Ich unterbreche meine immerhin schon vier Tage andauernde Blogpause, da ich offenbar nicht allein bin, mit meinen Fragen an die Blogszene
Dirk Olbertz macht seinen Counter "blogscout.de" dicht. Das kommt einerseits etwas überraschend, andererseits kann ich die Gründe, die die er anführt vollkommen nachvollziehen. Sie entsprechen im Grunde denen, die mich im Moment dazu bewegen, dieses Blog mal ruhen zu lassen. Er beendet sein Projekt, weil es nicht der Wegweiser in der Blogszene werden kann, den er sich wünscht, ich pausiere, weil ich mich nach ziemlich genau 5 Jahren Antville und insgesamt sechseinhalb Jahren Blogtätigkeit frage, ob die Art und Weise, wie ich mein Blog führe und wie ich die Blogszene sehe, überhaupt noch a)zeitgemäß ist, und b) Sinn macht.
Damit meine ich nicht den Umstand, dass sich jemand hinsetzt, etwas aufschreibt und ins Netz stellt. Das halte ich weiterhin für eine Idee, die man nicht verbessern kann. Mir geht es einerseits um die Technik, andererseits darum, was das Ganze überhaupt bringt. Vielleicht liegt meine momentane Abneigung gegenüber der Blogosphäre auch daran, dass ich a) in diesem Jahr ein wenig überarbeitet bin und b) ich eben schon so lange dabei bin. Jedenfalls wundert mich der Zustand und der Umgangston in der deutschen Blogszene. Es gibt einfach zu viele Leute, bei denen man den Gedanken hat, das von Matt und Jörges vielleicht doch Recht hatten. Und es sind zu viele Blogs wie f
aufgetaucht, dessen Inhalt anscheinend einfach nur darin besteht, sich als Held darzustellen, um den Menschen mal zu erklären, wie es richtig funktioniert, alleine aus dem Grund, um sich über andere zu stellen zu können. Und es sind zu viele Blogs aufgetaucht, in denen es nur noch darum geht zu nörgeln. Ich habe ca. 250 Blogs deutschsprachige Blogs abonniert, und in vielen geht es zu, wie am Reklamtionsschalter eines schwäbischen Möbelhauses. "Da ist Farbe abgeplatzt!", "SIE HABEN EINE NUSS ZU WENIG GELIEFERT!!!1!", "Das nennen sie ein Spaltmaß?". Es wird genörgelt und es werden andere Blogger mal offen, mal weniger offen beschimpft. Meist mit dem Ziel, mal wieder selber ein paar Klicks zu bekommen. Es geht vielen nicht mehr Austausch, sondern nur daraum eine Meinung zu postulieren und wenn dafür jemanden ans Bein pinkeln muss, dann ist das eben so und der andere hat es auch nicht besser verdient. Das die ersten Abmahnungen zwischen Bloggern aufgetaucht sind, wundert mich zwar nicht, macht mich deswegen aber auch nicht glücklicher, sondern eher panisch, weil wir ja noch Sommer haben und der Herbst/Winter, in dem traditionell mehr im Netz los ist, erst noch kommt.
Wie gesagt, kann ja sein, dass meine Beobachtung auch meiner allgemeinen Müdigkeit geschuldet ist. Aber stelle ich mir halt gerade die grundsätzliche Frage, was ich mache möchte. Microblogging? Eine Art automatisierter Bookmarkfeed? Oder alles vergessen, komplett wieder ins "private" gehen und ab und an Katzenbilder online stellen? Oder vielleicht alles zusammen? Ach, das geht nicht, weil das "Image" ja heute wichtig ist. Und man wird ja allerhöchstens als "schrullig" bezeichnet, wenn man zwischen Bildern, Reiseberichten, Kochrezepten auch mal was über das neue "Links" schreibt. Um glaubhaft zu sein, muss man sich schon entscheiden. Dabei dachte ich immer, dass Blogs gerade genau das ausmacht, dieser Mix.
Naja, mal sehen, was mir so einfällt. Deswegen gehe ich jetzt wieder in meine Nachdenkecke. Danke für die Aufmerksamkeit.
In der letzten Zeit ist es ja was ruhig hier, was einerseits mit dem Sommer zu tun hat (hier in Berlin ist Sommer) aber vielmehr damit, dass ich gerade in einem kleinen Loch stecke. Ein Loch geistiger Natur, das viel mit der Arbeit, aber noch mehr mit meinem Internetnutzungsverhalten zu tun hat. In letzter Zeit fühlte ich mich hier vor meinem PC wie ein Mülleimer, in den man noch mal versucht was reinzustopfen. Raus (also arbeiten) geht ja noch, aber rein geht kaum noch. Deswegen lese ich Moment absolut keine RSS Feeds und/oder Blogs und eigentlich auch nur Seiten, die ich für die Arbeit benötige. Die mache ich dann fertig und sobald das passiert ist, gehe ich entweder raus, sitze dumm rum und lese, gehe zum Sport (Hurra, ich kann das jetzt auch sagen, nach dem ich einmal schon beim Sport war) oder werfe mich vor den Fernseher und schaue den "History" Channel oder DVDs ("Stargate", "Band of Brothers", Marx Brothers Dokus). Mails schaue ich zweimal am Tag und auch ansonsten versuche ich gerade mein Internetprogramm auf ein Minimum zurück zu fahren. Was gar nicht so leicht ist, mir aber durch das Gefühl des "Ausgebrannt-" seins einigermaßen erleichert wird.
Also mache ich mal eine Schreibpause, zumindest hier und im Abmahnblog. Letzteres ist eh eine offene Plattform, also anstatt mir Links zu schicken, kann man die auch selber reinstellen. Mal sehen, wann die Energie wieder zurück ist. (Neulich mit einem in Bloggerkreisen bekannten Berliner Nicht-Blogger darüber gesprochen, wie toll es ist, wenn man mal was verrücktes tut um sich zu entspannen. Vieleicht mache ich ja bald auch so etwas.)
Heiko Werning war in den USA im Urlaub und berichtet darüber höchst amüsant in seinem Blog bei der taz:
Als ich mein Reiseziel Florida im Vorfeld der Tour erwähnte, wurde ich wiederholt mitleidig bis missbilligend angeschaut. Er jedenfalls fahre nicht mehr in die USA, so lange George Bush da regiere, teilte mir ein Bekannter mit – und abgesehen davon, dass diese eiserne Haltung das Bush-Regime sicherlich bald schon in die Knie gezwungen haben wird, bin ich relativ sicher, dass dieselbe Person mir bei einer Reise nach sagen wir China begeistert beigepflichtet hätte, wie aufregend und spannend das sei. Und spannend ist China ja auch, vor allem für die Dissidenten, die dort reihenweise umgenietet werden. Aber da geht es ja schließlich um kritischen Dialog oder so.
"It looks as if Hollywood brides keep the bouquets and throw away the grooms."
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"You have 19 children???"
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"I love my husband"
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"Lady, I love my cigar, too, but I take it out once in a while."
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"A hermit eh? Then why's your table set for four?"
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"That's nothing. My alarm clock is set for eight."
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"You know, I'd buy you a parachute if I knew it wouldn't open."
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"Haha you're crazy, I got a pair of shoes."
A man's only as old as the woman he feels
Behind every successful man is a woman, behind her is his wife.
From the moment I picked your book up until I laid it down I was convulsed with laughter. Someday I intend reading it.
I have nothing but respect for you, and not much of that.
Oh, are you from Wales? Do you know a fella named Jonah? He used to live in whales for a while.
Time flies like an arrow. Fruit flies like a banana.
Groucho Marx - 02.10.1890 - 19.08.1977
(Zugabe von Chico)
Ich habe immer noch eine dicke Halsschlagader in Sachen Abmahnungen und Meinungsfreiheit. Die Sache mit Stefan Niggemeier ist da nur der Tropfen gewesen, der das persönliche Fass zum überlaufen gebracht hat. Ich frage mich stündlich, was in diesem Land eigentlich gerade passiert.
Eine ganz gute Übersicht über den rechtlichen Stand in Sachen "Kommentarhaftung" liefert Thomas Schwenke (Link via Robert). Sein sehr lesenswerter Artikel fasst gut und verständlich zusammen, wie die Lage zur Zeit ist. Dabei kommt er zu dem Schluss:
Wollt Ihr so richtig und völlig sicher sein, dann stellt Eure Kommentare auf “Moderation” und löscht jeden Kommentar, der auch nur ein bisschen nach Rechtsverletzung aussieht.
Das mag sicher stimmen, finde ich aber nicht akzeptabel, zumal es mit dieser Software schlichtweg nicht umsetzbar ist. Das ich bei Antville (und anderen Plattformen) nicht die Möglichkeit habe, Kommentare vor ihrer Veröffentlichung zu prüfen, zeigt deutlich, in welche Richtung sich zumindest in Deutschland die Rechtssprechung bewegt hat. Als man Antville 2001 auf den Markt brachte, dachte man nicht an eine Moderationsmöglichkeit, weil der Gedanke, dass man Meinungen vor ihrer Veröffentlichung überprüfen soll, ziemlich abwegig war. Eine Löschfunktion reichte völlig aus. Würde ich mich an Rat halten, müsste ich entweder die Kommentare abschalten, oder das Blog mit einem Passwort versehen, so dass nur ein geschlossener Nutzerkreis Zugang hat. Bin ich ein Tag weg, müsste ich die Kommentarfunktion aller Einträge der letzten fünf Jahre schließen, oder ein Schloß vors Blog klemmen.
Schwenk weist daraufhin, dass es sehr unterschiedliche Urteile zum Thema "Mitstörer" gibt. Das Problem ist halt, dass jeder Richter zu der einen oder anderen Auffassung neigen könnte. Die Chancen, dass man sich vor einem Gericht gegen eine eventuelle Abmahnung erfolgreich wehren kann liegen so zwischen 50% (Düsseldorf, Berlin) und 0,5 % (Hamburg).
Das Problem ist nicht nur die unsichere Rechtslage, sondern auch, dass viele Richter, vorsichtig formuliert, nur eine rudimentäre Ahnung haben, wie Blogs/Foren funktionieren. Auch die Frage, wann man eine persönliche Kritik äußert und wann man eine Firma oder eine Person (was mittlerweile in der Rechtssprechung auch nicht mehr komplett getrennt wird) beleidigt, bzw. verleumdet ist völlig offen. Das geht so weit, dass seit dem Stolpe Urteil jemand auch dann auf die Unterlassung klagen kann, wenn die Aussage nicht eindeutig ist. Anders ausgedrückt steht es im Text der "taz":
Wenn sich jemand meldet und behauptet, er sei in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt, muss die Presse sämtliche denkbaren Textauslegungsmöglichkeiten durchprüfen und dem Betroffenen versprechen, dass zukünftig eine eindeutig "harmlose" Formulierung gewählt wird...
Meiner Meinung nach läuft seit einigen Jahren in Sachen Presse- und Meinungsfreiheit etwas grundsätzlich falsch. Am besten fassen das zwei Zitate aus einer Artikelreihe des "USA erklärt" Blogs zusammen:
Denn aus Sicht der Amerikaner ist eine weit reichende Meinungsfreiheit langfristig die einzige Möglichkeit, um die Bürgerrechte zu schützen. In dem Moment, wo der Staat einen Teil der freien Rede einschränken darf, entzieht er sich damit auch zum Teil der Kontrolle des Bürgers und kann andere Verstöße vor dem Volk verstecken. Die Demokratie wird dann langsam ausgehöhlt, wie durch einen Tumor. Ohne free speech ist die Freiheit verloren.
und
Amerikaner tun sich mit diesem Prinzip schwer. Aus ihrer Sicht ist die Verfassung dazu da, um das Volk vor dem Staat zu schützen - dass der Staat die Verfassung vor dem Volk schützen soll, finden sie seltsam.
Nicht das ich die USA als Hort der absoluten Demokratie ansehen würde, aber in Sachen Meinungs- und Pressefreiheit liegt mir der Ansatz doch deutlich näher und die Frage stellt sich, wie man einen solchen Ansatz auch in den deutschen Gesetzen verankern kann.
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