Montag, 1. Dezember 2003

Ich will gewinnen!

Ich hab noch nie was gewonnen. Never. Halt! Einmal hab ich doch was gewonnen. So mit 8 Jahren auf einer Messe. Meine Eltern mussten da irgendwas machen und ganz in der Nähe von dem Stand, an dem sie irgendwas machen mussten war ein Stand, an dem man Lose kaufen konnte. Zu gewinnen gab es Prachtfinken und anderes Getier. Im festen Vertrauen auf den Dahlmannschen Familienfluch, dass niemand auch nur jemals einen Cent bei irgendetwas gewinnt, drückte man mir zwei Mark in die Hand, damit ich Ruhe gab. Ungefähr 90 Sekunden später stand ich sehr glücklich vor meinen Eltern, in der Hand einen Pappkarton, da drin ein Prachtfink. Wie meine Eltern schnell durch ein kurzes Gespräch mit anderen Eltern feststellen konnten, war die Gewinnquote an diesem Stand außerordentlich hoch und das hatte vermutlich etwas damit zu tun, dass der Standbetreiber nicht nur Prachtfinken verloste, sondern praktischerweise auch Käfige zur Haltung der Tiere verkaufte. Da war die Freude groß. Nach einer Woche nicht mehr so, denn der mittlerweile auf den Namen Koko (ich war acht Jahre alt, ja) getaufte Prachtfink hockte in einer depressiver Endzeitstimmung auf dem Boden rum und haute ab und an mit seinem Köpfchen gegen die Käfigwand. "Jaaaaaaaaahaaaaa, " sagte die in der Not befragte zoologische Fachkraft, "Jaaaa, diese Prachtfinken mögen es gar nicht alleine zu sein. Die brauchen Gesellschaft. Mindestens einen Partner." Meine Mutter stöhnte genervt und kaufte einen weiteren Prachtfinken im Zoofachgeschäft zu Apothekenpreisen, der zwei Tage später mit zerschmetterten Schädel auf dem Käfigboden lag, weil Koko ihn nicht leiden konnte. "Jajajajajaja," sagte die Besitzerin der Zooladens, "die mögen es gar nicht, wenn sie alleine waren. Am besten ist dann, dass man zwei Paare im Käfig hat." Der Einwurf meiner Mutter, dass der auf der Messe gekaufte Käfig ein wenig zu klein für vier Vögel sei, quittierte die die Dame mit einem "Tja" und machte an dem Tag ein recht gutes Geschäft mit einem Vogelkäfig, Spezialfutter, zwei Badehäuschen, einem kleinen Spiegel und einer Art "Super-Sand", der die Fäkalien der vier Racker aufsaugen sollte, denn "...wenn vier Vögel in einen Käfig machen, kann das schon mal streng riechen. Das geht durchs ganze Haus." Ich hatte dann acht Jahre lang Prachtfinken, die nichts anderes machten, als rumsitzen und zwitschern. Man konnte ihnen nichts beibringen, und selbst zum fliegen ausserhalb des Käfigs waren sie zu blöd, weil sie immer gegen das Fenster flogen.

Was ich ja eigentlich sagen wollte. Ich will jetzt mal was anständiges gewinnen. Bei Blogawards kann man nämlich zum allerbesten Blog der ganzen weiten Welt und aller Paralleluniversen gewählt werden. Das ist dass eine. Dass andere was mich reizt ist Tatsache, dass die Herren Lumma und Hebig in Zusammenarbeit mit Lyssa mit diesen Award vermutlich eine ähnliche Erfolgsgeschichte schreiben werden, wie der Burda Verlag mit dem Bambi. Und wenn man so in 100 Jahren das 100jährige Bestehen des Blogawards feiern wird, wer wird dann neben den Initiatoren genannt? Na? Natürlich auch der, der den Preis als erster gewonnen hat, also ich.

Also wählt mich bitte! Es kann nur einen geben! blogawards button

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Weltstadt Hamburg

"Er sollte eigentlich schon weg sein. Im Juni gab ihm die Hamburger Innenbehörde einen Monat Zeit, seine Koffer zu packen. Sonst werde "die Abschiebung ins Heimatland" angedroht. Der Einwanderer habe "Ausweisungsgründe gesetzt" und mit seiner illegalen Einreise "die Interessen der Bundesrepublik beeinträchtigt". Ob der Einwanderer das begriffen hat? Vier Tage bevor die Behörde seine Ausweisung verfügt hatte, war Michael sechs Jahre alt geworden. Seine Eltern leben seit Jahren legal in Deutschland. Doch sie haben es versäumt, die Papiere ihres Kindes in Ordnung zu bringen. Nun soll Michael nach Ghana, in die Heimat seiner Eltern, um dort ein Visum für Deutschland zu beantragen. Das Grundrecht auf Familienleben, so die Innenbehörde, werde dadurch nicht verletzt." [Quelle]

Ekelerregend. Bin ich froh nicht mehr in HH zu wohnen. Ich müßte mich schämen. Was arbeiten da eigentlich für Menschen in der Innenbehörde? Oder haben Beamte kein Gewissen?

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Sonntag, 30. November 2003

Well it's Ninth and Hennepin All the doughnuts have names that sound like prostitutes And the moon's teeth marks are on the sky Like a tarp thrown all over this And the broken umbrellas like dead birds And the steam comes out of the grill Like the whole goddamn town's ready to blow... And the bricks are all scarred with jailhouse tattoos And everyone is behaving like dogs And the horses are coming down Violin Road And Dutch is dead on his feet And all the rooms they smell like diesel And you take on the dreams of the ones who have slept here And I'm lost in the window, and I hide in the stairway And I hang in the curtain, and I sleep in your hat... And no one brings anything small into a bar around here They all started out with bad directions And the girl behind the counter has a tattooed tear "One for every year he's away", she said Such a crumbling beauty, ah There's nothing wrong with her that a hundred dollars won't fix She has that razor sadness that only gets worse With the clang and the thunder of the Southern Pacific going by And the clock ticks out like a dripping faucet 'til you're full of rag water and bitters and blue ruin And you spill out over the side to anyone who will listen... And I've seen it all, I've seen it all Through the yellow windows of the evening train...

Tom Waits

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