Sonntag, 1. Apr 2007, 14:38 - Topic 'Das Ende der Familienpolitik'
Außerdem sollen Rechtsgrundlagen für die neuen Eingriffsbefugnisse geschaffen werden. Schäuble will in diesem Zusammenhang die Mautdaten zur Aufklärung schwerer Straftaten nutzen. Die Gespräche zwischen dem Betreiber Tollcollect und dem BKA sind schon so weit fortgeschritten, dass die Daten bald übermittelt werden können."
Landstraßen sind auch schön. Nein, ernsthaft. Vor unseren Augen verwandelt sich das Klima zwischen Politik und Gesellschaft. Alle sind verdächtig, wer nichts zu verbergen hat, der kann ja auch alle Daten offen legen. Das Misstrauen wächst, keiner traut mehr der anderen Seite. Ich werde täglich gescannt, überwacht, gefilmt und analysiert. Vielleicht ist mein Sensorium da anders, vielleicht bin ich auch nur empfindlich, was den Umgang mit Autoritäten angeht, oder wie eine Autorität versucht mit mir umzugehen. Ich reagiere allergisch auf Versuche, meine persönliche Freiheit einzuschränken und im zunehmenden Maße auch darauf, dass sie überwacht wird. Ich kann mich natürlich auch in schicke Bars setzen und mir so lange Harvey Wallbanger in den Schädel hauen, bis es mir egal ist. Aber eine Dauerlösung ist auch nicht, zu mal irgendwelche Politiker, die sich das Internet bedienen lassen, den Irrsinn verbreiten, das Netz sei ein Sammelpunkt von Terroristen und Pädophilen. Natürlich nutzen die auch das Internet. Aber das Internet gibt es nicht. Nur weil sich Terroristen in Cafés treffen, verlangt man ja auch nicht alle Cafés zu schließen, nur weil Pädophile sich in den Büschen eines Freibads einen runterholen, schließt man auch nicht alle Freibäder.
Früher sagte man noch: "Ach, lass die doch machen und sammeln, die können den ganzen Datenwust doch gar nicht auswerten." Heute gibt es Data Mining Programme, die das in Sekundenbruchteilen erledigen. So kann man 22 Millionen Kreditkartendatensätze mal eben scannen. Und wenn das geht, dass geht das auch mit Daten der Mautbrücken, der Videokameras und den ganzen anderen Instrumenten, die den Behörden mittlerweile zur Verfügung stehen.
Der Staat hat den Schutz der Privatsphäre einseitig gekündigt und mittlerweile macht man sich verdächtig, wenn man seine Privatsphäre schützt. Der Staat versucht bei seinen Bürgern den Eindruck zu erwecken, dass jemand der nichts zu verbergen hat, auch nichts zu befürchten hat. Er geht davon aus, dass Bürger erst und vor allem Lügner sind, dass man sie überwachen muss, damit sie dem Staat keinen Schaden zufügen. Dabei ist es der Staat selber, der sich mit dieser Geisteshaltung selber den größten Schaden zufügt, weil die Menschen anfangen, das Vertrauen und die Gutmütigkeit in das Gemeinwesens zu verlieren. Das kann am Ende nicht gut gehen.
Landstraßen sind auch schön. Nein, ernsthaft. Vor unseren Augen verwandelt sich das Klima zwischen Politik und Gesellschaft. Alle sind verdächtig, wer nichts zu verbergen hat, der kann ja auch alle Daten offen legen. Das Misstrauen wächst, keiner traut mehr der anderen Seite. Ich werde täglich gescannt, überwacht, gefilmt und analysiert. Vielleicht ist mein Sensorium da anders, vielleicht bin ich auch nur empfindlich, was den Umgang mit Autoritäten angeht, oder wie eine Autorität versucht mit mir umzugehen. Ich reagiere allergisch auf Versuche, meine persönliche Freiheit einzuschränken und im zunehmenden Maße auch darauf, dass sie überwacht wird. Ich kann mich natürlich auch in schicke Bars setzen und mir so lange Harvey Wallbanger in den Schädel hauen, bis es mir egal ist. Aber eine Dauerlösung ist auch nicht, zu mal irgendwelche Politiker, die sich das Internet bedienen lassen, den Irrsinn verbreiten, das Netz sei ein Sammelpunkt von Terroristen und Pädophilen. Natürlich nutzen die auch das Internet. Aber das Internet gibt es nicht. Nur weil sich Terroristen in Cafés treffen, verlangt man ja auch nicht alle Cafés zu schließen, nur weil Pädophile sich in den Büschen eines Freibads einen runterholen, schließt man auch nicht alle Freibäder.
Früher sagte man noch: "Ach, lass die doch machen und sammeln, die können den ganzen Datenwust doch gar nicht auswerten." Heute gibt es Data Mining Programme, die das in Sekundenbruchteilen erledigen. So kann man 22 Millionen Kreditkartendatensätze mal eben scannen. Und wenn das geht, dass geht das auch mit Daten der Mautbrücken, der Videokameras und den ganzen anderen Instrumenten, die den Behörden mittlerweile zur Verfügung stehen.
Der Staat hat den Schutz der Privatsphäre einseitig gekündigt und mittlerweile macht man sich verdächtig, wenn man seine Privatsphäre schützt. Der Staat versucht bei seinen Bürgern den Eindruck zu erwecken, dass jemand der nichts zu verbergen hat, auch nichts zu befürchten hat. Er geht davon aus, dass Bürger erst und vor allem Lügner sind, dass man sie überwachen muss, damit sie dem Staat keinen Schaden zufügen. Dabei ist es der Staat selber, der sich mit dieser Geisteshaltung selber den größten Schaden zufügt, weil die Menschen anfangen, das Vertrauen und die Gutmütigkeit in das Gemeinwesens zu verlieren. Das kann am Ende nicht gut gehen.
einalex,
Mo, 02.04.2007, 10:49
Schwere Straftaten..lasst mich mal nachdenken..ach ja! Steuerhinterziehung zum Beispiel. Sobald sie das dürfen, werden bestimmt die restlichen Geräte auch eingeschaltet. Jetzt lohnt es ja noch nicht.
sum1,
Mo, 02.04.2007, 12:17
schwer?
Was sind denn schwere Straftaten? Nach dem Gesetz sind alle Straftaten die keine Vergehen sind "schwer" als Vebrechen.
de.wikipedia.org
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textkoch,
Mo, 02.04.2007, 12:38
Hysterisch wegen Regenwürmer
Persönlich habe ich ja Verständnis für Herrn Schäuble, in Sachen Attentate hat der Mann schließlich eigene (unangenehme) Erfahrungen gemacht, aber vielleicht ist er mit seinen Erlebnissen als Innenminister auch nicht mehr geeignet. Wer mal von einer Schlange gebissen wurde, sieht vermutlich in jedem Regenwurm eine potenzielle Gefahr und rennt rollt deshalb gleich hysterisch durch die Gegend und fordert härtere Gesetze gegen Regenwürmer.
goetzeclan,
Mo, 02.04.2007, 14:12
Was kann man dagegen tun? Wenn soll man wählen, um das zu verhindern? Wo soll man demonstrieren, um auf den Misstand aufmerksam zu machen, und wer würde mitgehen? Und wie lange müssten wir gehen und abwählen und aufmerksam machen, bis was geschieht?
In der Politik sind Datenbanken in etwa so verlockend wie eine Bäckerei mitten in einem Flüchtlingslager mit Hungernden. Irgendwann wird die Frage wem das Brot gehört nicht mehr gestellt. Da greift man zu. In so fern ist Schäubles Verhalten verständlich. Er sieht "Sachzwänge", selbst wenn keine da sind.
In der Politik sind Datenbanken in etwa so verlockend wie eine Bäckerei mitten in einem Flüchtlingslager mit Hungernden. Irgendwann wird die Frage wem das Brot gehört nicht mehr gestellt. Da greift man zu. In so fern ist Schäubles Verhalten verständlich. Er sieht "Sachzwänge", selbst wenn keine da sind.
frollein k.,
Di, 03.04.2007, 00:04
@textkoch: nunja, die eignung als innenminister wegen dieses schlangenbisses anzuzweifeln, halte ich für einen gefährlichen weg. dann darf bald niemand mehr an etwas arbeiten, mit dem er persönliche erfahrungen gesammelt hat. wär nicht so toll, oder? die unfähigkeit, ein land zu führen, lässt sich doch viel besser daran festmachen, dass er etwas regiert, das er selbst nicht zu kennen scheint: moderne menschen, noch dazu im netz.
uwekeim,
Di, 03.04.2007, 05:55
"Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten"
"Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten"
www.heise.de
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norque,
Di, 03.04.2007, 17:09
Die nächste Demonstration gegen Sicherheits- und Überwachungswahn findet übrigens am 14. April in Frankfurt statt.
