Liebe Menschen, die ihr den Wagen von Kai Diekmann abgefackelt habt,

was genau wolltet ihr eigentlich damit sagen? Dass ihr Diekmann nicht leiden könnt? Wie überraschend. Oder wolltet ihr testen, wie schnell genau Springer dazu in der Lage ist, einem ihrer Chefredakteure einen neuen Dienstwagen vor die Tür zu stellen? Ich vermute mal für sowas benötigt eine Vorstandsekretärin genau einen Anruf von 2,34 Minuten Länge bei der Mercedes Vertretung, dann dauert es vielleicht noch mal 30 Minuten, bis der Wagen gewaschen und innen geputzt wurde und noch mal 20 Minuten, dann steht er auf dem Parkplatz von Herrn Diekmann.

Was habt ihr Euch danach gedacht, als ihr voller Stolz euer Astra aufgemacht habt: "Dem haben wir es jetzt aber gegeben."? Autos anzünden, Farbbeutel werfen - das ist ebenso langweilig wie überflüssig. Das war schon in den 70er langweilig, als man damit tatsächlich noch rechtslastige Stammtische in Bayern überraschen konnte. Heute ist es nur noch öde und zu dem spielt es den Leuten in die Hände, die gerade durch das Rechtssystem marodieren und es auseinander nehmen. Wenn Frau Merkel davon spricht, das man Falschparker am besten mit Videokameras ausmacht, dann kommt so ein lächerlicher Farbbeutel oder das Anzünden eines Autos von irgendjemanden gerade recht.

Mich ärgert so eine Scheiß Aktion. Nicht nur, weil sie nichts bringt, sondern weil sie auch mehr Schaden anrichtet, als ein Schäuble an einem mittelprächtigen Tag fabrizieren kann. Weil sie die ganze Arbeit von unzähligen Menschen, die im Netz und mittlerweile auch in manchen Zeitungen die Wandlung des Rechtsstaat zum Präventionsstaat beschreiben und bekämpfen, wieder nur schwerer macht. Weil man wieder ein Argument weniger hat, gegen die Videoüberwachung. Ihr zündet Leasingwagen an, und der teilweise hohldrehende Rechtsstaat kommt dann zu euch nach Hause, und nimmt Geruchsproben.

Es gibt drei Fasttrillarden Möglichkeiten, Einfluss auf die Politik und das Meinungsbild der Menschen zu nehmen. Aber dazu fehlt euch offenbar schlicht und ergreifend die Intelligenz. Das ist alles so hirnrissig dämlich, dass mir noch nicht mal ein Topic dazu einfällt.

Keine Grüsse
DD

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miriam.von.k, Di, 22.05.2007, 20:03

!


miriam.von.k, Di, 22.05.2007, 20:06

wieso sieht man mein korrekt einfügtes RSF-emblem nicht?!


DonDahlmann, Di, 22.05.2007, 20:13

Weil Du nur den internen Link aus Deinem Blog genommen hat. Muss man aber mit

<img src="http...Link des Bildes>

machen


bosch, Di, 22.05.2007, 20:28

Vielleicht wollte man auch nur gegen den geplanten Umzug der BILD von Hamburg nach Berlin protestieren?


miriam.von.k, Di, 22.05.2007, 20:40

du weisst genau,wie sehr du mich mit solchen vertrackten codes quälst!


DonDahlmann, Di, 22.05.2007, 20:53

Ich hab dann mal...


miriam.von.k, Di, 22.05.2007, 20:58

ja.demütige mich!
allerdings soll diese egozentrik keinesfalls vom politischen inhalt der sache ablenken!!!


creezy, Di, 22.05.2007, 22:43

Über den Gedanken „die Sekretärin braucht nicht mal bei Autoproduzenten anrufen, der Produzent ruft von sich aus an“ komme ich auf die Idee, das ist vielleicht nur 'ne voll fiese abgekaterte 2.0-PR-Kampagne von B + M … ?


emscherblick, Di, 22.05.2007, 23:27

Kleinvieh macht auch Mist!


bandini, Mi, 23.05.2007, 06:43

Endlich sagt das mal einer. Außer laues habe ich bisher nichts gescheites in Blogs gelesen. Aber Deine Meinung werden sie niemals mitbekommen. Sie werden in ihren engstirnigen, abgeschlossenen Kreisen sogar noch Bestätigung erfahren.


wonko, Mi, 23.05.2007, 11:41

Manueller Trackback:
wonko.twoday.net

[...] Kai Diekmann sein Auto anzündeln
ist bekloppt und liefert den Fanatikern von CDU/CSU exakt die Argumente die sie sich noch vor zwei Wochen irgendwie herbeifaseln mußten. Klar, man hat es dem Schweinesystem, der widerlichen Bild-Zeitung und sowieso allen Kapitalisten mal wieder so richtig gezeigt, wo der Szene-Hammer hängt und, ist ja nur Gewalt gegen Sachen, kommt ja keiner zu Schaden. [...]


dampfbadbiber, Mi, 23.05.2007, 12:46

Wow. Ihr digitalen Besserwisser. Heute braucht man zum Protestieren nicht einmal vor die Tür zu gehen. Ein Klick, ein blogartikel, und alle zittern. Oder so?


cati basmati, Mi, 23.05.2007, 13:00

Also ich persönlich fand das Auto zwar nicht wirklich schön, aber dass scheint auch für die Bombenidioten nicht das Ausschlaggebende gewesen zu sein. Leider weiss man das ja nicht genau, weil sie so wenig aussagekräftig in ihrem Tun waren.
Sehr gut zusammengefasst, Don, ich weiss schon warum Du der berufliche Schreiber bist und nicht ich :-)


kristof, Mi, 23.05.2007, 13:03

Wenn Herr Diekmann ein wenig schlechter schläft, wäre ja schon was erreicht.


textkoch, Mi, 23.05.2007, 14:51

Sie haben ja recht Herr Dahlmann, aber der Versuchung, jemandem ein paar reale Brandsätze hinterherzuschmneißen, der täglich in Millionenauflage geistige Brandsätze durch die Gegend wirft, kann man schon mal erliegen.

Solche Aktion haben deswegen keine Rechtfertigung, aber benennbare Ursachen, möchte ich in Abwandlung eines Jutta Limbach Zitates über Terrorismus hinzufügen.


DonDahlmann, Mi, 23.05.2007, 15:44

Wow. Ihr digitalen Besserwisser. Heute braucht man zum Protestieren nicht einmal vor die Tür zu gehen. Ein Klick, ein blogartikel, und alle zittern. Oder so?

Das Internet hat in den letzten Jahren schon mehrfach eins bewiesen: Je mehr Informationen verfügbar sind, desto mehr Menschen erreicht man. Und je mehr Menschen Abends nach der Tagesschau mal "Überwachungsstaat" als Suchbegriff eingeben, desto mehr Menschen findet man auch, die sich dagegen wehren. Das halte ich alle mal für eine bessere Lösung, als ein paar Farbbeutel zu werfen. Kleinvieh macht Mist, das sieht man ja gerade.


pantoffelpunk, Mi, 23.05.2007, 16:00

Widerstand hat viele Gesichter. Du willst doch nicht ernsthaft die These vertreten, dass es ohne die 3 Autos, die in Hamburg gebrannt haben und die 4 Häuser, bei denen eine Scheibe kaputt gegangen ist und 3 mal die Fassade neu angestrichen werden musste, dass es also ohne diese Aktionen nicht zur Demontage des Rechtsstaates gekommen wäre?

Die Diskussion über Sinn und Unsinn von Millitanz zu führen, würde an dieser Stelle wohl zu weit führen, aber Spalterei und diese butterweiche Rumdistanziererei nach Hausfrauenart Jusoart hilft auch nicht weiter.


pantoffelpunk, Mi, 23.05.2007, 16:02

Nachtrag:

@basmati: Leute, die nachts unbesetzte Autos anzünden oder Häuser mit Farbe beschmieren als Bombenidioten zu bezeichnen, ist übrigens extrem lächerlich.


DonDahlmann, Mi, 23.05.2007, 17:12

Ne, der Rechtsstaat geht deswegen nicht vor die Hunde, aber die Frage bleibt, was solche Aktionen bringen. Meiner Meinung nach: Nichts. Die Demonstrationskultur hat sich in den 40 Jahren nicht verändert und das einige keine Lust haben, Plakate zu malen, von denen man weiß, dass sie von Politik ignoriert werden, kann ich verstehen. Ich hab auch keine Patentlösung für eine neue Kultur der Meinungsäußerung, halte aber Aufklärung für eine der wichtigsten Bestandteile. Farbbeutel und brennende Autos sagen nichts aus, und werden auch nicht am Selbstverständnis derjenigen etwas ändern, die angegriffen wurden, weil sie deren Thesen meist auch noch unterstützen. Man muss den Begriff des zivilen Ungehorsams mal wieder etwas mehr fokussieren, von dem das Verfassungsgericht (oder wars das BGH)in den 90ern ja mal sagte, dass es legitimer Widerstand gegen politische Entscheidungen sei. Da liegt viel mehr Potential, als in einem Farbbeutel. Und wegen eines Farbbeutels wird kein "normaler" Bürger bei Heise mal recherchieren, was in den letzten Jahren so an Bürgerrechten abgebaut wurde.


pantoffelpunk, Mi, 23.05.2007, 17:26

Du setzt voraus, dass politische Aktion diejenigen ändern will, die angegriffen werden. Aber ist das wirklich die Intention? Glaubst Du wirklich, dass Aufklärung den Chef der Lufthansa dazu bringt, sein wirtschaftliches Verhalten zu ändern? Hast Du das Gefühl, das BILD-blog oder die tausend anderen Internetpublikationen, die Diekmann und sein Blatt zum Thema gemacht haben, hätten an dessen Auffassung von fairem oder auch nur halbwegs wahrheitsgetreuem Journalismus etwas geändert? Nein, hast Du nicht.

Diese Schlacht wird an vielen Fronten geführt und auch wenn ich noch niemals nicht ein Auto angezündet habe, werde ich einen Teufel tun, mich zu entsolidarisieren.

Und btw: Solche Aktionen schaffen Öffentlichkeit und - zugegeben - polarisieren. Aber ich würde nicht wie Du mit so sagenhafter Gewissheit sagen, dass bisher eher unpolitische Bürger nicht doch zur Recherche greifen, wenn solche Themen die Runde machen. (Dass der typische BILD-Stamm-Leser-und-Todesstrafenforderer nicht deswegen in die rote Flora geht, um sich auch mal von der anderen Seite informieren zu lassen, darüber brauchen wir nicht zu reden.)


supatyp, Mi, 23.05.2007, 17:28

doppelte verneinung?


pantoffelpunk, Mi, 23.05.2007, 17:41

Ohne Hintersinn.


blue sky, Mi, 23.05.2007, 17:41

Wer glaubt, wichtige Themen ließen sich darauf reduzieren, Menschen privat anzugreifen, ist ein Arschloch. Egal, ob er ein Drecksblatt druckt oder Autos anzündet.


pantoffelpunk, Mi, 23.05.2007, 21:25

Jaja, klar. Und wer die Wahrheit für sich gepachtet hat, der war mir schon als Kind suspekt.


vib, Mi, 23.05.2007, 23:41

vib

Sicher kann man über die Aktion an sich geteilter Meinung sein. Ganz so klar wie oben formuliert sehe ich das nicht. Allerdings gibt die Sache doch interessante Einblicke in die Lebens- und Denkwelt von Herrn D. Der hat nämlich gegenüber der dpa (siehe Bildblog) abgesondert, dass es sich bei dem Auto um einen "Familienkombi" handelte. Da frage ich mich, a) ob Herr D. damit gegenüber den Stammtischen in vorauseilendem Reflex seine Nobelkarosse verteidigen will und b) in welcher abgehobenen Welt Herr D. lebt und welches Bild der "normalen" deutschen Familie er hat, wenn er einen R-Klasse-Mercedes (Preis ab ca. 50000 Euro) als "Familienkombi" bezeichnet? Manche Leute entlarven sich eben selbst...


goetzeclan, Do, 24.05.2007, 08:56

Mir scheint, es gibt nur einen Weg etwas zu ändern. Die, die Wissen was passiert, in welche Richtung wir abrutschen, die dem kalten Geld eine herzliche Menschlichkeit entgegensetzen, müssen die, die das nicht wissen darüber informieren was abgeht. Sie müssen jeden Tag aufs neue zeigen, wie mit ihnen umgegangen wird und warum. Sie müssen das so tun, dass andere den Wunsch verspüren sich ihnen anzuschließen. Sie müssen eine Perspektive aufzeichnen, für die es sich lohnt den Hintern zu erheben. Die "bessere Welt" muss tatsächlich besser sein. Kriminelle Gewalt ist definitiv nicht besser.

Denn alles das passiert nicht, wenn es sich bei den neuen Vorbildern um gewaltbereite Spinner handelt und wenn die Perspektive in den Farben Chaos und Anarchie gemalt ist. Denn mal ehrlich: Vielleicht ist ja mein Auto das Nächste, wenn Diekmann mit dem Fahrad fährt.


rationalstürmer, Do, 24.05.2007, 09:08

Schon wahr, Autos anzünden und Farbbeutelchen schmeißen ist jetzt nicht sonderlich erwachsen. Aber wenn man sich überlegt, dass die Reihenfolge ja eben gerade NICHT "Ihr zündet Leasingwagen an, und der teilweise hohldrehende Rechtsstaat kommt dann zu euch nach Hause, und nimmt Geruchsproben", sondern genau andersrum ist, dann ergibt sich da zumindest so ein Ansatz von Verständnis dafür, dass es manchen einfach reicht. Wobei die drei Fasttrilliarden anderen Möglichkeiten schon erstmal ausgeschöpft werden sollten, schon klar.


pantoffelpunk, Do, 24.05.2007, 09:14

Warum sollte Dein Auto das nächste sein? Repräsentierst Du in irgendeiner Form öffentlich die "herrschende Klasse"?


mark793, Do, 24.05.2007, 10:15

@pantoffelpunk:

auch wenn ich noch niemals nicht ein Auto angezündet habe, werde ich einen Teufel tun, mich zu entsolidarisieren

Bin in diesem Klassenkampf-Slang nicht so drin, was heißt denn das, "entsolidarisieren" und mit wem oder was hat man denn solidarisch sein in so einem Fall?

Auch wenn ich nachvollziehbare Gründe finde, warum irgendwelche Vollspacken versuchen, ein Auto abzufackeln, müßte ich dennoch ziemlich lange überlegen, warum ich mich mit solchen Subjekten wie auch immer solidarisieren sollte. Und nicht etwa mit Kai Diekmann, mit dem mich bei allem, was mich an diesem Herrn anwidert, zumindest die Tatsache verbindet, dass ich in meinem Darkmobil auch Kindersitz und Kinderwagen transportiere.

Zu den gesamtgesellschaftlichen Implikationen dieser Schwachsinnsaktion hat Don Dahlmann eigentlich schon alles wesentliche gesagt in seinem Eintrag. Ich erlaube mir, noch einen weiteren, bisher (glaube ich zumindest) noch nicht genannten Grund zu nennen, warum es falsch ist, Autos anzuzünden: Dabei entsteht neben einer Menge Ruß, Feinstaub und giftigen Dämpfen auch jede Menge Kohlendioxid - und das trägt bekanntlich zur Erderwärmung bei. Schon allein deswegen würde ich anregen, künftig doch bitteschön klimaneutralere Protestformen zu kultivieren.


goetzeclan, Do, 24.05.2007, 12:42

Dabei entsteht neben einer Menge Ruß, Feinstaub und giftigen Dämpfen auch jede Menge Kohlendioxid - und das trägt bekanntlich zur Erderwärmung bei. Schon allein deswegen würde ich anregen, künftig doch bitteschön klimaneutralere Protestformen zu kultivieren.

Danke, Herr Mark, das machte meinen Tag. (Wieso komme ich eigentlich nicht auf solche Ideen?)

@ pantoffelpunk: Nein, ich repräsentiere für die meisten Menschen in Deutschland nicht die herrschende Schicht. Aber, und darum gehts, die Zuordnung, wer und wer nicht, ist immer relativ. Für einige Mitmenschen bin ich es vielleicht ja doch. Möglicherweise macht sich irgendwann jemand Feinde weil er überhaupt ein Auto fährt, sein Fahrrad nicht lila gestrichen ist oder was auch immer.

Die Unsortierten dieser Gesellschaft sind immer bereit jemanden an ihren Pranger zu stellen. Wundert es Sie, wenn bei so was nur andere Unsortierte mitmachen? Wundert es Sie, wenn solche Aktionen nicht ungeteilten Zuspruch finden?

Das Ziel, den G8-Gipfel zu nutzen um auf die Misstände aufmerksam zu machen und eine bessere Welt für alle hinzubekommen, ist viel zu wichtig um es zündelnden Chaoten zu überlassen. Auch wenn die Tat Symphatiepunkte kassiert wie blöd. Im übrigen auch meine. Es schadet am Ende einfach mehr als es nützt.


pantoffelpunk, Do, 24.05.2007, 15:09

Man hat natürlich nicht mit jemandem solidarisch zu sein. Ich schrubte ja über mich. Und mit keinem Wort habe ich irgendwo diese Aktion gutgeheißen. Alles, was mich nervt ist diese Spalterei. Dieses Trennen in guten Protest (Lichterketten) und bösen Protest (wo auch mal was kaputt geht), die - das zeigt sich dieser Tage auch in Bloggershausen - sich dann eben kaum noch in irgendeiner Form von den Beiträgen der BILD und anderen gleichgeschalteten Medien unterscheidet.

zumindest die Tatsache verbindet, dass ich in meinem Darkmobil auch Kindersitz und Kinderwagen transportiere.

Das würde mich auch mit ihm verbinden, wenn ich denn dieser Tatsache bei dieser Aktion einen kleinen Funken Aufmerksamkeit schenkte. Siehe auch Stefan Niggemeiers Beitrag dazu.

Möglicherweise macht sich irgendwann jemand Feinde weil er überhaupt ein Auto fährt, sein Fahrrad nicht lila gestrichen ist oder was auch immer.

Hätte würde wäre könnte möglicherweise mal ganz eventuell weitergesponnen. Wir reden hier aber sehr konkret über die sehr konkrete Tat sehr politisch motivierter Täter, die sich weder um Dein lila gestrichenes Fahhrad noch um mein neues Sakko kümmern, auch wenn ich darin - vielleicht nicht wie ein Bonze - aber dennoch eher wie ein FDP-Wähler aussehe. Darum erinnern mich solche Sprüche wie oben immer gern an: "Heute sind wir alle Amerikaner." Das ist so sehr an den haaren herbeigezogene Betroffenheit. Denn wir sind nicht betroffen. Nicht Du und nicht ich. Sondern Herr Diekmann als einer der einflussreichsten menschen diese Landes, bzw. sein Auto.


mark793, Do, 24.05.2007, 18:01

Danke für die Präzisierung.

Ich hatte das mit dem Kindersitz (in Kenntnis des Beitrags von Stefan Niggemeier) durchaus mit einer Prise Ironie gemeint (ok, ohne erkennbaren Marker, somit vergurkt).

Meine ganz persönliche Bewertung von Protestformen orientiert sich mitnichten an der Linie von Springer-Blättern - selbst wenn sich in Einzelfällen auch mal Schnittmengen ergeben könnten. Mein diesbezüglicher Grundsatz ist viel universaler und lautet: Es gibt eine goldene Regel ("Was Du nicht willst, das man Dir tu...). Diese Regel erstreckt sich auch auf einen Herrn Diekmann, was auch immer für ein <beliebiges Schimpfwort einfügen> er auch sein mag. Mögen die Motive für die in diesem Fall gewählte Protestform noch so nachvollziehbar und verständlich sein, davon wird die Aktion im Endeffekt nicht richtiger. Von gut und böse habe ich gar nicht gesprochen, ich glaube einfach nur nicht, dass so eine Aktion unser Gemeinwesen irgendwie weiterbringt oder die politische Kultur stärkt oder was auch immer.

Es ist natürlich Ihr gutes Recht, das weiterhin anders zu sehen. Aber ich wüßte schon ganz gern, worin Ihre persönliche Nicht-Entsolidarisierung besteht und was Sie damit sagen wollten.


pantoffelpunk, Do, 24.05.2007, 18:18

Ach, ich dachte, das wäre bereits deutlich geworden.
Und das ist eigentlich auch ganz einfach: Ich verurteile diese Aktion und deren Urheber nicht und halte keine flammenden Reden gegen sie. Ich spalte einfach nur nicht. Mehr nicht, eigentlich.

Was im Übrigen GANZ anders aussehen würde, wenn man Ihr lila gestrichenes Fahrrad anzünden würde oder noch jemand im Kindersitz gesessen hätte.

Ganz nebenbei würde mich ein Photo des Autos interessieren, nachdem der Löschschaum entfernt wurde. Der Brandsatz (oder war es am Ende nur ein Teelicht?) lag ja wohl auf dem hinteren Reifen links und der scheint mir noch recht heil und dennoch wird geredet und geschrieben, als tobe in Hamburg der dritte Weltkrieg.


textkoch, Do, 24.05.2007, 18:47

Harald Schmidt hat in seiner gestrigen Sendung angemerkt, dass dieser Brandanschlag vollkommen sinnlos gewesen sei, weil Herr Diekmannn ja nicht im Wagen saß.


mark793, Do, 24.05.2007, 19:52

@18:18 Uhr

OK, dann sind wir womöglich gar nicht sooo weit auseinander. Auch wenn ich die Aktion wie gesagt für falsch und kontraproduktiv halte, verurteile ich sie nicht. Dazu fehlt mir jegliches Mandat oder Richteramt.

Dass mit der (bei Licht besehen wohl nicht wirklich superdramatischen) Chose jetzt sicherheitspolitische Stimmungsmache übelster Art betrieben wird, ist in der Tat sehr unerfreulich. Aber wenn ich unterstelle, dass der Urheber ein denkender Mensch ist, dann hat er diesen Kollateralschaden wohl billigend in Kauf genommen. Und das trägt auch nicht dazu bei, mich mehr für diese Form von Aktionismus zu erwärmen.


reptilienfonds, So, 27.05.2007, 12:56

Werter Don,

bei aller persönlichen Wertschätzung, aber ein wenig scheinen mir doch Ihre Maßstäbe aus den Fugen geraten zu sein.

Auch ich finde solche Aktionen nicht richtig, der Staat darf sie natürlich nicht durchgehen lassen etc. pp. - geschenkt. Aber warum sich darüber so ereifern? Der postulierte politische Schaden? Glauben Sie denn ernsthaft, Schäuble & Co. bräuchten einen Vorwand für die Durchsetzung ihrer Überwachungsstaat-Fantasien? Das scheint mir noch naiver als der Glaube, mit Zündelaktionen etwas zu bewirken.

Und wer sagt denn, dass die Zündler überhaupt etwas bewirken wollten? So weit ich weiß, gibt es doch bislang keinerlei Hinweise auf die Täterschaft. Könnte also ebenso gut ein frustrierter Bild-Mitarbeiter sein, der nicht nach Berlin ziehen mag, ein Ästhet, der aus gut verständlichen geschmacklichen Gründen die ungestörte Existenz von Herrn Diekmann nicht tolerieren möchte, vielleicht war´s ja auch Herr Posener. Man weiß es nicht.

Eines aber weiß man: Im Verhältnis zu den moralischen Verbrechen, die "Bild" permanent über das Land zieht, ist das Anzündeln der Karre (wieso parkt der überhaupt auf offener Straße?) nur als "peanuts" zu werten. Und das Sich-darüber-echauffieren entsprechend überflüssig.

So, das mal als abweichende Meinung, mit dennoch herzlichen Grüße aus dem:
Reptilienfonds (und bis bald mal wieder)

P.S.: Außerdem hat uns die Aktion immerhin einige der lustigsten Scherze der letzten Zeit gebracht, womit doch ein ganz objektiver Nutzen für die Allgemeinheit unbestreitbar ist. Darüber www.titanic-magazin.de]
jedenfalls, obwohl nicht von mir, konnte ich sehr herzlich lachen. Und ich würde sagen: Das war´s wert.


mainbube, So, 27.05.2007, 13:34

THX Don

Du hast vollkommen Recht, die Spinner die solche Aktionen durchführen machen dies nur für sich und nicht weil sie ein wirkliches Ziel verfolgen, Gewalt ist nie eine Lösung. Sie schaden den Leuten die sich ernsthaft mit dem Thema Globalisierung und ihren Vor-/ und Nachteilen auseinandersetzen.


reptilienfonds, So, 27.05.2007, 13:44

Oha, muss mich in einem Punkt korrigieren: Offenbar gibt es doch ein Bekennerschreiben einer militanten Gruppe, die sich selbst im G8-Gegnerfeld verortet.

Ändert allerdings nix an der Sache: Lieber 10 Diekmann-Karren in die Luft sprengen als auch nur eine Bild-Hetzkampagne à la El-Masri.

Grüße aus dem
Reptilienfonds


stefan123, So, 27.05.2007, 14:49

Dienstwagen?

Ich hatte gelesen, dass es sogar sein Privatwagen war...

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