Mittwoch, 12. November 2003

Mutti, die Sau hat gebohrt

Mittwochs einen Zahnarzt zu finden ist nicht leicht. Man will ja außerdem nicht bei einem russischen Schlächter landen. Nach endlosen Telefonaten fnd ich gegen Mittag entnervt einen Arzt. Dank an dieser Stelle an Frau Julie. Es war ein Zahnarzt für Kinder, der nebenbei auch Erwachsene behandelt. Fr. Dr. Uhlmann war sehr nett zu mir, weil sie normalerweise nur sechsjäherige behandelt. Sechsjährige waren aber gerade aus, also nahm sich mich zwischen. Völlig begeistert meinte sie zu mir: "Weisheitszähne! Na, die hatte ich ja schon lange nicht mehr." Vertrauenserweckend. Schade auch, dass sie vor der Behandlung ihren Kinderzahnarztkittel gegen einen normalen vertauschte. So beugte sie sich ohne Bärchen über mich, dafür aber mit einem Strinrunzeln. "Holla, da fehlt ja fast die Hälfte." [insert hier: krächzende Laute meinerseits]. "Was machen wir denn da?" Nach einigem hin und her meinte Fr. Dr. Uhlmann. "Hmmm. Wir machen da jetzt einen halben neuen Zahn auf den Rest drauf." Das war mir neu. Ich hatte nun aber auch seit bestimmt 20 Jahren kein Loch mehr in einem Zahn. Ich war zwar hier und da beim Zahnarzt, aber da wurde immer der Zahnstein entfernt und mir auf die Schulter geklopft ob meiner schönen, geraden, guten Zähne. "Wie jetzt? Zahn drauf machen?" frug der völlig entspannte und der Situation jederzeit Herr seiende nervös lächelnde Patient. "Ach, da nimmt man Kunststoff, und damit modelliert man schnell den Rest nach." Wunder der Forschung! Tolles 21. Jahrhundert! Früher ging das nicht. Dann bohrte sie. Und bohrte. Und bohrte. Sie bohrte sehr, sehr lange und ich sah, wie kleine Zahnstücke aus meinem Mund flogen. Wie ein Springbrunnen, dachte ich, immer darauf bedacht, auch in solchen Situationen das lyrische im Leben zu sehen. Aber das Bohren wollte kein Ende nehmen. "Da ist ja noch was," murmelte Fr. Dr. Uhlmann. Und bohrte. Zwischenzeitlich pustete sie alles mit einem Hochdruckdingens weg. Und bohrte weiter. Dann war sie fertig, und meinte. "Das ist interessant." Es gibt so ein paar Dinge, die man beim Zahnarzt nicht hören will: "Ohje" zu Beispiel. Oder "Das wird jetzt unangenehm." oder "Sowas hab ich ja auch noch nicht gesehen. Tina, hol doch mal den Kollegen von nebenan, dass muss der sehen". "Das ist ja interessant" gehört auch dazu. Mehr als fragend anschauen konnte ich sie aber nicht, da sie immer noch mit Bohrer, Absauger, Druckluftdingens und ihren Fingern in meinem Mund hing. "Sowas. Interessant. Das ist zwar auch nach unten gewachsen, aber vor allem zu Seite. Verstehn sie, die Karies ist einfach zu Seite gewachsen. Lustig." Fand ich nicht. Später würde ich da sicher im Kreise meiner lieben Freunde stundenlang drüber lachen können. Jetzt nicht. Jetzt sprachloses Entsetzen bei mir. Ich schaute sie fragend an. "Ach, sagte sie, dass ist schon alles recht knapp am Nerv. Aber dran gekommen bin ich wohl nicht. Das hätten sie gemerkt. Haha. Na, dann muss ich jetzt wohl mal modellieren. Da ist nämlich einiges weg von ihrem Zahn. [insert hier: krächzende Laute meinerseits] Aber ziehen tun wa nich. Das machen wir erst, wenn gar nix mehr geht. Ihr Weisheitszahn sitzt nämlich richtig schön tief im Kiefer. So richtig satt. Den kann man wahrscheinlich gar nicht ziehen, den müßte man rausbrechen. Aus dem Kiefer. Das ist nicht schön.[insert hier: panisch krächzende Laute meinerseits] Also machen wir lieber mal schnell alles zu. " Fand ich auch. Sie nahm dann so eine Art Kunststoffpaste und sagte: "So, damit mache in einen neuen Zahn. Hält ewig. Können sie auch direkt mit essen." Tatsächlich schmierte sie mir eine Art halbtrockenen Kaugummi in den Zahn. Diese Wundermasse wurde sofort hart. Wie Sekundenkleber. Sie baute damit einen halben Zahn, der einfach weg war, komplett neu. Irre. Eben schon ein Brot gegessen. Große Dankbarkeit.

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Dienstag, 11. November 2003

Ah - endlich wieder ein Thema in meinem, seit etlichen Wochen, langweiligen Leben. Zähne. Besser gesagt, der Weisheitszahn rechts, hinten, unten. Er meinte gestern eine kleine Ecke verlieren zu müssen. Um dann heute bröckchenweise weitere Teile abzulegen. Mittlerweile habe ich einen halben Krater. Die Hälfte ist weg, die andere Hälfte steht traurig da und vermisst so langsam den gewohnten Halt. Daran, das ich so noch schreibe, kann der gewitzte Leser aber bemerken, dass ich noch keine Schmerzen habe. Wohl aber kann ich mit der Zunge ein Loch ertasten, dass sich seitwärts in den Zahn schlängelt und unendliche Weiten zu besitzen scheint. Das geht nicht lange gut. Ich rechne minütlich mit dem schlimmsten. Vor allem befürchte ich (im befürchten bin ich bei solchen Sachen richtig gut), dass da nix mehr zu machen ist. Wahrscheinlich klinisch tot, der Zahn. Da ist nix mehr mit füllen. Der muss sicher raus, weil er kein Loch hat, sondern weil ihm Teile der stabilisierenden Seitenwände fehlen. Da sagt der Archtiekt in mir: Rette sich wer kann, bevor alles einstürzt. Also wird er raus müssen. Ein Weisheitszahn. Aus dem Kiefer. Und ich hab noch keinen Zahnarzt in Berlin.

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Eben dachte ich noch...

Dosenpfand Renten/Sozial/Krankenversicherungsreform Maut Leipziger Olympia Bewerbung Rechtsausleger

Lustig, wie sich ein Land selbstdemontiert, dachte ich.

Dann brach mir gerade ein Stück Zahn ab. Jetzt geht das auch schon bei mir los.

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Montag, 10. November 2003

Depression gesucht

Hilfe. Ich habe bisher keine Novemberdepression. Da mögen sie lachen und sagen: "Ja super!". Aber mir macht das ein wenig Angst. Sonst hab ich immer welche. So im November die erste. Die richtig schlimme kommt meistens so Mitte Dezember. Gut, bis dahin ist noch was Zeit. Aber jetzt, wo die November-Depression schon nicht kommt, da denke ich manchmal: "Hey, und was, wenn die im Dezember auch nicht kommt?" Und es gibt so ein paar Symptome, die mich das vermuten lassen. Zum Beispiel die Kälte. Ich denk immer "Boah, das ist ja schon kalt." Aber dann geh ich raus, schwing mich aufs Fahrrad und denk: "Geht doch! Super! Frische Luft!". Oder die Dunkelheit. Um halb fünf wurde es heute duster. Und wenn ich so gegen halb sieben nach Hause radel, die Friedrichstrasse rauf, dann denk ich "Hui, das ist ja hübsch. Die vielen Lichter. Toll." Und es kommt noch schlimmer. Heute wurde die Weihnachtsbeleuchtung in der Friedrichstrasse an die Lampen montiert. Und... ich hab mich gefreut, weil das bestimmt total schön aussieht, wenn die an ist.

Da stimmt doch irgendwas nicht. Das ist doch nicht normal. Das bin doch nicht ich. Ich hab jetzt Angst, dass das so bleibt. Hilfe!

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Sonntag, 9. November 2003

Referrer Gedichte

Man nehme: die Referrer. Man schüttel sie. Man dichte. Von hier

Ode an einen kalten Sperling

Heizkörper pfeift fick dich gesund es ist wie parken in New York

irgendwas kiffen kurz und bündig die definition von linda? mutter sex!


An die toten Mitochondrien

Das erste mal gesund kiffen Kürbislasagne parkplatz definition

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