Laudatio für Robert Basic, Goldene Blogger Verleihung, 28.01.2019

Liebe Freunde, liebe Gäste des „goldenen Blogger“, liebe Blogger,

Lebenswerk Auszeichnungen - das geht jetzt so langsam los, dachte ich neulich, rund um meinen eigenen 52. Geburtstag. Dabei sind wir doch noch gar nicht alt, dachte ich gleichzeitig auch, Milde empört.

Aber dummerweise wird man halt älter und wenn man älter wird, dann macht man Sachen, die man halt so macht in seinem Leben, immer länger. Man bloggt zum Beispiel schon ganz schön länge. Ich habe zum Beispiel vor 18 Jahren damit angefangen, da war ich gerade mal Mitte 30.

Wenn man eine Sache länger macht, dann lernt man natürlich auch eine Menge Leute kennen. Manche verschwinden wieder, weil sie nach ein paar Monaten die Lust an einer Sache verlieren. Aber mit manchen Menschen kreuzen sich die Wege immer wieder. Und manchmal stellt man nach all den Jahren und vielen Begegnungen, dass man einen Freund oder eine Freundin gefunden hat.

So ging es mir mit Robert Basic, den Menschen, dem wir heute für sein Lebenswerk auszeichnen wollen. Robert tauchte mit seinem Blog „Basic Thinking“ 2003 auf der Bildfläche auf. Robert schaffte es innerhalb von wenigen Monaten sein Blog zu den meist gelesenen und meist zitierten Blog in Deutschland zu machen. Wie hat er das damals geschafft?

Wenn man ihn das gefragt hat, bekam man eine Antwort, die jeden Business Developer und Produkt Manager zur Verzweiflung treibt, denn die Antwort war immer „Keine Ahnung, ich hatte keinen Plan, ich habe einfach gemacht.“

Seine Art zu kommunizieren, und in seinem Fall über Technik zu schreiben, hat er selber in einem Satz mal zusammen gefasst „Es werde Mensch, nicht Technik!“ Über all die Jahre war das sein Credo, über all die Jahre war dies sein Geheimnis: als Mensch schreiben, nicht als Autor. Keine Eitelkeiten, keine romanhaften Reportagen. Einfach so schreiben, wie man ist. Ihm ging es dabei um die Frage, was die Technik mit den Menschen macht. Wie wichtig sie für den Menschen ist, was sie verändert. Wie sie Menschen verändert. Robert hatte ein außerordentlich gutes Gespür für Veränderungen und welche Veränderungen wichtig sind.

Dieses Gespür lies ihn von 2003 bis 2009 sein Blog führen. Und das mit einer Wucht, die unglaublich war. 12.500 Artikel in sechs Jahren - das sind 5 Artikel pro Tag! Pro Tag! Robert war ein absoluter Schnellschreiber.

Aber er war kein oberflächlicher Autor. Er blieb in all dem, was er machte, immer er selber. Auch dann, als er zu Überraschung aller, sein Blog 2009 auf Ebay versteigerte. Auf die Frage, warum er das gemacht habe, sagte er mir mal „Ach, ich hatte keine Lust mehr und wollte was Neues machen“. Und da war sie wieder, diese nicht vorhandene Eitelkeit. Andere hätten weiter gemacht, die Marke gepflegt, Geld raus geholt. Robert hatte keine Lust mehr, also hat er es gelassen.

Dass er mit Basic Thinking sehr viele Menschen überhaupt erst zum Bloggen gebracht hat, wollte er im Übrigen nie so richtig glauben. Aber vermutlich ist Robert zu einem nicht unerheblichen Teil daran Schuld, dass es überhaupt eine nennenswerte Blogszene in Deutschland gibt. Und ein bisschen auch daran, dass wir alle hier sitzen.

Robert und ich sind uns vor allem in den letzten zehn Jahren oft begegnet. Das hatte vor allem was mit der Autoindustrie zu tun, die vor 10 Jahren die Blogger entdeckte und anfing auf Veranstaltungen einzuladen. Wir teilten uns meist die Autos, die man uns zum testen gegeben hatte, oder saßen bei den Veranstaltungen zusammen. Über die Jahre entwickelte sich so eine immer enger werdende Freundschaft.

Die entwickelte sich vor allem auch deswegen, weil wir eben nicht immer einer Meinung waren. Wir waren oft und vielen Dingen sehr unterschiedlicher Meinung und haben das teilweise über Stunden ausdiskutiert. Aber das war nie langweilig oder gar anstrengend. Denn das tolle an den Diskussionen mit Robert war immer: Er konnte zu hören. Richtig aktiv zuhören. Nicht nur zuhören, weil man höflich ist, sondern weil er hören wollte, was der andere Mensch zu sagen hat. Und das war, neben seiner blitzschnellen Auffassungsgabe, seinem scharfen Geist und seinem einzigartigen Schreibstil die vielleicht herausragendste Eigenschaft von Robert. Er konnte mit einer selten erlebten Empathie zuhören.

Der Schnellschreiber, der Analyst, der Journalist, der, das habe ich selber live oft zu meinem Vergnügen miterleben dürfen, PR Mitarbeiter mit seinen bohrenden Nachfragen an den Rand der Verzweiflung brachte, dieser Robert hatte auf der anderen Seite einem sehr weichen Kern, ein großes Herz. Und da war sie wieder, die Eitelkeit, die ihn nicht interessierte. Es ging ihm nie ums Recht haben in einer Diskussion, es ging ihm darum etwas zu lernen.

Denn bei allem Erfolg, den Robert immer wieder hatte - er hatte das, was man so altmodisch als Haltung bezeichnet. Weder ließ er sich durch duftende PR Sprüche einschläfern, noch wollte er seine Leser verarschen. Kam einfach nicht Frage, nicht mit ihm. Was ihm viel Ärger mit manchem Unternehmen eingebracht hatte - aber eben auch viel Respekt. Denn am Ende, das muss man wissen, setzt sich im Journalismus immer die Haltung und nicht die Lüge durch.

Es gibt keinen Tag, an dem ich Robert nicht vermisse. Wir hatten vor einigen Monaten, ich glaube, es war in San Francisco mal über das Thema Tod gesprochen. In seiner ihm üblichen Art zuckte er nur mit den Schultern und meinte „Wenn es vorbei ist - wir hatten doch ein tolles Leben, wir können uns nicht beklagen“ Da hat er natürlich mal wieder recht gehabt.

Robert Basic hat eine Menge in seinem Leben erlebt und vor allem gemacht. Sein Vermächtnis an uns lautet, dass wir es ihm nachmachen sollen. Das wir neugierig bleiben, das wir kritisch bleiben und immer wieder die Dinge hinterfragen. Das wir sagen „Erst der Mensch, dann die Technik“ und das wir vor allem dem Gegenüber zuhören und von ihm lernen.

Ich danke dem Team der „Goldenen Blogger“ dass sie Robert posthum für sein Lebenswerk auszeichnen und ich freue mich sehr, dass ich diesen Preis nun dem ältesten Sohn von Robert, Maurice, übergeben kann.

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Die früheste Erinnerung, die ich an Rudi Carell habe, stammt natürlich aus seiner Sendung "Am laufenden Band". Ich erinnere mich gut, wie er einen Kandidaten hinter die Bühne aus Pappmaché setzt und auf dem Band in atemberaubender Geschwindigkeit irgendwelche Gegenstände wie ein Globus, ein Schwimmreifen oder das berühmte Fragezeichen vorbei rauschten. Meine Eltern saßen neben mir, und sagten immer "Der Globus, der ist wichtig, das ist bestimmt eine Flugreise." Aber Rudi Carell, der den Ablauf der Sendung von der ersten bis zur letzten Sekunde kontrollierte war manchmal auch ein bisschen gemein, und der immer wieder auftauchende Globus, der eine Fernreise versprach, war manchmal auch einfach nur ein Globus, den man mit nach Hause nehmen konnte. Aber das war eben Rudi Carell und sein manchmal böser Humor.

Was an Rudi Carell so besonders war: Er irgendwie immer da. Er gehörte zu meiner Jugend wie Wim Thoelke, dessen Sendung ich in der Kindheit immer nur bis zum Auftritt von "Wum & Wendelin" sehen durfte oder Hans Rosenthal mit seinem "Dalli, Dalli", die ich auch schon mal ganz sehen durfte. Nach seinen großartigen Samstagabend Shows gab es die "Tagesshow". Damals war die Sendung respektlos und ging an die Grenzen des Humors, was ihm ja auch bekanntermaßen einigen Ärger mit der iranischen Regierung einbrachte, als er in einem Sketch zeigte, wie Ajatollah Khomeini mit BHs beworfen wurde. Ich fand den Gag damals gut und das er sich dafür in der nächsten Sendung entschuldigen musste - das war irgendwie ungerecht.

Carell gehörte immer zu den wirklich großen in der deutschen Unterhaltungsbranche. Frankenfeld, Rosenthal, Thoelke, Kulenkampff, Carell. Das waren die Stars und wenn man ihre Sendungen heute noch mal in den Nachtübertragungen eines Senders sieht, dann versteht man auch, warum sie so groß waren. Frankenfeld, das war der witzige, der mit den Dialekten, der, der das Gesicht in alle Himmelsrichtungen schieben konnte. Rosenthal, der nette, liebe Onkel, dem man abnahm, dass er sich für jeden Kandidaten, der irgendeine Kleinigkeit gewonnen hatte, diebisch freute. Thoelke, der immer etwas steife, über aus korrekte, aber immer faire Showmaster. Kulenkampff, ein Showmaster, der meiner Meinung nach niemals mehr übertroffen wurde, oder übertroffen werden kann. Der seine Gäste mit einem leichten Zucken einer Augenbraue subtil bis auf die Knochen beleidigen konnte, was man ihm aber nie übel nahm, weil er so ein perfekter Gentleman war. Und dann Carell. Der lag irgendwo zwischen all diesen Größen. Er konnte ein wenig Rosenthal, ein wenig Kulenkampff, aber auch der lustige Frankenfeld oder der steife Thoelke sein. Aber eins war er nie: langweilig. Er hat mich durch meine Samstagabend Unterhaltung, als es nur zwei Sender gab, lange begleitet. Nach seiner großen Zeit musste ich ihm dann viel verzeihen. Auch "Sieben Tage, Sieben Köpfe", was nicht immer leicht war.

Und einmal hab ich ihn getroffen. Das war in irgendeinem Studio in Köln. Ich weiß nicht mehr warum er da war, ich weiß nicht mehr warum ich da war. Ich weiß nur noch, dass ich ihm die Hand gegeben habe. Ich habe sie nicht nebenbei geschüttelt, wie man das bei einem Empfang ebenso macht. Ich habe ihm meine Hand gegeben. Weil ich mich bedanken wollte, für die unzähligen Stunden, an guter und spannender Unterhaltung, die er mir in meinem Leben beschert hat. Ich hab erst nichts gesagt, dann ein "Schön sie kennen zu lernen" und er hat fest zugegriffen, "Freut mich auch" gemurmelt und mit der anderen Hand hat nach seinem Kölschglas gegriffen. War ihm nicht auch nicht mehr böse, sondern nur froh ihm einmal begrüßt haben zu können.

Jetzt ist der letzte große deutsche Showmaster tot. Er hinterlässt uns den schwätzenden Gottschalk, den langweiligen Kai Pflaume, den jeden Gefühlsnerv tötenden Oliver Geißen. Alles Leute, die noch nicht mal einen großen Showmaster darstellen können, sondern nur wie geduldete Verwalter einer austauschbaren Sendung wirken. Vorbei die Zeit, als man einen Kulenkampff auf Knien angebettelt hat, doch bitte zum hundertsten Mal den Rücktritt vom Rücktritt zu erklären. Vorbei die Zeit, in der man mit Spannung darauf wartete, mit welch außergewöhnlicher Idee Rudi Carell nun schon wieder auf den Bildschirm zurückkehren würde.

Jetzt sind die Großen irgendwo da oben zusammen und hecken hoffentlich gemeinsam neue Ideen aus. Ich hab heute einen Moment Tränen in den Augen gehabt, weil jetzt der letzte große deutsche Showmaster und ein Stück meines medialen Erwachsenwerdens gestorben ist.

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