Mist
Kleine Gärten
"Hitler wollte uns nicht an den Kragen, Ulbricht und Honecker auch nicht, jetzt kommen die", schimpft der pensionierte Reichsbahner Dieter Grothe, 67... Interessante Aussage. würde bedeuten, dass der Turbokapitalismus schlimmer sei, als Hitler und/oder die DDR. Wenn man es wörtlich nehmen würde, wenn man den Artikel gelesen hat. Ich würde sowas ja nie behaupten, da man mit NS Vergleichen zur Zeit ja etwas vorsichtig sein muss. Aber neulich da hörte ich einen jungen Menschen sagen: "Der Nationalsozialismus hat rund 35 Millionen Menschen in 12 Jahren den Tod gebracht. Jährlich verhungern zur Zeit ungefähr die gleiche Zahl an Menschen weltweit." Ein sicher nicht statthafter, aber durchaus interessanter Vergleich. Nun sterben die Leute auch nicht, weil es den Burtalo-Kapitalismus gibt. Die würde auch sicher so sterben. Aber sie sterben auch, weil das Kapital eben nicht so fließt wie es fließen könnte.
Das Böse in der Musik
...sitzt zumeist in den Konzernen. Sehr, sehr guter Artikel, bzw. Beginn einer Artikelserie über die Musikindustrie im neuen BrandEins. Kann man zwar auch so lesen, aber ein paar Käufer mehr tut der BrandEins sicher auch gut.
[Huch ich sehe gerade Aargh.de liest auch die BrandEins. Sehr schön]
Ich kenne die Musikindustrie ja aus eigener Erfahrung, sowohl als Journalist, als auch als Angestellter. Keine zehn Pferde würden mich mehr in diese Branche bringen, oder anders ausgedrückt, ich glaube, ich würde eher für die CSU arbeiten, als für SonyBMGUniversalEMIZomba. Dass denen der Laden zusammenbricht, konnte man schon zu Zeiten beobachten, als es noch gut lief. Wenn man frische BWL Jünglinge von der Uni holt, die als Produktmanager die Musik betreuen sollen, von selbiger aber keine Ahnung haben weil sie bisher nur Phil Collins hörten, dann darf man sich auch nicht wundern, dass diese Menschen irgendwann mal zur eigenen Joberhaltung auch den letzten Rest von musikalischem Verständnis sausen lassen, und einen kurzfristigen Erfolg einer Retortenband bevorzugen. Auch eben wegen der eigenen Gratifikation. Die Krise ist keine Krise der obersten Management, sondern des mittleren. Eben all die Golffahrenden Knallköppe, mit Fönfrisur, Ray-Ban, Boss After Shave und Mädels auf dem Beifahrersitz, die Kaugummi kauen, Schlüsselbänder um den Hals haben und niedliche kleine T-Shirts tragen und das Buch "Generation Golf" lesen oder Stuckrad-Barre. Ich sah die neulich alle, alle wieder, als ich bei der "House Warming Party" von Universal eingeladen war. Vier Jahre hatte ich einen sehr großen Bogen um die Branche gemacht und innerhalb von 2 Minuten wußte ich auch wieder warum. Aber die Häppchen waren lecker und für den GinTonic nahmen sie Bombay Sapphire. So schlecht kann es ihnen also nicht gehen.
Negative Schwingungen
Es gibt Seiten, die können Menschen mit einem leichten Hang zur hysterischen Panik aber auch jedes Vergnügen zum absoluten Albtraum werden lassen. . Ich glaube auch, dass das Sterben in einem Vergnügungspark einem ein schlechtes Karma macht. Dann wird man wahrscheinlich mit dem Humor von Chemikern wiedergeboren
Muffig
Heute morgen um kurz vor neun auf dem Amt gewesen, um mich im dritten Anlauf endlich mal anzumelden, nachdem ich es sowieso andauernd verschlampt habe. Da geschah es mir recht, dass ich eine Stunde zu früh da war und warten musste. Ich habe eine sehr tiefe, sehr persönliche Abscheu gegen jede Form von Ämtern und Bürokratie. Man könnte sagen, ich sei paraniod, aber ich hasse es, wenn Beamte irgendwas über mich aufschreiben, abhelften, abspeichern und fragend zur Seite legen. Ich glaube dann immer, dass so harmlose Sachen wie eine Ummeldebescheinigung, irgendwann mal von irgendjemanden gegen mich verwendet werden kann. (Ankläger messerscharf"Sie, Dahlmann, sind sie nun im Jahre 2002 nach Berlin gezogen? Na?" fuchtel mit einem Zettel) Aber auch auf den Gängen eines Amtes ist es schlimm. Das zentimeter dicke Linoleum, die abgeschraubten Fenstergriffe, damit auch niemand auf die Idee kommt, frische Luft rein zu lassen, oder aus dem Fenster zu springen (1. Stock - gefährlich), die vergilbte Werbung auf der "Die Schutzpolizei sucht Nachwuchs" steht, die Beamten, die mit skeptischer Miene an den Wartenden vorbei hasten, die Nummern aus Altpapier, die man ziehen muss; der muffige Geruch, der durch alle Hautporen eindringt. All das fördert bei mir Ausschlag, Juck- und Brechreiz, Unwohlsein und das Gefühl, der falsche Mann, am sehr falschen Ort zu sein. Aber ich hab es dann doch noch geschafft. Als ich wieder raustrat, in die freie Welt, da hätte ich aus einer guten Laune heraus geradewegs eine Oma über die Strasse scheiben können. War aber keine da.
Nächste Seite
