BVMI dann auch "Ist halt erfolgreich, lebt damit, und jetzt nerv nicht?"
Die Stellungnahme des BVMI offenbart, was so alles falsch läuft beim Echo und der Branche (und anderen). Dass niemand mehr moralische Verantwortung übernehmen und dokumentieren möchte. Das Moral egal ist, wenn es ums Geld geht und man sich schön abfeiern kann. Draussen werden jüdische Kinder beschimpft, aber hey, Geschäft läuft super.

Mich kotzt diese Ignoranz vor der historischen wie moralischen Verantwortung zutiefst an. Und es betrifft nicht nur den BVMI. Auch Musikmagazine und Radiosender müssen sich fragen lassen, es ob in Ordnung ist, solchen "Künstlern" ein Schaufenster zu bieten. Denn durch sie und so Aktionen wie beim Echo werden geistige Nulllösungen wie diese überhaupt erst breit getreten und zu einer normativen Kraft. "Wieso ist das schlimm, läuft doch im Radio und Fernsehen".

Es ist genau diese widerliche Haltung, das Schweigen, die wir schon mal hatten. Als man alles so verdrehte und nachher nichts gewusst haben wollte. Und Verantwortung? Wofür denn? Die anderen waren es, da konnte man leider nichts machen.

Es geht um verschiedene Ebenen. Die erste ist die der Musikindustrie. Dass der BVMI sich jetzt hinstellt und sagt "Haben die Leute halt gekauft, können wir auch nicht ändern" ist whitewashing. Wer hat denn den Deal mit denen gemacht? Wer hat denn das Angebot, diese Texte zu vertreiben, angenommen? Wer hat denn die eigene Marketing Abteilung und den Vertrieb zur Verfügung gestellt? Wer hat denn die Promotion gemacht, die Sachen in die Magazine gedrückt, ins Radio und sonstige Kanäle? Sich danach hinzustellen und zu sagen "Wir haben auch keine Schuld daran, wenn die Leute das mögen" ist einfach abartig und eine Lüge. Mehr als das sogar, weil es die Abweisung jedweder moralischer Verantwortung für ein Geschäftsmodell ist, was einfach pervers ist. Weil die Industrie ohne jeden moralischen Skrupel arbeitet. Die haben sich das vorher angehört und gedacht "Uh, kritisch. Aber bringt Kohle, weil provokativ. Den Rest fangen wir schon mit Berichten über einen CSR-Report ab".

Das zweite ist der in Sachen Hip Hop. "Battle Rap" kann keine Entschuldigung für diese Wörter sein. Zu sagen "Ich rappe schneller als deine Mutter fickt" mag ja vielleicht ganz lustig sein, wenn man ein sehr, sehr niedriges Level von Humor hat. Aber bei Sätze wie:

"Mache mit der Nutte Cash - und es wird immer mehr wie von allein, Kid, ich habe 'nen Lauf wie meine Tec [Pistole]
Gebe keinen Fick auf deine Gang, komm' an und zücke meine Gun, baller' dir Kugeln in den Head und du verreckst"

hört es dann auch wieder auf. Ich könnte jetzt noch viele sexistische Beispiele zitieren. Wenn das mit "Ist halt Battle Rap" entschuldigt wird kann man auch jeden versuchten ungewollten sexuellen Übergriff als "Boys will be boys" entschuldigen.

Und auch der Spruch "Ist halt nur ironisch gemeint", ist eine manipulative Verdrehung. Denn die generelle Aussage im gesamten Kontext des "Oeuvre" ist menschenverachtend, sexistisch, homophob, antisemtisch und rechtsradikal. Das lässt sich nicht mit dem Schlagwort "Satire" umschreiben, weil Satire die Grenzen kennt. Dann kann man auch sagen, dass "Jud Süß" nur eine Satire war. Natürlich kann man hingehen und sagen, dass das nur ein Marketing Gag ist. Aber auch Marketing hat moralische Grenzen. Wenn man dem Erfolg jede Form der Moral opfert, dann ist diese Grenze überschritten.

Das Argument: "Das war schon immer da, heute findet es halt Verbreitung, weil es eine skrupellose Industrie gibt, die jeden Cent der moralischen Verantwortung opfert" sticht da aber auch nicht. Weil eben diese Industrie die normative Kraft des Faktischen schafft. Es gibt keinen pacta sunt servanda zwischen der Musik Industrie und der Gesellschaft, der das vorschreibt.

Und das beste Beispiel sind eben die Vergleiche zu den 70er und 80er Jahren, wo die Industrie die ebenso teilweise antisemtischen und radikalen Texte von linksextremen Bands nicht verwertet hat. Heute das alles mit einem "Der Markt ist halt so" zu entschuldigen zeugt eben gerade von der Opferung der Moral und des klassischen Humanismus auf dem Altar der Monetarisierung.

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Hallo Postbote!

Ganz früher war das so, dass ich Postboten ziemlich klasse fand. Das war bevor ich auf die Idee kam, dass Busfahrer, vor allem Schulbusfahrer, einen Beruf hatten, den ich unbedingt auch haben wollte. Ausschlaggebend dafür war vor allem das sehr, sehr große Lenkrad, dass in meinen, sieben oder achtjährigen Augen vor allem eins bedeutete: besinnungslose, umfassende, totale MACHT. Vielleicht seid ihr Postboten man ja seit dem ein wenig böse. Aber ihr müsst schon ehrlich sein. Ihr mögt nette Fahrräder haben, aber so ein Bus macht schon was her. Und außerdem: ich bin auch kein Busfahrer geworden, und die Busfahrer behandeln mich völlig in Ordnung. Warum ist das bei Euch anders?

Deswegen ist es mir unverständlich, warum ihr, oder in diesem speziellen Fall, Du einsamer Postbote im Prenzlauer Berg, mich so gemein behandelst. Denn als ich heute meine Post (Rechnung Hausratversicherung, Schreiben von der KSK, Kontoauszüge)abholte, fand ich auch zum dreimillionsten Mal eine blaue Karte, die mich darauf hinwies, dass ein mit der Briefpost befördertes Päckchen nicht durch meinen Briefschlitz passen wollte und deswegen nun auf dem Postamt in Sibirien weit weg abzuholen sei. Wie hast Du das nur geschafft, Du verf *§$$% kleiner, verk Postbote? Wie hast Du es nur geschafft, mir das Päckchen heute schon wieder nicht zu geben, obwohl Du ins Haus musst um die Briefe einzuwerfen und mir ja auch andere Sachen zugestellt hast. Wie hast Du es nur geschafft dies alles zu tun und nicht die 30cm entfernte Klingel mit meinem Namen drauf zu betätigen, auf das ich freudig hüpfend mein Päckchen in Empfang nehmen konnte? Und überhaupt: warum machst Du das immer? Auch bei Einschreiben? Warum muss ich, wenn Päckchen durch die Briefpost, also durch Dich, du verh dre Ar Postbote, immer ins Postamt fahren, während alle anderen Lieferservice es schaffen meine Klingel zu finden? Ich habe schon überlegt mich auf die Lauer zu legen, jeden Tag neben der Treppe zu lauern und Dich mit einem lauten Schrei abzufangen. "PÄCKCHEN FÜR DAHLMANN?" wollte ich rufen, und vielleicht, wenn Du alle Briefe und blaue Zettel eingeworfen hast, noch mal zur Sicherheit hinter her auf der Strasse. Aber das ist ja auch albern, zumal es gerade ganz schön kalt ist im Hausflur, weil irgendein Vollpfosten die Fenster der Türe zum Hof zerdeppert hat, aber dem schreib ich ein anderes Mal.

Du wirst sicher Deine Gründe haben, lieber Postbote. Vielleicht hänge ich dieses Schreiben einfach mal an meinen Briefkasten und Du kannst mir ja dann zurück schreiben, aber bitte nicht per Einschreiben, denn die lieferst Du ja offensichtlich nicht aus.

Danke

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Hallo Markus Möller,[Update: Seite ist down] wohnhaft Moorkamp 22 in 20357 Hamburg!

Eben wurde ich freundlicherweise von einem Leser dieser Seite darauf hingewiesen, dass einer meiner Texte (der über die Schreibblockade) auf ihrer Seite ohne Autorenangabe zu finden sei. Das finde ich eigentlich nicht so lustig, aber auch nicht so schlimm. Man freut sich ja, wenn man gelesen wird und Menschen die Sachen so toll finden, dass sie davon überzeugt sind, dass sie es selber geschrieben haben.

Das Sie jedoch meine gesamte Seite inkl. Fotos teilweise einfach kopieren und oben auch noch drüber schreiben:

"Sorry to butt in: Die Inhalte dieser Seite sind mein geistiges Eigentum. Wenn ihr den Kram kopiert, sagt mir vorher Bescheid oder lasst es bleiben. Sonst gibt's Abzugspunkte im Karma, und ihr werdet als Nacktschnecke wiedergeboren."

also das finde ich dann doch etwas dreist. Wenn ich in klagefreundlicher Stimmung wäre, dann würde ich jetzt eine Rechnung schreiben, die vermutlich ziemlich gepfeffert wäre. Interessanterweise sind die Probleme, die Ihnen dadurch entstehen würden aber wohl nur als geringfügig anzusehen, verglichen mit dem, was Sie sowieso gerade am Hals hängen haben

Naja, mal sehen wie sich meine Laune den Tag über so entwickelt. Ihre Adresse habe ich ja. Ach, eigentlich verdienen Sie ja gerade genug mit ihren TV Auftritten, da sollte ich zuschlagen.

Keine so doll freundlichen Grüßen
Don Dahlmann

Danke an Benjamin S. für den Hinweis per Mail. Vielleicht sollten andere Blogger auch mal schauen, was so von ihrem Blog kommt

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Hallo, Staatliche Lotterie-Einnahme Boesche aus Hamburg,

ich hab mal vor drei Jahren eine Los der NKL bei Dir erworben. Teil weil ich übermütig war und dachte, auch Du, Don, kannst ja mal was gewinnen, teils weil ich betrunken war und das Internet in diesem Zustand eine böse Sache ist. Das Los kam auch prompt, gewonnen hat es natürlich nichts. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn ich gewinne nie etwas bei Lotterien.

Das ist jetzt drei Jahre her. Seit drei Jahren habe ich auch kein weiteres Los bestellt. Zwar war ich zwischendurch das ein oder andermal betrunken, aber ich habe dann höchstens bei Amazon DVDs bestellt oder was bei Ebay erworben, was jetzt im Keller steht.

Offenbar bist aber Du, liebe Staatliche Lotterie-Einnahme Boesche, im Umgang mit Kundendaten ebenso lax, wie nervig. Denn seid dem ich keine Lose mehr kaufe, terrorisieren mich diverse Losverkäuferklitschen mit abendlichen Anrufen. Da Du die einzige Losbude warst, bei der ich jemals etwas gekauft habe, liegt die Vermutung nahe, dass meine Telefonnummer aus irgendeinem, Dir wahrscheinlich völlig unerklärlichen Grund, in die Hände dubioser Adresshändler gelangt ist. Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle schon mal herzlich.

Toll wäre es aber, wenn zumindest Du, Staatliche Lotterie-Einnahme Boesche, Deine 14tägigen Anrufe unterlassen würdest. Reicht es Dir nicht, dass ich schon mehrfach gegen über den Callcentertussen Deinen freundlichen Mitarbeitern erwähnt habe, dass ein weiterer Loskauf relativ weit unten auf meiner Prioritätenliste steht? Knapp hinter Zahnwurzelbehandlung und Intimkrankheiten? Reicht es auch nicht, dass ich mittlerweile ungefähr sieben Millisekunden nach der Erwähnung des Namens "Boesche" kommentarlos auflege? Und reicht es Dir auch nicht, dass ich Dir eine Mail geschrieben habe, in der ich es Dir untersage, mich weiter telefonisch wie schriftlich zu belästigen?

Wenn das so weiter geht, Staatliche Lotterie-Einnahme Boesche, dann werde mir wohl einen neue Telefonnummer zulegen müssen. Die alte werde ich versuchen auf eine 0190er Nummer umzulegen. Dann werde ich sehr gerne, und sehr lange mit Deinen Mitarbeitern telefonieren.

Nichts zu danken
Don

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