Mittwoch, 1. Januar 2003

02

Beste Entscheidung: Nach Berlin zu ziehen Schlechteste Entscheidung: Diesssse Flaaasssssche Wein mach isch noch auf

Beste Anschaffung: Das SZ Abo Dämlichste Anschaffung Ein Standmixer

Schönster Absturz: Pappenheim Schlimmster Absturz: Pappenheim

Bestes Getränk: 92er Brunello, Burgfeuer Ekelerregendes Getränk Dr.Pepper

Bestes Rezept: Kürbis Lasagne Schlimmstes Essen: Salami Pizza von Plus

Beste Musik: Beck, Sea Change Schlimmstes Gejaule: Dieses merkwürdige Elvis Cover

Eigene, schönste musikalische Wiederentdeckung Roxy Music zwischen 70-75. Peinlichster musikalischer Faux-Pas Las Ketchup

Beste Idee/Frage: "Ein Schoko-Croissant von gegenüber und dann noch was knutschen?" Dämlichste Idee/Frage: "Wenn ich diese CSS Zeile lösche, kann eigentlich nichts passieren."

Beste Lektüre: Wolfgang Herrendorf - In Plüschgewittern Langweiligste Lektüre: Franzen - Die Korrekturen

Bester, dreckigster, geilster Sex Mit jemand anderem Langweiligster Sex: Mit mir alleine

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Dienstag, 31. Dezember 2002

Frontstadtbericht

0000 Seit Tagen schon ist das Betreten der Strasse in Berlin Wedding nur noch mit erheblichen Aufwand möglich. Tarnanzug, Schußsichere Weste mit Splitterschutz und ein geduckter Gang, sind die einzige Chance, dem Bombardement aus Böllern, illegalen China-Böllern und Mittelstreckenraketen ausweichen zu können.

0145 Unter dem Fenster stehen gelangweilte Jugendliche mit einer Kiste Feuerwerkskörper. Sie tun nichts, ausser dass sie stumm und ohne jedwege Gefühlregung einen Böller nach dem anderen auf die Strasse werfen.

0230 Das Bombardement hat aufgehört, sie verprügeln sich jetzt wieder endlich gegenseitig, wie sich das im Wedding um die Uhrzeit auch gehört.

0300 Meine türkischen Nachbarn von unten scheinen das mit Silvester noch nicht verstanden zu haben. Sie trinken seit Stunden Sex, hören "Bravo Hits 3" und haben lautstark Sex. Ich glaube, ich werde morgen früh mit einer Piccolefalsche Rötkäppchen Sekt unterm Arm mal so gegen sieben klingeln und sie auf das Missverständniss aufmerksam machen.

0530 Die Bäckerinnungen haben in einer berlinerischen Durchhalte-Kraftanstrengung für die notleidende Bevölkerung ca. 3,5 Millionen Berliner (Pfannkuchen hier genannt) gebacken. Auf Grund der schlechten Versorgungslage konnten die Ballen nur mit Aprikosenmarmelade gefüllt werden.

0930 Trotz der schlechten Witterung hat die Bevölkerung die Strassen gestürmt. Mit entschlossenem Gesicht stehen die Menschen an den Bäckereien Schlange. Erste Schüsse fallen.

1130 Ein Späher berichtet das es zu Hamsterkäufen in den Supermärkten gekommen sein soll. Ein Sparmarkt musste schliessen, da die Alkoholvorräte, ausser Danziger Goldwasser, erschöpft waren

1230 Das Sperrfeuer auf den Strassen nimmt zu. Marodierende Banden nutzen die verwirrende Lage und sprengen die ersten Briefkästen. Dieser feige Angriff auf das preussische Postwesen wird von der Bevölkerung aber ignoriert. Vor den Bäckereien stehen immer noch Menschen, obwohl seit Stunden über Volksempfänger und Lautsprecher darüber aufgeklärt wird, das es keine Berliner mehr gibt.

1300 Viele Menschen laufen verzweifelt mit einer Flasche "Söhnlein Brilliant - Halbtrocken" ziellos auf der Strasse herum. So werden sie Ziel der Partisanengruppen, die nun auch mit den ersten primitiven Lenkfeuerwaffen angreifen. Die Bevölkerung kämpft heroisch in den Supermärkten um die letzten Erdnüsse

1330 Eine wichtige Partisanengruppe, die Berliner vor einem Supermarkt belästigte, konnte ausgeschaltet werden, nach dem ein mutiger älterer Hanseat (Weltkriegsveteran) eine Zigarette in die Munitionsvorräte der Gruppe warf. Die feindliche Gruppe musste unter Hohngelächter abziehen. Der Rentner rief den Gestalten hinterher: "Wenn wir so gekämpft hätten, wären wir nicht mal bis nach Stalingrad gekommen!"

1400 Die Läden schließen. Nun ziehen sich auch die Banden in ihre Wohnungen zurück. Wir wissen, das wir uns auf einen harten Endkampf vorbereiten müssen. Aber die Berliner Bevölkerung wird mit eisernem Mut und Entschlossenheit die Angriffe abwehren.

1600 Die Nachbarn installieren auf dem gegenüberliegenden Balkon eine Abschussanlage. Erwäge Gegenmassnahmen um das Gleichgewicht ger Kräfte zu wahren.

1800 Es ist ruhig. Ich habe ein bißchen Angst. Die NAchbarn justieren die Anlange mit einer Wasserwaage.

1930 Auf die schnelle doch noch auf einer Baustelle Stahlplatten geklaut und vor die Fenster geschweißt.

2200 Beobachte, wie meine Nachbarn von gegenüber aus den Bleigussexperimenten der letzten 15 Jahre versuchen eine Scud Rakete zu basteln.

2210 Sie sind fertig und bauen jetzt noch eine Art Holzkonstruktion auf ihrem Balkon

2212 Bei dem Versuch, ca. 30 Kilo Schwarzpulver aus illegalen taiwanesischen Raketen in die windschiefe Rakete zu füllen, geht ein wenig daneben. Das scheint aber nicht zu stören.

2256 Jetzt bemalen sie die Rakete mit Fingerfarben.

2337 Es ist nicht zu erkennen, ob jemand verletzt ist. Aber eine schöne Baulücke ist das jetzt. Konnte ja keiner ahnen, dass die Inder in die Fingerfarben einen Stoff reinsemmeln, der mit dem Scharzpulver reagiert. Als ein Tropfen auf der verstreute Schwarzpulver fiel war die Party mangels Wohnung jedenfalls vorbei.

2359 Angeblich sollen über 500.000 Menschen vor dem Brandenburger Tor stehen und bei -7 Grad zusammen vor der SAT.1 Bühne feiern. Das wäre doch eigentlich ein schönes Ziel für die gutausgebildeten Piloten der Al-Quida. Aber die sind schlau, und machen das nicht, weil sie wissen, dass eine Horde Menschen, die schwerbewaffnet, angetrunken, größteils deprimiert und mit Nikolausmützen bewehrt eine größere Gefahr für den Staat darstellen, als es die Al-Quida je sein könnte.

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Sonntag, 29. Dezember 2002

Ich habe drei Schätze, die ich hüte und hege.

Der der eine ist die Liebe, der zweite ist die Genügsamkeit, der dritte ist die Demut.

Nur der Liebende ist mutig, nur der Genügsame ist grosszügig, nur der Demütige ist fähig, zu herrschen.

Laotse

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Freitag, 27. Dezember 2002

Frist versäumt

Ich bin sehr schusselig. Ich vergesse Dinge sofort. Auch Geburts- und Todestage fallen bei mir sanft durch das Raster und gleiten zu Boden, wo sie sich zu den anderen Gedankenflusen legen, damit sie nicht so alleine sind. Ich meine das aber nicht böse. Ich vergesse es halt. So wie die Überweisungen für Telefon, Strom, Wasser, Gas, Versicherungen und was weiß ich noch. Das hat mir schon ne Menge Ärger eingebracht und die Frage, warum ich denn nicht alles abbuchen lasse. Die Antwort ist leicht: Wenn ich alles abbuchen lassen würde, dann hätte ich ja kein Geld mehr. Das geht ja auch nicht. Aber irgendwann erinnere ich mich dann schon noch. Entweder, wenn ein freundlicher Herr vor der Tür steht, oder es fällt mir siedendheiss, ca. 24 Stunden vor Ablauf der allerletzten Frist ein. Dann rase ich zur Post und zahle brav die geforderte Summe, plus 3 Euro Einzahlungsgebühr. Von den gesammelten 3 Euro Einzahlungsgebühren der letzten Jahrzehnte, hätte ich mir wahrscheinlich schon längst Kistenweise Rotwein kaufen können, und so erfüllt meine Schusseligkeit zumindest auch noch einen Gesundheitsdienst. Wäre ich nicht schusselig, wäre ich wahrscheinlich Alkoholiker. Und so kommt es auch, dass ungefähr fünf Monate nach meinen Einzug in diese Wohnung, noch etliche Kartons darauf warten. ausgepackt zu werden. Die stehen hier rum und haben sich über die Zeit, zu einer Art autonomen, für mich nicht sichtbaren "Blinden Fleck" entwickelt. Jedesmal, wenn ich den Raum betrete, in dem die Kartons stehen, sehe ich sie nicht, während anderen Menschen sofort diesen Ausdruck in den Augen bekommen, der so viel heißt wie "Na, den will ich aber nicht heiraten." Also, ungefähr derselbe Blick, den sie bekommen, wenn man ein Glas Wein anbietet und dann erstmal verschämt die Gläser abwäscht, weil sie seit drei Wochen nur immer mal mit Wasser durchgespült wurden und zwischen Schreibtisch und Küche pendelten und dem entsprechend aussehen.

Auf jeden Fall ist Weihnachten, und da ich nichts geschenkt bekommen habe, also nicht wie alle anderen knietief in aufgerissenem Geschenkpapier waten durfte, dachte ich mir heute: "Mensch Don, mach doch mal einen Karton auf". Also packte ich blind einen Karton aus meinem blinden Fleck und öffnete ihn. Es war ein Karton Bücher. Ich freute mich unter anderem sehr über die Walter Serner Komplettausgabe, einen vergriffenen Bildband über Dadaismus, ungefähr 30 Mister Dynamit Agententhriller, die 60. Auflage (265. bis 269. Tausend) des 1926 erschienen Buches "Die vollkommene Ehe - eine Studie über ihre Physiologie und Technik" von Dr. Th. H. van der Velde, und einen Roman namens "Abschied auf Englisch - Eine Kriminalkomödie", welche in abwaschbaren, durchsichtigem Plastik eingepackt ist. Da ich meine Bücher nicht in Kondome einschweiße, war mir sofort klar, dass dies nicht mein Buch sein kann. Also blätterte ich ein wenig vorne rum, um evtl. den original Besitzer ausfindig machen zu können, wobei ich schon dachte, dass es ein hoffnungsloses Unterfangen sei, weil ich hoffentlich niemanden kenne, oder gekannt habe, der seine Bücher in Plastikfolie einschweißt. Hinten wurde ich dann fündig, denn da steht fett eingestempelt "Eigentum der Bezirksbücherei Bonn-Bad Godesberg". Und gleich daneben der Laufzettel mit dem allerspätesten Abgabedatum: "11.04.1988".

Wie konnte mir das entgehen? Wie konnte ich fast 15 Jahre lang vergessen, dieses teure Paperback zurück zu geben? Und warum habe ich mir mit 20 so einen Scheiß-Roman ausgeliehen? Und was soll ich jetzt machen? Anonym zurückschicken? Behalten und auf Partys damit angeben? Was passiert, wenn mal eine heiratswillige Frau meine Gemächer betritt, die Kartons verschwunden, die Gläser fein poliert sind, sie aber dieses Buch findet? Die denkt doch sofort "Oh, wenn der sowas schon vergisst, dann vergisst er sicher auch irgendwann mal nach Hause zu kommen. Ne, so einen will ich nicht." Herrje - mein ganzes charakterliches Elend, in einem billigen Roman manifestiert.

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Donnerstag, 26. Dezember 2002

Zuviel Zeit

So ein allein verbrachtes Weihnachtswochenendefest mit einem absolut beschissenem Weihnachtsfernsehprogramm, kann schon mal dazu führen, dass man anfängt, sich, sein Leben und sein Blog aufzuräumen. Deswegen habe ich eben mal alle Texte verschiedenen Topics zugeordnet, so dass man unter dem Link "Themen" (da, rechts, Navileiste) etwas leichter durchs Blog reisen kann.

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