Donnerstag, 4. November 2004

Zutaten: Fruchtfüllung (ungeschwefeltes Apfelmark, Glukosesirup, Zucker, Geliermittel: Pektin, Säurungsmittel: Citronensäure, Aroma) Schokolade 25% (Kakaomasse, Zucker, Kakaobutter, Emulgator, Sojalecithine, natürliches Vanillearom), Persipan (Aprikosenkerne, Zucker, Invertzuckersirup, Kartoffelstärke, Wasser), Zucker, Weizenmehl, Zuckersirup, Glucose-Fructosesirup, Fructosesirup, Feuchthaltemittel, Sorbitsirup, pflanzliches Öl, Gewürze, Backtriebmittel, Ammoniumhydrogencarbonat, Kaliumcarbonat, Karamellzuckersirup, Invertase, Säurungsmittel: Michsäure.

Dies alles ist jedem einzelnen der 18 Dominosteine enthalten, welche ich mir heute in einem Anfall von akutem Dominosteinverlagen für bares Geld erworben habe. Ich finde, für 1,29 Euro bekommt man eine ganze Menge für sein Geld, frage mich aber, wie das alles in so einen kleinen, harmlosen Schokoklotz reinpasst. Muss ganz schön eng da drin sein. Auch fühle ich mich jetzt als Verbraucher unter Druck gesetzt. Ich muss jetzt schlimme Preis/Leistungs- Vergleiche anstellen. So finde ich den 20 Euro Whiskey, der hier neben den Dominosteinen steht, ziemlich poplig, verheißt mir doch das Etikett nur: Whiskey. Jetzt aber mal Tacheles, ihr Schotten da oben. So geht das ja nicht. Knausern ist ja eine Sache, Geiz eine andere. Ginge da nicht ein bisschen mehr? Eichenholzaroma? Duft von Jungfrauen, die den Torf gestochen haben, damit ordentlich Feuer unterm Kessel ist? Ein bisschen Speichel von Roger, dem Nachtwächter, der immer heimlich probiert?

Beim Durchlesen der Indigrenzien des Dominosteins, die, da bin ich mir sehr sicher, alle per Hand zusammengefügt werden, dachte ich mir: Dass ist ja eigentlich keine schlechte Idee, das sollte man auch als Mensch haben. Irgendwo einen kleinen Aufkleber, vielleicht im Nacken, wo drauf steht, was einen erwartet. Zum Beispiel: "Wasser 72%, Knochen 15%, irgendwas chemisches 13%, kann Spuren von Hirn enthalten. Eigenschaften: Treu, Humorlos, hat Angst vor seiner Mutter, mag im Bett mit Tiernamen beschimpft werden, überzieht sein Konto, findet Bob Dylan toll. Spurenelemente: Raucht, zieht sich gerne nackt aus, wenn er /sie zu viel getrunken hat, kann kein Spiegelei braten ohne dass noch irgendwo Glibber rumläuft, hat eine blöde Lache, neigt zu peinlichen Aussprüchen, klebt sich manchmal eine Slipeinlage vor die Augen und imitiert Stevie Wonder. Keine heiße Asche einfüllen! Nicht knicken!"

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Mittwoch, 3. November 2004

Kaufen! Kaufen! Kaufen!

Alle haben einen Shop und verdienen sich dumm und dämlich. Von Ix weiß ich, dass er, seit dem er Shop eröffnet hat, nur noch von Dita van Teese Doubles in Krankenschwesteroutfit ver.. ähm...pflegt wird. So was macht natürlich neidisch. Sehr sogar. Besonders wenn man alleine, vereinsamt, verweifelt, jammend, ungevögelt neulich noch von einer Weblogbedeutungsmafia als Weblogelite tituliert worden ist. Aber was ist das für eine Elite, wenn sich die Elite noch nicht mal ein Asia Argento Double leisten kann, die einem die Nackenmuskeln entkrampft. Deswegen wird hier jetzt ein gnadenloses, turbokapitalistisches Programm durch gezogen, mit dem Ziel, dass ich der reichste Blogger der ganzen Welt werde. Spätestens in sechs Monaten werden die ersten Blogs von mir aufgekauft bis ich ein riesiges Blognetzwerk auf der ganzen Welt habe. Ich werde dann nur in Talkshows sitzen und sagen "Das hat alles mit einem kleinen Shop angefangen, und ich hab 25 Stunden am Tag gearbeitet, immer draußen, und es war immer minus 20 C° und dann dieser Ostwind, ich konnte mir ja keine Jacke leisten, oder Schuhe, aber ich wußte immer, irgendwann kommt der Tag, an dem alles anders wird. Man muss nur an sich glauben und hart arbeiten, dann kann man es schaffen."

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Sonntag, 31. Oktober 2004

Häufig bekomme ich Mails, in denen ich die Frage gestellt bekomme: "Ach Don, wie werde ich auch so ein gutaussehender, erfolgreicher Blogger mit guten Zähnen, so wie sie?" Ich kann darauf natürlich keine Antwort geben. Zum einen, weil es mir meine Bescheidenheit gebietet. Zum anderen, weil ich natürlich nicht so genau weiß, warum ich so gute Zähne habe. Wahrscheinlich die Gene. Aber ich möchte meine treue Leserschaft nicht im Regen stehen lassen. Natürlich war das damals, als ich angefangen habe zu bloggen, alles viel leichter. Da hatten wir Tränen in den Augen, wenn ein neues Blog auftauchte, wir fielen uns die Arme und verlinkten uns einmal so richtig durch. Das geht natürlich heute nicht mehr so. Heute werden 50Trilliarden Weblogs stündlich neu eröffnet und wenn bald der "Trierische Volksfreund" auf der Wochenendseite die große Überschrift "Weblogs - der neue Trend im Internet" hat, dann junge Freunde, ja dann wird es richtig schwer sich als kleine Stimme im wogenden Meer des Internets noch Gehör zu verschaffen. Deswegen habe ich mir die Mühe gemacht, ein paar Tipps zusammen zu stellen, mit deren Hilfe man in kürzester Zeit sein Weblog in den Blogstats nach oben katapultiert und seine Counter zum rotieren bringt. Ich weise allerdings darauf hin, dass nicht alle Tipps bisher erfolgreich ausprobiert worden sind, aber der Erfolg gehört eben nur den Mutigen!

  • Hängen Sie sich ein Schild mit ihrer URL drauf um den Hals. Gehen Sie raus.

  • Singen Sie im Bus oder in der U-Bahn/S-Bahn ihre URL laut und deutlich

  • Rufen Sie bei der Deutschen Bahn mit verstellter Stimme an. Behaupten Sie, eine Bombe sei im Bahnhof versteckt und sie würden den Ort nur verraten, wenn ihre URL in den Nachrichten genannt wird. (Dabei bedenken, dass sie sich vorher ein Gefängnis in der Nähe eines Hotspots suchen)

  • Kaufen Sie sich einen Hund. Nennen Sie ihn so wie ihre URL.

  • Rufen Sie die Bildzeitung an. Bieten Sie eine neue Rubrik an "Girls/Boys aus dem Internet". Lassen sie sich nackt fotografieren. Bestehen sie auf der URL in der Bildunterschrift.

  • Gehen sie zu den Blogstats. Posten sie Amok in den Kommentaren der Top 30 Blogger. Weisen sie immer nur auf eigene Beiträge hin, und dass sie dies schon geschrieben haben, als das Internet noch gar nicht erfunden wurde.

  • Suchen Sie sich Blogs von Frauen. Beleidigen Sie diese subtil oder prangern Sie irgendwas an. Weltbild. Satzstellung. Warten Sie ein paar Stunden, bis sich die Verehrer melden. Beschimpfen sie die Verehrer, zum Beispiel, dass diese auf einer mit Kacke verschmierten Tastatur tippen würden, sonst könne man ja nicht so einen Scheiß schreiben. Seien sie kreativ! Versuchen Sie die Diskussion in ihr Blog zu ziehen. Hören sie nicht auf!

  • Ändern Sie ihren Namen in ihre URL.

  • Da sie ein Weblog führen wollen, werden sie kein Hobby haben. Das bedeutet, dass sie sich eins zulegen müssen. Achten sie dabei auf Internet-Affine Themen. "Sammle Socken aus den 20er Jahren" ist sicher eine Marktlücke, doch werden sie wahrscheinlich wenig Freunde finden, die mit ihnen dieses Hobby teilen werden. Denken sie ökonomisch. Suchen Sie sich eine noch nicht so bekannte, aber naheliegende sexuelle Obsession. "Vögeln und das Tao" wäre eine Idee. Wenn Sie eine Frau sind, schreiben sie einfach darüber wie sehr sie manchmal unter der Dreiecksbeziehung zwischen ihrem Freund und ihrer lesbischen Freundin leiden. Beschreiben sie genau.

  • Schreiben Sie über provokante Themen wie "Katzen gehören gepoppt und danach gegrillt". Verlinken sie im Text auf Katzen Content Blogs und vertrackbacken sie die anschließende Diskussion in allen Blogs, derer sie habhaft werden können.

  • Schleimen Sie sich bei einem Antville User ein. Vollführen Sie freundschaftliche und/oder sexuelle Handlungen bei der/denjenigen, bei denen sie vermuten, er oder sie habe noch ein Antville Blog in der Hinterhand.

  • Lassen sie Tausende von diesen Papieraufkleber mit ihrer URL drucken, die nur mit viel heißem Wasser, stundenlanger Knibbelei und vielen Flüchen wieder ab zu machen sind. Kleben Sie einen auf die Windschutzscheibe jedes geparkten Autos, an dem sie vorbei kommen. Ein guter Zeitpunkt ist die kalte Jahreszeit.

So, Freunde der leichten Tanzmusik. Das muss nun aber reichen. Jetzt frisch ans Werk und los gebloggt. Ach ja, einen Tipp noch: Prüfen Sie, ob Ihre Rechtsschutzversicherung auch die Bereiche "Verletzung der Persönlichkeitsrechte", "Urheberschutzgesetz", "Beleidigung", "Nötigung" und "Pornographie" abdeckt und den unbeschwerten, erfolgreichen Stunden in der Blogosphäre steht nichts mehr im Weg.

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Samstag, 30. Oktober 2004

Hamburg!

Nachdem Du das bißchen Kultur aus der Schanze rausrenoviert hast, schicken wir jetzt aus Berlin Hilfe.

bettinescu-show/wodka für alle one woman show Filmische Lesung mit Wodka-Performance am 30.10.2004 METROPOLIS KINO Hamburg 21:15 Uhr Dammstorstr.30a 20354 Hamburg

Hierbei handelt es sich um eine Dame, welche vor ein paar Jahren ein Stipendium bekam, mit dem sie hätte nach London, Paris, New York oder Tokio gehen können, um Film zu studieren. Sie ging stattdessen nach Bukarest. Diese Lesung berichtet in Film (die Videokamera war immer dabei) und Wort über ihre teilweisen haarsträubenden Erlebnisse. Was das "Wodka-Performance" bedeutet muss man selber rausfinden, aber das Auto sollte man zu Hause lassen.

Und wo ich schon bei Tipps und Termin bin: Am Sonntag ist auch mal wieder Kaffeesatzlesen. Mehr Infos hier

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Mittwoch, 27. Oktober 2004

Ich glaube, ich bin zu faul um was über den Abend zu schreiben. Was soll man auch sagen, wenn man sich einfach nur freut, einen so netten Haufen Menschen an einem langen Tisch zu haben. Frau Chile hat einen schöne Linkliste zusammen getragen. Immerhin habe ich jetzt zu der einen Äffäre, zwei neue Äffären angedichtet bekommen. Eine mit Lyssa, eine andere mit C. Wenn ich doch nur soviel... wie ich Gerüchte... ach lassen wir das.

Aber einen Nachsatz habe ich dennoch: Während der Lesung wurde mal das Thema Popliteratur = Blogs angesprochen. Ich halte von einem Vergleich nicht so viel. Zum einen, weil die Popliteratur tot ist. Und das ist auch gut so. Ich finde den Satz: Popliteratur vs. Blogs deutlich besser. Gut, beides braucht um überhaupt aktiv sein zu können, eine Innenreflektion, ein Leiden am Selbst, den Zwang nach einem neuen Kick. Aber Popliteratur ist mittlerweile ja zu einer Art Kleinmädchen-Nabelschau verkommen, Hanni & Nanni entdecken die Welt und lernen das Wort "ficken" bevor sie wieder zurück in die Vorstadt gehen und Kinder zeugen. Das ist unlustig, aber da sind auch die Verlage schuld, die Themen und Texte glätten, damit man mehr verkaufen kann. Davon abgesehen wäre das erste Stucki Buch "Soloalbum" als Blog unerträglich. Wer hätte schon Lust ein Jahr lang einen jammernden Kerl zu zu hören, der im Suff immer wieder den Namen seiner Ex stammelt, bzw. postet. Jetzt könnte man auch sagen, dass all die Krachts, Stuckis und Illiesse ja auch doof sind, Reinald Götz aber nicht, zum Beispiel. Ich bin mir aber gar nicht sicher, ob Götz nicht einen Tobsuchtsanfall bekäme, würde man ihm des Popliteratentum verdächtigen. Götz ist eh immer fünf Jahre weiter. Genauso wie Sybille Berg, wenn sie nicht gerade in ihren Büchern alle umbringt. Blogs machen (manchmal) was anderes. Sie hauen der Popliteratur den Satz "Sei interessant und rede drüber, ansonsten mal lieber nix sagen" entgegen. Sie lassen die Sozialgeräusche raus und versuchen ein paar Diamanten auszugraben. Deswegen geht der Schreibstil des Blogschreibens auch nicht als Roman. Zu anstrengend, zu dicht, weil man versucht auf einer Bildschirmseite das Leben zu sezieren. Dabei kann man dann zu Erkenntnissen kommen, für manche Leute drei Bücher brauchen. Erkenntnisse, die die Popliteratur niemals hatte. (Außer der Sache mit der Vorstadt) Was nicht heißen soll, dass man aus einem Blog kein Buch machen könnte. Aber eben keinen Roman. Das müssen die Verlage aber offenbar noch lernen. Meine Kontakt zu einem Verlag wurde mal mit dem Satz "Schöne Sachen. Aber Kurzgeschichten liest doch keiner" beendet, was mich in Anbetracht der gefühlten 1 Milliarden Menschen die den ganzen Tag im Netz nichts anderes tun als Kurzgeschichten zu lesen, schon ein wenig befremdet hat. Also: Nicht die Blogs auf das tote Pferd der Popliteratur setzen.

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