Donnerstag, 13. Mai 2004

Große Geschichten heute in der Blogwelt.

Frau Gröner hat mal bei McDonalds gearbeitet.

Herrn Sixtus war in Dortmund

Und danach kann man in der <a href="www.bl.uk "Target="blank">British Library in Da Vincis Notizbuch blättern. (Via Megawatt)

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Manchmal ist meine Wahrnehmung von den Dingen um mich herum so pervertiert, dass es mich nicht mal mehr wundert, wenn ausgerechnet auf den Höhepunkt der Disksussion über folternde Amerikaner, ein Video auftaucht, in dem ein anderer Amerikaner geköpft wird. Die eigene Schuldgefühl, dass man die Dinge nur noch verdreht wahrnimmt. Die Ohnmacht, dass man weiß, dass es nicht mehr anders geht. Das dumme Gefühl, dass es selten Zufälle gibt. Die Angst nichts mehr erkennen zu können. Hübscher Cocktail, der einen aber auch nur in eine Art Kanninchenstarre führt.

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Mittwoch, 12. Mai 2004

Liebe Telekom,

ich muss Dir leider sagen: Es geht nicht mehr. Sicher, nach einer so langen Zeit kommt das sicher überraschend für Dich. Aber leider hast Du einen erklecklichen Beitrag zu dieser Trennung beigesteuert. Ich sag es Dir jetzt mal direkt, denn nur noch so kann ich mit Dir reden: Nach vielen Jahren, Umsummen von Gebühren in diversen Hotlines, willenlos geschalteten Rufnummern, zwei verschlampten Umzugsanträgen in den letzten 8 Tagen und der Aussage, nun sei es zu spät, jetzt müsse ich meinen Anschluss komplett neubeantragen, was leider 99 Euro kostet und vor Juni leider nicht gehe, müssen wir uns nun trennen. Vielleicht ist es in den letzten Jahren auch einfach zu viel geworden. Für Dich. Für mich. So wie in einer langen Beziehung, die am Ende nur noch aus genervter Routine besteht. Natürlich fühlt es sich ein wenig komisch an. Aber ich kann leider nicht sagen, dass ich das Gefühl habe, einen Verlust erlitten zu haben. Zu groß waren unsere Differenzen, vor allem, was Deine Stimmung am Telefon anging. Da hab ich mich oft gefragt: "Warum mache ich das eigentlich noch?" Aber man ist ja bequem. Jetzt werd ich also nächste Woche ohne Dich umziehen. Und ja, es gibt schon jemanden anderen. Das mag Dir jetzt unfair erscheinen, vielleicht ein wenig schnell, aber unsere Kommunikationsprobleme sind ja nicht neu. Sie reichen weit zurück, ich weiß schon gar nicht mehr wie weit. War der Bruch vor zwei Jahren, als ich schon mal drei Anschlußaufträge gestellt habe, zwei davon verschwanden, einer geschaltet wurde um dann einen Tag später wieder abgeschaltet zu werden und Du mich so auf eine lange Odysee durch Hotlines gezwungen hast? Oder wie war das vor einem Jahr, als Du mein DSL mit der Behauptung abgestellt hast, ich hätte nicht gezahlt, obwohl Du eine Einzugsermächtigung hast und den DSL Betrag in dem Monat gleich doppelt ab- und wieder aufgebucht hast? Oder die Nummer in Hamburg, damals mit dem Büro, als Du mir schriebst, Du würdest am Tag des Umzugs kommen, und alles wieder gut machen, aber dann kamst Du nicht, und ich mußte eine Fotoagentur zwei Wochen per Handy leiten. Oder die Tatsache, dass ich jetzt meine Hauptmailadresse ändern muss. Ach, egal.

Naja, ich will es nicht zu lang machen. Ich bin ehrlich gesagt auch ein wenig sauer, denn Du bescherst mir mit Deiner letzten Aktion nun mind. vier Wochen eine Telefon- und Internetlose Zeit zu Hause. Was Vodafone freuen wird, und irgendwie freue ich mich sogar mit denen, obwohl ich weiß, dass die auch nicht viel besser sind. Da siehste mal, wie weit Du es getrieben hast.Deswegen lasse ich Dich nicht mit einem Gefühl der Trauer zurück, sondern eher mit Wut und ein wenig Verzweiflung. Letzteres vor allem, weil ich weiß, dass Du Dich wohl nie ändern wirst.

Machs besser in Zukunft Don

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Samstag, 8. Mai 2004

Vor wem würde man denn auf Knie fallen? Vor wem würde das eigene Rückgrat so weich, dass man sich freiwillig tief verbeugen würde, allein, weil der Mensch da vor einem so unfassbar groß ist? Und was soll man so einen Menschen fragen? Darf ich den überhaupt interviewen? Darf ich mich mit meinen, damals 26 Jahren, vor Robert Mitchum stellen, der Hollywood und das Gesicht aller Bösewichte in allen Ewigkeiten geprägt hatte? Das geht eigentlich gar nicht. "Mr. Mitchum, how do feel about your new movie?" oder "Have you been in Germany before?". Das waren Fragen, die mein Lokalblatt erwartete und es hätte mich bei diesen Fragen nicht gewundert, wenn mich ein großer Stein erschlagen hätte. Aber welche Fragen soll man sonst stellen, wo doch ungefähr drei Milliarden Journalisten vor mir schon alle Fragen gestellt hatten, die man nur stellen kann. Vielleicht mal nachfragen, wie die Sache mit Ava Gardner war?

Das sind so echte Grenzfälle. Klar, sehen will man ihn schon. Aber besser keine Fragen stellen. Vielleicht mal berühren, wegen der Aura, und der Hoffnung, dass sie einen Bruchteil abgibt, damit man auch das Gesicht so in Falten legen kann. Aber das örtliche Käseblatt, dass mir diese Gelegenheit überhaupt erst möglich gemacht hat, will es anders. Ich soll fragen, wie das so ist Köln, und mit dem neuen Film und ob er Kölsch mag. Eine widerliche Unart in Köln. Alle halbwegs Prominenten werden gezwungen ein Kölsch zu trinken, ob sie es mögen oder nicht. Lokalkolorit nennt man das, erhöht auch die Auflage und stärkt die kölsche Seele, wenn sie in ihrer Zeitung sehen können, wie irgendein ausländischer Prominenter am Kölsch nippt. Dann sagt sich der Kölner an sich "Jo,jo, et is ever och wirklisch joot he wo ma läve, da kann ma sachen wat ma will, un der aus Hollywood sach dat auch" und geht wieder an sein Tagwerk. Das ist in etwa der gleiche Refelx wie in Hamburg, wo alle Hamburger antworten, wenn man sich mal kritisch über die langweiligen, mundfaulen, engstirnigen Norddeutschen äußert: "Aber schön ist es hier!".

Ich war mir allerdings ziemlich sicher, dass Robert Mitchum davon überhaupt keine Ahnung hatte. Er mußte einen Film drehen und das mit knapp 80 Jahren, irgend eine Cameo Nebenrolle. Dass er überhaupt noch arbeiten mußte. Wahrscheinlich weil er sein ganzes Geld verlebt hatte. Wahrscheinlich mit Ava Gardner.

Natürlich erschien er nicht zum Interviewtermin. Er sollte Mittags kommen, aber kam nicht. Später würde er sicher kommen, sagte die Frau von der Produktion, und ich glaubte ihr kein Wort. Derweil versuchte ich heraus zu bekommen, was die andern vier anwesenden Kollgen an Fragen parat hatten. Zwei mußten wissen, ob er schon mal in Köln war, und ein Kölsch getrunken hatte. Eine weitere sagte nichts und der letzte hatte einen vierseitigen Fragenktalog, die sich alle auf verschiedene Filme aus den letzten 50 Jahren bezogen. Das war der Filmjournalist. Ich kannte ihn flüchtig, da er der einzige Kölner Filmjournalist war, der geschätzte 150 Kilo wog und immer einem Trenchcoat trug, der so gerade eben noch zuging und unfaßbar nach Schweiß stank. Er wollte von Mitchum wissen, ob er wirklich mal wegen seiner Rolle in "Night of the hunter" in einer US Kleinstadt verhaftet worden war, weil ihn die Bewohner für den dämonischen Harry Powell hielten. Coole Frage. Ich war neidisch, denn ich mußte ja nach Kölsch fragen. Wenn ich diese Frage im Interview stellen würde, dann hätte mein Auftraggeber gesagt: "Jung, wenn dä sujet frachen willst, dann frach dat. Ever dann kriste keen Jeld für. Wat interessiert sich dat Marie usser Südstadt denn für su jät? De will wissen, ob er Kölsch mag. Und wat die Enkel mache. Su Frachen sin doch Kokolores."

Zwei Stunden später war immer noch nichts von ihm zu sehen. "Er dreht noch" hieß es. So ist das, im tollen Journalistenleben. Man steht rum und wartet. Stundenlange Langeweile wird allerdings in Sekundenbruchteilen von totaler Hysterie abgelöst. So auch diesesmal, denn plötzlich tauchte Mitchum auf. Das heißt, erst tauchte sein Umriss auf. Ein Hühne, schien es, in einem langen Mantel, im Halbdunkel, zwischen den kahlen Gleisen, der sich langsam und vorsichtig in unsere Richtung bewegte und die Produktionspressetante zu einem verzückten "Hab ichs doch gesagt" bewegte. Wir nestelten alle an unseren Taschen, zerrten den Fragenblock und das Aufnahmegerät heraus und standen Spalier, bis er endlich unfallfrei über die letzten Gleise gesteigen war. Die Produktionspressetante ging ihm entgegen und ich hörte nur "Sure, five minutes" und da war er da. Mitten auf dem alten Güterbahnhof in Köln stand er vor mir, vielleicht einen Meter entfernt, dick verpackt in einem Mantel und einem Schal. Hager war er, das Gesicht wie eine Landkarte des Himalaya und unter seinem Kinn hing ein Lappen Haut runter, der sich immer bewegte, wenn der Kehlkopf nach oben schoß. Und ich hatte weiche Knie. Der Filmkollege, ganz alter Profi, schoss seine Frage wegen der Festnahme raus. Mitchum hörte sich die lange, lange Frage an und sagte "No, thats a legend". Dann folgte die erste Kölsch Frage und es folgte eine lange freundliche Antwort, von wegen, er sei ja nur zwei Tage da, da habe er keine Zeit, aber Köln sei eine tolle Stadt, er sei nun schon so alt, er hätte viel früher hier hin kommen sollen, aber er sei froh, wenigstens einmal hier gewesen zu sein, und wegen des Kölsch, da würde er doch gleich mal seine Betreuer vor Ort fragen, ob sie ihm das Zeug nicht mal besorgen können. Jedes Wort gelogen, aber der Mann wußte eben, was er zu sagen hatte, vermutlich, weil ihn die gleiche Frage schon dreitausendmal in Mexiko, und da wegen Tortillas oder sonst was gestellt wurde. Und als eine kleine Pause bei den Fragen eintrat, nutzte er sofort die Gelegenheit um sich zu bedanken. Er drehte sich um, stieg wieder vorsichtig über die Gleise und verschwand hinter einem alten Güterwaggon. Das Interview ist trotz Kölsch-Frage nie erschienen, nur eine kleine Notiz, dass Mitchum in Köln drehen würde. Der Grund laut Lokalredakteur: "Ach jo, dat ist nett. Ever den kennt doch keiner mehr."

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Donnerstag, 6. Mai 2004

Mehr solcher Dinger gibt es hier. Vielleicht sollte man mal überlegen für solche Sachen ein eigenes Blog aufzumachen.

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