Wenn mein Hirn sich nachts um deinen warmen Körper schlingt, greife ich nach Trostpflastersteinen.
Zwischen angestaubter Sehnsucht und weggeschobenen Träumen hat die Nacht sich ausgeweint.
Ausgebreitet hänge ich im Netz der Zeit, Angst und Hoffnung halten mich mit ihren großen Händen.
Und ich falle auf mich.
Judith Kyselo
Die Wüste - tags lacht sie aus gleißender Sonne und heißen Lüften strahlt nachts aus klarem Mond und kalten Winden
Sternengeflüster hinter Wolkendichte und der Passat trägt meine Angst hinaus ins Meer
taumelnd durchschreite ich das Tor der Tränen und begebe mich auf die Suche nach der Oase des Lichtes
Brigitte Breidenbach
Ich lebe und ich sterbe, ich verbrenne und ertrinke. Ganz maßlos heiß ist mir, obwohl ich Kälte leide; zu weich und doch zu hart ist mir das Leben. Ich trage großes Leid und fühle Freude mittendrin:
im gleichen Atem lache ich und weine und im Vergnügen dulde ich manch schwere Qual. Mein Glück ist hin und dauert ewig: zur gleichen Stunde grüne ich und welke.
So führt mich Amor ganz nach seiner Laune, und wenn ich eben ärgsten Schmerz zu haben meine, schon bin ich ohne Zutun frei von aller Pein.
Und glaub´ ich dann, mein Glück sei ganz gewiss, ich sei nun auf dem Gipfel meiner Seligkeit - stürzt er mich wieder in die alte Not.
Louise Labé
Wanderung bei trübem Wetter auf langweiligstem Wege. Absolute Stofflosigkeit. Daher Ghasel an die Liebe
Wem das Blut im Herzen mild quillt, wem ein Groll drin ungestillt quillt, wem rings aus der Welt nur Weltschmerz, der wie Sturmflut schrillt und schrillt, quillt, wem selbst aus Musik nur Missklang, der ins Ohr ihm schrecklich schrillt, quillt, - ob, wie dem der Quell des Daseins plötzlich ruhig, sanft und mild quillt, wenn empor aus trüber Wallung ihm im Geist der Liebsten Bild quillt, magisch lächelnd, gleich dem Mondschein, der durch Wolken aufs Gefild quillt! Ob wohl süßer eine Träne, als die dann der Teuern gilt, quillt? Liebe, Quell, der oft schon morgen heiß in dem, der heut ihn schilt, quillt. Quell, wo Tugendmut dem Schwachen, der zum Bösen war gewillt, quillt, Quell, der stark wie unterm Kittel, unterm goldnen Fürstenschild, quillt, Quell, wo Labung selbst dem Krieger, den der grimme Hauptmann drillt, quillt, wo ein Zauber alles glättend, was das Leben uns zerknillt, quillt, Liebe, du, aus der ein Rausch uns, drin der Geist sich süß beknillt, quillt, traurig, ach, wem nie im Herzen Wonne, wie aus dir sie quillt, quillt!
Woldemar Wenck
Hei, juchhei! Kommt herbei! Suchen wir das Osterei! immerfort, hier und dort und an jedem Ort! Ist es noch so gut versteckt, endlich wird es doch entdeckt. Hier ein Ei! Dort ein Ei! Bald sinds zwei und drei!
Wer nicht blind, der gewinnt einen schönen Fund geschwind. Eier blau, rot und grau kommen bald zur Schau. Und ich sags, es bleibt dabei, gern such ich ein Osterei: Zu gering ist kein Ding, selbst kein Pfifferling.
August Heinrich Hoffmann von Fallersleben Erstaunlich wie albern Dichter doch manchmal waren
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