Ein Blogportal muss her

Als die re:publica 07 letztes Jahr zu Ende ging, war ich schwer begeistert. So viele Blogger, so viel Medienaufmerksamkeit, so viele neue Ideen. Das kann nur aufwärtsgehen, dachte ich. Die Revolution steht vor der Tür und in einem Jahr ist alles anders. Einen Tag vor der re:publica 08 sehe ich das mittlerweile ein wenig anders. Wer interessiert sich noch für Blogs, außer Print-Journalisten auf der Suche nach einem Thema? Sind Blogs schon wieder altbacken und ziehen sich wieder in die Nische zurück, aus der sie gekommen sind?

Das ist, vordergründig gesehen, Quatsch. Mit Stefan Niggemeier ist 2007 erstmals ein Blogger als "Journalist des Jahres" ausgezeichnet worden. Die Berichterstattung im Rahmen des G-8 Gipfels und der Vorratsdatenspeicherung hat sehr viel im Bewusstsein der Leser bewirkt. Ohne die vielen Geschichten, Aufrufe und Verlinkungen in Blogs, wäre die Sache mit der Vorratsdatenspeicherung sicher nicht so hartnäckig diskutiert worden. Danke Heise, dank den Blogs steht die Sache jetzt auf der Kippe. Alles Super, also? Nur warum verlieren sämtliche Blogs seit Monaten laut Technorati an Verlinkungen und damit an Aufmerksamkeit? Warum gehen bei vielen die Leserzahlen runter, oder stagnieren zumindest?

Wenn ich mir die Zugriffszahlen hier anschaue, hat sich nicht viel getan. Pro Tag schauen rund 700 Leser rein, selbst wenn ich tagelang nichts schreibe. Wenn ich viel reinstelle und auch mal was Vernünftiges veröffentliche, schnellen die Zahlen auf 1200 hoch. Vor zwei Jahren lag der Schnitt etwas höher. Der Durchschnitt in den letzten, hier veröffentlichungstechnisch sehr mauen Wochen, lag bei 812 Besuchern pro Tag. Er lag mal, meine mich zu erinnern bei etwas mehr als 1200. An Spitzentagen kamen bis 4000 Besucher vorbei (Opel, Transperancy). In den deutschen Blogcharts lag ich lange so um Platz 20, jetzt bin ich, warum auch immer, auf Platz 80 oder so abgerutscht. Es interessiert mich allerdings auch nicht sehr. Nach der Hysterie der letzten zwei Jahre, als alle nur auf ihre Schwänze Zugriffzahlen starrten, hat sich eine gewisse Normalität im Blogsektor breitgemacht. Zumindest, wenn man sich die seit Monaten kontinuierlich sinkenden Verlinkungszahlen bei Technorati anschaut. Dabei ist die Zahl der Blogs, die in den letzten zwei Monaten aktualisiert wurde, durchaus stabil, wenn der Blogcensus richtig liegt. Stabil, aber wirklich weiter entwickeln sie sich nicht.

Woran liegt's? Sind die Leser weggelaufen und unterhalten sich jetzt nur noch in StudiVZ? Hat Don Alphonso recht und die User sind Scharen fortgeblieben, weil Blogs zu sehr mit den Mainstreammedien und der Werbung rumgespielt haben? Oder liegt es daran, dass Blogs einfach keine neue Sau mehr finden, die man durchs Dorf treiben kann? Oder fehlt es am Geld, damit Blogautoren auch endlich mal lange an einem Artikel sitzen können, ohne sich um die einlaufenden Rechnungen Sorgen machen müssen?

An mangelndem Interesse der Leser, neben den Mainstreammedien auch was anderes zu lesen, kann es meiner Meinung nach nicht liegen. Ich hab voriges Jahr im August den Versuch eines monothematischen Blogs gestartet, in dem ich das RacingBlog in die Welt gesetzt hab. Ich hatte, zusammen mit Ix, schon seit einiger Zeit bei blogg.de ein Motorsportblog geführt. Da Ix kaum Zeit hatte und ich bei blogg.de nicht so wirklich glücklich war, hab ich dann im August 07 auf eigener Domain relauncht. Ich wollte wissen, ob so ein sehr spezielles, sehr monothematisches Blog laufen kann. Richtig angelaufen ist es erst im September, als ich auch den Counter eingebaut habe. Nach sechs Monaten habe ich im Schnitt 750 Besucher am Tag, Spitzenwert war mit 2833 Besuchern der Start in die Formel Eins Saison am 16.03. Es geht also. Man kann ein neues Blog aufmachen, und relativ schnell eine vernünftige Anzahl von Lesern und Links zusammen bekommen.

Und wie ist das mit der Werbung? Wird kaum messbar sein, aber ich glaube nicht, dass Blogs, die hier und da mal ein Banner einblenden deswegen von ihren Lesern geschnitten werden.

Ein Teil des Problems im Moment liegt wohl an der Zersplitterung des Aufmerksamkeitshorizonts durch Microbloggingdienste wie Twitter, social networks wie Xing, StudiVZ etc. oder andere neue Technologien. Ich erlebe es ja an mir selber. Habe ich früher mit Menschen durch die Kommentare in Blogs Kontakt gehalten, nutze ich heute Twitter. Eine zentrale Sammelstelle wie Twitter ist durchaus praktischer für soziale Kontakte als Blogs, weil es schneller und unkomplizierter geht. Wenn Blogs aber ihre sozialen Verknüpfungen verlieren, weil ein Teil der Kommunikation woanders stattfindet, dann geht ihnen auch ein großer Teil der Inhalte und damit auch Leser verloren.

Ein anderes Problem: Blogs, ihre sozialen Verknüpfungen und der gesamte Blogkosmos sind derartig komplex geworden, dass es für Neueinsteiger einfach undurchschaubar geworden ist. Steigt man in ein social network ein, macht man das meist, weil man dort schon jemanden kennt und man hangelt sich dann weiter. In Blogs ist das etwas schwieriger. Dass Argument "Da finde ich mich ja nie zurecht" hab ich im letzten Jahr bei diversen Schulungen mehrfach gehört. Meine Frage, was man als neuer Blogleser gerne hätte, war dann meist: "Eine Seite, von der aus man starten kann. Eine Art Portal, dass mir jeden Tag eine Art "Best of..." bietet. So ein Angebot gibt es ansatzweise mit rivva, aber so richtig befriedigt mich das nicht. Es ist mir zu wenig redaktionell, zu indifferent in der thematischen Gewichtung. Was offenbar viele gerne hätten, ist gleichzeitig etwas, gegen das die Blogszene immer gekämpft hat: Back to the gatekeeping.

Tatsächlich denke ich aber auch seit langem, dass der deutschen Blogszene eine Art Portal fehlt. Eine Mischung aus "Huffington Post", "boingboing" und Startportal. Etwas, was man Lesern, die sich abseits der Mainstreammedien informieren wollen, als Einstieg bieten kann, das aber auf der anderen Seite der Blogszene eine Art Verdichtung bietet. Das Thema hatte ich mit Don Alphonso vor zwei Jahren schon mal besprochen und neulich noch mal Sascha Lobo. Das Problem war und ist damals wie heute: Geld.

Ein solches Portal müsste redaktionell geführt werden. Man braucht jemanden fürs Layout und für die Technik. Das kostet Geld. Was keiner hat. Es wäre im Prinzip eine verlegerische Entscheidung ein solches Portal mit den besten Blogautoren Deutschlands auf die Beine zu stellen. Dazu kommt aber auch, dass viele Blogautoren ihre Blogs mittlerweile semi-geschäftlich führen. Den eigenen Content auf andere Plattformen zu stellen oder einer parallelen Zweitverwertung preiszugeben ist dann schnell auch eine wirtschaftliche Frage. Die sich nicht stellen würde, wenn die Autoren für die Bereitstellung der Artikel auch etwas bekommen würden. Und wieder: eine Sache, die nur ein Mäzen bereitstellen könnte. Jemand der sagt: Ich will eine politische und gesellschaftliche Netzkultur bündeln und fördern.

Ob das in Deutschland möglich ist? Ich denke schon. Man könnte ein solches Portal jeden Tag mit interessanten Geschichten füllen und gleichzeitig wäre es auch ein Anreiz für Blogger, sich stärker mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen. Wenn man den Titel der diesjährigen re:publica, "Die Kritische Masse", aufgreift, wäre ein Portal nur die logische Konsequenz der Entwicklung der letzten Jahre. Statt weiter ausschließlich partikuläre Interessen zu verfolgen, könnten Blogs auf dem Weg noch leichter auch nach draußen vernetzt werden. Microblogging als social networking, bloggen als thematische Positionsbesetzung außerhalb der Mainstreammedien und gleichzeitig Anlaufstelle für all diejenigen, die in die Blogwelt einsteigen wollen.

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Irene, Di, 01.04.2008, 13:37

Das Thema hatte ich mit Don Alphonso vor zwei Jahren schon mal besprochen und neulich noch mal Sascha Lobo. Das Problem war und ist damals wie heute: Geld.

Glück gehabt, würde ich sagen.


kleinesf, Di, 01.04.2008, 14:25

Dank Blogs steht die Vorratsdatenspeicherung auf der Kippe? Was das nicht eher das Bundesverfassungsgericht?

Aber zum Portal: Finde ich eine gute Idee, muss nur jemand machen. Genau wie mit Ihrem Geschichtenportal. Machen. Und so viel Geld braucht das vielleicht gar nicht.


klausf, Di, 01.04.2008, 14:28

Als langjähriger Leser muss ich sagen: Interessiert mich nicht besonders, würde ich nicht nutzen.
Und ich glaube auch nicht, dass man das Kommunikationsverhalten dadurch stark beeinflussen könnte. Es gibt nun mal immer mehr online, womit man sich die Zeit vertreiben kann, die verfügbare Zeit ist aber gleich geblieben.

Mein bevorzugter Weg zur Entdeckung neuer Blogs führt immer noch über die Blogroll. Wenn mir die Texte eines Autors gefallen, dann oft auch das, worauf er verlinkt. Über die Links hier habe ich auch so manch feine Seite entdeckt, leider ist die Linkliste nicht mehr so aktuell. So einige verlinkte Seiten sind seit Jahren nicht aktualisiert - da wäre ein Frühjahrsputz mal schön.


textkoch, Di, 01.04.2008, 14:45

Die entscheidende Qualität von Blogs ist nach meiner Auffassung immer noch, dass das seit 1949 verbriefte Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern endlich um die Möglichkeit erweitert wurde, dies tatsächlich ohne Gatekeeping, ohne Verleger und ohne bräsigen Redakteur vor der Nase zu tun.

Von der Bedeutung dieser Möglichkeit in Weltgegenden, in denen das formale Recht der freien Meinungsäußerung nicht bekannt ist, mal ganz zu Schweigen.

Das ist der Kern der Blogosphäre und das macht hierzulande ihre Unübersichtlichkei, das Gewusel, ihre Unwichtigkeit und ihre Schöneit aus. Man darf eine simple Technologie nur nicht zur "social Software" überhöhen. Wir alle schreiben im Internet, nicht mehr, nicht weniger. Mir reicht das.


DonDahlmann, Di, 01.04.2008, 15:03

Zum Geschichtenportal Mindestenshaltbar: Das hat sich recht gut entwickelt, ist aber noch lange nicht da, wo ich es gerne hätte. Da denke ich aber gerade über Modifikationen nach.

@klausf: Da bist Du aber eine Ausnahme. Meine Erfahrung selbst im engen Freundeskreis ist die, dass die schon ein paar Leute das Wort "Blogs" gehört haben, damit aber nichts anfangen können. Zu unübersichtlich wird mir oft gesagt. Aus meinen Schulungen habe ich ein ähnliches Bild gewonnen. Selbst langjährige Redakteure kennen sich in den Bereich nichts aus. Blogs, Twitter etc. sind Phänomene, die fast ausschließlich in einem bestimmten Zirkel der Netzkultur stattfinden.


mspro, Di, 01.04.2008, 16:12

Ich finde die Idee sehr gut. Vor allem wenn man das mit der Zielgruppe Nicht-Blogleser angeht. Denn rivva ist zwar ein super Tool für die Blogger selbst, aber für Einsteiger das genaue Gegenteil. Denn natürlich sind die viel verlinkten Themen vor allem eines: selbstreferenziell. Da braucht es schon eine Redaktion um gute Einsteigertexte zu finden, die auch Nichtblogger ansprechen.

Aber da hört es ja auch wieder auf: denn selbst bei 10 Redakteueren mit vollgepackten Feedreadern (was wohl vollkommen utopisch ist) wird die Tiefe der Blogosphäre nicht mal annähernd durchdrungen. Ergebnis: Es werden doch wieder nur die üblichen Verdächtigen verlinkt.

Tja: und hier fängt die Sache an, politisch zu werden. Aua.


diestimmeausdemhintergrund, Di, 01.04.2008, 18:13

Ich behaupte mal, dass 93 % der industrialisierten Menschheit gar nicht weiss, was ein Blog ist. Ob dieser Trend jetzt Richtung 92 oder 94 geht mag für die Blogszene essentiell sein, wird aber sonst niemanden wirklich vor den Ofen locken.
Polemische Annahme:
Junge chatten lieber, Twens gehen in die Disco oder spielen WOW, Parents haben zu wenig Zeit, Mid-adged spielen Onlinepoker, lösen Sudokus oder posten in der Zeitung ihres politischen Vertrauens. Alle darüber kaufen lieber eine Zeitung oder lesen ein Buch, denn - und das gilt wohl für alle - das Lesen von längeren Texten online fördert Augenkrebs (btw - sehr löblich hier die Print Solution von Mindesthaltbar). Nicht zu vergessen die große Mehrheit von Leuten die überhaupt nicht mehr liest, sondern nur mehr Glotze pur konsumiert!
Ein Rundgang durch die Büros hier zeigt eindeutig, dass zwar gerne Online-Zeitungen gelesen werden, Party Foto Sites durchstöbert und in Foren aller Art gepostet wird, aber Blogs? - Fehlanzeige. Sind wir repräsentativ? Nein, aber sehen sich denn Blogger als guter Durchschnitt der Gesellschaft oder verkennen sie nicht, dass sie ein Minderheitenprogramm machen für eine äussert kleine Zielgruppe die erst vor kurzen erfunden wurde?
Um ganz ehrlich zu sein - seien sie froh, dass sie nie das Geld hatten, denn sonst wäre es verloren...


sakana, Di, 01.04.2008, 18:55

nun lassen sie sich doch nicht alle so in den april schicken von dem herrn dahlmann!


Irene, Di, 01.04.2008, 19:32

Schön wärs, wenn es Ambitionen, sich aus den eigenen Netzwerken den Mittelpunkt der Blogosphäre zusammen zu basteln, nur am ersten April gäbe...


DaveKay, Di, 01.04.2008, 19:49

ah, still fishing for relevance.


dergrosseziwo, Di, 01.04.2008, 19:54

es gibt nix kleinbürgerlicheres als blogs
jeder schrebergartenverein is dagegen ein quell der inspiration

da is ein blogportal gerade richtich

da könnte man auch ne vorauswahl treffen wie google in china.
wer hat seine gartenzwerge richtich ausgerichtet?
wer hat unter dem topik "lachen" etwas unlachhaftes berichtet tun?

und es müsste dann so sterne geben wie von die ratingagenturen an die börse.

alphonso, dahlmann und ihre verknöcherten und verhärmten aaa-kollegen vergeben die dann


schmerles, Di, 01.04.2008, 20:51

noch eine Suche nach einem Stein der Weisen


dergrosseziwo, Di, 01.04.2008, 20:56

ne schmerles das is die suche nach die totenruhe


DonDahlmann, Mi, 02.04.2008, 00:56

Kein Aprilscherz, nur ein Denkanstoss.

Ne, relevance ist ja nur dann da, wenn kritische Masse vorhanden. Beides fehlt Man sollte halt nicht nur von der eigenen Bewegung im Netz ausgehen, sondern auch mal überlegen, wie man Brücken schlagen kann.


klausf, Mi, 02.04.2008, 13:05

Nachgedanke: Ist's wirklich die Unübersichtlichkeit, an der es liegt? Oder ist das nur vorgeschoben, eine Ausrede um sich nicht mit dem Thema beschäftigen zu müssen.


sakana, Mi, 02.04.2008, 14:49

die unübersichtlichkeit ist für mich gerade der reiz. der letzte funke der subversiven möglichkeiten, die dieses medium bietet. das juwel, das ich unerwartet mit dem nächsten klick in der fremden blogroll entdecke.
als orientierungshilfe mittels eines portals gleich am anfang zu den damen und herren a-bloggern geführt zu werden, die aufgrund eines meist professionellen hintergrundes eben auch eine leserschaft bedienen (können), das würde dem medium viel nehmen.


DonDahlmann, Mi, 02.04.2008, 15:15

Das ist völlig richtig. Aber - da muss man vielleicht auch einen Schritt von sich selber zurück machen. Es gibt eben ein paar Menschen, die im Netz immer auf der Suche nach etwas Neuem sind. Early Adopters halt. Aber die große Masse kann mit der Sache nichts anfangen. Der von Knüwer mal angeführte Vergleich stimmt da schon. Man muss sich nur mal vorstellen, wie man sich fühlen würde, wenn man einen Bahnhofskiosk betritt ohne das man jemals vorher eine Zeitung oder eine Zeitschrift gesehen hätte. Man wäre überfordert festzustellen, welche Zeitungen qualitativ hochwertig sind, und welche nicht. So geht es eben vielen Menschen, die sich zum ersten Mal in der Blogszene bewegen. Nicht jeder hat die Lust, die Zeit und auch das Wissen, sich mit Blogs so lange auseinanderzusetzen. Ich sehe so ein Portal ähnlich wie eine Art kommentierte Blogroll.


jochen hoff, Mi, 02.04.2008, 17:17

Ich bin der Meinung das ein Blogportal nicht reicht. Wir brauchen eine Zeitung die aus Bloginhalten besteht und alle Felder beackert. Deren Ziel muss sein, wenigstens zusätzlich als Wochenzeitung im Print herauszukommen. Den Weg umkehren.

Gerne mit Bewertung der Artikel durch den Leser. Durch und durch kommerziell. Ehrlich und von Anfang an. Beim Don gab es die Diskussion auch schon mal:

www.duckhome.de


mark793, Mi, 02.04.2008, 17:51

@jochen hoff: Wer ist "wir" in diesem Zusammenhang? Ehrlich gesagt sehe ich nicht so recht, was eine Bloggerzeitung so viel besser machen soll als ein herkömmliches Informationsangebot. Zumal, wenn wir von einer kommerziellen Veranstaltung reden, die genau den gleichen Sachzwängen unterliegt wie ein Infoangebot eines Verlages.

Das alles hab ich schon im real life, und ich bin nicht sicher, ob ich das in der Bloggerei auch brauche.


mikelbower, Mi, 02.04.2008, 20:33

@mark793

Genau DAS ist der springende Punkt: "Ich bin mir nicht sicher, ob ich das in der Bloggerei auch brauche."
Solche Portale und dieses ermüdende "Wie bringen WIR die Blogs voran" sind Journalisten-Denke. Das Netz als globale Zeitung (siehe Knüwer) und doch fehlt ihnen (den Dons etcetera) die Redaktion, die endlich siebt und nicht zulässt peer-2-peer im Long-Tail zu fischen., dem Rezipienten nicht zumutet kleines Rädchen unter Rädchen zu sein.

@Don: Die Bloggerei hierzulandschaft wird sich keinerlei Domestizierung in Richtung "Blogszene, sphäre" unterwerfen, (die es nie SO gab und nie geben wird), die dann von Redakteuren in Portalen gegatekeept wird, weil die allermeisten Blogger gar keine Journalisten 8und verwandte Abarten) sein WOLLEN, keine Portale und sonstiges, die sind sehr zufrieden, mit dem was ist. Wie ich auch.

Um das mal ganz brutal zu sagen: Ihr (diese AA-Buchstabenblogger) wollt nix weiter als auf den Häuptern des long-tail Geschäfte ohne diesen machen, braucht ihn als Staffage, so scheint es.

Ihr braucht die Massen der Blogs nur für Euer täglich Brot, in Schulungen, Euren Blogs, auf diesen seltsamen Konferenzen und sonst wo.

Und die Massen der Blogs, nun sie ...eben. drauf.

Blogs sind gut, WEIL sie unübersichtlich sind, weil sie long-tail sind, weil es jeden Tag Mini-Sphären zu entdecken gibt, weit ab vom Main-Stream, weil sie NICHT in ein Zeitungskiosk passen, weil sie etwas zunächst total NICHT-journalistisches sind, aber das verstehen die Leute vom Fach wohl nie.

Natürlich kann man mit den Mini-CMS der Blogsoftware auch Zeitung spielen, aber das das sind dann keine Blogs, sondern ver-blogsoftware-te Magazine.

Blogs wants to be free.!

@Herr Schmerles: Einfach weiße Steine übereinander türmen, ergäbe das dann statt dem Stein der Weisen viele weise Steine ;-)?


jochen hoff, Do, 03.04.2008, 09:19

@ mark793
@ mikelbower

Wir sind die ungefähr 30 Blogger mit denen ich schon mal über das Thema geredet habe. Eine Zeitung die aus Blogs erstellt wird ist schon deshalb anders, weil sie Texte nur übernimmt, nicht kommentiert, redigiert oder ähnliches tut was in einer Redaktion vorkommt. Sie hat auch keine Redaktion die entscheidet was reinkommt. Dafür gibt es Schwarmintelligenz die durch ihr Leseverhalten zeigt, welche Themen die Leute lesen wollen. Täglich neu.

Ich selbst bin nicht einmal ein C-Blogger. Ich dürfte irgendwo bei UVW liegen. Ich wohne in Klein-Bloggersdorf janz weit draussen am Friedhof. Sozusagen die beschissene Schwanzspitze des Long Tail, wenn ich an die Kuh denke.

Die Zeitung aus Blogs die ich meine funktioniert wie eine Kuh, sie grast. Nur mit dem wesentlichen Unterschied das sie alles nimmt. Nicht nur den süßen Klee sondern auch die Disteln. Sie grast ganz klein Bloggersdorf ab, das sich bei ihr als Begrasungsfläche anbietet.

Die Blogger müssten nur eine Sache machen. Tags für die einzelnen Bereiche der Zeitung einführen (#Sport#, #Politik#, #Wirtschaft#) Nur diese Tags wären vorgegeben, weil sie den Rahmen bilden. Ansonsten absolute Freiheit wobei ich gerne mal ein Gespräch über besseres Tagging führen würde. Meins ist nämlich beschissen.

Meine grasende Kuh wertet die Bereichstags aus und nimmt für jeden Bereich die neuesten Nachrichten und die die öfter gelesen wurden. Der Leser kann sich auch bestimmte Blogs oder Autoren automatisch nach vorne ziehen lassen, wenn er die Seite aufruft.

Die Werbung auf dieser Startseite ist für den Löwenanteil der Kosten gedacht. Sobald ein Leser einen Artikel anklickt zieht der offen, zeigt seine Werbung und den Artikel die dem Autor zugerechnet werden. Je öfter ein Artikel gelesen wird, desto dauerhafter steht er vorne. Ein weiterer Klick schiebt den Artikel wieder in die Startseite zurück.

Da ist der AAA-Blogger eben nicht besser bedient als der ZZZ-Blogger. Warum auch. Es geht doch um den Erfolg des Projektes und nicht um Selbstbeweihräucherung. Das schaffen die A-Blogger ganz alleine und die Z-Blogger vom Longtail beweinen sich auch ganz ausführlich. Dafür brauchen wir keine Zeitung aus Blogs.


textkoch, Sa, 05.04.2008, 10:12

Ich seh das im Prinzip so wie Mikelbower, allerdings ohne Vorwürfe an vermeintlich AA-Blogger. Blogs sind eben etwas anderes, als ein traditionelles journalistisches Angebot und sollten deswegen gar nicht erst mit dessen Maßstäben bewertet und bearbeitet werden. Relevanz entsteht hier aus den Inhalten und ist naturgemäß zunächst weniger gesellschaftlich als vielmehr persönlich und individuell. Das liegt in ihrer Natur. Es gibt genügend andere Angebote, die ihre Relevanz vor allem aus einem großen Resonanzkörper ziehen, sei es nun Auflage oder Klickzahlen. Eine Blog-Entwicklung, wie in den USA, wo Blogs längst den selben Marktgesetzen unterliegen, wie jedes andere Online-Angebot, ist nicht hilfreich.
Vielleicht wird es irgendwann ein bisschen wie beim Sport sein: Im Profibereich findet das Geschäft statt und er dominiert das öffentliche Bild des Sports von der Sportschau bis zum Dopingskandal und für hn gelten die Regeln des Marktes. Aber das wirkliche Leben und die gesellschaftliche Relevanz des Sports resultiert in seiner Gesamtheit aus dem Vereinsleben der Amateure vor Ort - und Millionen Menschen machen Sport ohne jemals Profi werden zu wollen.

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