Soeben den Opel einem ersten, sehr ernsten Härtetest unterzogen. Also eigentlich nicht ich, sondern meine Mutter. Die ist seit Jahren bekennende VW Golf Fahrerin und hat seit ein paar Monaten einen Golf V in vergleichbarer Ausstattung wie der Opel Astra, allerdings ein Benziner und kein Diesel, weil (O-Ton Mutter) "...ich bin ja nun nicht auf dem Land groß geworden, dass ich jetzt mit einem Traktor durch die Gegend fahren muss." Überhaupt liebt meine Mutter eine etwas sportlichere Fahrweise, was sie schon immer gerne zum Ausdruck gebracht hat.

Als mein Vater noch nebenbei am Wochenende auf der Nordschleife des Nürburgring Rennen gefahren ist, sah sie es überhaupt nicht ein, fünf Stunden neben der Rennstrecke zu stehen. Zum einen, weil sie dazu wegen der bekannten Wetterwechsel am Ring keine Lust hatte, zum anderen, weil sie nicht mit der Stoppuhr die ganze Zeit in der Box stehen wollte um bei größeren Abweichungen der Rundenzeit sofort damit zu rechnen, dass sie "...irgendwo die Knochen deines Vaters nummerieren und einsammeln..." musste. Deswegen ließ sie ihn immer morgens losfahren, sammelte mich nachmittags ein und raste die 40 Kilometer über schmale Landstraßen von Godesberg zum Nürburgring. Bis heute hält sie den familieninternen Streckenrekord von irgendwas über knapp 30 Minuten, aufgestellt mit einem VW Scirocco GTI.

Was liegt also näher, als den Opel einmal in ihre Hände zu geben, was ich heute auch tat. Erste Reaktion bei Sichtung des Wagens: "Naja." Sie relativierte diesen drakonischen Kommentar allerdings mit den Worten "Von vorne geht’s ja." Im Auto wurde den die Opel Innendesigner sofort am Schlafittchen gepackt. "Wo sind denn hier die Ablagemöglichkeiten?" Das war allerdings eine Frage, die ich mir auch schon gestellt hatte. Als ich den Wagen mit allerlei Tand für die lange Reise von Berlin nach Düsseldorf belud, und eine kleine Flasche Wasser zwecks Erfrischung verstauen wollte, fiel mir auch, dass mir auffiel, dass ich nicht wusste, wo. Es gibt vorne keine Getränkehalter, keine Mulde im Armaturenbrett, keine in Höhe der Handbremse, keine unter dem Lenkrad und in die Kartentaschen der Türen passte die Flasche nur mit Gewalt rein. Es gibt eine kleine, rechteckige Mulde für die Menschen, die auf der Rückbank sitzen, und einen Getränkehalter, der im (!) Handschuhfach eingelassen ist, aber sonst nix. Man muss seine Sachen entweder auf den Beifahrersitz legen (wo sie beim Bremsen auf der Autobahn rum fliegen) oder halt nichts mitnehmen. Vielleicht wollten die die Opel Designer die Autobahngaststättenwirtschaft stärken, dachte ich, während meine Mutter minutenlang sämtliche Getränkehalter ihres VWs auflistete.

Wir waren noch keine 150 Meter gefahren, da tönte es mütterlicherseits vom Beifahrersitz: "So kann ich aber nicht sitzen." Nicht der Sitz an sich, wohl aber die Länge seiner Auflagefläche für die Beine fielen durchs Raster meiner 1.65m großen Mutter. Dies sei bei "...einem so großen Auto ja auch lächerlich..." das man solche Sitze verbauen würde. Und "Hier sind ja auch keine Ablageflächen!". Geschätzte drei Kilometer später erfolgte die nächste Kritik: "Und mein Golf hat, wenn die Vordersitze so stehen, zur Rückbank vieeeel mehr Platz." Ich konnte das jetzt nicht nachmessen, muss mich also auf das Gefühl meiner Mutter verlassen. Und das mütterliche Gefühl trügt ja selten. Ich selber habe beim Fahren noch nicht hinten gesessen, werde das aber demnächst, wenn mir sehr langweilig sein sollte, mal ausprobieren.

Während meine Mutter sich mit der Frage beschäftige wie sie "... in einem Opel, in einer Gegend wo mich jeder kennt..." möglichst würdevoll sitzen konnte, bemühte ich mich um eine elegante Fahrweise was meine Mutter zu der Bemerkung veranlasste, ich solle doch bitte nicht auch noch wie ein "...Opel Fahrer mit Hut..." unterwegs sein. Positiv fiel ihr allerdings auf, dass der Wagen gut verarbeitet sei. Auf der Autobahn folgte die Frage, was der Opel denn laufen würde, was ich auch noch nicht ausprobiert hatte, aber die 180 km/h die ich schwerfällig aus den 100 Diesel PS rausholen konnte, haben weder mich, noch meine Mutter begeistert. Mehr kamen auf den fünf Kilometer Autobahn die gerade frei waren, auch nicht aus. Da sich meine Mutter dabei sichtlich langweilte, bekam ich in Kurzform sämtliche Familiengeschichten der letzten Monate zu hören.

Gefallen hat ihr auch noch das Navigationsgerät („Der zeigt ja sogar den Namen der Strasse an, auf der man gerade unterwegs ist“) und das Lenkrad („Sehr schick“).

Als ich sie wieder zu Hause absetzte und um ein druckbares Statement bat, meine sie zum Opel zunächst: "Naja, kann man machen. Hoffentlich bekommst Du genug Geld dafür", relativierte aber in Richtung: "Ganz ordentlich, für ein Auto ohne Ablageflächen" und warf die Tür zu.

Irgendwann möchte ich mal meine Mutter mit der von Lyssa bekannt machen. Ich glaube, die würden sich verstehen.

PS.: Ab morgen ist es erstmal Ruhe mit Opel, da ich auf dem medienforum.nrw bin und mich aufrege.

Warum hier was über einen Opel steht

Kommentieren



helgab., Mo, 22.05.2006, 21:15

Mütter sind sowieso die besten Autotesterinnen

und es gibt nahezu kein Auto, das bei ihrer Kritik durchkommt. Aber eine Mutter, die einen Scirocco gefahren hat: Respekt! Obwohl, sind wir mal ehrlich, das war auch so ein Pseudo-Sportwagen für ... (ich halt ja schon mein Lästermaul, geht ja immerhin um ihre Mutter - ganz so nah stand mir der familiäre Scirocco in unserer Familie doch nicht)


DaveKay, 22. Mai 2006 21:26:39 MESZ

scirocco jagen

war der Sport meines Onkels mit seinem xr3i damals.
Der Scirocco hat ein bisschen was von kultstatus erreicht, der Ford wurde einfach nur vergessen.


sonderschüler x, Mo, 22.05.2006, 21:26

dahlmann is lustich

kaum kennt einer 3 buchstaben wähnt er sich geschickt. astradahli hat die problematik unterschwellich wahrgenommen und er macht jezz das was er meint zu können. er löst das problem mit schreiberei. er führt seine mutter ein.

nich er "testet" wenn man das testen gelten lassen würde bei honorar

mama testet und das mamma strengt sich an. sie hat ja kein vertrach gemacht. hehe wie geschickt.

Positiv fiel ihr allerdings auf, dass der Wagen gut verarbeitet sei. Gefallen hat ihr auch noch das Navigationsgerät („Der zeigt ja sogar den Namen der Strasse an, auf der man gerade unterwegs ist“) und das Lenkrad („Sehr schick“).

man darf als dahliastra nich plump wie die andereren. man muss das geschickter biegen.

geil


mutant, 22. Mai 2006 22:22:50 MESZ

das unterscheidet vermutlich journaille von bloggern oder so.


sonderschüler x, 22. Mai 2006 23:44:55 MESZ

aber die hl. inquisition sieht alles

nichts bleibt ihr verborgen


blogisch, Di, 23.05.2006, 22:26

Mann, Don, ..

.. ich bin sowas von enttäuscht. Sie waren die Nummer 2 auf meiner Blogroll. Wg. Ehrlichkeit, Gradlinigkeit, Stil, ...

Nicht wegen der Kohle für den Astra Test, nein, nein , ich bin auch jung und brauche das Geld, <Hüstel> aber ihre EIGENE Glaubwürdigkeit ist im Arsch.
Denn wie hatten Sie am 25.11.05 so schön geschrieben:
"Ich habe kein Auto. Was nicht bedeutet, dass ich nicht gerne eins haben wollen würde. Nur kosten leider die Autos, die ich haben will, unfassbar viel Geld, weil sie sehr alt sind und schon damals unfassbar viel Geld gekostet haben. Ein Auto ist, zumindest in einer Stadt wie Berlin, ein völlig überflüssiges Ding, weswegen man, wenn man schon eins hat, auch ein Auto haben muss, was an sich schon völlig indiskutabel ist. Ein englischer Roadster. Ein alter Alfa Romeo. Irgendwas, in das zwei Menschen nur mit Mühe reinkommen, aber toll aussieht und noch nach Auto klingt, wenn im Tunnel Gas gibt."

DAS war noch ne Ansage: Ganz oder gar nicht.
Aber jetzt: OPEL- TESTER. OOOhhhhpel!
Bloggen soll mich nicht in schlechte Gesellschaft bringen.
Auch wenn´s allen egal ist: Ich tu´s für meine Selbstachtung, ich
streiche Sie von der Blogroll.


der, 23. Mai 2006 23:02:58 MESZ

ganz schön mutig.


sonderschüler x, 23. Mai 2006 23:06:57 MESZ

das is doch der falsche wech

ich blätta schon den ganzen tach astraprospekte und das passende outfit hab ich auch bestellt.
zitterwolf.blogtiger.de

Please login to add a comment