Satire, die. Unter Satire kann man Folgendes verstehen: 1. die satirische Darstellungsweise, die in verschiedensten medialen Formen (literarischer oder journalistischer Text - wie Gedicht, Essay oder Roman -, Drama, Zeichnung, Kabarettprogramm, Film, Sendung im Fernsehen oder Hörfunk, Website usw.) und in verschiedensten Darstellungsformen (gefälschte Nachricht, fiktives Interview, fiktive Reportage, Glosse, etc.) auftritt.
Wikipedia

Da hat ein Blogger eine Zeichnung zur Twitterlesung vor ein paar Wochen online gestellt. Die Zeichnung ist ein wenig böse, im erläuternden Text schreibt SvenK:

...wo Blogger beschlossen hatten es toll zu finden sich gegenseitig Kurzmitteilungen mit der intellektuellen Fallhöhe von Einkaufszetteln vorzulesen...

Und schon geht der Ärger los. Ix meint:

aber jemanden oder eine gruppe doof zu finden, weil sie in einen bestimmten club gehen, ein bestimmtes medium oder eine begrenzte anzahl buchstaben benutzen um sich auszudrücken, find ich enorm albern.

Was mir (nicht allein am Posting von ix) auffällt, ist die Dünnhäutigkeit der Blogger gegenüber (auch überspitzt) formulierter Kritik am eigenen Tun. Im Fall von Sven ist ja nicht mal Kritik, sondern, so verstehe ich es zumindest, eine Satire. Sven twittert (unregelmäßig) selber - die kurze Fallhöhe seines eigenen Tuns ist ihm also durchaus bewußt. Deswegen verstehe ich es nicht, warum es so eine, an Betroffenheit grenzende, Reaktion gibt.

Ich bin auch nicht der Meinung von ix. Ich kann durchaus eine Gruppe von Menschen doof finden, weil sie einen bestimmten Club gehen und sich auf eine bestimmte Art auszudrücken. Das klappt ja zum Beispiel erstaunlich gut bei Rechten, Politikern und anderen Randgruppen. Politische Korrektheit einzufordern, wenn es um die eigene Gruppe geht, funktioniert nur so mittel.

Aber das inhaltliche ist eine Sache. Die andere die Humorlosigkeit mit der auf die Zeichnung reagiert wird. Kann ja auch nicht sein, dass man wie der iranische Wächterrat auf Satire reagiert, egal, ob die Satire nun gelungen ist, oder nicht. Humor ist halt, wenn man trotzdem drüber lacht.

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timanfaya_, Mi, 20.08.2008, 13:45

rubrik: sind wir nicht alle ein bißchen glaser bluna... ?


jochenausberlin, Mi, 20.08.2008, 14:41

es ist egal, aber


sven k., Mi, 20.08.2008, 17:21

@jochenausberlin gnihihihi


fenzel, Mi, 20.08.2008, 18:30

naja. ich weiss nicht ob das der humor ist der mir gefällt, wenn man sprüche über „die politiker“, „die deutschen“, „die polen“, „die rechten“, „die schwarzen“ oder sonstwen macht. meisten sind solche witze mindestens so platt wie ostfriesenwitze. mike-krüger-humor muss man nicht unbedingt gut finden.

konkrete äusserungen von einzelnen politikern auseinanderklamüsern oder sezieren, auf idioten verbal einschlagen die idiotisches gesagt haben gefällt mir in der regel besser als witze auf kosten von unscharf definierten gruppen zu machen. jon stewart macht das ziemlich beispielhaft. und ich plädiere ja nicht für ein verbot von blondinen-witzen oder politiker-witzen oder sage, dass satire grenzen haben sollte. ich rede davon was ich lustig finde und was ich weniger lustig finde.

oder anders gesagt, nur weil irgendetwas gezeichnet ist oder mit satire überschrieben ist, muss man nicht automatisch losprusten vor lachen. und umgekehrt jemandem, der über irgendeinen schlechten witz nicht lachen mag persönliche betroffenheit, übermässige political correctness, humorlosigkeit oder dünnhäutigkeit vorzuwerfen, finde ich etwas weit hergeholt. oder nochmal anders gesagt, mario barth witzig finden, weil er sich „comedian“ nennt und das was er sagt wie witze strukturiert, sollte man nicht mit „humor“ verwechseln.

und abgesehen davon glaube ich dir auch nicht, dass du es ernst meinst, dass humor sei, „wenn man trotzdem lacht“. das was du meinst ist verlegenheit.


DonDahlmann, Mi, 20.08.2008, 22:46

Nein, Verlegenheit meine ich sicher nicht. Man kann eine Zeichnung nicht lustig finden, man kann sich darüber aufregen, aber so zu tun, als würde eine Zeichnung (und damit auch der Zeichner) alleine ein wie auch immer geartetes soziales Netzwerk diffamieren ist meiner Meinung nach ein wenig weit hergeholt. Vor allem, wenn sie von jemanden kommt, der selber der Gruppe angehört.

Es muss nicht lustig sein, es mag mich auch ärgern, aber es bleibt eine Zeichnung, eine Satire. Was Satire darüber hinaus kann und darf - eine Frage, über die man sich lange streiten kann. Was man nach meinem Gefühl nicht machen sollte, ist sie in Frage zu stellen.

Jon Stewart macht (sehr gute Witze) über Republikaner. Er bedient dabei auch einen gewissen common sense, ähnlich wie das die Kabarettisten in den 80er Jahren es teilweise mit Helmut Kohl gemacht haben. Stewarts Humor mag für Dich oder mich erfrischend, klug und hintergründig sein, für Rechts-Konservative ist es langweilig, ehrverletzend und doof. Deswegen wirft ihm aber keiner vor, Grenzen zu überschreiten, oder gar eine große Gruppe der US-Bevölkerung zu diffamieren. Es ist Satire und als solche wird sie auch verstanden. Denn sie ist eben auch nicht mehr, so wahr sie vielleicht auch sein sollte.

Und im übrigen fände ich es eine großartige Idee, wenn die Wasserschifffahrtsämter Wasseranliegern die neuesten Wasserstandsmeldungen auch per Twitter übermitteln würden.


fenzel, Do, 21.08.2008, 08:43

der entscheidende unterschied ist, dass stewart sich eben nicht hinstellt und sagt, die republikaner sind [irgendein ehrverletzendes verb adjektiv]. er nimmt immer einen konkreten anlass, ein konkretes zitat, einen konkreten vorfall und seziert ihn. er sagt nicht, republikaer haben niedrige intellektuelle fallhöhen, sondern dieser oder jene republikaer ist dumm. er sagt nicht journalisten erzählen blödsinn, sondern zeigt mit dem finger und beispielen auf einzelne. er ist immer konkret und nie verallgemeinernd. zumindest wenn ich ihn gesehen habe. kann auch sein, dass ich ihn ausschliesslich in seiner „konkreten phase“ gesehen hab und seine witze-die-auf-vorurteilen-basieren-phase verpasst habe.

abgesehen davon ist er keinesfalls so eindimensional, dass er ständig nur von links nach rechts hauen würde. liberale und demokraten bekommen ihr fett genauso weg und fox ist nicht der einzige nachrichtensender über den er sich lustig macht.

und wo du es extra nochmal betonst: wer hat satire (oder svens satire) eigentlich „in frage gestellt“? hat irgendwer sven vorgeworfen „diffamierend“ zu sein? ist sven in gefahr?


mark793, Do, 21.08.2008, 10:14

@fenzel: Gehört zwar nicht unbedingt hierher, aber ich würde mich über eine Antwort auf meine Mail (kommt von gmx, vielleicht im Spamordner gelandet?) nach wie vor freuen.

Ich denke mal, die Zeichnung von Sven ist eigentlich nicht wirklich angreifbar, man mag sie lustig finden oder nicht (ich fand sie nebenbei bemerkt durchaus lustig). Stoßen kann man sich eher am Diktum von der intellektuellen Fallhöhe von Einkaufszetteln. Man wird, wenn man in einem Zitat-Lexikon rumblättert, jede Menge kluge Äußerungen finden können, die weniger als 140 Zeichen lang sind. Von daher ist die Position, in diesem Format könne nichts Gescheites entstehen, eigentlich nicht haltbar. Wie man nun im einzelnen die konkreten Ergüsse bewertet, die da in Berlin dargeboten wurden, bleibt ja weiterhin jedem selber überlassen.


lunalu, Do, 21.08.2008, 12:13

,aber -
ich habe mir die twitterlesung am klapprechner angesehen, und mich streckenweise amüsiert.
ich habe svenK.s zeichung gesehen, und mich amüsiert.
eigenironie rockt ungemein, twittern hat schließlich noch keinen planeten gerettet.


mspro, Do, 21.08.2008, 12:39

Zugegeben: SvenK ist ein schlechtes Beispiel. Ihm ging es um Satire, das ist sein gutes Recht, das ihm keiner abstreiten will. "Intellektuelle Fallhöhe von Einkaufszettel" hat geärgert, vielleicht gerade weil es von SvenK kam und nicht von den Fixbernern oder wie die heißen.

Fakt ist nämlich, dass man sich als Twitterer seit längerem aus allen möglichen Ecken anhören muss, dass man ja dumm sein müsse, oder infantil, oder dass man die Sprache verrohe und den Untergang des Abendlandes kichernd in Kauf nähme, indem man Twitter benutzt.

Das kann man zum Großteil ignorieren, hier und da sogar über die Undifferenziertheit lächeln, aber irgendwann geht es auf die Nerven. Wenn dann noch ein geschätzter Zeitgenosse wie Svenk mit sowas anfängt, dann wird die Haut einfach dünner.

Dabei tut es mir tatsächlich leid, dass ausgerechnet SvenK das abbekommt. Er hat es wirklich nicht verdient.


textkoch, Fr, 22.08.2008, 08:44

Ich twittere nicht, aber ehrlich: Da steht man doch drüber, wenn man es tut. Was störts den Baum, wenn das Schwein sich an ihm kratzt? Da fällt mir ein: Milch, Orangensaft, Tomaten, Olivenöl, Knäckebrot....


godany, Mo, 25.08.2008, 22:56

die deutschen verstehen einfach keinen spass. sagt man hier so. duck


sven k., Mo, 25.08.2008, 23:28

@ godany: Daaanke. Ich als Deutscher darf das ja so nicht sagen ;-) Als Humorist schon gar nicht, weil ich mich dann immer gleich des Selbstmitleids verdächtig mache. mitduck

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