Fragebogen aus dem Webblogwald
1. First record you ever bought? Ich weiß nicht mehr genau ob es Manfred Mann - Angel Station, oder doch Didi Hallervorden & Helga Feddersen "Die Wanne ist voll" war. Es könnte auch das Village People Superkracher Hit Album "Cruisin'" gewesen sein. Oder doch die "Commander Perkins" Hörspiel Scheibe? Jedenfalls kaufte ich alle Platten in einem seltsamen Laden in Godesberg. Das war noch ein Laden, der richtige Hörabteile hatte. Man gab die Platte an einem Infostand ab, der Angestellte legte sie auf und sagte "Kabine 5". Also ging man in Kabine 5 und hörte per Kopfhörer in die Platte rein. LPs kosteten damals 17,99 DM. Glaub ich.
2. First gig (who and where)? Hier
3. Best gig (who and where)? Schwierig, popierig. Da war das Tea Party Konzert 1996 im Luxor in Köln. Da war Jeff Buckley, ich glaube im selben Jahr, ebenfalls im Luxor. Da waren die Stones 90 im Parkstadion. Aber ich entscheide mich für Swell, 1998 im Logo in Hamburg. Ich war ganz alleine auf dem Konzert, der Laden angenehm gefüllt und ich hab einer der besten Livebands der ganzen weiten Welt gesehen, die mir die Tränen in die Augen gesungen haben.
4. Gig you wish you'd been at? Ich würde gerne mal gehört haben, wie Mozart seine Stücke aufgeführt hat, wie Beethoven seine Symphonien inszenierte, nur um endlich mal zu hören, wie die meinten, dass man es hören müßte, damit ich noch einen Grund mehr habe über manch überkandidelten Klassikkritiker zu lachen.
5. What's in your CD player at the moment? Talk Talk - Spirit of Eden
6. A record that makes you laugh? Dr. Hook & Medicin Show - On the cover of the Rolling Stone Elvis Presley - Are You Lonesome Tonight (A very special version from Las Vegas)
7. A record that makes you cry? Beck - Sea Change
8. A record that reminds you of school or college discos? Heaven 17 - The Luxury Gap. Hey - ich hatte einen weißen Schal! Von Benetton!
9. A record which sounds better in the dark? Soundtrack zu "Der Kalte Finger"
10. A song you wish you'd written? Keine Ahnung. Blöde Frage. Es gibt ja auch kein Buch, was ich gerne geschrieben hätte.
11. A record you'd like played at your funeral? Oh - sehr schönes Thema. Eine zeitlang dachte ich immer, ich sei der einzige Mensch auf der Welt, der sich in jungen Jahren über so was schon mal Gedanken gemacht hat. So eine Musikauswahl will ja wohl überlegt sein. Denn einerseits sollen die Hinterbliebenden ja ordentlich trauern, anderseits aber auch nicht zu sehr, denn sie sollen beim Leichenschmaus ja nette Anekdoten erzählen und nach dem Lachen "Achja" sagen, während sich die Augen kurz in einer Unendlichkeit verlieren. Dazu muss die Musik natürlich alle Facetten meines unglaublich reichen und abwechslungsreichen Leben widerspiegeln. Die Leute sollen da sitzten und denken "Ach, ach" und "Was für ein guter Mensch". Das ich mich bis heute nicht entscheiden konnte, welche Musik laufen soll, werte ich als gutes Zeichen für meine Lebensdauer.
12. Soundtrack for a long car journey? Kommt darauf an, wie schnell mal fahren will. Und wo man fährt. Nehmen wir mal an, wir fahren von Berlin nach Nizza. Dann gibt es in Deutschland erstmal "Status Quo". Das rollt dann schon mal sehr gut. Aber zu lange darf es nicht rollen, wir wollen uns auch mal entspannen. Gerade, wenn wir die leicht verstopften Autostraßen im Süden Deutschlands passieren. Hier sollte man dann "Kraftwerk - Autobahn" hören. In Frankreich weichen wir den Autobahnen aus. Zu teuer. Auch nicht viel schneller und nicht so hübsch wie die knuddligen Landstraßen mit den Hinweis- und Entfernungsschildern aus Stein. Hier kann man mehreres hören. Francoiz Breut zum Beispiel. Mano Chao. Les Negresse Vertes. Yann Thiersen. Wir passieren kleine, hübsche Städte, halten schon Nachmittags an, suchen uns ein nettes Hotel, sitzen draussen und trinken einen oder zwei Ricard. In Südfrankreich angekommen wechseln wir natürlich zu Dean Martin und Sammy Davis jr. oder frühen James Bond Soundtracks. Aber vor allem sind wir dann eins: Glücklich.
Wenn es einem mal so richtig gut geht, dann kann das hier helfen.
Credits to the incredible klesk from the forum
Was ich heute noch erledigen muss
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Fisch zum Auftauen aus der Tiefkühltruhe
Vor wirklich vielen Jahren wohnte ich Bonn, am Rodderberg, bewaldet, ruhig, mit kleinen Häuschen, meine Eltern mochten es. Meine Mutter schwärmte, wie schön es da doch sei, so grün, bessere Luft und mehr Auslauf für den Hund. Mit dem durfte ich dann immer raus, über Feldwege, an wilden Apfel- und Walnussbäumen und eingezäumten Schafsherden vorbei. Bei den Schafsherden musste man immer vorsichtig sein, denn bei dem Hund, den ich ausführte, handelte es sich um einen Schäferhund, der seine genetisch programmierte Aufgabe noch verstand. Wenn man nicht aufpasste, dann riss er sich los, raste so lange über die Wiese hin und her, bis die ca. 40 Schafe in einer ungefähr 2 qm großen Ecke zusammengepfercht waren und laut blökend protestierten, während unser Hund zufrieden kläffte und sich freute, dass seine Gene 1a funktionierten.
Auf den langen Spaziergängen traf ich häufig eine alte Dame. Alte Dame im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie war angezogen wie eine alte Gräfin, mir einer Kombination aus Blazer und Rock und einer feinen Bluse nebst passender Brosche und einem herrschaftlichen Mantel in Jäger-grün. Sie führte ihre alten Dackel spazieren, zwei an der Zahl, auch wohlerzogenene Tiere, die kaum einen Meter von ihrer Seite wichen. Nach ein paar Monaten war aus den rituellen Begrüßungen ein freundschaftliches Gespräch geworden, und die alte Dame - sie hieß Frau von Kurnatowski - lud mich zu einem Tee ein. Gut erzogen wie ich war, tauchte ich gerne in dieses Ambiente aus 20er Jahre und verarmten Adel ein. Sie war eine Grand Dame mit diesem Esprit der feinen, aber leider untergegangenen Gesellschaft. Jene Damen, die eben noch das alte Kristall der eigenen Großmutter um Schrank haben, deren Blusen immer oben geschlossen sind, die den Teelöffel ganz weit oben anfassen und niemals "Scheiße" oder "Ficken" sagen, sondern als Zeichen höchsten Missvergnügens nur mit der Zunge schnalzen.
Die Wohnung bestand aus einem alten Sofa und vielen Regalen, die, neben üblichen Biografien über verstorbene Adlige, auch mit erstaunlich vielen Loriot Figuren gefüllt waren. Das passte nun gar nicht. Aber die Figuren waren mit solch einer Liebe aufgestellt, das ich mir die Frage nicht verkneifen konnte, ob sie Loriot möge. Sicher, antwortete sie, er sei ihr sehr nahe. Sie behauptete eine Tante von Loriot zu sein, doch wollte es mir nicht einleuchten, das die Tante eines sehr reichen Mannes in einer kleinen Einliegerwohnung wohnen musste. Heute, wo es zum guten Ton gehört, dass Prominente ihre Angehörigen arbeitslos (Der Stiefbruder vom Kanzler!) oder gar verhungern lassen (irgendwer, hab ich neulich in einem Fachblatt gelesen), ist das ja nichts ungewöhnliches. Da holt man keinen Redakteur mehr hinter dem Schreibtisch her. Da gähnt selbst der Volontär. Damals aber war ich jung und Yellow-Press unverdorben und dachte: "Quatsch, wenn eine Familie Geld hat, dann teilt man das doch, dann läßt man seine arme Tante doch nicht einer Eigentumswohnung in nobler und teuerer Wohnlage darben.
Sie blieb aber dabei, dass sie irgendwie verwandt mit Herrn von Bülow sei. Da es kurz vor Weihnachten war, machte sie mir das Angebot, etwas aus der schon damals reichhaltigen Loriot Kollektion zum Geschenk zu machen. Es sei nur ein Anruf, ich solle mich nicht schämen. Ich wünschte mir einen Kalender, allerdings mit Autogramm, weil ich ihr immer noch nicht glaubte.
Zwei Tage vor Weihnachten traf ich sie erneut, und sie berichtete, dass Loriot offenbar seinen Besuch angekündigt habe. Ich möge doch am 2. Weihnachtsfeiertag vorbei kommen, dann sei er da. Dummerweise waren wir aber an diesem Tag bei irgendwelcher Verwandtschaft. Es ist ja immer so: Egal, wie wenig Verwandtschaft man hat, sie werden immer dann red- und leutselig, wenn man es partout nicht gebrauchen kann. Normalerweise reißt man sich an Weihnachten die Geschenke aus der Hand, sagt Sachen wie "Ach, wie hübsch. Das hast Du aber bestimmt lange gesucht", trinkt bitteren Kaffee und geht dann schnell wieder, um sich während der Rückfahrt im Auto all die Dinge zu sagen, die man gerade zwei Stunden lang nicht gesagt hat. Diesesmal war aber irgendwas anders, jedenfalls dauerte es länger. Da half kein Quengeln und kein Jammern, die Sippschaft saß am Tisch und trank.
Als ich endlich loskam, raste ich die wenigen Strassen zu ihrer Wohnung rüber. Vielleicht habe ich ja Glück, dachte ich, in völliger Unkenntnis von Weltlage und Karmaanalyse. Tatsächlich sah ich gerade noch einen Jaguar aus der kleinen Straße abbiegen und wegwischen. Das, soviel war mir klar, war es dann gewesen. Zu spät. Nur noch Rücklichter. (Ein Phänomen, dass sich in meinem weiteren Leben im Bereich "Beziehungen" gerne wiederholen sollte). Auf dem Tisch standen noch die Kuchenteller und die Cognacgläser und Frau von Kurnatowski machte ein ebenso betrübtes Gesicht wie ich. Aber immerhin lag der versprochene Kalender nebst Autogramm auf dem Tisch.
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