Robin Meyer-Lucht im Perlentaucher:

Da möchte man die Frage, wie hoch eigentlich die Reichweite von "Qualitätsnachrichtensites" ist, wenn man diese und andere Maßnahmen abzieht, kaum noch stellen. Das Loyalitäts- und Wachstumsproblem der Qualitätspresse im Netz ist größer als dies im öffentlichen Bewusstsein der Fall ist. Während die Nutzung des Internets weiter steil wächst und zunehmend neue Massen- Nischenanbieter prosperieren, vermögen viele Zeitungswebsites nicht in vergleichbaren Maße mitzuwachsen. Sie stehen wie altbackene Warenhäuser oder etwas fettig riechende Kantinen in einem sich rasant entwickelnden Umfeld.

Sehr interessante Analyse zum Thema Nutzerverhalten und Reichweite der große Nachrichtenseiten.

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mark793, Mi, 10.09.2008, 18:17

Was Robin Meyer-Lucht hier dankenswerterweise einmal offen ausspricht, ist bei Media-Agenturen (also den Entscheidern darüber, in welche Kanäle die Werbegelder der Kundschaft investiert werden) schon länger Flurgespräch. Jedem Praktikanten dort ist klar, dass die Online-Reichweiten nicht im Geringsten vergleichbar sind mit den Print-Reichweiten.

Die nach wie vor beeindruckenden Wachstumsraten bei der Online-Werbung können nicht darüber hinwegtäuschen, dass (nicht zuletzt aufgrund des gigantischen Angebots an Werbeflächen) weite Teile der Web-Werbung zu sehr niedrigen Tausenkontaktpreisen verramscht werden. So viele Adressen, die wirklich Premiumtarife verlangen können, gibt es nicht. Und das hat schon damit zu tun, dass die effektive Nutzungsdauer, also die zentrale Variable der Werbemittelkontaktchance, gerade bei Nachrichten-Angeboten nicht sonderlich hoch ist.

Daran alleine kanns aber auch nicht liegen, denn klickstarke Community-Angebote, die in der Regel mit höherer Verweildauer punkten können, haben vermarktungstechnisch ja auch enorme Mühe, ihre vielen Klicks in klingende Münze zu verwandeln.

Kurzum: Schwierig, aus dieser komplizierten Gemengelage allgemeine strategische Handlungsrichtlinien für Verlage abzuleiten. Kann halt sein, dass es sich langfristig nicht wirklich auszahlt, sich für das eigene Internetangebot ein Bein auszureißen.

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