Mittwoch, 4. Juni 2003

Viviane Manz

hat erneut zugeschlagen

Permalink

 


Dienstag, 3. Juni 2003

Terror auf dem Bürgersteig

Ich habe heute lange mit mir gerungen. Unentschlossen stand ich vor meinem Fahrrad, in der einen Gehirnhälfte den Gedanken: "Es ist bestimmt nicht gesund bei SO einer UNGLAUBLICHEN Mittagshitze mit dem Fahrrad durchs Ozon zu fahren." Die andere Gehirnhälfte meinte: "Pfff..jooo...hm..."Da blieb mir nichts anderes übrig, als mit dem Fahrrad zu fahren. Gemütlich, den sanften Fahrtwind geniessend, überlegend, ob ich mir heute Abend tatsächlich den Fisch in der Joghurt-Minz-Sosse machen soll, radelte ich die Chaussestrasse herunter, als mein Weg durch einen Stau verstellt wurde. Ein Stau, zwei LKW, die entladen wurden, eine schmale Strasse und eine Straßenbahn die von hinten kam. Hahaha, lachte ich, und steuerte flugs auf den Bürgersteig, wo ich in Schritttempo laut lachend an den Autos vorbei fuhr und nebenbei die wunderschönen Beine einer Passantin bewunderte. Die tat ich ausgiebigst bis sich plötzlich jemand vor mein Fahrrad schmiß. Und ich schwöre, er sagte die Worte "Halt, Polizei, bleiben sie stehen."

Ein Polizist, dessen Unterarme von oben bis unten tätowiert waren, hatte sich todesmutig vor mein Rad geworfen. Normalerweise hätte ich an einen Überfall geglaubt, aber ich stellte fest, dass 10 Meter vor mir weitere Polizisten rumlungerten und harmlose Fahrradfahrer stellten. Seit wann verdienen die soviel Geld, dass die sich Tattoos erlauben können? Und seit wann ist sowas bei der Polizei erlaubt? Bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, dass er die Tattoos wohl mal selber mit einer Stricknadel gemacht haben musste. Das hinderte ihn jetzt aber nicht daran, mich triumphierend anzugrinsen.

"Sind sie noch unter acht Jahren?" frug er leicht lächelnd und ich antwortete "Klar, meine Mami hat mir aufgetragen Bier für meinen Papi zu holen, sonst schlägt er uns wieder." Nein. War gelogen. Hab ich nicht geantwortet, denn um so schlagfertig zu sein, war es zu heiß. Also sagte ich "Hmpf". Man belehrte mich dann, dass ich gefälligst auf der Strasse zu fahren habe. "Aber, "warf ich in einem verzweifelten Versuch von Logik ein, "ist es nicht sicherer, wenn man in Anbetracht einer so gefährlich engen Stelle wie hier, wo die Autos rücksichtslos einen Fahrradfahrer gefährden, auf den Bürgersteig auzuweichen?"

Seine Augen verengten sich und der Blick verhieß "Willste Ärger, Bürschenchen?". Hastig überlegte ich, ob es noch irgendwelche Haftbefehle gegen mich geben könnte, aber die Sache mit der Sachbeschädigung lag schon 20 Jahre zurück. Also setzte ich mit einem provokanten "Oder nicht?" nach. Er ließ seinen Blick über mein Fahrrad schweifen, welches aber tiptop in Ordnung ist. Alle Bremsen gehen, alle Bleche dran, sogar Licht geht. War also nix zu holen. Also schaute er weiter scharf und meinte dann: "Dit ham wa ja jern. Erst gegen die Straßenverkehrsordnung verstoßen und dann hier Terror aufm Trottoire machen." "Terror?" antworte ich verwundert. "Jau. Terror. Diese janzen Terror Fahrer, die hier jeden Tach rücksichtslos mit ihre Fahrräder Senioren gefährden. Dit muss mal ein Ende haben". "Senioren???? Hier?" "Jaja. Is ja gleich die Scharitä um die Ecke." Er fuchtelte mit dem Finger in die ungefähre Richtung der ca. zwei Kilometer entfernten Charité. "Jetzt is ma Schluß mit dem Terror auf Torttoire. Deswegen sind wir hier." "Sie meinen, Fahrradfahrer sind so was wie die Bin Laden der Straße?" "Ähm.." "Sie sind außerdem wirklich der Meinung, ich solle mich wegen der StVO tot fahren lassen?" "Nein, nein. Sagen Sie ma, ham se mich gerade beleidigt?" "?????" "Also, nu is Schluss hier. Steigen se mal ab, ich kontrolliere jetzt mal ihr Rad."

Während er akribisch mein Fahrrad kontrollierte, konnte ich beobachten, wie andere Polizisten andere Radfahrer, die aus dem gleichen Grund wie ich wie den breiten Bürgersteig benutzen anhielten, und mir kam ein Gedanke. "Sagen sie mal," frug ich den bebilderten Bullen, "sagen se mal. Der Lieferwagen, der da seit zehn Minuten rumsteht, und der die halbe Strasse versperrt, und an dem sich seit 10 Minuten nichts tut und keiner zu sehen ist. Gehört der vielleicht Euch?" "Ihr Licht vorne ist lose." "Ich hab sie da was gefragt." "Ich könnte ihnen eine Mängelkarte ausstellen" "Ich find das schon komisch." "Auf jenau solche wie sie ham wir jewartet" "Ach, bin ich jetzt der Bin Laden aller Fahrradfahrer? Der, der geheime Ausbildungslager für Radfahrer finanziert?" "Also, jetzte reicht es aber. Sie zahlen jetzt fünf Euro. Oder sie kommen mit auf die Wache." "Wofür denn 5 Euro?" "Wegen fahren auf dem Bürgersteig." "Ich bin ja nur gerollt" "5 Euro oder mitkommen." "Aber nur gegen Quittung"

Machmal frag ich mich wirklich so spießige Sachen wie: Haben wir nicht genug Schwerverbrecher?

Permalink

 


Montag, 2. Juni 2003

Balin bei Nachte, ey

Jetzte zweemal Balin bei Nachte jesehn. Ick meen, seh ick ja öfter, so bei Nachte. Muss ick ja nur usm Fenster kieken wen et dunkel is, ey. Aba imma die kleene Dicke von jejenüba vor die Glotze is ja och nich das wahre. Also jestern wa, fahr ick mitte U-Bahn unter den janzen Christen durch, die am Brandenburjer Tor Currys in sich rinschieben. Fussballer waren och drinne, in die U-Bahn, aba gejungen ham nur die beeden Russen, die immer inne U6 reinkommen. Dann an sone Hafen anjekommen, wo olle Schiffe liejen. Supa. Mit eine Schiff von vorm Kriech üba die Spree und inne Nacht reinjeschippert. Ick mein, Balin hat ja mehr Wasser als dies Venedich, oda Hambruch. Weeß nur keener.Icke weeß dit aba jetzt, weil wa vier Stunen rumjeschippert sind, nur um quasi ummen Tierjarten zu fahren. Naja, un um Kreuzberch. Unnerwegs ham wa ne Plastiktüte inne Schraube bekommen und nüscht ging mehr. Ick war aba jut druff und habse ausse Schraube jezogen. Hab ick och n kaltes Bier für bekommen. Dann später im dustern durch so Kanäle durch, wo am Ufer nur so Paare sassen. Insel der Juchend heeß ditte wohl, aba der eena, doch an Board wa, meente, dat dat Popp-Insel heißen tut, wejen der vielen Paare. Dann später wieda im Hafen ham wa Rotwein jetrunken und es wa sehr schön.

Und heute dacht ick: Ne, lass ma. Jestern draussen jewesen. Man muss ja nich jeden Tach der Sonne nachloofen, naher jewöhnt se sich noch dran. Aba jejen Abend war mir dann doch doof. Habsch ich mich auf meine Drathesel jeworfen und bin zwee Stunden durchn Wedding durch. Kinners, also wen ick es nicht mit die eigenen Aujen jesehen hätte, ja, ick würdet nich jlauben. Da sitzen die janzen Volksstämme uffm Trottoire, ja, und wat mach die? Die Grillen! Als ob der Tierjarten nich jroß genuch sei. Also meen Ding ist dat nüscht. Naja, ick also weiter jefahren, komm in Park rein. Dunkel denk ick, und dann "Erstmal eene rochen". Also jeroocht und noch eene, weils jrad so schön war. Und dann denk ick mir so plötzlich "Wasn ditte?" Also nich das jetzte hier einer denken tut, der Don, der is so einer. Ne, wollt ja bloß eine roochen, aber funfzisch Meta weita waren se am poppen. Ick hab die erst ja nüscht gesehen, weil, war ja dunkel. Aber dann hab ick se jehört und ooch rüberjekiekt. Aba nur janz kurz. Die ham sich aba nicht stören lassen, und ich bin dann schnell aussm Park raus un nach Hause. Aba is schon jeil, dit Balin inne Nacht.

Permalink

 


Donnerstag, 29. Mai 2003

Merkwürdiger Passus in den 20six AGBs

§8 Wenn ein Nutzer Texte, Fotos, Grafiken oder Multimedia-Dateien zur Veröffentlichung in einen öffentlich zugänglichen Bereich von 20six eingibt, gewährt er anderen Mitgliedern der Community damit das gebührenfreie, zeitlich unbefristete, unwiderrufliche, nicht ausschließliche Recht, diese Inhalte (ganz oder teilweise) weltweit zu nutzen, zu vervielfältigen, zu modifizieren, anzupassen und zu veröffentlichen, soweit dies allein zu dem Zweck geschieht, das betreffende 20six-Weblog, für das der Inhalt bestimmt ist, darzustellen, zu verbreiten und zu fördern.

Permalink

 


Dienstag, 27. Mai 2003

Party - Reprise

Mücken. Diese verfickten Biester. Diese Furunkel der Natur, diese verkackten Miniaturterrorflieger. Attas der Lüfte. Mir ist das jetzt scheißegal, ob diese Giftspritzen aus der Dose auch kleine Kinder umbringen oder die Ozonschicht. Ich habe mir eben eine Armada von Giftsprühdosen gekauft und an alle strategisch wichtigen Punkten in meiner Wohnung verteilt. Ich will ganze Populationen ausrotten. Und zwar deswegen:

Ich hab es gesehen. Es war auf der Party (siehe unten), als iich auf dem Steg lag und sie sah aus, als ob ein bedrogter Hentai-Zeichner eine Robo-Mücke zeichnen würde. Aber ich hab sie aus Respekt vor Gottes Schöpfung nur weggeschnippt. (Ich Narr) Gestern Abend fing es dann an zu jucken, aber das hab ich mannhaft ignoriert. Zumindest solange ich wach war. Doch der Geist war im Schlaf damit beschäftigt einen extrem komplizierten Traum aus dem Hut zu zaubern, wobei ich als Baseballspieler die Welt retten musste. Also kratzte der Teil von mir, der gerade nicht damit beschäftigt war, mit einem Baseball-Schläger eine Armee von Ärzten davon abzuhalten igendwas zu stürmen, an dem Mückenstich rum. Heute morgen war der Mückenstich zu einer Beule gewachsen, die halb so groß wie ein Ei mein Handgelenk blockierte. Der Kollege im Büro meinte nur "Ui". Gegen Nachmittag hat sich die Beule flächenmäßig vergrößert. Jetzt konnte ich nicht nur kaum noch das Handgelenk bewegen, nein, mein Handrücken war auf die doppelte Größe angeschwollen und das Wasser darin blockierte so langsam die Beweglichkeit meiner Finger. Faust machen war schon nicht mehr. Die Ärztin bekam große Augen, verschrieb mir Anti-Allergika, Salben und bat mich um Himmels Willen die Hand zu kühlen. Am besten den ganzen Tag. Aber, so die Ärztin weiter, das würde wahrscheinlich zu spät sein. Jetzt könne man nur noch warten, ob das noch dicker werden würde, oder nicht. Wenn es noch dicker werden würde, dann müsste man es wohl aufschneiden.

Ich kühle seit vier Stunden wie ein Irrer. Mit der einen Hand halte ich das 3M Gelpack das auf der anderen liegt. Deswegen konnte ich schon nicht umschalten und musste drei Stunden das Promi-Special von "Wer wird Millionär" schauen. Dann hab mit dem Fuß umgeschaltet und landete bei Björn Engholm und Oskar. Die Schwellung ist jetzt zwar in der Höhe kleiner geworden, flächenmäßig aber größer und beim kleinen Finger angekommen. Die Salbe, die das Jucken verhindern soll, hab ich jetzt schon dreimal dick drauf getan, obwohl auf dem Waschzettel steht, dass man das nur einmal und dünn machen soll. Wahrscheinlich fault die Hand jetzt ab. Meine Mami sagte aber, solange es nicht den Arm rauf kriecht, sei alles gut.

Ich kenn das. Sie werden es aufschneiden müssen, dabei schneiden sie aus Versehen was durch, was wichtig ist, und was sie dann wieder dranpappen müssen. Dann geht die Wunde nicht zu. Ich werde wochenlang meine Hand nicht gebrauchen können und muss mit einer Hand tippen. Ich werde nicht kochen können, sondern muss mich von Fertigfrass ernähren. Davon werde ich wieder fetter und bekomme Bluthochdruck und werde hässlich. Deswegen muss ich ewig Single bleiben und werde zu meiner Mutter ins Rheinland ziehen müssen. Und das alles wegen einer verkackten Mücke.

Permalink

 


Nächste Seite