Dienstag, 22. Juni 2004

Mein Großvater hat immer gesagt, dass man, wenn man denn schon im Krankenhaus liegen muss, auf jeden Fall aufpaßen soll, dass man eine Krankenschwester bekommt, die rote Haare hat. Das wäre der Garant für eine schnelle und vollständige Genesung. Ich weiß nicht, wie er das meinte, aber mein Großvater hat noch lange von den "Karbolmäuschen" an der Westfront geschwärmt. Ich hatte mit roten Haaren so meine Probleme. Das einzige rothaarige Mädchen, dass ich jemals näher kennenlernte, war Charlotte in der zweiten Klasse, und Charlotte war äußerst doof, weil sie dazu neigte bei jeder Annäherung an ihre Haare sofort in Tränen auszubrechen, was vielleicht auch so eine Art Schutzmechanismus war, weil jeder, der ihren Haaren zu nahe kam, auch dran ziehen wollte. Meist war "jeder" ich, der ihren Haaren zu nahe kam, denn ich hatte einen sehr großen Spaß daran Charlotte dabei zu zusehen, wie ihr die Tränen aus den Augen sprangen. Es war irgendwann so eine Art Zwang getrieben von Faszination, dass ich jeden Tag mindestens einmal sehen wollte, wie sie Augen zusammenkniff und ungefähr drei Sekunden später Tränen irgendwo dazwischen rausschossen. Als Charlottes Eltern meine Eltern deswegen dann mal Abends besuchten, weil ihre Tochter mittlerweile nicht mehr in die Schule gehen wollte, wurde auch ich irgendwann befragt, aber ich konnte keine wirklich zufriedenstellende Antwort geben, da mir auch klar war, dass ich mit dem Argument "Neugier" nicht weit kommen würde. Ich mußte mich dann von Charlotte fernhalten, und vor allem mußte ich mein Suchtverhalten auf was anderes umlenken. Also hab ich rotthaarige Frauen mehr oder weniger vergessen.

In den letzten Jahren sind jedoch zwei Frauen aufgetaucht, für die ich meine eventuell immer noch vorhandenen Haare-Zieh-Zwang eventuell vergessen, oder doch zumindest als sexuellen Fetisch deklarieren könnte. Die eine ist Thea Dorn, die andere war Enie van de Meiklokjes. Das ist jetzt ein wenig peinlich, vor allem, wenn man weiß, dass sie einen eh schon sehr peinlichen Schlager irgendwann mal neuaufgenommen hat, aber mittlerweile moderiert sie irgendwas auf arte und immer wenn ich sie im Fernsehn sah, da dachte ich "Diese Grübchen!"

Neulich wurde mir aber gewahr, was eine gut ausgebildete Maskenbilderin zu leisten im Stande ist. Ich legte gerade meine Teltower Rübchen neben die Salami, als ich der Frau neben mir gewahr wurde. Sie sah von hinten nicht so dolle aus, was sehr an ihren Haaren lag. Armes Technomädchen, dachte ich mir, hat mal aus Lust die Haare rot gefärbt, jetzt mag sie nicht mehr, und deswegen sieht ihr Kopf so aus, als hätte der MissKitty Chefzeichner sein Pinselaufbewahrungstuschfarbenauswaschwasserglas über ihr ausgeschüttet. Aber dann drehte sie sich um, ein freundliches Lächeln huschte über ihr Gesicht, dass ich vom Fernsehn etwas anders im Kopf hatte und ich erkannte die Grübchen. Ich lächelte schief zurück und wand mich meinem Feldsalat zu, der in den Einkaufswagen gehoben werden wollte. Man sollte es verbieten, dass durch das Fernsehn bekannte Menschen ungeschminkt und in Hausklamotten in Supermärkte gehen. Minutenlang war ich damit beschäftigt die Bilder richtig einzuordenen, so dass ich am Ende vergessen hatte den Joghurt zu kaufen, weswegen ich dann später im Regen noch mal raus mußte.

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Auch mal wieder schön

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Samstag, 19. Juni 2004

Es ist nicht leicht sich durch die Menge vor dem Bergstübel durchzuwurschtel. Erstaunlich lauer Berliner Abend. Wir sind dieses Jahr nicht verwöhnt mit lauen Abenden. Die Frau hinterm Tresen hat das obligatorische Piercing in der Augenbraue und eins durch die Unterlippe und natürlich lugt ein Tattoo am Oberarm hervor. Ich will auch gar nicht lange da sein. Ich will nur ein Rothaus Tannenzäpfle auf meine sechs kleinen Cobra schütten, die ich mit zwei wundervollen Menschen heute Abend genossen habe. Das reicht eigentlich. Aber nach einer halben Stunde mit dem Fahrrad quer durch Berlin, von Alt-Moabit bis Prenzelberg, nach lauen Fahrtwind, will ich noch ein bißchen mehr. Ich würd auch gern grad noch was mehr von dem Tattoo sehen, nur so, weil ich grad so guter Laune, weil ich die Flügel ein wenig ausgebreitet habe und weil ich glaube, dass sie ein sehr schönes Tattoo hat. Wahrscheinlich ein wenig über den Rücken gezogen, ein großes Tribal, denn ich kann sehen wie sich die Linien an ihrem Nacken entlang ziehen und auf der anderen Seite taucht ein ähnliches Muster auf dem anderen Arm auf. Ich muß aufpassen, dass ich nicht einfach loslache und paß doch nicht genug auf, denn sie fragt mich, ob was ist, und ich sage nein, nein, alles gut. Ich schaffe es mit einer Hand den Rest des Berges hoch zu radeln, während ich zwischendurch trinke, und dann wird es wieder flacher, aber ich kann nicht schalten, wegen des Biers, und deswegen sehe ich wahrscheinlich ziemlich bescheuert aus, weil ich wie ein Irrer strampel und mich kaum voran bewege. Erst an der nächsten Kreuzung hab ich das Bier so weit ausgeleert, dass ich schalten kann und wo ich die Flasche schon gut in der Jackentasche verstaut habe, und es mir so gut geht, da kann ich ja auch singen, denke ich. Dabei kann ich kann ich gar nicht singen. In der Grundschule hat mir die Musiklehrerin immer mit ihrer Blockflöte auf den Kopf gehauen, weil sie dachte, ich singe absichtlich so schief, aber das war ein schlimmes Missverständnis. Ich singe niemals. Nichtmals, wenn ich betrunken bin. Ich singe nur im Kopf, da aber laut. Also singe ich:

There's a girl I used to know Her face is her fortune She's got a heart of gold She never goes out much But boy - when she does Then you know She's got no money Well, maybe a dime But she knows what she's worth And that's reason why She's gonna make it She's got what it takes You'll appreciate that She's probably late But I know And you know We all know She'll have a really good time

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Freitag, 18. Juni 2004

Ah! Internet! Und das ohne einen Telefonanschluss. Dafür unter tätiger Mithilfe des Cafe Al hamra, die so freundlich sind, mir einen Extrazugang zu ihrer 2MBit Standleitung zu legen, damit ich wieder surfen und schreiben kann. Da kann man nur sagen: Danke!

Die letzten vier Wochen ohne Netz waren aber nicht uninteressant. Ich war doch ehrlich erstaunt zu bemerken, wie eng meine Arbeit und auch mein Denken mittlerweile mit dem Internet verzahnt ist. Selbst bei so einfachen Aufgaben wie dem Schreiben fehlt einem das Internet, da ich für manche Geschichten noch recherchieren muss und dass mach ich selten in der Staatsbibliothek. Und plötzlich sitzt man dann da rum, hat 5 Zeilen geschrieben, denkt sich, Moment, war das nun 98 oder 99 und schon steckt man fest und trinkt Bier und wird depressiv. Mich würde mal interessieren, ob die Selbstmordrate in Deutschland seit Einführung des Internet gesunken ist.

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Mittwoch, 16. Juni 2004
Just for fun

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