Mehr gibt es hier.

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Ein paar Notizen aus dem Urlaub. Ich ergänze das noch, wenn mir was einfällt.

Albuquerque
War mir bisher nur aus einer "Frasier" Folge bekannt, in der es den Satz gibt "Ihr Hintern ist so groß wie Albuquerque". Stimmt. Aber die haben da a) sehr, sehr nette Menschen b) einen sehr schönen Berg, c) einen sehr schönen Zoo und die Route 66, die ich zu Fuß abgegangen bin. Zu Fuß!

Budget
Überraschenderweise nicht überzogen.

Busfahren / Fußgänger
Es gibt nicht mal Menschen, die auf dem Weg zum Auto sind, weil sie um die Ecke vom Restaurant geparkt haben, weil man sein Auto nicht selber parkt, sondern es vor dem Restaurant abstellt und von anderen Menschen parken lässt, die es auch (meist) wieder vor das Restaurant stellen, wenn man fertig gegessen hat. Also sind Menschen, die am Straßenrand stehen entweder Verbrecher oder irre Umweltaktivisten oder Leute, die so arm sind, dass sich kein Auto leisten können. Dass es in einer Stadt wie Albuquerque überhaupt Busse gibt, wo eigentlich jeder einen dieser unfassbar riesigen Pickups fährt, ist schon erstaunlich genug, dass ein Ticket aber nur 1,50 Dollar kostet und ca. sechs Stunden gültig ist lässt einen angesichts der Kosten in Berlin (umgerechnet 2,70 Dollar, 2 Stunden, nur eine Richtung gültig) dann schon denken: Ach schau, es geht also auch preiswert.

Der lustigste Mann der Welt
Der lustigste Mann der Welt. ( Siehe -> Fernsehen)

Duschen
Irgendeine Umfrage hat ergeben, dass der Amerikaner an sich nicht so gerne badet, sondern lieber duscht, weswegen die Hotels jetzt anfangen alle Badewannen aus ihren Zimmern zu reißen um dafür größere Duschen einzubauen. Das können die Amis ja halten wie sie wollen, aber dann sollten sie sich endlich mal auf ein System einigen, wie eine Dusche funktioniert. In den 48975945034 Hotels in denen ich morgens das Bad betrat, gab es 48975945033 Varianten, wie man die Dusche zum Leben erwecken konnte. Mal hatte man zwei Hähne und irgendeinen Nippel den drücken, ziehen oder schrauben musste, mal hatte man einen Hahn, den man abwechselnd ziehen, drücken oder schrauben musste, mal hatte man einen Haken, an dem zerren konnte. Am besten gefiel mir die Variante, bei der man einen Haken erst ziehen musste um ihn dann in irgendeine Richtung zu drehen. Um dann das Wasser aus dem Duschhahn kommen zu lassen, musste man versteckt unter dem Wasserhahn an einem Ring ziehen.

Eintritt
Erstaunlich, wo und für was man überall Eintritt zahlt. Wirklich absurd: 3 Dollar Eintritt für eine Geisterstadt namens "Shakespeare" wo sich nach Zahlung des Eintritts herausstellte, dass in der alten Western-Stadt in einem neuen Gebäude noch Leute leben. Noch absurder: 21 Dollar Eintritt für den Antilope Canyon, in dem man sich nur ein paar Minuten aufhält.

Fastfood
Einmal bei McDonalds gefrühstückt, einmal bei Dennys, einmal bei Burger King einen riesigen, voll mit Testosteron aufgepumpten Angus Burger gegessen, der mich hat breitbeinig gehen lassen. Ansonsten abwechselnd bei Subways und Starbucks gefrühstückt. Während ich um die Ladenkette "Subways" in Deutschland einen weiten Bogen mache, weil mir deren Verwendung von mit Backtriebmitteln aufgeblasenen Broten und diesem Formfleisch, dass die Schinken nennen einfach zu ungesund erscheint, war es in den USA die einzig gesunde Alternative. Wie sehr man sich doch über drei Fitzel Salat freuen kann.

Fernsehen
Siehe -> der lustigste Mann der Welt. Ansonsten laufen dort halt auch nur die Serien, die hier mit einem Jahr Verspätung auch laufen. Extraservice für Frau Gröner: die neue Serie "Brothers & Sisters" könnte was für Dich sein. Den lustigsten Mann der Welt und viele andere USA TV Programme kann man auch über dieses Programm live sehen. Letterman und Jay Leno laufen gegen halb neun morgens, der lustigste Mann der Welt auf CBS um halb zehn. Leider bisher nicht für Mac.

Fotos
Ich kopiere gerade 2,8 GB Fotos vom Laptop auf den anderen Rechner. Das dauert noch was.

Hotel
Da folgt eine Auflistung in den nächsten Tagen.

Las Vegas
Reeperbahn in teuer, allerdings ohne Nutten. Dafür mit Menschen, die Flyer verteilen, auf denen Telefonnummern von Nutten stehen. Und das Bellagio ist wirklich wunderschön. Und die Springbrunnennummer vor dem Bellagio auch. Egal wie kitschig. Natürlich auch gespielt. Acht Dollar gewonnen.

Menschen
So wahnsinnig freundlich wie alle USA Reisende mir das vorher geschildert hatten, fand ich die meisten Menschen jetzt auch nicht. In den Restaurants waren sie einen Tick netter, weil man dort bekanntlich nicht vom Lohn, sondern vom Trinkgeld lebt. Aber im Großen und Ganzen war man immer sehr hilfsbereit und freundlich. Bis auf, und es tut mir wirklich leid, dass so schreiben zu müssen, weil es vermutlich so pauschal nicht stimmt, also bis auf die indianischen Ureinwohner. Die waren alle sehr ruppig, unfreundlich, lahm, desinteressiert und gelangweilt. Schienen alle den Charakter eines schlecht gelaunten Berliner Busfahrers zu haben.

Navigation
Mein Batterietelefon kann navigieren und für die USA bekommt man von TomTom auch Kartenmaterial. Das war außerordentlich hilfreich, vor allem in L.A. und in San Francisco, und ganz besonders für das wunderschöne Mädchen, die dank des Navis jeden Juicy Couture Laden im Südwesten der USA ausfindig machen konnte, weswegen sie mir ewige Dankbarkeit geschworen hat. Der letzte Satz entstammt natürlich nur meiner Phantasie.

Planung
Wenn das wunderschöne Mädchen nicht so wunderschön geplant hätte, wäre es chaotisch geworden. Wie auch bei Reisen in Europa empfiehlt es sich aber spätestens ab 18.00 ein Hotelzimmer zu suchen. Nach 19.00 Uhr wird es teuer und es kann auch schon mal passieren, dass man keins mehr bekommt. Wenn man nix geplant hat in den USA aber jemanden kennt, der Mitglied bei AAA ist, sollte man den bitten, doch mal bei AAA vorbei zu schauen und sich eine Routenplanung machen zu lassen. Dann bekommt man viele Karten und vor allem Kiloweise Reiseführer mit ganz guten Hoteltipps für umsonst und muss nicht Bücher aus Deutschland mitschleppen.

Radio
Problematisch. Es gibt entweder 80er Jahre Musik. Oder 60er Jahre Musik. Oder Talk Radio. Fährt man durch Gegenden, in denen man nichts außer sehr toten, weil platt gefahrenen Eichhörnchen sieht, kann man davon ausgehen, dass die einzigen beiden Sender, die man in den nächsten vier Stunden wird hören können, die folgenden sein werden: ein spanischer Sender, der nur jammerige Liebeslieder spielt, wobei alle zwei Lieder ein 15 minütiger Werbespot folgt und ein merkwürdiger Speed Metal Sender. Aber alles immer noch besser, als nach Deutschland kommen, und als erstes von einem "Die besten Hits von heute" Jingle angebrüllt zu werden, dass von einem Lied von diesem Jammerlappen Naidoo gefolgt wird.

Rauchen
Ich bin seit zwei Monaten Nichtraucher. Mal wieder. So haben mich die strengen Auflagen in den USA nicht gestört. Auf der anderen Seite ist es auch ein wenig lächerlich. Rauchen wird zu einem Ding der Unterschicht gebrandmarkt. Nur arme Leute rauchen, weswegen sie auf er Strasse rumlungern müssen. Da in USA, gerade in Großstädten wie L.A. offenbar niemand freiwillig auf der Straße rumläuft oder steht, sind Menschen, die sowas machen automatisch verdächtig. In Kalifornien gibt es wohl Überlegungen, das Rauchen in der Öffentlichkeit völlig zu verbieten, so dass man nur noch zu Hause rauchen darf.

Restaurant
Folgt auch später, darunter etwas über das Thema "scharf essen".

Supermarkt
Riesige, meist menschenleere Läden, deren Stellfläche zu 50% von Tiefkühlware belegt wird. 20% Getränke in lustigen Farben, 10% Gewürze (davon dann 60% scharfes Zeug, 30% Knoblauch), Rest gemischtes Zeug. Ich bin stundenlang mit einer Mischung aus Faszination und Angewidertheit durch die Gänge gelaufen und habe mir Inhaltsangaben auf den Verpackungen durchgelesen. Es ist mir ein völliges Rätsel, warum der Durchschnittsamerikaner nicht implodiert. Oder darmseitig explodiert. Wenn die Amerikaner klug wären, würden sie nicht ihre Armee, sondern ihre Nahrungsmittelindustrie in den Nahen Osten schicken.

Tankstellen
Mit Tankstellen verhält es sich so wie mit den Duschen. Jede hat ein anderes System. Mal muss man den Nuzzle outtaken und irgendwas anderes upliften, mal muss man erst wählen, was man tanken will, dann den (der? die? das?) Nuzzle outtaken. Auf jeden Fall muss man immer seine Kreditkarte erst irgendwo reinstecken, dann rapide removen um danach entweder soviel und lange rumnuzzlen zu können wie man will, oder man muss eine Postleitzahl eingeben. Mit der Eingabe der Postleitzahl, an der die Rechnung der der Kreditkarte gesendet wird, will man "Missbrauch" vermeiden. Klar. Einen sehr weiten Bogen sollte man um alle Chevron Tankstellen machen. Die akzeptieren keine ausländischen Kreditkarten. Da muss man rein gehen, um Verzeihung bitten, seine Kreditkarte und einen Pass zeigen und dann bekommt man vielleicht Sprit.

Telefon
Wenn man nicht erreicht werden möchte, ist Arizona definitiv der richtige Platz. Und New Mexico. Und Utah. Und Colorado. Und Nevada.

Verkehr
Hatten wir auch. Auf der Straße war es dann so, dass ich den amerikanischen Autofahrer an sich als sehr netten, angenehmen, entspannten Zeitgenossen erlebt habe. Außer in L.A. dort waren alle schlichtweg wahnsinnig. Völlig irre. Bescheuert. Wie kleinschwänzige Autofahrer, die gerade von ihrer Traumfrau verlassen wurden, die darauf ganze Nacht RedBull/Wodka getrunken haben um sich morgens mit einer Mischung aus Tavor und Speed bürofein zu machen. In Anbetracht der Tatsache, dass dort jeder bewaffnet sein könnte, empfiehlt sich eine buddhistische Heransgehensweise.

Wasser
Es gibt dreifantastrilliarden Varianten von stillem Wasser, unter anderem auch von Coca Cola und Pepsi, die es tatsächlich schaffen, einer simplen Sache wie Wasser Inhaltsstoffe zuzustetzen um das Wasser dann "purified water" zu nennen. Mineralwasser (also mit Blubber) zu bekommen, ist schwer. Supermärkte haben es manchmal, Tankstellen so gut wie nie. Mir ein Rätsel, warum die Amis kein Mineralwasser trinken. Da mit das Leitungswasser nach einiger Zeit zum Hals raus hing, habe ich immer zu Coke gegriffen. Coke war tatsächlich das noch am wenigsten süße Getränk dass man an Tankstellen kaufen konnte.

Zeitung
Die beste Zeitschrift in den USA.

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Weil es so schön überhaupt nicht zusammenpaßt. Oder vielleicht doch.

Netter Film über die Geschichte der Raubkopie

50 Jahre Bravo. Schön sich durch die Titelbilder zu klicken.

(Hab ja Bravo nur kurz gelesen, weil ich irgendwann entdeckt hatte, dass ein Kiosk auf dem Weg die englische "Smash Hits" hatte, die natürlich viel cooler war. Allerdings auch so teuer, dass sie ungefähr doppelt so viel kostete wie die Bravo, es sah natürlich sehr viel besser aus, wenn man 1981/82 mit einer "Smash Hits" auf dem Schulhof rumlümmelte. Doof war nur, dass ich kaum was verstehen konnte, da mein Englisch mit 13 oder 14 verständlicherweise ziemlich mies war. Aber es ging ja ums Prinzip! Geht mir heute noch so mit dem Feuilleton der FAZ. [Scherz - meine natürlich die Kinokritiken in den SZ])

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Ex-MTV VJane Simone (die mit der Stimme), hatte keine Lust mehr auf MTV und lebt jetzt zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern in Belize (musste ich auch erst schauen, wo das genau liegt. Ich hatte es ja irgendwo in Südostasien verortet). Auf ihrer Seite findet man Links zu anderen ehemaligen MTV Mitarbeitern, darunter Ingo Schmoll. Interessant, was aus den meisten geworden ist, die ich teilweise in meiner Musikbranchenzeit kennen gelernt habe. Ein großer Teil ist komplett ausgestiegen und ich habe den Kontakt verloren. Mein ehemaliger Chef bei Edel, Jörg Hacker macht sein eigenes Ding, aber die anderen Menschen, mit denen ich gerne und viel zusammen gearbeitet habe sind größtenteils verschwunden. Eric van Kassen zum Beispiel, ehemals Chef der deutschen Abteilung von "Mute", ein Mann der selbst nach zwei Stunden Schlaf immer frisch und gesund aussah und mit dem ich mich wochenlang nur von kalter Pizza ernährt habe, ist leider völlig abgetaucht. (Huhu, Eric - meld dich mal). (Der war es im übrigen auch, der mir mal gesteckt hat, das Moby auf die oben erwähnte MTV Simone scharf war, aber ich glaube, aus der Sache ist nie was geworden, weil Moby, ob man es glaubt oder nicht, so unfassbar schüchtern ist. Und dass er auf Simone scharf war, konnte man wirklich verstehen, denn ich kannte wirklich niemanden, der nachdem er mit Simone gesprochen hatte, nicht auf sie scharf war.)

Von den anderen Menschen im PR oder Produktionsbereich - kaum mehr was gesehen, oder gehört. Im letzten Popkomm Katalog taucht kaum mehr ein Name auf, der mir noch geläufig ist, aber bei OpenBC habe ich gerade ein paar wieder gefunden. Manche machen noch was mit Musik, aber kaum einer noch mit einem großen Label. Die meisten scheinen ein, verglichen mit früher, eher ruhiges Leben zu führen.

Aber das ist auch kein Wunder, denn so viel Spaß es teilweise gemacht, so anstrengend war es auch. Im Prinzip nur eine Arbeit, die man machen, wenn man zwischen 20 und 25 ist. Meine "normalen Tage" sahen so aus: ab neun im Büro, Mittags Interview Betreuung mit irgendeiner Band, danach mit denen was essen gehen, dann Konzert der Band, dann After Show Geblubber, so gegen 2 oder 3 nach Hause, den nächsten Tag mit der nächsten Band vorbereiten. "Hektische Tage" sahen so wie normale Tage aus, evtl. ein Abstecher per Flugzeug noch irgendwohin, aber vor allem gingen sie übers Wochenende mit viel Alkohol. Das alles ohne bezahlte Überstunden und für damals, ich glaube, knapp 2.500 Euro (brutto). Bei mir war die Kraft nach insgesamt sechs Jahren Musikbranche (als Journalist und "auf der bösen Seite der Macht") weg und ich war froh, raus zu sein

Die Entscheidung, raus zu gehen, war aber gar nicht so leicht, wie man es vielleicht vermuten könnte. Ich meine, wer macht einen Job auf Dauer gerne, der einem mindestens eine Beziehung gekostet hat und bei dem man sich selber dabei zu sehen konnte, wie man körperlich abbaute. Aber auf der anderen Seite ist dann eben dieser Reiz an dieser Sache, dieses „sich wichtig fühlen“, das „unverzichtbar“ sein, und dass es vor einem ja auch mal einen Menschen gab, der den Job gemacht hat, das verdrängt man gerne. Ich hab nicht nach Beendigung meiner Beziehung aufgehört, auch nicht, als ich mir der Arzt die ersten Pillen verschrieben hatte, die mein loses Nervenkostüm im Zaum halten sollten und auch nicht dann, als die nicht mehr halfen und ich eine Art Apathie verfiel und nur noch ferngesteuert erledigte. Ich hab aufgehört, als meinem damaligen Arbeitgeber auffiel, dass es nicht mehr so gut wie früher lief und man nach einigen hin und her unsicher war, was man mit mir machen sollte, rauswerfen, beurlauben, und ich nur dachte: „Das ist die Chance“. Ich habe nach meinem Ausstieg glaube ich sechs Wochen am Stück im Bett gelegen und etwas mehr als sechs Monate gebraucht um wieder auf die Beine zu kommen.

Belize - muss ich merken. Kommt zu dem meiner Idealvorstellung von Klima sehr nahe. Durchschnittjahrestemperatur 26 Grad, nachts selten kühler als 16 Grad.

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Am Wochenende zum ersten Mal wieder etwas seit sehr langer Zeit getan. Als ich es tat, dachte ich darüber nach, wie lange es wohl her war, dass ich so etwas getan hatte. Und je länger ich darüber nachdenken musste, desto mehr wunderte ich mich. Ich ging mit meinen Erinnerungen ins letzte Jahrtausend, in die 90er, in die 80er, zu meinem Abitur, zu meiner Mittleren Reife und schließlich in die 70er. Ich wollte das gar nicht glauben, also habe ich noch mal von vorne angefangen, aber ich landete wieder in den 70ern. Das kann doch gar nicht sein, dachte ich, dass das so lange her ist. Ich überlegte in den folgenden Stunden weiter. Ich ging alle Jahre akribisch durch, versuchte mich zu erinnern, verscheuchte den ein oder anderen Nebel, der sich über meine Erinnerungen gelegt hatte. Aber es wollte mir nicht einfallen. Ich musste tatsächlich zurück in meine Kindheit. Ganz weit zurück. Wie ich mit meinen Eltern den Sommerurlaub verbracht habe. Wie wir mit dem Auto von Bonn aus, über die Schweiz nach Südfrankreich gefahren sind. Wie ich mir an irgendeiner einer französischen Gaststätte den Magen an einem Brühwürstchen verrenkt hatte. Wie wir durch winzige kleine Orte gefahren sind, wie meine Eltern mir das römische Theater in Nimes gezeigt hatten. Wie wir durch Avignon gelaufen sind und in einem Hotel übernachten mussten, das nur noch Zimmer zu einem winzigen Innenhof hatte, in dem es nach altem Frittenfett stank und in dem die Hitze unerträglich war. Wie ich in unserer Urlaubsstadt das erste Mal einen ganzen Tintenfisch serviert bekam, wirklich einen ganzen, der mich aus seinen toten schwarzen Augen anstarrte und so auf einer Tomatensoße schwamm, dass es aussah, als würde er in seinem eigenen Blut hocken. Wie unsere Zimmernachbarin im Hotel auf der Strasse zum Strand von einem Mofa angefahren wurde, und ihr Fuß in alle erdenklichen, aber sicher nicht gesunden Richtungen abstand und meine Mutter versuchte ihr helfen, während der Mofafahrer hilflos daneben stand und seinen orangefarbenen Schal so festhielt, dass seine Finger weiß wurden. Wie wir in der Mittagshitze an einem kleinen Kiosk diese leckeren Baguette holten, die immer auf ein wenig Eis gelagert waren und so frisch und lecker schmeckten, wie kein Baguette danach. Wie ich mit meinem Vater zum Rennstrecke von Le Castellet gefahren bin, vorbei an niedergebrannten Wäldern die nach Holzkohle stanken, nur um an der leeren Rennstrecke uns die Stellen anzusehen, an denen mal irgendwas passiert war, was wir im Fernsehen gesehen hatten und ich am Ende einen kleinen Formel Eins Wagen geschenkt bekam. Wie wir einmal mit Bekannten weit ins südfranzösische Hinterland gefahren sind, wo es ein winziges Restaurant gab, dass Abends an eine riesigen offenen Kamin ein ganzes Schwein röstete und wir den Salat zum Schwein mit den Händen zerrupften. Wie ich meine Zeit am Strand verbracht habe und einmal einen ganzen, aber toten Seeigel fand, den ich wie einen Schatz ins Hotelzimmer trug nur um am nächsten Tag in einen lebenden zu treten, was ich als Rache der Natur an meiner Freveltat dafür empfunden habe, dass ich dem toten Seeigel kein vernünftiges Begräbnis zugestanden habe. Wie ich unter einem Sonnenbrand litt, den meine Mutter mit irgendeiner Creme und Handtüchern aus dem Kühlschrank linderte. Wie ich den heißen Sand durch meine Zehen habe rieseln lassen. Wie ich mit den Wellen geschwommen bin, stundenlang, immer nur auf und ab, darauf hoffend, dass die nächste Welle noch ein Stück höher sei, damit sie mich noch höher und weiter tragen würde. Wie das Salz so dick auf meiner Haut klebte, dass es Kruste bildete, die ich abklopfen konnte. Wie das Meer auf meinen Lippen geschmeckt hat. Da war ich 12. Ich musste tatsächlich 39 werden, damit ich das erste Mal wieder im Meer schwimmen konnte.

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