Eben alte Texte gesichtet und dabei auf die Interviews gestossen, die ich mal gemacht habe. In fast 10 Jahren kommt so einiges zusammen. Hier eine kleine Zusammenfassung der Highlights.

Das langweiligste Interview
Ralf Bauer. Netter Kerl, doch, doch. Gut, vielleicht etwas verschroben, aber nett. Dummerweise ist er unglaublich langweilig. Schrecklich nervtötend. Unfassbar einschläfernd. Ich ertappte mich dabei, wie ich während der recht langen Antworten immer wieder meinen Menüplan der nächsten 14 Tage neu aufstellte. Mag auch daran gelegen haben, dass ich am Vorabend unglaublich gesoffen hatte. Jedenfalls redete Bauer in leiser, monotoner, leidender Stimme in einer völlig überheizten Hotellobby auf mich ein. Hab ich nie verkauft, das Interview

Das Interview, bei dem ich nur zwei Fragen stellen konnte, obwohl es fast 45 Minuten lang war.
Dieter Wedel. Man stelle eine Frage, schalte das Bandgerät ein, gehe raus, komme nach einer halben Stunde wieder, bemerkt, dass er immer noch redet usw. usf. etc. pp. Der Mann ist wie ein Duracell-Hase.

Das sinnloseste aber auch sinnvollste Interview
Mit Dieter Pfaff und Hilmar Thate. Interview fand wegen irgendeinem ARD Film statt, in dem es ums Essen ging. Wir haben uns knapp 45 Minuten übers Essen, Männer und ihre Bäuche, Rezepte und Tricks beim Kochen unterhalten. Sehr, sehr amüsant. Rezeptaustausch unter großem Hallo. Interview hab ich leider vergessen und meine Yellow Press Blätter mochten nix über die Lieblingsrezepte von Pfaff schreiben.

Das lustigste Interview
Tja. Muss ich leider Gaby Hauptmann und Thekla Carola Wied schreiben. Beide für sich genommen gehen beruflich gar nicht. Leider sind sie privat ausgesprochen schlagfertige, warmherzige, humorvolle, leicht versoffene Menschen. Wir haben am Ende einer langen Interviewstrecke insgesamt drei Flaschen Wein getrunken gegackert wie ein Haufen Hühner und einmal die deutsche Schauspielerszene durchgeläster. Und die beiden Damen immer vorne weg. Hatte soviel Interviewmaterial, dass ich fünf Stück draus gemacht habe, die ich verschiedenen Zeitungen als Exklusivinterview verkauft habe. Mit den beiden gehe ich jederzeit wieder einen trinken.

Das mehrfach Interview
F. Murray Abraham. Irgendwie hatte der Mann in dem Jahr einen Lauf. Erst Bösewicht in einem Star Trek Film, dann einen Vertrag mit irgendeiner Kirch Produktionsgesellschaft. Jedenfalls trafen wir uns viermal innerhalb von drei Monaten. Ein sehr angenehmer, freundlicher, gebildeter Mann, der ein ganz klein bißchen nach Schweiß riecht. Das vierte Interview haben wir ausfallen lassen und sind stattdessen was Essen gegangen. Ich konnte wirklich keine Zeitung mehr finden, die ihn abdrucken wollte. Er nahms gelassen.

Das Interview, dass ich auch auf Knien gemacht hätte
Fanny Ardant. War wegen irgendeinem Sat.1 Streifen in der Stadt und im "Vier Jahreszeiten" untergebracht. Als ich das Interviewzimmer betrat, saß thronte sie völlig natürlich auf einer Chaiselongue, den Arm auf der Lehne, die Beine damenhaft zur Seite gepackt und lächelte mich an, als wäre ich ein verschollener Bruder, der nach Jahren wieder nach Haus zurück gekehrt. Und dann dieser Akzent! Ach....Ich durfte sie am Ende auf die Wangen küssen und laut der Pressebetreuerin habe ich nach verlassen des Zimmers ausgesehen, als sei ich ein frisch verliebter vierzehnjähriger nach seinem ersten Kuß.

Das Interview, bei dem ich dem Interviewpartner am liebsten eine reingesemmelt hätte
Hannes Jaenicke. Vielleicht hatte er nur einen schlechten Tag. Vielleicht hatte ich einen schlechten Tag. Vielleicht hatten wir beide einen schlechten Tag, aber es fehlte nicht viel, und ich hätte diesen arroganten, nichtssagenden, kleinkarierten, untalentierten, zickigen, nervigen, langweiligen, aufgesetzten, hirnamputierten, widerlichen Spackonauten umgehauen. Hab ich nicht. Hab nur den Film verrissen (Rache des kleinen Journalisten)

Das kürzeste Interview
Willi Thomczyk. Ort: Ein Theater.
Ich: "Hallo Herr Thomcyk, ich bin...."
Er: (lallend) "Ach halt doch die Fresse blödes Arsch."
Thomczyk ab.

Das einzige Interview, beim ich mir ein Autogramm vom Interviewpartner abgeholt habe
Patrick Stewart. Das macht man nicht. Echt nicht. Ich finde das hochnotpeinlich. Man kann nicht so tun, als führe man ein investigatives Interview um am Ende drei Posiealben rüber zu schieben, damit der Star seine Unterschrift reinsetzt. Machen komischerweise aber dennoch viele. Ich nie. Nur bei ihm. Da konnte ich leider nicht anders. Dieser Mann hat eine derartig aristokratische Aura - und außerdem war ich zu dem Zeitpunkt schwerst Star Trek abhängig. Ich meine wir reden hier von "Captain Picard"!

Das traurigste Interview
Manuela. Die Schlagertante. Hat in den 60ern glaube ich mehr Bravo "Otto" Auszeichnungen kassiert als die Beatles. War in Las Vegas. Hatte da eine eigene Show. Angeblich eine Affäre mit Cary Grant, auf jeden Fall eine mit Dean Martin. Hat mit Sinatra auf der Bühne gestanden. War mutig und hat sich Anfang der 70er mit der deutschen Schlagerindustrie angelegt und wurde deswegen mit einem Fernsehverbot belegt. Dann ging es bergab. Als sie sich mit ihren vermeintliche Millionen ein schönes Leben machen wollte, stellte sie fest, dass ihr Entdecker, Manager und Liebhaber das Geld durch gebracht hatte. Am Ende lebte im Gartenhaus ihrer Eltern in Berlin-Spandau. Grund des Interviews war eine "Best of" und ein Auftrag eines Magazins. Starb alleine in dem Gartenhaus ein paar Monate später. Nie mehr nach einem Interview so deprimiert gewesen.

Das längste Interview
Götz George. Erstaunlich, aber wahr. Es dauerte fast einen halben Tag und war sehr, sehr spannend. George ist mit Mario Adorf einer der sensibelsten Menschen, die ich jemals interviewt habe. Famos, der Mann. Wir verplauderten das Mittagessen, den Nachmittag und hätte er nicht sein Flugzeug erreichen müssen, würden wir immer noch da sitzen. Sehr spannender, sehr gebildeter Mann, vielleicht machmal etwas überkanditelt, aber nie unangenehm.

Das nervigste Interview
Roland Orzabal (Tears for Fears). Arrrrrrrrrgggghhhh. Der Alptraum eines jedes Journalisten. Alle Fragen werden mit "Yes" oder "Hm" beantwortet. Nach ein paar Minuten wollte ich gehen. Er meinte: "Och nein, sorry. Ich mach jetzt mit". Zwei Fragen später das gleiche Spiel. Er hat das an dem Tag mit allen gemacht.

Der ungewöhnlichste Ort eines Interviews
Goldie. Unter einem Tisch in der Lobby eines Hotels. Er war bekifft bis zum Anschlag und wollte es gemütlich haben. Hab ich mich eben daneben gelegt.

Das Interview um das mich merkwürdigerweise die meisten Damen beneiden
George Clooney. Je nun. Ich muß allerdings sagen, dass dieser Mann in natura ungefähr dreimal so charmant, fünfmal besser aussehend und tausendmal eindrucksvoller ist, als in jedem seiner Filme. Ich bin nach einer halben Stunde mit diesem Gefühl aus dem Interviewzimmer rausgegangen: "George, Du kannst Sie ALLE haben, und ich bin noch nicht mal neidisch."

Mal sehen, was mir noch so einfällt...