Freitag, 28. November 2008

Twitter mal wieder

Ich hab gestern Abend gleichzeitig vor dem Rechner und dem Fernseher gesessen, als in Mumbai die Hölle ausbrach. Auf der einen Seite lief CNN, auf der anderen Seite Twitter. Allerdings bin ich erst gegen halb 12 in die Übertragung eingestiegen, als der Anschlag schon im vollen Gange war. Das hatte etwas damit zu tun, dass ich, als die ersten Meldungen eingingen, noch im Flugzeug saß. Aber war Twitter jetzt schneller, oder gar besser, als das Fernsehen?

Sagen wir mal so - in Deutschland schon. Denn während Indien in Schockstarre verfiel, während Hotels brannten, Menschen starben und niemand wusste, was als nächstes passiert, sah man in Deutschland nach Mitternacht nur wenig. Das ARD/ZDF nicht in eine komplette Live-Berichterstattung eingestiegen ist, kann man noch einigermaßen nachvollziehen. Aber was machten eigentlich unsere Nachrichtensender, also n-tv und N24? Die Antwort ist einfach: Nichts. Als ich irgendwann nach Mitternacht, als die Lage noch völlig unklar war, daran dachte mal rüber zu schalten, liefen auf beiden Sendern die üblichen Dokus. Nicht mal die Crawler, also die unten laufenden Nachrichtenticker, waren aktualisiert. Es fand einfach nicht statt. Ohne die Kabelsender, ohne CNN, hätte man gar nichts gesehen.

Bei Twitter war dagegen die Hölle los. Es wurden Informationen verteilt, der Dienst Breaking News, der sich schon mehrfach als sehr schnell und relativ verlässlich rausgestellt hat, berichtete im Minutentakt, es wurden Links zu verschiedenen Flickr-Seiten rum gereicht und Blogslinks verteilt. Eine Übersicht über einen Teil der Links findet man bei Now Public. Twitter war so schnell und so gut, dass CNN einen Teil seiner Berichterstattung auf den Informationen aufbaute. Klar - man suchte Augenzeugen, man wollte jemanden mit einer guten und exklusiven Story haben. Die fand man, zumindest teilweise, über Twitter.

Und vor allem baute man Twitter wie selbstverständlich in seine Nachrichten ein. Man sagte "Lets hear it from XY from Reuters" oder "Lets bring in XY, who is reporting on Twitter." Und das war eigentlich das Spannende. CNN hat rasend schnell gelernt und mitbekommen, wie ein dezentrales Nachrichtennetzwerk wie Twitter funktioniert. Nicht nur, dass man die Infos schneller bekommt, nicht nur, dass die Informationen häufig direkt mit Bildern oder pixeligen Videos verknüpft sind, sie haben auch noch den Vorteil, dass sie umsonst sind. Man kann mit wenig Mitteln sehr viel erreichen. Um so unverständlicher, dass bei N24 und n-tv nichts passierte, aber vielleicht ist das Schweigen der beiden Sender, die täglich Nachrichten simulieren, ein schönes Beispiel für den Zustand großer Teile des deutschen Journalismus. Allerdings, das sollte man der fairnesshalber erwähnen, auf Fox News verabschiedete man sich auch aus der Übertragung und ließ stattdessen Bill O'Reilly über Gay Marriage schwadronieren.

Aber so schnell und so gut Twitter funktioniert - es hat auch gewaltige Nachteile. Zum einen braucht man, um einen vernünftigen Informationsfluss zu haben, schon relativ viele Menschen, denen man followt. Vor allem braucht man die nötigen Mediendienste. Das allein reicht aber nicht, will man, so wie CNN gestern, möglichst alles mitbekommen, bleibt einem nichts anderes übrig, als die sich selbst aktualisierende Twittersuche zu nutzen. So toll die ist, sucht man etwas nicht so allgemeines, so unübersichtlich wird sie im ersten Moment, wenn was passiert. Unter dem Hashtag "Mumbai" rappelten gestern rund 10 Tweets pro Sekunde durch. Mit ein paar Kniffen bei der Formulierung der Suche (near:Mumbai within:15mi), konnte man das Ergebnis aber schon einigermaßen eingrenzen. Dafür muss man, lieber Spiegel Online, wo man heute Netzgeschwätz übertönt Augenzeugenberichte titelte, kein Programmierer sein. Es reicht einfach, wenn man die "Advance Options" bei der Suche bemüht und und mal runter scrollt.

Was mich auch an dem Artikel genervt hat - es wurde mal wieder das Fass "Social Media vs. Old Media" aufgemacht. Ich war am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Zürich, wo man sich über die Zukunft der Printmedien unterhalten hat. Eine etwas mühsame Diskussion mit schon lange bekannten Argumenten. Was ähnliches bei Sponline zu lesen, fand ich doch etwas überraschend. Denn CNN hat es gestern vorgemacht. Man kann, vor allem, wenn man das Instrument einer guten Redaktion hat, ganz fantastisch mit den neuen Medien zusammenarbeiten.

CNN war gestern ein ganz hervorragender Gatekeeper. Sie haben versucht, aus dem Gewühl der Informationen, die vernünftigsten raus zu holen. Das ist ihnen nicht immer gelungen, aber das Zusammenspiel von klassischer Nachrichtenarbeit und dem scannen der Social Media Angebote, hat schon mal gut funktioniert. Dabei folgt CNN auch nur dem ältesten aller Mediengesetze: Suche so schnell wie möglich eine Quelle, die möglichst nah dran ist. Es stimmt schon ein wenig, was gestern einer schrieb (leider vergessen wer das war, tauchte in der Twittersuche auf) "Mumbai is not a city under attack as much as it is a social media experiment in action."

War Twitter also besser als die "alten Medien"? Nein. Es war schneller als die meisten Portale der deutschen Medien, es bot mehr Informationen und hätte man, wie pjebsen in einem Hotel ohne Nachrichtensender gesessen, hätte Twitter einem schon sehr weiter geholfen. Am besten funktioniert Twitter in solchen Fällen mit einer guten TV-Nachrichtenredaktion. Wer Twitter schon etwas länger nutzt, wird schon beim Erdbeben in China, oder vorher, als es die Auseinandersetzungen in Tibet gab, fest gestellt haben, dass der Dienst die Nachrichtenübermittlung verändert. Gestern hat Twitter bewiesen dass eben nicht nur Netzgeschwätz ist, sondern genauso funktionieren kann, wie jede Agentur auch.

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Dienstag, 18. November 2008

Life Magazin Fotos

Google hat große Teile des Fotoarchivs des mittlerweile eingestellten US-Magazins "Life" online gestellt. Die Fotos gibt es teilweise in hochauflösender Form und sind nur über eine Extraseite bei Google aufrufbar:

images.google.com

Google schreibt:

Search millions of photographs from the LIFE photo archive, stretching from the 1750s to today

1750? Fotos? Hmmmm...

Mal davon abgesehen, kann man sich stundenlang durch wirklich hochwertige Fotos klicken und staunen. Dazu gibt es zu jedem Foto auch ein paar Informationen. Zum Beispiel, wer der Fotograf war und wann und wo das Bild gemacht wurde. Schöne Sache, das.

Jetzt aber nicht denken, die wären unter CC oder einer anderen freien Lizenz. Die Fotos sind mit einem Copyright von "Times Inc." versehen und man sollte sie nicht einfach auf seiner Seite einbasteln.

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Von Frau Gröner geklaut, mit der ich mich immer noch nicht getroffen habe, seit dem sie in Berlin weilt. So langsam habe ich ein schlechtes Gewissen.

Clothes Interessiert mich nicht. Was man mir meist auch ansieht und es ist vermutlich einer der Gründe, warum ich mich in Berlin so wohl fühle. Bin ich mal in Hamburg oder München, denke ich im ersten Moment, dass die Leute da in der U-Bahn alle auf dem Weg zu einer Hochzeit oder anderen Feierlichkeiten sind, bis ich bemerke, dass die offenbar immer so aussehen. Dabei hab ich nichts gegen Mode. Vermutlich würde ich auch sehr viel für sie ausgeben, wenn ich denn mal einen Stil finden würde, der mir gefällt.

Furniture Ja, das ist ein Problem. Mein bester Freund war, als er das letzte Mal in meiner Wohnung war, völlig erstaunt darüber, dass nach drei (oder vier?) Jahren endlich alle Kartons aus allen Ecken verschwunden sind. Ich und Einrichtung - wir haben uns nicht so gerne. Interessiert mich einfach nicht, schon gar nicht in dieser Wohnung, mit ihren zwei 20qm Zimmern. Im einen ist mein Büro, im anderen das Schlafzimmer. Da passt auch nichts mehr rein, was soll man da einrichten. Einzig in der Küche kann ich Dinge einrichten. Würde ich morgen im Lotto gewinnen - die Küche wäre schon mal klar. Den Rest müsste ich vermutlich anderen überlassen. Das Schlimme daran wäre aber auch, dass es mir fast vollkommen egal wäre, was die da einrichten.

Sweet Geht so. Bei wird sogar Nutella schlecht. Einzige Schwächen in Sachen Sweets: Kuchen, Dominosteine und ab und an Eis.

City Berlin. Auch wenn das Wetter von November bis April bescheiden ist. L.A. würde ich auch mal gerne für ein paar Jahre machen, allein wegen des Klimas. Da sind gerade 27 Grad und das noch nicht mal da gemessen, wo es gerade brennt. Erwähne ich L.A. und meinen Wohnwunsch, halten mich die meisten ja für bescheuert. San Francisco würde jeder machen, aber L.A.? Ich weiß nicht, was es genau ist, was mich an der Stadt fasziniert. Mal abgesehen vom Wetter, den Burgern, dem Strand, den breiten Strassen, der Subkultur etc. Aber das wird ja so schnell eh nichts, mit dem Umzug.

Drink Wasser. Mit Brizzel. Ab und an Cola Light Lemon.

Music Die neue Grace Jones und ansonsten viel Easy Listening im Moment. Da habe ich mittlerweile eine stattliche Sammlung absurder Dinge. Erfahrungsgemäß ändert sich mein Musikgeschmack alle zwei Jahre. Davor war es Bossa Nova, davor Ambient, davor Post-Rock usw.

TV Tagsüber im Hintergrund meist ohne Ton CNBC. Abends Premiere oder irgendein anderer Filmsender ohne Werbung (TCM, Kinowelt, MGM etc). Wenn kein Film läuft, dann der History Channel oder Discovery History oder ZDF Dokukanal. Am Wochenende Motorsport, wenn denn Saison ist. ARD und ZDF selten, RTL, SAT.1, Pro7 und RTL2 habe ich gerade komplett aus meiner Kanalliste entsorgt. Mir geht die Dummheit deren Sendungen einfach zu sehr auf die Nerven. Serien schaue ich bei Premiere oder auf DVD. Kabel 1 und VOX haben noch eine Gnadenfrist.

Film Kino? Zu selten, obwohl ich eigentlich sehr gerne ins Kino gehe. Muss mir das mal wieder angewöhnen. Aber das ist ja genauso, wie mit den Kochabenden, die man immer mit Freunden plant. Man hat einen, findet es toll, sagt "Das machen wir jetzt regelmäßig" und sieht sich nach einem halben Jahr wieder.

Workout Zu wenig. Immerhin nehme ich nicht zu. Gewicht reicht aber auch. Würde ich bei gleicher Ernährung einfach mehr Sport machen usw... Ich versuche mir gerade anzugewöhnen, jeden Tag 30 Minuten spazieren zu gehen. Das ich im November auf die Idee kommen, ist auch mal wieder typisch. Aber irgendwie scheine ich im November plötzlich einen Bewegungsdrang zu entwickeln.

Pastries Siehe Sweets.

Coffee Ich trinke seit acht Jahren keinen Kaffee mehr. Vor ein paar Monaten mal wieder probiert, aber schmeckt mir einfach nicht mehr. Wenn mir kalt ist, trinke ich Kräutertee.

Was ist das eigentlich für eine schreckliche Zusammenstellung? Kräutertee, unmodisch, innenarchitektonische Katastrophe, Easy Listening. Ich glaube, ich werde kauzig. Oder ich muss mir angewöhnen Tweed und Knickerbocker zu tragen, dann gehe ich als Exzentriker durch.

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Mittwoch, 12. November 2008

BKA-Gesetz

Heute in der "Zeit Online"

Wer entsetzt ist, wie leicht es war, so viele Überwachungsinstrumente und Eingriffe in die Grundrechte per Gesetz zu verordnen, der muss sich fragen lassen, was er getan hat, um es zu verhindern. Wir sind selbst verantwortlich. Wir alle, die es sehenden Auges haben geschehen lassen. Wir alle, die wir politisch interessiert sind, Nachrichten verfolgen, auf allen möglichen Wegen kommunizieren und diese doch nur nutzen, um zu meckern. Statt etwas zu tun.

Danach führt Autor Kai Biermann dann noch viele Links auf, mit denen er zeigen möchte, wie leicht es doch eigentlich sei, seiner Stimme etwas Gewicht zu verleihen.

Da hat er Recht - jedenfalls teilweise. Mittlerweile gab es zwei Demonstrationen gegen die fortschreitende Überwachung, die zu einem Teil durch die Blogszene bekannt gemacht wurden. Schäuble 2.0 und andere Schlagwörter kommen ebenfalls als der Netzszene. Heise hat das Thema permanent auf dem Bildschirm.

Aber wo waren da die Zeitungen? Warum erscheint so ein Artikel nicht auf der Titelseite der "Zeit"? Warum hat keine Zeitung in den letzten Wochen und Monaten nicht mal eine Titelseite frei geräumt, auf der sämtliche Chefredakteure und Verleger die gegen die schärfer werdenden Überwachungsgesetze sind, unterschreiben, und ihre Meinung klar äußern? Das Netz hat schon viel getan. Es hat aufgeklärt, es hat sich bemüht, die Fakten darzustellen, es hat zu friedlichen Protest aufgerufen. Aber wo waren die Zeitungen und Magazine? Wo war der Titel in Spiegel, Stern, Fokus, FAZ oder Zeit?

Nachtrag 12.11.08, 20:58 Uhr: Mittlerweile haben die im nächsten Abschnitt erwähnten Publikationen alle mit Artikeln nachgezogen. Das geschah nach der offiziellen Abstimmung im Bundestag. Warum sie nicht vorher über die Abstimmung berichtet haben, so dass Wähler sich vielleicht noch informieren und sich an ihre Abgeordnete wenden können, ist mir allerdings immer noch nicht klar.

Und heute bis zum Zeitpunkt, als dieses Posting online ging? Spiegel.de? Nichts. Stern.de? Ein versteckter Hinweis auf einen mutlosen Artikel, wenn man lange und weit genug runterscrollt. Auf focus.de findet sich ein aus Agenturmaterial zusammengestückeltes Dings, dass den Namen "Artikel" nicht verdient, bei der Süddeutschen, ebenfalls sehr gut versteckt, hat man sein liberales Aushhängeschild namens Heribert Prantl was schreiben lassen, die FAZ hat gar nichts, die FR ebenfalls und bei der Zeit findet oben verlinkter Artikel, wenn man runterscrollt.

Das ist ein Armutszeugnis. Und eine komplette Bankrotterklärung des deutschen Journalismus. Der Artikel stellt fest, dass Zeitungen nichts mehr kritisieren oder gar verändern können. Und sie verbreiten keine Meinung mehr und oft genug verbreiten sie nicht mal mehr die Meldung. Vielleicht, weil sie es nicht wollen, vielleicht, weil sie es nicht mehr können. Stattdessen soll der Bürger sich gefälligst selbst informieren und seinen Protest formulieren. Die Zeitung und ihre Online-Ableger haben sich offenbar endgültig vom "Wachhund der Demokratie" zum hysterisch kläffenden Chuhuahua entwickelt, der am liebsten bei Paris Hilton auf den Schoss sitzt.

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Links I

Sollte mir doch mal wieder angewöhnen, die täglichen Links zu posten.

Ernst gemeinte Fakten über Rahm Emanuel, dem neuen Stabschef von Barack Obama. rahmfacts.com

FriendFollow - Seite, um nachzusehen, welche charakterlich schwachen Menschen einem bei Twitter nicht folgen, obwohl man ihnen folgt. Und wem man selbst alles nicht folgt, weil man es (selbstverständlich) übersehen hat. friendorfollow.com

Organspendepflicht für ALGII-Empfänger (Das schlimme ist - man hält es nicht für unmöglich) www.heise.de

Calories Burned During Sex (SFW, nur Text) www.c4vct.com

Riesige Super-8 Film Sammlung mit sehr ausgefallenen 70er Jahre Covern www.super-8-hobby.de

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