Amüsante Sonntagslektüre. Michael Arrington, Gründer von Techcrunch, mokiert sich darüber, dass die Europäer im Rahmen von Konferenzen so viel Zeit mit Essen verbringen und greift insbesondere Seesmic Gründer und "Le Web" Organisator Loic Le Meur an. So ein 14-Gänge Menü sei ja ganz amüsant, aber eigentlich doch auch überflüssig. Wenn die Europäer immer so handeln würden, dann sei es auch kein Wunder, dass es kaum bekannte Startups aus Europa geben würde.

...the joy of life is great, but all these two hour lunches over a bottle or two of great wine and general unwillingness to do whatever it takes to compete and win is the reason why all the big public Internet companies are U.S. based. [...] Two hour lunches are great. But when you have investors to answer to and employees (and their families) to provide for, something has to give. Perhaps that’s why many of Europe’s hardest charging and most successful entrepreneurs tend to move to Silicon Valley, where they are surrounded by like minded people.

Ein darob etwas genervter Loic Le Meur antwortet darauf hin mit einer Umfrage, ob man Arrington überhaupt noch mal zur Le Web einladen sollte und wundert sich über die Unfreundlichkeit der Bewohner des Silicon Valley.

There is a huge difference between being lazy and taking time to know each other. It is one of the main cultural differences I feel everyday as I moved to Silicon Valley: every minute, every coffee, every phone call must have a point. [...] I never thought inviting someone I really liked to know better to dinner would get me an email from his assistant "why would you like to invite him to dinner?". [...] Seriously, imagine the scene of having Michael Arrington trapped in one of the best art Europe has to offer, French haute cuisine. Guy Savoy is for me the best chef in the world and a symbol of how Europe can be leading the world in cuisine, fashion or luxury. [...] It is the McDonalds fast culture against the highest rare quality possible.

Ein nun sichtlich pikierter Arrington antwortet noch einmal kurz und knackig und wirft Le Meur "Zensur" vor, weil die Frage, ob jemals noch mal eingeladen werden soll, sicher mit seinen kritischen Bemerkungen auf dem Podium der Konferenz zu tun habe. Er fragt sich, ob er vielleicht im nächsten Jahr die übliche TechCrunch Konferenz zur gleichen Zeit wie die Le Web abhalten soll, worauf Loic ihm die Freundschaft kündigt. Und mittendrin huscht Robert Scoble in den Kommentaren hin und her.

Popcorn! Das geht bestimmt noch weiter.

Permalink (4 Kommentare)   Kommentieren

 


Was das ist? Die Auflösung folgt weiter unten.

Nachdem halb Deutschland heute besoffen durch die Gegend taumelt, habe ich mir heute auch mal tagsüber zwei freie Stunden gegönnt und bin mit Kamera bewaffnet ein wenig durch den Prenzlauer Berg gegangen. Macht man ja irgendwie selten, aber letzte Woche hatte ich schon mal den Drang, statt mit dem Fahrrad, am Abend zu Fuß zu einer Verabredung zu gehen. Keine Ahnung, wo her diese absurde Idee nach einem netten Spaziergang kommt. Vielleicht ist es das Alter, da wird man ja wunderlich. Spaziergänge als Sex des Alters, wer weiß. Jedenfalls ist man auch nach einem Spaziergang ganz schön müde.

Noch toller wird so eine Spazur (© Lascha Sobojochenausberlin), wenn auf Beschallung verzichtet wird. Normalerweise kann ich das Haus ohne vernünftige Abschirmungsmaßennahmen nicht verlassen. Das ist nicht verhandelbar, schon gar nicht, wenn ich mich in die U-Bahn setzen muss. Die Gespräche anderer Menschen machen mich meist auf der Stelle krank. Sie erzeugen innenliegende, eitirige, pochende Ekzeme mit nässendem Juckreiz. Wer in der Berlin schon mal Bus, U/S oder Strassenbahn gefahren ist, weiß was ich meine. Es geht nur einigermaßen morgens, weil dann keiner redet, es sei denn man trifft auf einen Haufen Sekretärinnen/Buchhalterinnen, die sich erzählen, was sie in den 12 Stunden in denen sie sich nicht gesehen haben mit ihrem Lebenspartner angestellt habe. Nach 9.00 Uhr sind die öffentlichen Verkehrsmittel ohne Ipod praktisch nicht nutzbar, es sei denn man ist taub. Ganz, ganz schlimm ist es am Wochenende abends, wenn Cindy, Mindy und Sandy in die Stadt fahren um Alex, Mischa und Mahmut zu treffen. (Nicht, dass die Jugend sich früher auf einem höheren Niveau unterhalten hätte. Wer ist den 80er Jahre Dinge getragen hat, die als modisch galten, hat sowieso keine Entschuldigung mehr.)
Da ist man froh, wenn man einen Ipod ohne langweilige Lautstärkenbegrenzung hat. Man wird vielleicht später taub, aber lieber später so was, als jetzt vielleicht dieses Ekzem zu entwicklen.

Aber beim einem gemütlichen Gang durch die Gemeinde, ist es ohne Abkapslung schöner. Man wird nicht von hinten von Fahrradkurieren überfahren, die mit 50 Sachen über den Bürgersteig brettern und (wenn man Glück hat) "Vorsicht" rufen. Man hört, wie sich Autos nähern und absurde Gesprächsfetzen wie ich heute bei "Tchibo" als ich dort entrückt die Angebote scannte:

Mutter: ... ich finde die Slips hier kneifen...
Teenager:... kauf halt mal ne Nummer größer, Du bist auch nicht mehr 30.

oder kurze Zeit später in der Post, wo ich zehn selbstklebende Sondermarken á 55 Cent erwarb, die die Post zum Anlass des 275. Geburtstages von Carl Gotthard Langhans herausgeben hat:

Kind: Mami, ich will diese Mappe haben, die ist toll.
Mutter: Die hat nur ein Gummi, das reicht nicht. [Kurze Pause, genervter Blick auf das laut quengelnde Kind] ... und mit Gummis die nicht halten kenne ich mich gut aus.

Es ist also manchmal ganz schön spannend, wenn man sich mal seiner Umgebung hingibt. Vielleicht sollten das auch die Drehbuchautoren machen, die die Gags für die Sat.1 Comedys schreiben.

Natürlich gilt das alles nur, wenn man draussen ist, und weglaufen kann. Oder alles eben nur im vorbeigehen mitbekommt. Im öffentlichen Personennahverkehr gilt weiterhin strengstes Abkapslungsgebot.

Das hat alles nichts mit dem Bild da oben zu tun, ausser dass ich es heute auf dem Weg machte.
Die Auflösung gibt es hier

Permalink (6 Kommentare)   Kommentieren

 


Heise macht auf einen Anhang im Protokoll zur Bundestagssitzung vom Freitag aufmerksam, in der 26 Abgeordnete der SPD ihrer Zustimmung zur Vorratsdatenspeicherung begründen. Das sind die Namen der SPD Abgeordneten, die in der Abstimmung zur Vorratsdatenspeicehrung alle mit "Ja" gestimmt haben.

Nils Annen, Dr. Axel Berg, Lothar Binding, Marco Bülow, Siegmund Ehrmann, Gabriele Frechen, Martin Gerster, Renate Gradistanac, Angelika Graf, Gabriele Groneberg, Gabriele Hiller-Ohm, Christel Humme, Josip Juratovic, Anette Kramme, Ernst Kranz, Jürgen Kucharczyk, Katja Mast, Dr. Matthias Miersch, Dr. Rolf Mützenich, Andrea Nahles, Dr. Ernst Dieter Rossmann, Bernd Scheelen, Ewald Schurer, Wolfgang Spanier, Dr. Ditmar Staffelt, Christoph Strässer.

Begründet wird die Zustimmung unter anderem mit dem Satz:

Eine Zustimmung ist auch deshalb vertretbar, weil davon auszugehen ist, dass in absehbarer Zeit eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts möglicherweise verfassungswidrige Bestandteile für unwirksam erklärt.

Das ist wohl das jämmerlichste, was ich seit langem gelesen habe. Sein Gewissen damit zu beruhigen, dass es das BverfG. schon richten wird ist schon schlimm. Aber was ist das für eine Argumentation? Wie kann man einem Gesetz zustimmen, von dem man offensichtlich ausgeht, dass es teilweise verfassungswidrig ist? Je mehr man darüber nachdenkt, desto übler muss einem werden. Mache ich das nächste Mal auch: gegen ein Gesetz verstossen und den Verstoss damit begründen, dass ich darauf warte, dass das Gesetz abgeschafft wird, weil vermutlich verfassungswidrig ist. Alles rückgratlose Opportunisten, die nicht den Mut hatten, sich gegen die Fraktion zu stellen.

Quellen:

Protokoll des Bundestags (pdf)
Anlage aus dem Protokoll (jpg)

Permalink (2 Kommentare)   Kommentieren

 


Update: 13.08.07: Oh. Gerade einen Anruf von Freenet bekommen. Man habe "noch einmal nachgeschaut" und das Problem gefunden, warum ich nicht von 6Mbit/s auf 16Mbit/s upgraden kann. Es war mein steinalter Tarif, der im System wohl kein Upgrade zu ließ. Das hat man jetzt geändert und in den nächsten 10 bis 14 Tagen wird das hier wohl flotter werden.

Ok- damit hat mich Freenet wieder glücklich gemacht und das man heutzutage von einem Dienstleister noch angerufen wird, ist ja auch wirklich selten.


Update: 10.08.07: Muhahaha. Kam eben per Mail:

Ihre Meinung ist uns wichtig!
Hallo Herr Dahlmann,
Sie haben am 09.08.2007 um 12:04 den telefonischen Kundenservice von freenet kontaktiert.
Ihre Meinung über unseren Kundenservice ist uns sehr wichtig! Um Ihre Wünsche und Erwartungen an uns noch besser erfüllen zu können, bitten wir Sie, sich Zeit für unsere Umfrage zu nehmen. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert nur ca. 3 Minuten.

Ich hab Ihnen dann mal den Link zu diesem Eintrag geschickt.


Ich hatte heute die wahnsinnge Idee, meinen DSL Anschluss etwas flotter machen zu wollen, damit ich noch mehr illegale TV Streams aus den USA gleichzeitig schauen kann Upload habe, da ich für mindestenshaltbar und andere Projekte große Bilddaten hin und her schieben muss. Und 16Mbit/s statt 6Mbit/s download können ja auch nicht schaden. Sowas mache ich normal per Internet, aber da bekam ich bei Freenet, meinem DSL Provider, immer nur Meldung, dass ein "Tarifwechsel" nicht möglich sei. Dabei wollte ich gar nicht den Tarif, sondern nur den Anschluss wechseln. Also bei Freenet angerufen. Ich dachte, so ein Wechsel, wenn man mehr bezahlen will, sollte ja eigentlich eine Sache von zwei Minuten sein. War es zumindest auch bei meinem letzten Upgrade vor ein paar Jahren von 2 Mbit/s auf 6 Mbit/s. Wie gesagt, das dachte ich.

[insert hier - belanglose Geschichte über jemanden, der sich über die Wartezeiten bei einer Hotline, die undurchsichtige Menüfühurung usw. aufregt]

Nach ca. 17 Minuten hat die offenbar mit einem Gespräch leicht überforderte Frau namens "Maja" endlich begriffen, dass ich kein Telekom Kunde mehr bin, sondern meinen gesamten DSL-Anschluss über Freenet laufen habe und stellt bedauernd fest, dass ein Tarifwechsel nicht möglich sei. Eine Einschätzung zu der ich sie herzlich beglückwünsche, allerdings mit dem Hinweis, dass ich diese Erkenntnis auch schon ohne ihre Hilfe gemacht hätte. Nach 18 Minuten wundert sie sich selber und will mit dem "Expertenteam" sprechen. Während ich warte, drängen sich mir Fragen auf.

Warum darf ich nicht mit dem Expertenteam sprechen?
Wie sieht so ein Expertenteammitglied wohl aus? Ist ein ein hochkonzentrierter Mensch, der vor mehreren Bildschirmen sitzt, mit einem Gehrin, so groß wie das Universum und der bei Fragen wie "Warum kann Herr Dahlmann nicht einfach eine 16 Mbit/s Leitung haben?", gequält auflacht, und in ein leises, krächzendes Kichern verfällt und der CallCenter Dame sagt: "Drücken Sie die Tastenkombination "F23 ° ² ž Ÿ '" und gleichzeitig die Tasten "~ € ~" und sagen sie dem Kunden, er möge wie ein teumessischer Fuchs schauen und dabei die Worte "Sei mit mir, oh Gudatrigakwitl" sagen?

Nach 21 Minuten ist Maja wieder bei mir sagt mir, dass ich meinen Wunsch, einen 16 Mbit/s Leitung haben zu wollen, doch schriftlich einreichen möge. Das habe ihr das Expertenteam gesagt. Und mit schriftlich meint die Dame nicht etwa, dass ich eine Mail senden soll. Oder ein Fax. Nein. Ich möge bitte einen Brief per Post an das Kundencenter schicken. Dort würde man den Brief gegebenenfalls lesen, den Wunsch begutachten und eventuell auch erfüllen.

Oha. Was kommt als nächstes? Muss ich bei meinem nächsten Upgrade persönlich in Kiel erscheinen? Vielleicht in Begleitung meiner Mutter? Wenn ich nicht grundsätzlich so zufrieden mit dem Laden wäre, weil die Ausfallraten beim DSL gen Null tendieren, würde ich einfach sagen: dann eben woanders. So schreibe ich halt jetzt einen Brief, drucke ihn aus, stecke ihn in einen Umschlag, klebe eine hübsche Briefmarke drauf (Ich hab noch welche auf denen steht "Ich vermisse dich", vielleicht hilft das ja) und stecke den Brief in die Post. Vermutlich ist dieser Weg sogar günstiger, als es nochmal bei der Hotline zu versuchen.

Derweil höre ich etwas Musik, und denke gar nicht daran, mich weiter aufzuregen, dafür ist das Wetter hier viel zu gut.

Permalink (9 Kommentare)   Kommentieren

 


Langsam wird es peinlich. Das der ehemalige Umweltminister und ehemalige Popbeauftragte der SPD, Sigmar Gabriel, ein Problem mit Satiren hat, musste Marcel Bartels ja schon erkennen. Der Minister hatte gegen eine Satire geklagt, auf der er zu sehen und in der Sprechblase über ihm zu lesen war "Ich will auch zu den Nutten, Herr Hartz". Ob sich der Ärger des Ministers darauf bezog, dass er mit Peter Hartz oder mit Nutten in Zusammenhang gebracht wurde, hat sich mir auch nicht vollends erschlossen, aber vielleicht gibt es da auch einen tieferen Zusammenhang, man weiß das ja so als Außenstehender nicht. Das Bild tauchte in einem von Marcel verwalteten Wiki auf, und wurde von einem anonymen User online gestellt. Marcel selber wurde erst durch die Abmahnung auf das Bild aufmerksam gemacht.

Jedenfalls war sich Gabriel nicht zu schade, gegen diese mehr oder weniger lustige Satire mittels seine Anwälte a) eine Abmahnung raus zu senden, und b) als Marcel nicht zahlen wollte, diese einzuklagen. Da es vor das Hamburger Amtsgericht ging, wo man ja bekanntermaßen wie weiland vor 150 Jahren auf hoher See in Gottes Hand ist wo die Richter dazu neigen sollen, in solchen Fällen eher dem Kläger Recht zu geben, war man ein wenig überrascht, als die Klage abgewiesen wurde. Das sich diesem Zeitpunkt die Medien noch nicht weiter für den Fall interessierten, hat mich schon ein wenig gewundert, und ich bin gespannt, ob sich das jetzt ändert.

Denn der Umweltminister Sigmar Gabriel ist, vertreten durch seine Anwälte, tatsächlich auch noch in Berufung gegangen. So ist das also, wenn man keine Satire verträgt, aber genügend Geld in der Kasse ist: Man geht halt so lange in Berufung, bis dem Gegner das Geld ausgeht. Dies ist bei Marcel in diesem Fall (noch) nicht zu befürchten und die Peinlichkeit, dass ein Minister wegen so einer Lappalie erneut vor Gericht zieht, sollte doch irgendwem dann zwischendurch mal auffallen. Auf der anderen Seite hat ein nicht näher zu benennender ehemaliger Bundeskanzler mal so eine Sache wegen seiner Haarfarbe vor einem Gericht durch gedrückt. Vielleicht hat es ja was mit der Partei und/oder dem Bundesland zu tun.

Permalink (3 Kommentare)   Kommentieren