Die "Zeit" weiß nicht so recht, was sie von Add-Ons wie "Adblock+" halten soll. Einerseits untergräbt ein Werbeblocker das im Moment noch beherrschende Geschäftsmodell im Netz, andererseits sind manche Werbeattacken schlichtweg unverschämt.

Layerwerbung, Popups, animierte Banner mit Sound oder, noch nerviger, mit einem Video, dass sich die ganze Zeit wiederholt. (Ja, ich weiß, hatte ich hier auch mal) Manche Seiten sehen aus, wie ein minderwertiger Puffbezirk bei Nacht. Und so lange die Industrie meint, mich anbrüllen zu müssen, verzichte ich auf vielen Seiten auf Werbung. Aber auch nicht auf allen und ich blocke auch nicht alles. Google Adsense lass ich durchgehen, Banner, die weder blinken oder mich anschreien meist auch.

Ich verstehe die Formen der Onlinewerbung auch nicht. Würde der "Spiegel" in einer großen, farbigen Hülle erscheinen, die die komplette Ausgabe umgibt? Würde man sich eine Zeitung kaufen, die einen aus dem Sportteil morgens anbrüllt, wann ihn aufschlägt? Ich hab nichts gegen gut gemachte Werbung. Die schau ich mir sogar gerne freiwillig an. Zum Beispiel hier.

Aber ich empfinde als eine Einengung meiner Privatsphäre im Netz, wenn ich ungefragt mit hüpfenden Bannern, Layern und sonstigen Dingen genervt werde. Meine Konsequenz ist dann der Adblocker, im schlimmsten Fall besuche ich die Seite nicht mehr.

Ich verstehe nicht, was so schwer daran ist, vernünftige Werbung zu machen, die nicht wie ein schlechtgefickter Krimesmitarbeiter rumpöbelt.

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don alphonso, Mi, 24.09.2008, 13:58

Ich hoffe, Du verübelst mir die indiskrete Frage nicht, aber so ein Gebrülle sieht man jetzt auch wieder auf manchen Adical-Blogs, die eigentlich mit der Idee angetreten sind, Werbung besser, schöner und klüger zu machen - warum tut man sich und seinem eigenen Blig und seinen Lesern sowas an? Ich empfand den dicken Mann als extrem impertinent und obendrein als geistig krass unterfordernd.


creezy, Mi, 24.09.2008, 14:02

Uuups? Ich dachte (als Frau) bei dem dicken Mann ging es einzig um sein enormes Sex-Appeal?


chrisEff, Mi, 24.09.2008, 16:33

a) Interesant, was die Zeit da schreibt gähn. Hatten wir den Artikel nicht 2001 schon unter dem Titel "Webwasher gefährdet das Internet"? Ach nee, da war die Zeit ja noch nicht online...

b) Zu den Werbeformen: Ich hatte mal einen mutigen Kunden für den ich ein "leises", sehr leeres Banner für Spon und ein paar Verwandte gestalten durfte. Viel Weißraum und eine(!) klare Message.
Lief gut. Sehr gut.


mark793, Mi, 24.09.2008, 17:16

@chrisEff: Wenns alle machen, ist das aber kein geeignetes Mittel mehr, aus dem allgemeinen noise-level herauszustechen. Das nutzt sich mit der Zeit genauso ab wie Geblöke.

Ich habe mir übrigens im Zuge einer Recherche kürzlich einen Überblick über internationale Trends in der Printwerbung verschafft. Da bin ich fast abgebrochen, was inzwischen alles geht mit Papp-Popups, grellbunten Folien, Geblinke, E-Ink-Geflimmer und Soundchip-Gedudel. Ich kann nur hoffen, dass das hierzulande, wo man sich auch Gedanken macht um die fachgerechte Entsorgung der Batterien und mikroelektronischen Bauteile, nicht Schule macht.

@Don A: Was ich so höre aus Adnation-Kreisen geht wohl eher in die Richtung, den Prozess der Werbeschaltung mehr zu automatisieren als maßzuschneidern, von daher werden wir auf neue, intelligentere Werbeformen in Blogs womöglich etwas länger warten müssen.


Martg79, Mi, 24.09.2008, 21:27

Schlimm genug, dass ich schlechter online Werbung ausgesetzt bin. Jetzt muss ich auch noch bei jedem quietschenden Werbebanner an einen schlechtgefickten Krimesmitarbeiter denken ;)


DaveKay, Mi, 24.09.2008, 21:38

wie wird man eigentlich "schlecht gefickt", erzählen sie mal, das liest man aus ihrer Feder ja nicht zum ersten Mal :)


z-i-w-o, Mi, 24.09.2008, 21:47

schlecht gefickt is
wenn der zitterwolf ungewaschen seit 10000 tagen ne tusse ansprinkt


sven k., Mi, 24.09.2008, 22:34

Gute Werbung, schlechte Werbung – ist das überhaupt ein Thema? Sollte man nicht mal der Tatsache ins Auge schauen, dass der Löwenanteil des konsumgesllschaftlichen Reklame-Overkills von bodenlos unterschätzten sogenannten werberelevanten Zielgruppen erfolgreich ignoriert wird und wirkungslos verpufft?

TV-Werbung hat bewirkt, dass Menschen ein Gefühl für die Länge von Werbeblöcken haben und so nonchalant wie selbstverständlich bei Beginn der Werbung auf das Schwarzbild des AV-Kanals schalten und mit erstaunlicher Zielgenauigkeit nach der Werbung wieder zum Programm zurück. Oder den Ton ausschalten und das, was von der Tageszeitung morgens liegengeblieben ist lesen, bis das Gebrüll der Schokoriegelverkäufer und Tampondealer vorbei ist?

Unter den Briefkästen in teutonischen Hausfluren hängen immer öfter von den Hausverwaltungen angebrachte Mülleimer. Hier kann man Mieter beobachten, die in emotionsloser Routine ihre Zeitungen von Beilagen und werbenden Extraseiten befreien, indem sie sie rupfen wie Hühner (ein handelsüblicher SPIEGEL wird bei der Aktion so dünn wie ein Mickymausheft aus den Siebzigern).

Andere entfernen von Spülmittelflaschen, den Flakons der Badeessenzen und anderen Produkten direkt nach dem Einkauf die Etiketten, um nicht überall im Haushalt von Produktnamen angeschrien zu werden.

Und so weiter.

Die Wirkkraft von Werbung wird, das ist meine feste Überzeugung, allseits kolossal überschätzt. Oder es wird einfach nicht thematisiert, dass der genervte Konsument längst hocheffiziente Schutzreflexe gegen die omnipräsenten Marktschreier entwickelt hat und dass Werbung so vielfach überhaupt keine mehr Wirkung hat – es wird nicht thematisiert, weil sonst ganze Märkte zusammenbrechen würden. Süß… so gesehen basiert die ganze werbebasierte Wirtschaft wie die Religion auf dem tönernen Fundament von Treu und Glauben: in excelsis Trockendeo.

PS: Frage, die mich schon seit ein paar Wochen beschäftigt: Das Browser-Küken GOOGLE Chrome ist Open Source. Wird GOOGLE die Entwicklung von Chrome-Adblockern zulassen?


DonDahlmann, Do, 25.09.2008, 01:45

Also:

@DonAlphonso: Adnation ist weiterhin die einzige Firma, die ein Geschäftsmodell für Blogs sucht. Das unterstütze ich auch. Das nicht alle Banner pures Gold sind, ist was anderes. Ich denke, dass habe ich im Text klar gemacht.

@mark793: Oh ja. E-Ink wird uns noch sehr viel Spaß machen in den nächsten Jahren.

@SvenK: Ebent. Ich hab mir mal unter anderem ein Premiere Abo angeschafft, damit ich der Werbung entgehe. Aber - Spam wirkt ja auch noch. Die Klickrate von Spammails liegt irgendwo im Promillebereich (und noch tiefer) aber es funktioniert dennoch, wie man an den Einnahmen von Spammern sehen kann. Und so ist es auch in der Werbung. Es ist uns allen schon mal so ergangen, dass wir bei einer Werbung hängen geblieben sind, egal wie dämlich sie war. Die dauerhafte Penetration macht es.

Bzgl. Google Chrome: Google behauptet, dass das möglich ist.


mark793, Do, 25.09.2008, 13:23

@Don D: Nein, mit diesem Begehr steht Adnation nicht allein auf weiter Flur. Blog.de/mokono probieren auch einiges aus. Nur habe ich nicht den Eindruck, dass die Arbeitsgemeinschaft Social Media, die das Gattungsmarketing des Blogbusiness mit entsprechenden Forschungsergebnissen befördern soll, bisher allzu viel vorzuweisen hat, was einen Werbetreibenden davon überzeugen sollte, auf diesem Wege Adressaten ansprechen zu können, die er andernorts nicht oder schlechter erreicht.

@SvenK: Die Auffassung, dass Werbung weitgehend wirkungslos verpufft, ist ja weit verbreitet bei uns kritischen Mediencheckern, die wir natürlich auch jeden kommerziellen Verblödungszusammenhang mühelos dekonstruieren können.

Aber jetzt mal andersrum gefragt: Wenn Werbung denn so komplett wirkugnslos ist, wie kommt es, dass die Bevölkerung nicht längst in den großen Konsumstreik getreten ist? Warum werden immer noch so viele Dinge gekauft, die der Käufer nicht wirklich braucht? In diesem Faktorengefüge mag die Werbung nicht der prominenteste Grund sein, warum ein Produkt überhaupt gekauft wird und warum dann Produkt A und nicht etwa Produkt B. Ich konzediere auch die Möglichkeit, dass ein Produkt sogar trotz bescheuerter Werbung gekauft wird.

Im Übrigen ist es auch nur so eine wohlfeile Laienvermutung, dass derlei bei denen, die damit professionell zu tun haben, nicht diskutiert oder gar ignoriert werde. Das ist seit Jahren ein Riesenthema, sowohl auf der kreativen Seite wie auch bei den Mediaplanern, die entscheiden, über welche Kanäle die Botschaften verbreitet werden. Es ist komplizierter geworden durch das fragmentierte und enorm breit gewordene Medienangebot, und man muss lauter und anhaltender brüllen, um noch gehört zu werden - oder sich eben was cleveres einfallen lassen (Virals wie Ron Hammer/Hornbach etc.), um ins Gespräch zu kommen.

Aber unter dem Strich ist eine nationale Netto-Reichweite für eine Markenartikler-Kampagne immer noch so günstig zu haben, dass es für viele Werbetreibende immer noch mehr Sinn macht, enorme Streuverluste in Kauf zu nehmen (also vereinfacht gesagt dass etwa auch Männer von einer Tampon-Werbung erreicht werden) als diese Streuverluste mit nicht geringem personellem und technischem Aufwand zu minimieren.

Und somit ist auch klar, wo der Eindruck herkommt, dass Werbung nichts bewirke. Natürlich erreicht uns immer mehr Werbung, mit der wir nichts am Hut haben. Aber für die Anbieter kann die Rechnung trotzdem aufgehen, wie man beim Extremfall Spam schön studieren kann: Es rechnet sich schon, wenn nur Nullkommairgendwas Prozent der Gespammten auf "bestellen" klicken.


kristof, Do, 25.09.2008, 14:14

Die Wirkung von klassischer Werbung funktioniert nicht ausschließlich unmittelbar. Um eine Marke aufzubauen (sagen wir "Premium-Pils Xyz") müssen die Laute ja gar nicht alle Spots bei Fussball-Länderspielen anschauen. Es reicht schon, dass die meisten Leute wissen, dass Krombacher da ständig Geld rauspulvert. Das wertet eine Marke auf, bzw. macht sie erst existent.
Zudem setzt die Wirkung auch nicht immer am potentiellen Konsumenten an, sondern auch bei dem, der das Produkt in seinen Laden stellt. Wenn der Sortiment-Manager einer Supermarktkette glaubt, eine bestimmte Marke sei attraktiv, so nimmt er sie auf. Das ist gut bei Biermarken zu sehen. Oettinger ist die große Ausnahme, ansonsten stehen meist vorn im Getränkemarkt die Biere, die auch heftig beworden werden.
Autowerbung hingegen zielt oft auch auf die Kunden, die sich schon einen bestimmten Wagen gekauft haben, die gilt es zu bestätigen und vor den höhnischen Blicken des Nachbarn zu schützen (wer sich einen Kia kauft, hat das auch nötig).
Ich glaube schon, dass Werbung viel mehr bewirkt, als man allgemein zuzugeben wagt. Umso mehr will ich mich dagegen wehren. Im TV einfach durch nicht anschalten. Im Internet (wo Werbung besonders unschön auftritt) halt durch Adblocker, Kontrolle von Java-Script und anderen technischen Möglichkeiten. Mich wundert, dass Adblocker eigentlich noch nicht weiter verbreitet sind, bzw. warum es keine einfachen Internet-Angebote gibt. Ist das keine Marktlücke? Ein DSL-Provider oder einfach nur ein Proxy, der die allseits bekannte Werbung gegen kleines Geld einfach rausfiltert? Spamfilter gibt's ja auch für jedes Email-Postfach ...


leavesleft, Fr, 26.09.2008, 12:15

Der Vergleich hinkt doch ein bisschen: Spam lohnt sich ja auch bloss, weil Kosten und Aufwand dafür minimal sind. Klassische Werbung bewegt sich da aufwandseitig wohl auf einem anderen Niveau.


mark793, Fr, 26.09.2008, 13:00

@leavesleft: Richtig, deswegen habe ich ja auch ganz bewusst von "Extremfall" gesprochen.

So einfach und elegant wie bei Spam geht die Gleichung natürlich nicht auf, wenn wir von klassischer Werbung mit höherem Aufwand und zum Teil (wie Kristof völlig richtig dargelegt hat) komplexeren Zielvorgaben sprechen. Man verkennt das Gewerbe völlig, wenn man dessen Methodik nur versteht als eine Pawlowsche Bimmel zur Erzeugung eines gewünschten Reiz-Reaktionsmusters. Natürlich können wir uns als ach so kritische Konsumenten wunder weiß was drauf einbilden, dass wir soundsovielen Stimuli widerstehen ohne den gewünschten Response zu zeigen. Aber wir hängen in den Markenwelten doch wesentlich tiefer drin, als den meisten von uns bewusst ist. Den Beleg für diese steile These bleib ich jetzt mal schuldig, weil mir eine international agierende Fastfood-Lieferkette gerade einen belegten Hefeteig-Fladen angeliefert hat, den ich verzehren möchte, solange er noch warm ist. ;-)


deblin, Sa, 04.10.2008, 09:53

Viele Besucher sind mitlerweile auch "Bannerblind" geworden. Mich stört die Werbung schon garnicht mehr, weil ich die eh scho übersehe. Viel mehr nervt die Werbung im TV.

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