Eine eher auf der Habenseite zu verzeichnende Idee der Evolution ist ja der Vorteil dieser paar Gene, die uns von Schimpansen und anderem Gewürm unterscheidet. Daraus abgeleitet ergibt sich theoretisch die Tatsache, dass wir uns durch unser hoch entwickeltes Gehirn erlauben können zu entscheiden, mit wem wir fratanisieren wollen, und mit wem nicht. So eine Entscheidung kann ganz schön in die Hose gehen, wie zum Beispiel Julius Cäsar mal feststellen konnte.

Die moderne Zivilisation hat dann dafür gesorgt, dass wir mit der Verbrüderungsentscheidung nicht allzu oft konfrontiert werden, und wir uns zu Hause alleine schön einem gepflegten Cocooning hingeben können. Spätestens seit der Erfindung des Internets sind dem Cocooning keine Grenzen mehr gesetzt. Menschen, die früher zähneknirschend ihre Behausung verlassen mussten, weil sie Arbeit, Brot und nackte Frauen brauchten sind nun endlich befreit. Auch Menschen, die schon in der ersten Klasse zu den Leuten gehörten, mit denen keiner gesprochen hat, können nun voller Inbrunst behaupten, sie hätten ein weltumspannendes Netzwerk aus Freunden. Jedenfalls so lange, wie sie sich mit niemand treffen müssen.

Eine große Mehrheit der westlichen Zivilisation hat sich an diese Art des Lebens gewöhnt, und mittlerweile sucht man sogar seine Beischlafpartner danach aus, was sie so schreiben. Hat man genug gelesen, steht einem sofortigen Geschlechtsverkehr eigentlich nichts mehr im Weg, man kennt sich ja. Quasi. So kann man ganz bequem und sehr zielgerichtet die Wohnung verlassen und muss nicht dauernd auf Partys mit Leuten rumhängen, die man sowieso nicht leiden kann. Dummerweise neigen aber manche Errungenschaften der modernen Zivilisation dazu, alte, sehr tief verankerte Verhaltensmuster wieder ans Tageslicht zu bringen.

So kommt man auf die mitunter fatale Idee, eine vermeintlich geschlossene Benutzergruppe, die nach Jahren der intensiven Beobachtung es geschafft hat durch den Raster "könnte man mal kennen lernen, also so richtig" zu kommen, am Ende dann doch zu treffen. Soziale Begegnungsstätten wie Blogs oder Foren machen uns deswegen ganz verrückt im Kopf, weil da so viele Menschen sind, die man erstmal sortieren muss. Das ist man nicht mehr gewöhnt, zumal sich bei ICQ die Leute auch noch bequem wegklicken und bannen lassen. Das geht in richtigen Leben nur so mittel und so kann es schnell zu verletzenden Überreaktionen kommen, wenn man überfordert ist. ("Fotografier mich nicht, du Sau." "Dich werf ich von meiner Blogroll." "Ich dachte, Du seist dünner."). So gibt es bei Blogtreffen dann meist auch nur zwei Gruppen Menschen.

Nummer Eins: Redet mit allen, trinkt viel, geht spät, schreibt später drüber, wie toll es war
Nummer Zwei: Redet mit keinem, trinkt nichts, geht früh, schreibt später drüber: Entweder wie toll es hätte sein können, wenn nicht so viele Leute da gewesen wären, oder dass man dieses ganze Blogding mit seiner ach so tollen Community sowieso nicht leiden kann.

Aber vielleicht sind diese Einrichtungen zum einen ja erstmal dazu da, das verloren gegangene Modell einer Großfamilie zu ersetzen. Zum anderen vielleicht auch, um abhanden gekommene soziale Kompetenzen neu zu erlernen. Zum Beispiel

  • Nicht alle Leute sind scheisse.
  • Manche Leute sind so, andere so.
  • Ich muss nicht mit jedem reden, nur weil er mich aufregt. .
  • Wenn jemand Pickel hat, kann man das nicht weg photoshoppen.

Die Verzweiflung über diese und andere Punkte kann man auf vielen Bloggertreffen beobachten. Und je größer ein Treffen ist, desto größer ist auch die Chance dort auf Menschen zu treffen, die ihren sozialen Schock auch danach schriftlich freien Lauf lassen. Aber deswegen mögen wir es ja, das bloggen.

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Die Kneipe "Offenbar" in Friedrichshain leidet unter einem dieser schlimmen Wortspiele, die in den 80er Jahren mal sehr angesagt waren, als der Eichborn Verlag unfassbar reich wurde, in dem er Bücher rausbrachte, die "Sponti Sprüche" hießen und in denen Sachen wie "Nieder mit der Schwerkraft - es lebe der Leichtsinn" standen. Und man das lustig fand. Was den Namen noch schlimmer macht, ist der Umstand, dass das "Offenbar" einen gewissen Ruf in der Berliner Homosexuellenszene geniesst.

Aufgerissen hatte den Laden die Schwester von Sebas auf eine Art und Weise, über die ich den Mantel des Schweigens decken möchte. Wie im übrigen genauso über das Ende dieses Abends heute morgen so gegen halb sechs, weil ich unter keinen Umständen erzählen möchte, dass und das wunderschöne Mädchen . Meine Fresse. Jedenfalls leidet das wunderschöne Mädchen immer noch unter dem ausgeschenkten Chianti, und das obwohl ich heute in aller Herrgottsfrühe (ca. 14.40 Uhr) mit dem Fahrrad zur Apotheke gefahren bin, um das Leid zu beenden mittels Aspirin zu lindern. Also: Chianti ist nicht so gut in dem Laden

Dazwischen war es auch sehr lustig. Herr Ix las über sein Hobby, welches daraus bestand, über Frauen zu springen, Herr MC Winkel las sehr, sehr großartig darüber, welche Peinlichkeiten sich innerhalb


seiner sexuellen Sozialisation zugetragen habe, welche ihn nun bis heute regelmäßig zu "Holsten" greifen lassen. Herr Sebas parlierte gewohnt lässig über seine Erfolge bei den Damen, während seine Freundin zwei Meter neben ihm saß und am lautesten darüber lachte. Später aß sie mehrere Kilo Knoblauchquark, was ich mal als Rache interpretiere.

Sehr viele Menschen gestern gesehen und damit auch eine Wette verloren. Die Lesenden hatte vor Beginn der Veranstaltung um 500gr Käse gewettet, wie hoch die Besucherzahlen sein würden. Sie waren ziemlich hoch. Wenn mich nicht alles täuscht, hatten am Ende 83 zahlende Gäste den Weg ins ebenso kalte wie dunkle Friedrichshain gefunden. MC hat den Käse gewonnen und er besteht auf Fetakäse. Keine Ahnung, was er mit einem halben Kilo Fetakäse machen will, vielleicht will er den ja für irgendein schräges Experiment mit seiner Freundin einsetzen.

Wobei ich auch mal anmerken möchte, dass die Freundin MC Winkel so langsam so was ist, wie die Frau von Norm in "Cheers" oder die Figur "Maris" bei "Frasier". MC berichtet immer wieder liebevoll von ihr, aber leider schafft sie es nie zu einer Veranstaltung.

Später saßen alle in kleiner Runde zusammen, wobei die echten Stars zu diesem Zeitpunkt die beiden Kate Bush Fanatiker Glamourdick und Ereignishorizont waren, die zu dem Zeitpunkt noch unfassbare Mengen Bier trinken konnten und wundervolle Geschichten erzählten, die man teilweise in ihren Blogs finden kann.

So - ich mach jetzt eine Pasta mit Thunfisch, Kapern, Tomaten und viel Schärfe, auf das der Restalkohol nieder gerungen wird. Bis zur nächsten Lesung am 18.12 in Hamburg muss ich auch nüchtern sein und vor allem noch eine Überraschung vorbereiten. Danke an alle, die gestern da waren!

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Mittwoch, 04.05.05

19:00 Uhr
So gegen 19.00 Uhr fällt mir ein, dass ich heute Abend lese und noch keine Texte ausgedruckt habe. Der neue Drucker, den ich gekauft habe, weil der alte Drucker nicht druckte, druckt nicht. Ich haue ihn ein wenig. Das hilft bei technischen Geräten immer, hat mir mal mein Onkel gesagt. Es hilft nicht. Würde gerne meinen Onkel fragen, was ich nun machen soll, aber ist leider schon lange tot und vor Sylt seebestattet worden. Gegen 19.40 Uhr druckt der Drucker. Warum, weiß ich nicht. Ich bin dankbar und stelle keine Fragen. Ich schwitze ein wenig. Um 20.00 Uhr muss ich bei der Lesung sein. Das ist wird eng. Ich bestelle ein Taxi und erwische den einzigen Taxifahrer Berlins, der nicht weiß, wo der dritte Gang ist. Ich werde zu spät kommen.

20:05 Uhr
Ich hetze zur Lesebühne. Draußen treffe ich Herrn Paulsen, der entspannt telefoniert. Drinnen ist keiner. Die Lesung geht erst um 21.00 Uhr los. Ich hab nichts gegessen. Dieser Umstand wird im Laufe des Abends noch eine Rolle spielen.

23:00 Uhr
Wir haben gelesen und es war gut. Ich trinke das zweite Bier und signiere zum ersten Mal in meinem Leben Bücher.

Donnerstag, 05.05.05

00:30 Uhr
Ich trinke das vierte Bier und esse eine Salzstange.

02:30 Uhr
Wir müssen gehen, weil die beiden wundervollen Besitzer des Laine-Art ins Bett wollen. Wir aber nicht. Planlos stehen 20 Leute auf der Strasse, als ein Auto anhält. Eine Dame ruft aus dem Fenster, wir sollen doch alle zu ihr kommen. Ich kenne die Dame nicht. Niemand scheint die Dame zu kennen. Aber alle gehen mal mit, denn es geht das Gerücht rum, dass es Alkohol gibt. Ich bin erstaunlich betrunken, aber lustig.

02:50 Uhr
Das wunderschöne Mädchen und ich sind schon in der hallenartig großen Wohnung. Ich schaue aus dem Fenster, wo die anderen bleiben. Es wäre sicher eine gute Idee gewesen, das Fenster vorher aufzumachen.

02:55 Uhr
Drei Damen versorgen meine Wunden. Jemand drückt mir einen Wodka in die Hand.

03:00 - 05:00 Uhr
Viele Dinge passieren. Jemand malt mich an. Ich male andere Menschen an. Menschen sitzen aufeinander. Alles ist sehr lustig. Jemand drückt mir einen Wodka in die Hand. Ich beschließe nicht angemalt sein zu wollen und werde abgemalt. Irgendwann bin ich zu Hause und werde gut zugedeckt. Ich sage "Uuuuhhhh" und nehme ein Aspirin.

05:00 - 00:00 Uhr
Uh

Freitag, 06.05.05

15:00 Uhr
Uh

20:00 Uhr
Ich werde zu dem Vorbloggerbloggertreffen gefahren. Ich versuche zu essen. Uh. Nun scheint es amtlich zu sein: Irgendwas stimmt mit mir nicht. Mein Kreislauf macht Kreise, mein Herzschlag auch, mein Magen sowieso. Gut. Einen Tag rum liegen und schlecht fühlen geht in Ordnung. Zwei nicht. Schon gar nicht wegen der paar Bier und Wodka. Kurzfristig beschließe ich ein Krankenhaus aufzusuchen. Ich war seit drei Jahren nicht mehr beim Arzt, auch damals nicht, als ich besoffen vom Fahrrad gedengelt bin und mir das Handgelenk angeknackst habe. Aber heute ist alles komisch. Zu dem muss ich, wenn ins Hospital und nicht zum Arzt gehe, die blöde Rechnung nicht erst selber zahlen. Im Krankenhaus stellt man fest, dass ich mopsfidel bin. Nur meine Leberwerte...

Samstag, 07.05.05

15:00 Uhr
Immer noch "Uh", aber nicht mehr ganz so schlimm "Uh" wie Freitag. Das wunderschöne Mädchen schleppt mich durch die Gegend und kauft Sachen ein. Ich kaufe auch, und zwar Gewürztüten. Ungefähr 12 Stück, weil ich die Bilder darauf so lustig finde. Später finde ich mich am Küchentisch wieder, dazu degradiert 3,7 Tonnen Radieschen in kleine Quadrate zu schneiden. Ich mache das, denn man ist gut zu mir.

18:30 - 01:00 Uhr
Blogmich. In der Halle lesen Leute, aber ich verstehe nichts. Ich stelle den Salat mit den Radieschen auf einen Tisch, der aussieht, als wenn ausgehungerte Hunnen zum einem Besuch da gewesen wären. Der Spargelsalat von Herrn Paulsen, der nach drei Tagen Berlin so aussieht, als hätte er drei Tage mit einer Horde schwedischer Alkoholiker auf einer Butterfahrt verbracht, ist sensationell lecker. Ich trinke sehr viel Wasser, die Begleitung sehr viel Wodka mit Red Bull. Immer, wenn ich mit Praschl reden will, ist da schon einer. Immer, wenn ich mit Malorama reden will, ist er nicht da. Dafür rede ich sehr viel mit netten Menschen, die ich nicht kenne und finde die Menschen, die ich gerne kennen lerne wollte, leider nicht. Ich trinke mehr Wasser und denke "Och." Dann trinke ich ein Bier und denke "Geht doch". Dann folgt meine Sternstunde des Abends. Also, ich bilde mir das ein das ich es war, der Parka Lewis dazu überredet hat, sein Blog wieder aufzumachen. Herr Lewis und ich beschließen, dass wir schleunigst mit Herrn Bjerg wieder mal was lesen müssen. Elle hat Herrn Sebas gefunden, und beginnt sich fest zu saugen. Von der Techno/Trance Party aus dem Erdgeschoss tauchen Menschen auf, die aussehen, wie ausgehungerte Hunnen, die drei Tage mit einer Horde Schweden auf einer Butterfahrt verbracht haben. Wir beschließen weiter zu ziehen.

01:30 - 04:00 Uhr
Frau Elle kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie erzählen oder beißen soll. Sie macht beides gleichzeitig. Das ist sehr lustig. Frau Julie kann für einen winzigen Moment die bald eiternden Augen von Kind II vergessen und zählt in Minutentakt die Zeit runter, die ihr noch zum Schlafen bleibt, wenn sie nach Hause kommt. Darüber freut sie sich diebisch. Das Bier schmeckt an diesem Abend außerordentlich gut. Das es mir nicht so gut ging, muss wohl daran gelegen haben, dass das Bier am Mittwoch schlecht war. Bestimmt. Ix lobt seine Schwester Elle in den höchsten Tönen. Als besonderes Highlight der Blutsverwandtschaft wird unter großem Hallo festgestellt, dass sie der einzige Mensch sei, mit dem man spontan und unabgesprochen Fäkalwitze machen kann. Zum Beweis machen sie welche und erzählen die besten Fäkalwitze gleich noch mal. In der anderen Ecke sitzen Praschl, die Stattkatze, Emily und Isa nebst Joschwa und trinken geschätzte 40 dreifache Espresso. Nachdem Elle Herrn Sebas die Elastizität ihrer Bauchdecke demonstriert hat, wissen wir, dass wir nun gehen müssen. Es regnet, aber das macht nichts, denn es war toll.

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