Dienstag, 15. Mai 2007

Wie viele wissen, schreibe ich für die Welt Debatte seit Februar ein Weblog zum Thema Fernsehen und Internet. Natürlich habe ich die Geschichte um die Löschung des Artikels von Alan Posner mit verfolgt, konnte mich aber bisher nicht zu einer Stellungnahme durchringen, weil ich mir einfach nicht sicher war, wie ich zu dem Thema stehe. Thomas Knüwer gibt auch meine Meinung teilweise wieder. Ich fand den Artikel von Posner mindestens grenzwertig. Dabei geht es mir nicht um den Inhalt, sondern um die Art und Weise, wie er geschrieben hat. Der Stil war schlecht, die Beschimpfungen überflüssig. Jeder Eintrag der "Titanic" zum Thema "Bild" hat mehr Witz, ohne gleich den ganz großen Holzhammer rausholen zu müssen. Wie sagte Karl Kraus mal so schön: "Satiren, die der Zensor versteht, werden mit Recht verboten."

Nun regt man sich über das Interview von "Welt Chefredakteur" Christorph Keese auf. Der sagte in einem Interview mit der SZ:

Blogs sind private Tagebücher, professioneller Journalismus besteht aus der Kombination von Schreiben und Redigieren. Im Journalismus gibt es keinen Einhandbetrieb, sondern Autoren, die Texte schreiben, und Redakteure, die Texte bearbeiten, oft in einem vielstufigen Verfahren. Erst dadurch entsteht professioneller Journalismus.

Im ersten Moment fiel mir die Kinnlade runter, weil dadurch angedeutet wird, dass Blogs eben nicht den viel zitierten "Qualitätsjournalismus" liefern können. Das Gegenteil beweisen aber "Spreeblick", "Netzpolitk", die "Blogbar" und viele andere mehr. Diese Aussage und viele andere sind, aus Sicht aus eines Bloggers, schwer nachzuvollziehen.

Man sollte aber nicht vergessen, dass die Aussagen von einem Mann kommen, der neben der normalen Redaktionsochsentour (Henri-Nannen-Schule usw.) auch lange die wirtschaftlichen Aspekte eines Verlages (Gruner & Jahr, Financial Times Deutschland) mitbekommen hat. Da redet eben kein Quereinsteiger, keiner, der das Schreiben als seine Hauptaufgabe sieht, sondern jemand, der die Abläufe einer Redaktion unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sieht. Dazu noch jemand, der eine journalistische Ausbildung in den 80er Jahren absolviert hat.

Ich stimme vielen Aussagen nicht zu, aber gleichzeitig sieht man auch, wie Verlage die "Medienrevolution" im Netz sehen. Denn Springer steht damit absolut nicht alleine in der deutschen Verlagswirtschaft. Während anderswo der "Open Source Journalismus" so langsam begriffen wird, steht man in vielen Managementetagen dem Phänomen offenbar völlig hilflos gegenüber. Man probiert ein wenig rum, und so bald es heiß wird und mal Reibung gibt, bemüht man sich mit althergebrachten Mitteln das Problem zu lösen. Wie schwer es aber schon heute ist und welche Macht das Internet, selbst das kleine deutsche Blogdorf hat, hat man in den letzten Monaten und auch in dieser Geschichte wieder sehen können.

Das zweite Problem ist die Grenze zwischen objektiven "klassischen" Journalismus, so wie ihn nicht die Redaktion der "Welt" sondern auch viele andere verstehen, und dem subjektiven Bloggen. Nach Ansicht vieler Redakteure und Journalisten passt das nicht zusammen. Auf der anderen Seite stehen viele Blogger, darunter auch ich, die sagen: Aber sicher geht das zusammen. Das geht sogar ganz gut. Das ganze Problem des klassischen Journalismus wird in einem Satz vom Chefredakteur der "Welt" zusammengefasst.

Es bringt nichts, seine Persönlichkeit spalten zu wollen in den professionellen Journalisten und den einsamen Wolf, der im Alleingang bloggt.

Besser kann man das Problem nicht beschreiben. Wenn ich in einer Zeitung einen Bericht lese, dann erwarte ich, dass dieser auch die Meinung desjenigen widerspiegelt, der den Bericht geschrieben hat. Die Problematik des modernen Journalisten, dass er nicht das schreiben und sagen kann, was er gerne will, sollte eigentlich nicht existieren. Sie ist aber da, nicht nur bei Springer, sondern bei allen Verlagen, die mit Anzeigen Geld verdienen. Und da könnte auch einer der Hauptgründe liegen, warum so viele Leser ins Internet verschwinden. Es ist nicht nur die Bequemlichkeit, sondern auch die Tatsache, dass man in Zeitungen und Magazinen nur noch in Ausnahmefällen mit einer konkreten Meinung konfrontiert wird.

Da tut sich ein großer, kaum überschaubarer Graben auf. Blogger stehen auf der einen, Journalisten und Chefredakteure auf der anderen. Und beide Seiten verstehen nicht, wie man auf die jeweilige Art und Weise arbeiten kann. Auf der einen Seite der klassische Redaktionsjournalismus, der noch aus einer Zeit stammt, in der der Beruf des Journalisten ein gefährlicher war, und man nur dann sicher arbeiten konnte, wenn eine Redaktion und ein Verlag hinter einem standen. Auf der anderen Seite die Blogger, die die Kommunikationsinstrumente des Journalismus mittlerweile genauso beherrschen, und die Gatekeepingfunktion des Journalismus (zu Recht) in Frage stellen. Aber ich glaube, dass das Problem nicht der Journalismus als solcher ist, sondern die Art und Weise, wie man mit ihm Geld verdienen will.

Und gelöscht wird immer. Johnny hat beim "Spreeblick" vor einigen Monaten auch mal einen Artikel runter genommen, ich habe in diesem Blog auch schon Einträge erheblich nachbearbeitet und ein paar auch offline gestellt. Bisher hat man es halt nicht gesehen, wenn ein Artikel nicht erschienen ist, denn er landete einfach im Papierkorb. Redakteure beim "Stern" oder beim "Spiegel" kommen teilweise nur auf eine Druckquote von 30% oder 40%. Bedeutet: 60 bis 70% der geschriebenen Artikel kommen, aus welchen Gründen auch immer, gar nicht oder nur sehr verstümmelt ins Heft. Zensur gibt es aus den unterschiedlichsten Gründen. Nur ein Beispiel: Ich habe schon ein paar Dinge drüben im Abmahnblog und auch hier deswegen nicht geschrieben, weil ich eine Abmahnung befürchten musste. Die Zensur, die vom Abmahngesetz ausgeht, ist weitaus größer, als jene, die durch Redaktionen oder deren Leiter in Deutschland ausgeübt wird. Es fehlt in Deutschland ganz klar eine gesetzliche Untermauerung der Redefreiheit, wie sie in den USA existiert. (Sehr lesenwert hierzu die Erläuterungen bei "USA erklärt" in drei Artikeln: 1., 2., 3.)

Wenn es in Posners Eintrag nicht gerade um Diekmann gegangen wäre, hätte man vermutlich wenig Notiz davon genommen. Aber weil der Bild Chef eben so, sagen wir mal, polarisiert, und weil die Anzahl seiner Fans unter Bloggern wohl sehr überschaubar ist, hat es den Aufruhr gegeben. Aber die Hysterie um diesen gelöschten Eintrag kann ich, wie oben erwähnt, nicht nachvollziehen. Weitaus interessanter ist die Diskussion um die Arbeitsweisen von Redaktionen und Journalisten, die sich aus den Aussagen von Christoph Keese ergibt.

Wir müssen als professionelle Medien eine Haltung zu Blogs entwickeln, und die Debatte darüber steht noch aus. Blogs haben ihre Berechtigung und sind eine Bereicherung des Internets. Aber sie stehen für etwas ganz anderes als wir.

Dieses "andere" ist es, was den Verlagen deswegen Kopfzerbrechen bereitet, weil das neue Verständnis des "Open Source Journalismus" noch nicht in den Redaktionen und schon gar nicht in den Managementetagen angekommen ist. Die "Welt" hat den Mut gehabt, als Erste eine Debatten Plattform zu eröffnen, und sie sind damit auch die ersten, die lernen müssen, wie die Verzahnung von Blogs, Subjektivität und klassischen Redaktionsverständnis funktionieren kann.

Und um das klarzustellen: Mein Blog wird nicht gegengelesen. Es werden die Blogs der bei der "Welt" angestellten Redakteure gegenzulesen. Ich stelle meine Einträge weiterhin direkt online, die Redaktion erhält darüber erst Notiz, wenn der Eintrag online ist.

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Montag, 14. Mai 2007

Neue Geschäftsidee.

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Samstag, 12. Mai 2007

Besser kann man es nicht zusammenfassen und ausdrücken.

Natürlich sehen das naturgemäß Menschen anders, die jede Kritik an der Regierung, die sich nicht in schönen Worten erschöpft, schon als Bedrohung des Staates betrachten und diesen deshalb “stark” machen zu müssen meinen. Dabei ist dies nichts anderes als wahre Schwäche: der Glauben, die Demokratie sei in Deutschland so schwach, daß sie sich von ein paar Steinewerfern in Schutt und Asche legen ließe. Ehrlich gesagt, von einigen der Leute, die sich in Heiligendamm treffen, geht eine größere Gefahr für die Demokratie aus als von irgendwelchen Initiativen im Kreuzberger Mehringhof.

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Freitag, 11. Mai 2007

Sorry, dass es hier im Moment etwas ruhiger ist. Aber mein Arbeitsleben schlägt gerade Purzelbäume, was an sich ja nichts schlechtes ist. Anfragen, neue Aufträge, dazu die bestehenden Blogs... mein Leben sieht im Moment so aus, dass ich aufstehe, mit der Zahnbürste im Mund vor dem Rechner sitze und mir eine Übersicht verschaffe, was an Mails rein gekommen ist. Dann sitze ich bis Abends vor dem Bildschirm, rase gerade noch mal in Supermarkt, wo ich mir und meiner Katze was ungesundes zum Essen kaufe. Gegen 20.00 Uhr mache ich mir Abendessen, ab 22.00 Uhr sitze ich wieder vorm Rechner. Und das geht jeden Tag so, auch am Wochenende. Das ist prinzipiell nicht bejammernswert, aber doof, dass dem Finanzamt gerade alle paar Wochen einfällt, dass da ja doch noch was zu zahlen sei. Dann laufe ich hektisch zu meiner Steuerberaterin, die dann viele Briefe schreibt, mir aber sagt, ich solle sicherheitshalber erstmal zahlen, damit kein Unglück passiert. Sollte es zu viel sein, wird man das klären.

Wenn man die ganze Zeit arbeitet, aber am Ende kaum bis gar nichts bleibt, ist das eher unschön. Man könnte auch sagen: "Es kotzt einen an." Dazu kommt: schreiben ist keine Fließbandarbeit. Es gibt Tage, da geht es eben nur schlecht. Manchmal braucht man für einen Text nur 10 Minuten, manchmal 12 Stunden. Damit Kunden, Leser und auch ich selbst zufrieden sind mit dem was ich mache, muss ich fit sein. Ich komme mir im Moment vor, wie ein Hochleitungssportler. Die paar Bier am Dienstagabend in Wien mit Freunden, habe ich am Mittwoch schon wieder bereut, denn am Abend war ich so müde, dass ich fast am Rechner eingeschlafen wäre.

Auch, wenn das sich das Jammern anhört - soll es nicht. Ich bin froh, dass ich gesund bin, dass ich die Arbeit habe und dass ich so schöne Dinge, wie mindestenshaltbar machen kann. Ich freue mich jedesmal, wenn ich dort einen neuen Kommentar sehe oder einfach nur die Seite anschaue. (Lustigerweise gibt es für diesen Auftrag das wenigste Geld.) Und ich freue mich darauf, dass das wunderschöne Mädchen die Tage hier einlaufen wird, da wir zum ersten Mal zusammen einen kleinen Auftrag angenommen haben. Bedeutet zwar noch mehr Arbeit, aber auch, dass ich nicht alleine arbeite, was ich sonst immer mache, da ich in keinen Büro sitze.

Also - nicht wundern, wenn es hier die Tage nur sporadische Updates gibt. Das Leben, das gemeine, ist schuld.

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Donnerstag, 10. Mai 2007

Es ist vollbracht. Nach ziemlich vielen Mails, einer Flugreise nach Wien, sehr vielen Telefonaten langen Nächten und wenig Schlaf haben wir es tatsächlich geschafft, die erste Ausgabe von "mindestenshaltbar" unter meiner Regie pünktlich auf die Beine stellen zu können.

Ein großer Dank geht zunächst an die Autoren, die alle wirklich wundervolle Texte für diese Ausgabe zur Verfügung gestellt haben.

Herr Paulsen Merlix Susanne Englmayer Miriam von K. suna Herr Hilbig

In den nächsten Ausgaben wird sich das Erscheinungsbild des Magazin auch leicht verändern. Es wird keine Revolution geben, aber ein paar Kleinigkeiten werden schon geändert werden.

Jetzt danke ich erst mal allen, die an dieser Ausgabe mitgearbeitet haben und wünsche viel Spaß beim Lesen. Feedback hier oder auch drüben in den Kommentaren ist sehr willkommen. Ich bin sehr nervös...

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