Freitag, 9. September 2005

Eine der größten Lügen der Menschheit ist neben dem betrügerischen Wort "Doppelhaushälfte" und der Erfindung der Software "Photoshop" mit ganz ziemlich großer Sicherheit der Satz "Alter macht weise". Mit Hilfe dieses Satzes versucht man Menschen nahe zu legen, dass man, wenn man ein nicht näher bestimmtes Alter erreicht hat, welches aber wahrscheinlich irgendwo in der Nähe des "Werthers Echte" Opas liegen muss, auf jeden Fall sehr entspannt wird. Kein hektisches rumwuseln mehr, kein aufgeregtes Hüpfen oder Schnaufen, wenn mal etwas nicht so klappt wie man will. Das ist eigentlich erst mal toll, toll, toll. Dummerweise weiß man nicht, wann man denn nun weise zu sein hat. Und ob das ein Zustand ist, in den man reinschlittert wie in eine Prostataerweiterung, oder ob man irgendwas dafür tun muss. Ich behaupte deswegen: Lug und Trug. Wahrscheinlich von der Werbeindustrie ebenso erfunden, wie der rotnasige Weihnachtsmann von Coca Cola.

Stattdessen behaupte ich, dass man im Alter einfach redundanter wird. So eben telefonierte ich mit dem wunderschönen Mädchen die mir mittendrin laut wehklagend den Verlust eine wichtigen Datei mitteilte, weswegen sie nun extra noch mal in die Firma müsse. Sie habe da heute etwas vom Server runtergespeichert, aber das sei jetzt nicht auffindbar. Da senkte ich meine Stimme um eine Oktave und sagte: "Wunderschönes Mädchen, warum schickst Du Dir eine wichtige Datei nicht einfach selbst per Mail?". Das mache ich nämlich. Aber das war nicht immer so.

Früher war ich ganz anders, etwas dünner, nicht so viel graue Haare und ein rechter Hansguckindieluft, wenn es um Wochenendarbeit ging. Da sagte ich oft am Freitag Abend, als ich noch in einer Wertschöpfungskette namens "Firma" arbeitet, "Ach Don, nu ist mal gut, geh trinken. Die Arbeit für das Meeting am Montagmorgen um acht kannst du auch Sonntagnacht machen." Sprachs, und verschwand, um Sonntagabends festzustellen, dass eine irrsinnig wichtige Information in einer Email lag, die in einem Postfach gammelte, an welches ich nicht ran kam. Also einfach die Mediadaten aus dem Kopf geraten und über den Daumen gepeilt und selten falsch gelegen. Aber man wird älter, hat mehr Sorgen (Steuer, Haare aufm Kopf, Frauen, Ipod Akku/Festplatte/Display) und kann sich nicht mehr soviel merken. Seit einem Präsentationdesaster vor ein paar Jahren habe ich mir für die Arbeit unterwegs am Laptop folgende Arbeitsschritte angewöhnt.

  • Angefangene Arbeit speichern
  • Den Ordner mit dem Material für die Arbeit zippen
  • Den Ordner komplett an mich selber schicken
  • Angefangene Arbeit zur Sicherheit noch mal speichern und getrennt an zwei Mailadressen von mir schicken, falls die eine nicht erreichbar sein sollte.
  • Im mobilen Telefon eine Erinnerungsfunktion mit Weckruf einschalten, die einen daran erinnert, den ganzen Quatsch mit dem Laptop noch abzurufen bevor man im Zug sitzt und sich wundert, wo der ganze Krempel denn geblieben ist, den müsste man doch eigentlich nur per Internet jetzt schnell....

(Bevor die Frage kommt: Nein, USB Sticks bringen bei mir nichts, weil ich sie zu Hause vergesse)

Mittlerweile ist mir aufgefallen, dass sich die Redundanzen auch in mein tägliches Leben rein fressen. Zum Beispiel Wäsche waschen. Ich habe keinen Wäschekorb, weil, wenn ich einen Wäschekorb hätte, würde ich nicht mehr an die Wäsche denken, da ich, wie schon mehrfach ausgeführt, alles sofort vergesse, was ich nicht sehe. Oder sehen will. Deswegen landet die Wäsche direkt in der Waschmaschine und wenn die voll ist, dann mache sie an. Soweit klappt das immer ganz gut. Dann vergesse ich aber, dass ich meine Waschmaschine angestellt habe und wenn ich vorbei komme, mache ich sie zur Sicherheit lieber noch mal an, es kann nicht schaden.

Am schlimmsten ist es aber mit Daten vom Rechner. Ich mache hier und da Backups, was mich völlig wahnsinnig macht. Denn selbst wenn ich eine CD brenne und zufälligerweise daran denken sollte, sie auch noch zu beschriften und dann im Extremfall auch noch so beschrifte, dass ich nicht die fünfunddreißigste CD mit der Aufschrift "Backup" habe, dann denke ich mir schon beim brennen: "Was ist, wenn ich die CD verschlampe, weil sie aus Versehen in den Stapel mit dem Altpapier auf meinem Schreibtisch rutscht?". Also packe ich die wichtigsten Daten dann noch mal in einen Ordner, den ich auf meinen Webspace schiebe. In dem Ordner sind dann zum Beispiel Texte, angefangene Romanzehntel oder Passwörter. Darunter befindet sich zum Beispiel im Moment auch mein Passwort für den FTP Zugang zu meinen Webspace, das ich aber leider mittlerweile vergesse habe, weswegen ich nicht mehr drauf komme. Das ist jetzt natürlich Vergesslichkeit und zeigt mir auf, dass ich meine Redundanz noch weiter treiben muss, in dem ich alle Daten zusätzlich noch mal ausdrucke und abhefte. Kommt sicher, wenn ich 40 werde.

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Donnerstag, 8. September 2005

Kann ja nie schaden, gerade, wenn man sehr einsam ist.

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Dienstag, 6. September 2005

Ungeordnetes XIII

Das schlimme an kurzfristigen Ausnahmefehler bei Körperfunktionen ist ja, dass man eigentlich davon aus geht, dass man es nicht mit einer Beta-Hardware im Entwicklungsstadium, sondern mit einer seit Jahrmillionen ausgereiften Hardwarekonfiguration zu tun hat, die zumindest bei einem selber immer innerhalb vernünftiger Parameter funktioniert. Deswegen, und nur deswegen, machen ja hypochondrische Anwandlungen soviel Spaß. Auch weil sie sich punktuell nur um eine Sache drehen, während der Rest des Körpers fröhlich weiter funktioniert. Was man auch erwartet, denn es reicht schon, wenn man sich darüber Gedanken machen muss, wie es sein könnte wenn etwas schief gehen würde. Ganz anders, wenn das Gleichgewicht dann durch eine Kleinigkeit gestört ist, an die man noch nicht mal in den schlimmsten hypochondrischen Anfällen gedacht hat. Was daran liegt, dass man sich bei seinen hypochondrischen Aussetzern ja nie, nie, nie mit Kleinigkeiten beschäftigt, sondern immer nur mit den "großen" Dingen, den Sachen, die den ganzen Körper mit Schmackes in eine Kakophonie zwingen. An so kleine Fehlfunktionen denkt man nicht, vermutlich weil sie weniger Spaß machen, aber den gleichen Ärger bringen. Jedenfalls, wenn sich so eine Kleinigkeit dann mal meldet, dann huschen einem sofort pastorale Plattitüden wie "Ja, der Körper ist ein fragiles und kompliziertes Gebilde" durch den Kopf und wenn man dann so rum liegt, wird einem erst wieder klar, wie unwahrscheinlich unwahrscheinlich es doch ist, dass immer alles gedanken- und reibungslos funktioniert. Wenn man älter wird, reißen dann überall diese Löcher auf und man ist dann damit beschäftigt, die zu stopfen. Ich hoffe allerdings, dass das jetzt mal eine Ausnahme war, und ich wie meine Eltern einfach kein Krankenhaus mehr von innen sehen. Ich hab eigentlich gute Gene und Zähne.

Ich könnte mal wieder meine Decke streichen (Aus der Rubrik: Lächerliche Gedanken aus Langweile)

Kurzer Selbstversuch im "Sechs-Stunden-Vormittags- Marathon- RTL2 gucken" nach 10 Minuten aus Erschöpfung abgebrochen, da es mir nicht möglich war, bei den Trickfilmfiguren gut und böse auseinander zuhalten

In der Klinik, in der ich war, mehr Angst vor den Buchhaltungsdrachendamen gehabt, die denen man sich bei einer Entlassung abmelden muss (Papiere! Unterschriften!) als vor den beiden knapp sechzigjährigen Oberschwestern, die einen auffressen wollten mit ihren Blicken.

Wenn das wunderschöne Mädchen nicht hier gewesen wäre, dann hätte die Genesung bestimmt länger gedauert.

Sammy Molcho - Die Harlekinpuppe unter den Talkshowgästen

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Montag, 5. September 2005

Duett Duell Nachlese:

  • Merkel, die immer so hübsch gegrinst hat nach ihren Antworten, so wie ein Musterschüler, wenn er die richtige Antwort gegeben hat und sich mit diesem "Ich hab alles richtig gemacht und gewusst" Zufriedenheitsgrinsen hinsetzt.

  • Schröder, dem man anmerkte, dass er sich nicht traute, dass zu sagen, was er denkt, weil er Angst hatte, dass man ihm das dann als Arroganz auslegen würde. Wohl zu Recht. Wirkte irgendwie leblos und gelangweilt und klang schon ein bisschen wie Altkanzler Kohl vor seiner Abwahl, als dieser nur noch über sich selber sprach.

  • Diese vier Moderatoren. Meine Güte, genauso ein Merkel Syndrom. Nach jeder Frage selbstzufriedenes Grinsen, diese Hoffnung, dass man es jetzt den beiden aber richtig gegeben hat, diese Klugheit, weil man sich doch zusammen diese ganzen heimtückischen Fragen ausgedacht hat, die die Politiker doch so richtig ins Schwitzen bringen sollten. Lächerliches Geschwätz, am schlimmsten Klöppel, der erst gar nichts sagte, und dann diese wirklich dämliche Frage nach Doris Schröder Köpf stellte um dann wieder in brummelndes Schweigen zu verfallen. Da war ja sogar die Christiansen ein inquisitorisches Schwert und hatte rasiermesserscharfe Fragen auf Lager. Und dieser Kausch, wie ein kleiner aufgeregter Junge, der ein neues Fahrrad ausprobieren darf. Letztendlich Statisten, die ihre Fragen stellten und wenn Merkel/Schröder nicht drauf eingingen, dann wurde nicht nachgehakt. Genauso wenig wenn es hieß, "...das steht doch in unserem Parteiprogramm". Hey, Journalistenhasis, wenn ich ein Parteiprogramm lesen soll um mich zu informieren, dann kann ich auch gleich auf die 90 Minuten Sendezeit mit "harten Fragen" verzichten und stattdessen "Grimms Märchen" lesen. Hätten das mal den Frank Plasberg moderieren lassen sollen.

  • Beim ZDF waren danach viele andere Politiker und Journalisten, aber auch Alice Schwarzer. Bei der ARD Hessen-Koch, Clement, ein entstaubter Nowottny eine komische Frau und Günter Jauch. Alice Schwarzer war die einzige, der aufgefallen ist, dass es bei der Diskussion nur um Geld, Geld, Geld und nicht um Werte oder Menschen ging. Als ob Geld der einzige Wert sei, mit dem man das Lebensgefühl eines Menschen beschreiben kann.

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Samstag, 3. September 2005

Vielleicht ist das ja nicht allen klar, aber Spiegel Online und "Der Spiegel" haben nichts miteinander zu tun. Außer sich gegenseitig zu vermarken, natürlich. Aber inhaltlich zwei völlig verschiedene Redaktionen und Firmen, wenn auch miteinander verzahnt

Ich erwähne das deshalb, weil ich es schon wichtig finde, dass man darin unterscheidet, dass Sponline sich immer mehr zu einer Seite entwickelt, die gerne Tatsachen verdreht, während das Mutterblatt "Der Spiegel" gerne mal scheisse recherichiert. Oder besser formuliert: so rechechiert, wie es ihnen gerade in den Kram paßt, wie man auch spätestens seit der Windanlagen Story des "Spiegels" im letzten Jahr weiß.

Jedenfalls sollte man das schon bedenken, wenn man immer von "dem Spiegel" spricht und am Ende die Onlineausgabe meint. Man soll ja nicht immer alles pauschalisieren und in einen Topf werfen.

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