Freitag, 31. März 2017

Update aus meinem Leben

  • Ich habe das alte Antville Blog hier wieder belebt. Die Idee dazu hatte ich schon vor einigen Wochen, dann kam das Leben usw. Warum ich das hier wieder belebt habe? Dafür gab es viele Gründe. Zum einen habe ich meine eigene Seite Ende letzten Jahres zu einem Schaufenster für meine Arbeit umgebastelt. Erwarten Kunden heute, dass man das macht. Und privaten Krempel mit Arbeit zu mischen, wollte ich dann auch nicht. Mir fehlte aber meine eigene Spielfläche und Facebook ist einfach kein Ersatz für mich, vor allem wegen der fehlenden Möglichkeit, alte Texte wieder zu finden. Ich hatte kurz mit dem Gedanken gespielt zu „Medium“ zu wechseln, aber dann fiel mir das hier wieder ein.

  • Generell finde ich die Idee, das Bloggen zurück zu den Wurzeln zu führen, sehr ansprechend. Kein Social Media Gedöns, einfach schreiben. Das Layout bleibt auch so wie es ist.

  • Im letzten Sommer hatte ich auf FB (finde ich jetzt nicht mehr), einen Text geschrieben, der sehr viel Aufmerksamkeit generierte. Es ging um meine Pause, die ich auf Grund eines diagnostizierten Erschöpfungssyndrom von Mai bis Ende September eingelegt habe. In der Zeit habe ich nicht gearbeitet. Also wirklich gar nicht. Zeit für ein Update.

  • Es ist deutlich besser geworden. Gefühlt zum 90%. Ich fliege wieder durch die Gegend, halte Vorträge, mache Moderationen, schreibe, gebe Workshops und was sonst noch so anfällt. Es macht jede Menge Spaß. Aber, und hier kommen wir zu den fehlenden 10%, ich brauche zwischendurch längere Pausen. Meine Ärztin beschrieb das so „Sie werden vermutlich wieder zu 100% fit, aber das ist dann wie ein alter Akku. Man kann ihn wieder voll aufladen, aber er hält die Spannung nicht mehr so gut.“ Das stimmt - so ungefähr. Wobei ich heraus gefunden habe, wie ich in langen Stressphasen ohne Probleme arbeiten kann. Der Trick ist simpel: früh ins Bett gehen, am Wochenende nicht arbeiten, dafür ausgehen, Leute treffen und Spaß haben. Durchaus auch mal Party, diverse Gin-Tonic und so weiter. Aber Schlaf hilft wirklich sehr gut.

  • Was auch geholfen hat, war eine gewisse Askese in Sachen Nachrichtenkonsum. Ich habe von Dezember bis Anfang März generell gar keine Nachrichten geschaut. Weder im TV, noch im Netz. Und das hat enorm gut getan. Die kleinen Aufreger des Tages fielen weg, ebenso Ablenkung. Mittlerweile schaue ich einmal am Tag bei der „Welt“ vorbei, aber selbst das nicht immer. Ich konzentriere meinen Lesestoff auf meine Arbeit, im Moment zum Beispiel auf alles, was mit AI und Algorithmen zu tun hat.

  • Generell versuche ich weiter nicht mehr als vier Tage die Woche zu arbeiten. Das klappt so mittel gut. Was daran liegt, dass ich Texte manchmal einfach nicht sofort schreiben kann. Kreative Phasen lassen sich nicht einplanen. Ich prokrastiniere dann so über den Tag, was aber immerhin auch dazu führt, dass ich die Idee hatte, hier wieder was zu machen. Jetzt, wo es wieder warm ist, schwinge ich mich dann aber in Zukunft aufs Fahrrad.

  • Die gewonnene Freizeit setze ich für verschiedene Dinge ein. Ganz banal: Bücher lesen. Weniger banal: Fotografieren. Überhaupt nicht banal: Freunde treffen. Oder halt schlafen. Schlafen geht immer. Und Sherlock Holmes Hörspiele. Gibt sehr gemütliche auf Spotify.

  • Ich habe über den Winter 14 Kilo abgenommen. Tendenz weiter fallend. Ich habe dafür eigentlich nichts gemacht, außer weniger zu essen.

  • Den Katzen geht es gut.

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Mittwoch, 29. März 2017

Eis

Heute mit einer guten Bekannten darüber diskutiert, ob Sex Eis ersetzen kann. Oder umgekehrt. Dabei fiel mir ein Eis ein, das ich mal vor knapp hundert 10 20 Jahren gegessen habe.

Dieses Eis habe ich auf Mallorca gegessen habe. In einem kleinen Kaff namens Petra. Wir, meine damalige Begleitung und ich, sind da damals zufällig gelandet, als wir hungrig mit dem Finger über die Landkarte gerutscht sind und nach irgendeinem Ort suchten, der zumindest der Größe nach vernünftige Nahrungsbeschaffung versprach. Und es war auch schon spät. Wir landeten in Petra, wo es um kurz nach acht schon so dunkel und verlassen war, dass man glauben musste, der dritte Weltkrieg sei ausgebrochen. Am Marktplatz wurden wir aber fündig. Ein winziges, aber witzig beleuchtetes Restaurant. Aus Mangel an Alernativen und weil meine Begleitung um meine Laune fürchtete, wenn ich jetzt noch mal eine Stunde durch die mallorquinische Pampa fahren musste und weil ich ihr angedroht hatte zu McDonalds zu gehen - also aus diesen vielschichtigen Gründen traten wir ein. Und wurden nicht enttäuscht.

Die Karte war interessant. Langusten in einer bitteren Schokoladensauce waren mir zum Beispiel neu. Der Begleitung auch. Aber, jung und mutig wie wir waren, bestellten wir uns einmal quer durch. Wir wurden nicht enttäuscht. Zufrieden und gesättigt lehnten wir uns in die knarzenden Stühle zurück als die Besitzerin des Ladens anrauschte und uns Eis anbot.

Wir wollten eigentlich nicht, aber sie bestand drauf. "Er hat es heute frisch gemacht", sagte sie und meinte natürlich den Koch. Ein älterer Mann, starker Raucher, klein, krumm gewachsen, Glatze. Er brachte uns das Eis persönlich. Einfach Vanilleeis mit ein paar Brocken Schokolade.

Es war das beste Vanilleeis meines Lebens. Es schmeckte so weich, so zärtlich und gleichzeitig so intensiv, wie mir weder vorher noch nachher jemals ein Eis geschmeckt hat. Es war, selbst nach den Langusten, den unzähligen Gläser Wein, Brandys und Zigaretten, eine regelrechte Explosion im Mund. Als hätte ich noch nie im Leben Eis gegessen. Ich war sprachlos.
Wie konnte man so etwas simples wie eine Kugel Vanilleeis so gut machen? Nach vielen weiteren Brandys und etlichen Zigaretten verriet er dann wenigstens einen Teil des Geheimnis: er mischte selbst gemachten Frischkäse unter die Eismasse.

Mangels eigener Eismaschine habe ich nie versucht, dieses Eis nachzumachen. Vermutlich aber auch, weil ich es einfach nicht will. Diese Eis werde ich nie vergessen und das soll so bleiben.

Also ja, Eis kann so gut wie Sex sein.

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Hmmmm....

↑ Ab hier neu


↓ Ab hier sehr, sehr alt und eventuell aus digital-archäologischen Gründen oder Motiven der Reminiszenz interessant.

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Montag, 12. Januar 2009

Heute mal wieder gelernt. Nichts zu lange aufschieben. Niemals. Schon gar nicht, wenn es darum geht Menschen zu besuchen.

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Mittwoch, 7. Januar 2009

Weg mit den Verlagen, her mit den Redakteuren

Ich habe mich ja in den letzten Jahren an dieser Stelle immer wieder gerne mal mit den Kollegen der Holzausgaben beschäftigt und die Kiste "Blogger vs. Journalisten" aufgemacht. Teilweise zurecht, teilweise, weil es Spaß gemacht hat. Meistens, jedenfalls. Und ich bin ja bekanntermaßen nicht der einzige gewesen, der sich am klassischen Journalismus gerieben hat.

Wobei die Schlacht im Grunde geschlagen ist. Print ist nicht tot, wird es auch nie sein, aber der wichtige Tageszeitungsjournalismus muss sich ein anderes Geschäftsmodell suchen, während der Online-Journalismus überhaupt erst mal eins finden muss, was nicht allein auf Werbung basiert. Aber um Aussichten geht es mir nicht alleine. Mir geht es um den Journalismus an sich.

Denn der steht unter Druck. Zum Beispiel, weil die Redaktionen massiv ausgedünnt werden. Ob so mancher Verlag die Gunst der Finanzkrise und deren schlechten Nachrichten nutzt, um einen Stellenabbau zu Gunsten stabiler Gewinne durch zu führen, ist eine andere Frage die ich nicht beantworten kann, aber das unterschwellige Gefühl bleibt da schon, dass da mancher Verlagsmanager sehr betriebswirtschaftlich denkt. Auf der anderen Seite gerät der Journalismus seitens der Gesetzgebung unter Druck. Den Sonderstatus in Sachen Informatenschutz ist man eh schon los, jetzt kann man auch noch genauso überwacht werden, wie jeder andere auch. Die zunehmende Boulevardisierung vieler Bereiche hilft der Glaubwürdigkeit auch nicht.

Selber schuld. kann man da sagen. Wer sich erst jahrelang am Büffet mit vollgefressen hat, wer jedwede Kritikfähigkeit verloren hat, sich auf das "Hintergrundgespräch" Spiel einließ und sich auf diesem Weg hat einlullen lassen, der hat es auch nicht anders verdient, der ist halt zu nett gewesen. Das gilt auch in Richtung der Arbeitgeber. Wer seit Jahrzehnten jeden Arbeitsplatzabbau mitgemacht hat ohne aufzumucken, wer Redaktionsumbauten hat durchgehen lassen, wer stillschweigend daneben stand, als Kompetenzen beschnitten, erfahrene Kollegen abgeschoben wurden und einzelnen Redakteuren so viel aufgebürdet wurde, dass diese kaum noch vernünftig arbeiten konnten... ja, der hat es halt nicht anders verdient. Oder hat irgendeine Redaktion eines großen Verlages in den letzten Jahren mal komplett die Arbeit eingestellt, weil man mittels eines Streiks auf die sich verschlimmernden Zustände aufmerksam machen wollte? Gab es eine Verlags-übergreifende Solidarität? Hat irgendeine Zeitung den Fehdehandschuh aufgenommen, den ihr Schäuble und Co ins Gesicht geworfen hat? Ich meine jetzt nicht nur für einen Artikel auf Seite 234, sondern richtig, mit einer laufenden, sich wiederholenden Berichterstattung. Das alles sind (einige) Gründe dafür, den klassischen Journalismus sang- und klanglos untergehen zu lassen. Doch das wäre ein Fehler.

Egal, wie miserabel sich der Journalismus in den letzten Jahren verhalten hat, es geht nicht ohne ihn. Damit meine ich nicht den Journalismus einer gedruckten Tageszeitung. Die wird zwangsläufig verschwinden, weil die Leute ihre Nachrichten mehr und mehr aus dem Netz holen. Aber es braucht starke Onlineredaktionen. Es braucht Marken, journalistische Marken, denen man vertrauen kann. Denn "Spiegel", "Stern" und Co werden für den größten Teil der Bevölkerung immer noch vertrauenswürdiger sein, als einzelne Blogs. Blogs funktionieren für eine Info-Elite, RSS-artige Systeme ersetzten den Nachrichtenticker, aber jemand, der sich für Nachrichten nur am Rande interessiert, oder der nicht weiß, was bei Firefox ein Addon ist (und davon gibt es mehr als man denkt), der wird sich nicht durch die Blogwelt wühlen, sondern, wenn überhaupt online, dann bei den bekannten Marken suchen. Nur ist kaum davon auszugehen, dass die Verlage ihre Onlineredaktionen und Journalisten besser bzw. anders behandeln werden.

Die Frage, die mir seit einiger Zeit durch den Kopf geht: Muss man den Journalismus aus den Händen der Verlage nehmen? Sollte man sich ein Beispiel an der "Brand Eins" nehmen, wo eine engagierte Mannschaft außerhalb der Verlagswelt ein vernünftiges Produkt auf die Beine stellt? Brand Eins funktioniert als Printprodukt ganz hervorragen, aber klappt so etwas auch mit anderen Angeboten? Ist Brand Eins eine Vorlage für modernen und unabhängigen Journalismus, wie dringend benötigt wird?

Die Frage ist auch: Kann sich der Journalismus, so wie er jetzt in vielen Bereichen vor sich hinvegetiert, noch aus der wirtschaftlichen Umklammerung der Verlage retten? Und was müsste dafür getan werden. Ich hatte neulich den etwas fatalistischen Gedanken, dass die Radikalkur, die der internationale Journalismus gerade durch macht, gar nicht so schlecht ist. Denn viele der entlassenen Redakteure werden sich logischerweise im Netz versuchen und schauen, was dort so geht. Das im letzten Jahr viele interessante Fachblogs aufgetaucht sind, spricht für die These, dass sich hier etwas tun wird.

Ein moderner Journalismus kann sehr gut im Netz und ohne Verlage überleben, da die Kosten deutlich niedriger liegen als bei einem gedruckten Exemplar einer Zeitung. Auch wenn die Erlös- und Vermarktungsituation im Moment für Seiten unterhalb von 500.000 1 Mio Uniques noch unbefriedigend ist - ewig wird dies nicht so sein. Es ist noch Zukunftsmusik, aber ich bin durchaus der Meinung, dass sich dezentrale Redaktionskonzepte dank immer einfacher CMS Systeme in Zukunft durchsetzen werden und in Konkurrenz zum etablierten Verlagsgedanken treten werden. Und genau hier liegt da auch wieder die Chance, dem Journalismus in Deutschland neues Leben einzuhauchen. Das die Übergangsphase nicht leicht wird, ist klar und es ist bedauerlich, dass ausgerechnet jetzt, wo man einen starken Journalismus mehr denn je benötigt, dieser, zumindest in vielen Bereichen des Tagesgeschäftes, kaum noch wahrnehmbar ist. Hilfreich für eine Demokratie ist das nicht, womit ich wieder bei meiner Ausgangsthese wäre - wir brauchen einen starken Journalismus.

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