Huch, der epd kann ja auch lustig:

PR-Sprech: Unser EBITDA liegt bei 20 Millionen Euro, unser Unternehmen ist kerngesund.
Klartext: Wir sind komplett unrentabel. Wenn wir rentabel wären, würden in unseren Berichten nicht das EBITDA so hervorheben, sondern vielleicht das EBIT oder das Ergebnis. Aber so ein Journalist hat ja von Wirtschaft keine Ahnung, und solange ein Plus vor der Zahl steht, klingt das gut. Wenn die Geschäfte noch schlechter laufen und sogar das EBITDA ins Minus rutscht, erfinden wir einfach eine neue Kennziffer und nennen sie EBA (earnings before anything).

Gut, man kennt das mit der Zeit. Bei "Premiere" frage ich zum Beispiel erst gar nicht mehr an, nach dem ich im letzten Jahr entweder gar keine, oder schwachsinnige Antworten bekommen habe. Lustig ist halt immer, wenn man schon mehr weiß und eigentlich nur darauf wartet, dass man belogen wird. Aber ok - ist wohl Teil des Spiels. Ich kann damit gut leben, denn ich rechne ja auch nicht mehr damit, dass mir die "Gegenseite" die Wahrheit sagt.

Ich hab ja auch mal auf der "dunklen Seite" gearbeitet, und auch doofe, willentlich falsche oder einfach total verlogene Antworten geben müssen. Nach einer gewissen Zeit ging mir das derartig auf die Nerven, dass ich den Job geschmissen habe. Wie das Leute schaffen, die ihr halbes Leben nichts anderes machen, ist mir ein Rätsel. Wie halten die das aus? Einfach ausblenden? Nebenbei für Greenpeace arbeiten um das Karma auszugleichen?

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chat atkins, Fr, 24.10.2008, 10:55

Wie das Leute schaffen, die ihr halbes Leben nichts anderes machen, ist mir ein Rätsel. Wie halten die das aus?

Es gibt da so ein kolumbianisches Zauberpulver ...


ichichich, Fr, 24.10.2008, 11:03

Wie das Leute schaffen, die ihr halbes Leben nichts anderes machen, ist mir ein Rätsel. Wie halten die das aus?

Gute Frage. Schreiben Sie nicht auch für Questico?


mark793, So, 26.10.2008, 14:12

Ohne ein gewisses Maß an Schizophrenie ist das wohl auf Dauer nicht zu machen. Der PR-Chef eines großen Nahrungsmittelkonzerns, bei dem ich während des Studiums ein Praktikum absolvierte, pflegte zu sagen, "wenn ich für die Firma spreche, dann habe ich eben den Nestlé-Hut auf, und was ich da verkünde, muss sich nicht zwingend mit meiner Privatmeinung decken."

Ich denke, solange man es damit bewenden lassen kann, nicht alles preiszugeben, was man weiß, wird man das noch vor sich selber irgendwie vertreten können. Ich würde deswegen nicht mal unterschreiben, dass man als PRler automatisch auf der dunkleren Seite ist als ein Journalist, dessen Auswahl und Behandlung von Themen und Interviewpartnern von den Sachzwängen der Anzeigen-Akquisition beeinflusst sind.

Aber im Moment wird ja in den PR-Branchenverbänden heiß diskutiert, ob die Lüge nicht auch eine Option ist.


Forexchic, Di, 28.10.2008, 15:19

Man man man, dazu fällt mir auch nichts mehr ein. Ich habe ähnliches durchgemacht!


Irene, Do, 30.10.2008, 11:14

@ ichichich: Questico ist seriös, da arbeiten sogar Playboy-Chefreporter
(Link zum Original ganz unten)

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