Montag, 4. November 2002

Rückschlag

Drei Tage Köln werfen einen gewichtmäßig um Monate zurück. Konnte ich auf dem Hinweg noch mit einem fast flachen Bauch zusteigende Damen über den Buchrand des äußerst amüsanten "Lexikon des Klatsch" von Michael Graeter angrinsen, mußte ich mich auf dem Rückweg krumm und bucklig machen und die Frage "Warum hast Du nur Deinen zeltartigen Pullover nicht angezogen" verfing sich in einer Endlosschleife. Gut, das mag jetzt an den 30 Dosen Reissdorffer, der halben Flasche Brandy, einer Tafel Schokolade, einer Tüte Popcorn, einem ganzen Lachs, 1 Kilo Sauerkraut, Nudeln, 8 kleinen Bratwürsten, drei Reibekuchen und null Bewegung liegen. Halt! Stimmt nicht. Wir sind vom Parkdeck zu Fuß ins Kino gelaufen (mindestens 90 Sekunden Weg!).

Ein weiterer Rückschlag empfing mich zu Hause. Meine vortreffliche Bank hat mir die neue EC Karte zu gesendet und sie ist in einem derartigen, schrecklichen Plastik-Weiß-Rosa, mit einem Design, dass man in den 70er Jahren mal als Tapete hatte, dass man sich jedesmal schämen muss, wenn man die Karte zückt. Und ich muss mich jetzt bis 2006 schämen, es sei denn, das wird modern, was ich auch nicht ernsthaft hoffen mag. Dafür kann ich mich jetzt an 800.000 Geldautomaten in 105 Ländern lächerlich machen.

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Samstag, 2. November 2002

Bier is alle

Kann es einen schlimmern Ruf am Abend geben?

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Donnerstag, 31. Oktober 2002

Liebe Firma "Direct Marketing"!

Erstmal vielen Dank für die Mail, die ihr mir gesendet habt. Zumeist ist mein Account ja mit den 50 Spams pro Tag durchaus verweist. Da freut man sich, wenn man mal direkt als "Science has finally done it!" angesprochen wird.

Und dann das Angebot! Toll! "Attract the opposite sex with scientifically engineered human pheromones!" Ja super. Aber wie jetzt? Wissenschaftlich geschaffenen oder doch menschliche Pheromone? Das wollte ich genau wissen, und bin der Einladung auf eure Webseite gefolgt. Und da scheint ja ne Menge los zu sein. Mein DSL gestützter Netscape 7 Browser vermeldet mir schon nach 246 Sekunden, dass die Seite fertig geladen sei. Aber gut, wenn man was erleben will, dann muss man ja zumeist anstehen. Ausserdem: Bei solchen Aussichten, wartet man gerne etwas länger: "When you use Androstenone Pheromone Concentrate, even in small amounts, you will see why men everywhere are reporting astounding results! Armed with the power of pheromones, you will soon experience the joy of having women approach you, make eye contact, smile and start up a conversation. Even women you hardly know!"

Das ist ja n Ding, dachte ich. Man schaut Frauen in die Augen! Richtig in die Augen! Bleibt die Frage, was passiert, wenn ich es nicht in small amounts nutze, sondern Abends auf der Badematte ausrutsche und mir das Zeug kübelweise auf den Brustkorb schmiere? Laufen die Weiber dann weg, weil ich stinke wie Rüdiger Nehberg nach einem sechswöchigen Dschungeltrip?

Naja - fast hätte ich das Zeug ja einfach mal so gekauft. 25$ für 20 Anwendungen ist ja wirklich nicht zuviel. Dann las ich aber folgenden Satz und konnte meine Bestellung vor lauter Lachen leider nicht mehr absenden:

"The incredible power of pheromones is demonstrated in the way a dog "in season" can drive other dogs crazy with sexual desire from miles away using only their natural pheromones! The drive to mate is a strong natural instinct in all animals, including human females!"

Mal davon abgesehen, dass ich dem wissenschaftlichen Schluss, dass Frauen, ähnlich wie Hunde, jeden naturgeilen Mann Kilometerweit wittern, eher skeptisch gegenüber stehe, (man, da wär ja draussen was los!) stellte ich mir vor, wie ich mit stolzgeschwellter und vor Pheromonen platzender Brust vor den Türen des "Big Eden" stehe, immer eine Rotte rolliger Hündinnen hinter mir her ziehend, die willenlos aufgegeilt, ihren Schweif hochstreckend, zur Paarung auffordern. Will ich irgendwie nicht. Sorry.

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Mittwoch, 30. Oktober 2002

Vorsicht beim Parken in New York

Mal abgesehen von herumfliegenden Hochhäusern, kann man sich auch sehr schnell hier wieder finden. Die Aussenstände weisen allerdings auch auf ein nicht funktionierendes Inkassowesen hin. Die könnten helfen

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Dienstag, 29. Oktober 2002

Weit voraus

Die Sofisten sind ihrer Zeit mal wieder voraus. Endlich mal jammern dürfen. Endlich mal Zeter und Mordio schreien. Endlich mal den ganzen Konsumfrust raus lassen.

Auf der anderen Seite sind wir das auch selber schuld. Terror der Ökonomie. Jahrelang sich als willenloser Lohnsklave für irgendwelche Firmen in den von Krankenkassen prognostizierten Herztod schicken lassen, nur damit man eine neue Joghurtmarke im Kühlschrank stehen hat, dessen Gelatine mit Seperatorenfleisch angereichert wurde. Scheiss Gefühl in der Arbeit? Gehn wa halt shoppen und kaufen für 25 Euro eine Flasche von dem Rotwein bei Franco aus der Toskana mit dem obskuren Label, der von albanischen Hilfsarbeiter in einer Weinfabrik aus den Resten der riesigen Plastikfässern zusammen geschüttet wurde, und den Franco für 1, 25 Euro eingekauft hat. Muss ja auch ein toller Wein sein, wenn der so ein Depot hat.

Fein haben wir uns zu Konsumsklaven erziehen lassen. Der Job als die ultimative Selbstbestätigung, mit grösst möglicher Fachidiotie. Die Spezialisierung als Individualisationsmassnahme um die eigene Existenz zu rechtfertigen, da draußen, auf dem harten Arbeitsmarkt. Beschäftigt man sich eben mit Powerpoint-Programmierung, dem Texten von Talkshowmanuskripten mit dem Titel "Hilfe, ich habe meine Tage!" oder dem Design einer neuen Erdnussfliptüte. Und wenn man ehrlich ist, weiß man das auch schon ganz lange das man da irgendeinen Murks fabriziert, dessen Existenz für das eigene Wohlergehen unwichtig ist. Und man wunderte sich auch hier und da, dass so ein Scheiss, denn man da produziert, tatsächlich auch noch bezahlt wird. Wir sind bequem geworden. Faul und Bequem. Altruismus ist was für Weicheier und nach rechts und links schauen ist unbequem. Nur schnell die Leiter hoch, den eigenen Besitzstand waren und um noch einen DVD Player erweitern. Denn wie soll man sonst die Winterwochenenden überleben, in denen man erschöpft von der 60 Stunden Woche alleine auf der IKEA Recramiere liegt und die als Warnschuss des Körpers verkleidete Grippe mit genetisch verbesserter Medikamentation in die Lymphen drückt. Damit man Montag wieder arbeiten kann. Kann man sich ja nicht erlauben. Und wenn dann plötzlich der Arbeitgeber feststellt, dass er seit 5 Jahren Mist gebaut hat und leider, leider, leider nicht auf seinen Porsche, aber auf 5 Mitarbeiter verzichten kann, dann wundert man sich immer noch nicht. Auch nicht, wenn man vor Erschöpfung und psychischer Belastung mal zusammenklappt oder durch die gesunde Ernährung aus abwechselnd Burger King, Cola-Light und Hungerkuren (Jill Sanmder macht eben nicht in Größe 38!) mager- oder fettsüchtig wird. Immer noch nicht, wenn die Geschwüre im Magen eine große Party werfen, die Leber sich, dank der allabendlichen Abtötung durch diverse Alkoholika, mal einen Ruhepause gönnt, die Libido gefesselt und geknebelt auf dem Boden liegt und röchelt oder der Tinitus fröhlich weiter pfeift.

Aber bloß nicht krank werden, denn in den Meetings jeder Marketingabteilung oder der Werbeagenturen wird weiter über virtuelle Zielgruppen geplaudert, und deren Wunsch nach Mango-Papaya-Zimt Schokolade, die "neue Trends" setzt. Und über allem schweben die Trendforscher, und überlegen sich, wie man dem Kunden mit noch einer neuen Schokowaffel die Arterien zermösert und das Geld aus der Tasche zieht. Wenn man auch nur ein Werk dieser Trendforschungsfaschisten liest, muss man eigentlich raus gehen, und eine Revolution starten. Aber dazu ist man im Endeffekt zu erschöpft oder man ist arbeitslos und es fehlt gerade das Geld.

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