Mein erster Joint

Das war eine schwere Geburt. Klar kannte ich Menschen, die jemanden kannten, der schon mal gekifft hatte. Aber das war so wie früher das Ficken und noch früher "Unter die Bluse gehen" und noch viel, viel früher das Knutschen. Man kannte immer jemanden, der jemanden kannte, der dass schon hinter sich hatte. Überhaupt war "Unter die Bluse gehen" das Ding. Wenn man einer Frau unter die Bluse gehen konnte, dann war dass ja gleich bedeutend mit Ficken. Irgendwie. Denn was konnte eine Frau noch davon abhalten mit einem zu schlafen, wenn man schon wild wie ein Bäckergeselle Brüste kneten konnte.
Sehr viel, wie ich dann auch mal herausfinden durfte. Aber was lache ich mir auch eine erzkatholische Frau aus der Eifel an.
Aber das ist eine andere Geschichte. Ich hatte jedenfalls schon Brüste geknetet (ganze Battalion-Ladungen von Broten wären das gewesen!) und gefickt hatte ich auch schon. Wieder eine sehr merkwürdige Geschichte. Aber gekifft hatte ich noch nicht. Mittlerweile waren große Teile meines dubiosen Bekanntschaftkreises schon zu anderen Drogen übergangen. Ja, sogar LSD wollten einige schon in ihr Hirn gestopft haben. Ich war immer noch bei Bier. Das reichte mir eigentlich. Bier machte einen schön blöd im Kopf, und wie blöd konnten andere Drogen einen im Vergleich zu einem ordentlichen Bier-Hang-Over am nächsten Morgen schon fühlen lassen?
Aber irgendwas musste ja dran sein, am Dope. Also ausprobieren. Ein ebenso minderentwickelter Freund fasste sich ein Herz und bestellte beim ortsbekannten Dorf-Dealer was von "dem Zeug". Ich besorgte die, wie mir schienen, meterlange Blättchen, welche ich mit niedergeschlagener Miene beim Tabakhandel erwarb. Niedergeschlagen weniger, weil es mir per se peinlich war, sondern weil es mir peinlich war, als Mensch mit einem vertibalen Bartwuchs dererlei Dinge zum ersten Mal ordern zu müssen.
Gut. Dope da. Blättchen da. Aber wie in Gottes Namen dosiert man das dämliche Zeug. Natürlich wußten wir theoretisch Bescheid. Anflämmen, reinkrümmeln. Aber wieviel, auf wieviel Tabak? Erst den Tabak, dann das Dope? Oder doch lieber in den Tee? Die Teevariante verwarfen wir schnell, denn das war schwul. Tee. Weiber. Schwul. Damals ein Wort, sozusagen.
Also den "Drum" Tabak rein und dann irgendwie, irgendwas von dem Zeug rein. Natürlich hatten wir uns auch vorbereitet. Denn zu einem coolen Trip gehört natürlich auch coole Musik. Pink Floyds "Meddle" und, wenn dann immer noch nichts passiert sei, "Umma Gumma" lagen bereit.
Rauchen. Schmeckt auch erst mal nicht anders, als jede x-beliebige Selbstgedrehte. Vielleicht mal so richtig reinziehen, wie sie das in den modernen "Tatort" Filmen immer machen? So richtig, mit tief Luftholen? Hey, ich rauche filterlose, dass macht MIR doch nichts.
Ich hatte alsbald das Gefühl, die Lungenbläschen würden sich nach innen stülpen und der Rest der Lunge gleich mit. Ungefähr fünf Minuten lang. Dann bekam ich wieder Luft und sah die großen staunenden Augen des Freundes. Waren das etwa schon erste Anzeichen des coolen Trips? Wenn die Sicht irgendwie verschleiert wirkte, der andere so komisch verschwommen? Ach nee, waren nur die Tränen in den Augen.
Dann war der Joint zu Ende.

Warten...

Warten...

Warten....

Die "Umma Gumma" plärrte mittlerweile schon das erstmal. Vielleicht mal hinlegen? Auja, hinlegen, das machen die in den Filmen ja auch, wenn sie am Joint gezogen hatte. Dann legten die sich sofort hin und sahen aus, als ob sie einen Delphin geknutscht hatten. Also hinlegen. Ja. Cool. Die "Umma Gumma" Seite zwei war zu Ende. Scheiße. Aufstehen, umdrehen. Hinlegen.

Warten...

Warten...

Warten...

"Ich fühl mich irgendwie....." .... "Ja", antwortet der Freund erwartungsfroh, in der Hoffnung, das wenigstens etwas beim anderen passiert. "Ich fühl mich so....normal" antworte ich, leicht enttäuscht. "Tjaaaaaaahaaaahaaa, " antwortet der Freund, "so ist das halt bei Drogen, da fühlt man sich ganz nah selber." Nun wollte ich ihn nicht in diesem Moment über meine Beweggründe aufklären, warum ich diese Droge nahm, die da folgende waren:

  1. Ich wollte mal nicht bei mir selber sein
  2. Ich wollte was anderes fühlen
  3. Ich wollte nicht bei mir selber sein
  4. Ich wollte wilde Gedanken haben
  5. Ich wollte wilde, sexuelle Gedanken haben
  6. Ich wollte deswegen schon mal gar nicht bei mir selber sein

Also sagte ich: "Hmmmpf".

Irgendwann waren wir dann zu faul NOCH mal die "Umma Gumma" zu hören. Also legten wir Laibach auf, in der Hoffnung, wir würden wenigstens die berühmten Kicheranfälle bekommen. "Life is Life" von Laibach. Höhöhöhöhö. Das ist to_tal lustig, wie der das singt. Höhöhöhhö. Kam aber nicht. Immerhin fanden wir uns 20 Minuten später in einer Diskussion über Neue Slowenische Kunst wieder, stellten aber fest, dass wir das ohne Dope auch schon mal durchdiskutiert hatten.
Das sollte also alles sein? Man nimmt Drogen um Diskussionen zu führen, die man schon mal in seinem Leben geführt hatte, sich aber leider nicht mehr dran erinnern konnte? Hmmm.
Es half nichts. Wir mussten uns eingestehen: Das war einfach zu schwach dosiert. Da muss mehr rein.
Also noch mal gebröselt. Jetzt aber richtig. Ja, komm, das vertragen wir. Wir doch sowieso. Ja, leg noch mal "Umma Gumma" auf. Hatten wir die schon?
Erneut plagten mich tuberkolotische Hustenanfälle, in den meine Lunge das sehr, sehr dringende Bedürfnis zu haben schien, sich außerhalb meines Körpers aufzuhalten. Da wir nun schon über die Kunst schwadroniert hatten, beschlossen wir das Reden zu lassen und zu bei gedämpften Licht (Rot!) zu schweigen und fünftenmale die "Umma Gamma" zu hören.

Warten...

Warten...

Warten...

Irgendwann war mir das mit dem Warten zu blöd. Der Freund schlief mittlerweile und ich hatte das dringende Bedürfnis zu onanieren. Das kam mir aber albern vor. So an mir rumreiben, schubbern, fummeln. Selbst als ich eine Erektion von hier bis Warschau hatte, war es albern. Ich musste leise kichern. Wie dämlich. Da rumliegen und eine Erektion in den Händen haben. Für was sollte das, bitte schön, gut sein?
Ich schaute so an mir runter, und fand, dass das ganz schön lächerlich aussah. So ein Stab aus der Mitte des Leibes. Sah aus wie eine Efeuranke, die sich zur Sonne drehte. EFEU! Eine Pflanze die ihre Wurzeln in Hausmauern schlägt. Mein Schwanz ist eine Wurzel, die sich in Hausmauern festkrallt. Wie lächerlich... Was ist das überhaupt für ein Wort? Efeu.... Mein Schwanz rankt sich efeuartig um meines Leibes Mitte.....
Da war es dann geschehen und ungefähr 4 Gramm Dope platzend in einem gigantischen Lachanfall aus mir heraus.
Das ungefähr 2 Stunden lang. Noch Monate später musste ich, wenn ich eine Efeupflanze an irgendeinem Haus sah, unwillkürlich kichern. Und in Bonn gibt es viele, sehr viele Häuser mit Efeupflanzen drumherum.

DAS war aber alles nicht so peinlich und schlimm, wie der Moment der Erinnerung an "Efeu" ein paar Wochen später, als meine neue Freundin während des erstens Liebesspiels mir zwischen die Beine griff und sagte "Ich liebe eine harte Wurzel"

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Doloris, Fr, 08.11.2002, 10:16

Re: Mein erster Joint

Schöne Geschichte! ;)
Scheint auch normal zu sein, dass man beim ersten Mal nich so richtig was merkt - war bei mir, wie auch beim ersten Sex ;) nich so dufte. Oder besser - ich hab mich gefragt: "Häh - das soll's jetzt sein?!" Bei beidem.

Tja - man ist ja dann doch überrascht, wie gut beides sein kann...

D.


DonDahlmann, 8. November 2002 14:13:23 MEZ

Re: Re: Mein erster Joint

Mein erster Sex ist auch so eine Geschichte. Werde ich beizeiten hier mal aufschreiben.
Was das Kiffen angeht: Nach einigen Versuchen wirkte es dann auch mal und eine zeitlang, hat es mich begleitet. dann Jahre nicht mehr. Dann lag ich mal mit einem zerfledderten Knie zu Hause rum. Jede Bewegung verursachte massive Schmerzen und an Schlaf war nicht zu denken. Eine gute Freundin kam dann auf die Idee mir Gras zu besorgen. Danach konnte ich immer schlafen wie ein Baby.
Man sollte das Zeug zu therapeutischen Zwecken auf jeden Fall frei geben. Soweit ich weiß gibt es auch bei Chemotherapiepatienten erstaunliche Erfolge mit Gras.


Doloris, Fr, 08.11.2002, 14:22

Gras zu Therapiezwecken?

Hm - würd ich auch so sehen.
Mein Haschkonsum beschränkt sich mittlerweile auf "wenn ich irgendwo bin, wo geraucht wird und Lust habe, dann ja" - also ziemlich selten.
Mein erster Sex wäre auch so eine Geschichte, aber die werde ich wohlweislich nicht bei Zeiten und schon gar nicht publik machen. Nicht, dass ich noch einen Ruf zu verlieren hätte, aber es gibt Sachen, die sind soooo dämlich, man macht sich ja keine Vorstellung, macht man sich nicht! ;)
Aber ich bin gespannt auf dein nächstes
"Mein erstes/erster Irgendwas"!
Liest sich immer erfrischend und ist ja auch irgendwie vertraut....


Anke5, Fr, 08.11.2002, 20:57

Re: Mein erster Joint

Soso, Tee ist also schwul, ja, Herr Dahlmann? Ich wage zu widersprechen: KAKAO ist schwul. Und genau in dieser Form habe ich das erste Mal ... öhm .. gekifft kann man es ja eigentlich nicht nennen. Egal.

Der Anlass: Easy Rider gucken. Zeit, Ort, Alter der Beteiligten: 19.30 Uhr, Pfarrscheune (!), 16. Das schöne an diesen öffentlichen christlichen Örtlichkeiten war das strikte Rauch- und Alkoholverbot. Clever wie man in der Pubertät halt ist, haben wir eine Kanne Kakao gekocht, ein Piece reingebröselt und die Kanne totaaaal cool mit in den Filmraum genommen. Jeder hat genau eine Tasse gekriegt. Und jetzt rate, welche unschuldige, arme, kleine Landeianke den gesamten Bodensatz abgekriegt hat.

Ich weiß nicht, ob wir den Film zu Ende gesehen haben. Ich weiß nur, dass ich irgendwann auf meinem Fahrrad saß und mir die ganze Zeit dachte, wow, ist der Lenker weit von mir weg. Muss ich lange Arme haben.
Mein Freund hat meine Mutter irgendwie mit „Ihr ist schlecht, ich bring sie mal ins Bett“ zugemurmelt. Und dann hab ich nur noch geschlafen. Und gekotzt. Und wieder geschlafen. Das mit dem Kotzen hab ich eigentlich auch erst am nächsten Morgen gemerkt, als ich wach wurde.

Kakao verträgt eben nicht jeder.


stattkatze, 9. November 2002 16:25:33 MEZ

oder kekse.

kekse veträgt auch nicht jeder. schwer zu dosieren, so als küchenanfänger. aber gut. mit viel zimt und schokolade. man kann nur die choco chips so schwer von den happy chips unterscheiden. und danach ins autokino. purple rain. wir haben eine ganze weile gebraucht, bis wir gemerkt haben, wir sind nicht im kino, sondern auf dem schlachthof nebenan gelandet. zwischen rosa schweinehälften. ach ja.
war das alles schön früher.


DonDahlmann, 9. November 2002 17:49:44 MEZ

Kekse!

Ich kannte mal einen Koch in Köln, der ernährte sich davon. Bescherte seiner Familie mal ein lustiges Weihnachtsfest, als er leider seine Kekse mit denen für seine Oma verwechselte. Die beschwerte sich noch Wochen später, dass sie nach den Keksen immer so schlecht sehen würde und müde sei. Hat ihr aber nicht geschadet.


anghy, Sa, 09.11.2002, 09:57

Re: Mein erster Joint

ich habs genossen, das Lesen :)) - 'nen Joint hatte ich noch nie, vielleicht sollte ich mal ;)


obii, Sa, 09.11.2002, 11:15

Re: Mein erster Joint

Mir wurde immer schlecht. Ich musste mich hinlegen, und wenn mich dann einer berührt hat, musste ich aufs klo. Stundenlang. Immer. Da hab ichs dann sein lassen.


Irene, Sa, 09.11.2002, 13:52

Gute Geschichte

aber der letzte Absatz wirkt aufgesetzt und macht die schöne Efeu-Pointe kaputt. Erst grinst man, wenn man sich den Efeu vorstellt.... aber dann: Daß eine Frau Deinen Schwanz eine "harte Wurzel" genannt hat, das glaubt Dir kein Mensch, naja, jedenfalls keine Frau.

Denkst Du, daß Du als echter Machoblogger in jedem Eintrag eine Sexszene einbauen mußt, oder wie? Schenk Dir einen Tee ein und entspann Dich :-)


DonDahlmann, 9. November 2002 15:43:01 MEZ

Re: Gute Geschichte

Irene! Würde ich lügen??? Hey - auch wenn 99% der Storys hier exakt so passiert sind, gibt es immer noch 1% das man verändern muss. Sei es, um jemanden zu schützen, sei es einen vernünftigen Bogen hin zu bekommen. Das ist auch wurscht. Aber das mit der "Wurzel" das stimmt nun gerade mal.


ditmap, 4. September 2003 16:22:04 MESZ

Jo

Ich wollte nur mal sagen , dass ich kiffen voll scheisse finde , da es so geil ist --- Alles , wirklich alles ist besser auf gutem Pot . Doch genau darin
liegt das Problem , worauf ich zu sprechen kommen möchte und welches meinen Hass dem Kiffen gegenüber verdeutlicht .
Daraus kann nämlich eine tiefe Sucht entstehen ... man nimmt es nicht sofort wahr da man sich selbst nicht süchtig fühlt , zumindest nicht körperlich süchtig , man raucht aber trotzdem jeden Tag seine geeges .
Naja man unterdrückt es oder man denkt einfach nicht daran , da man kostet von einer besseren Welt , einer schöneren Welt , in die man durch das göttliche TCH geführt wird . Das Schlimmste an der Sache ist aber , dass man auch nicht wahrnimmt , wie man Tag für Tag verblödet , wenn man wirklich stark konsumiert ... naja , ausser Finger wech für nen Monat !! habe ich dem nichts zuzufügen . danke

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