Als ich Mitte 20 war, habe ich mit meinem beste Freund beschlossen, dass wir im Alter, also so ab 70 aufwärts, nach Wien ziehen, um dort die letzten Jahre zu verbringen. Und das hatten wir beschlossen, obwohl wir beide vorher noch nie in Wien waren und nur Karl Kraus gelesen hatten.

Tatsächlich bekräftigte mein erster Wien Besuch vor ein paar Jahren, dass man auf jeden Fall um nicht zu sagen unbedingt mal in Wien gewohnt haben muss. Das fängt zum Beispiel schon mal damit an, dass es in Wien keine "Kamps" Bäckereien gibt. "Kamps" ist das Ikea des Brotes. Egal, wo man isst, egal wo man in Deutschland hinkommt, man bekommt Brot von "Kamps" serviert. Hier in Wien nicht. Keine Ahnung, wie die Ketten hier heißen, aber ich habe während meines kurzen Aufenthalts schon vier verschiedene Bäckereien gesehen. Das muss man in der Fußgängerzone einer normalen deutschen Großstadt erst mal schaffen. Dabei ist Brot auch so wichtig. Während meiner Bundeswehrzeit verbrachte ich drei Wochen in Wales auf einem Schießplatz. Nicht habe geschossen, sondern Panzer und die nur aufs Meer raus, was ich ziemlich albern fand, aber bitte. In den Kaserne der britischen Armee gab es auch eine Kantine. In dieser Kantine gab es Essen, oder das, was die britische Armee als Essen so definiert hatte. Darunter war auch das übliche Tostbrot. Diese riesigen Scheiben, die man zusammen getackert (wenn man sie zusammentackern könnte) auch als schönen, luftigen Vorhang im Schlafzimmer verwenden könnte. Wenn man die Brote zusammendrückt hat man dafür einen guten Fensterkit. Essen kann man so etwas aber nicht und nach 10 Tagen gab es, neben den ersten Anzeichen von Lagerkoller, einen kleinen Aufstand, der sich dergestalt äußerte, dass verweichlichte Mannschaftsdienstgerade das korrekte Schießen verweigerten. Es wurde eine Ladung Brot eingeflogen.

Der Entscheidung, im Alter nach Wien zu ziehen, nicht abträglich, ist auch die Tatsache, dass es in der Stadt unglaublich viele gutaussehende Frauen gibt. Man will sich ja nicht langweilen, wenn man mit 70 oder 80 auf der Parkbank hockt.

Ein weiterer Grund ist die Tatsache, das die Wiener mit Kultur so beiläufig und selbstverständlich umgehen, wie die Deutschen mit Fußball. Selbst in der abgerocktesten, dreckigsten Kneipe hängt ein neues Poster, dass auf Theaterverstaltungen, Ausstellungen oder sonstiges hinweist. In Berliner Eck-Kneipen hängen allenfalls Hertha Poster.

Hier in Wien gibt es neben diesen Dingen aber auch noch eine andere Spezialität, die ich immer gerne zu mir nehme, wenn ich da bin: Käsekrainer. Und genau die werde ich jetzt suchen, denn ich bin mit meiner Arbeit früher fertig als gedacht. Nach dem Krainer gehts dann in die Ansel Adams Ausstellung und danach freue ich mich schon auf den Abend im Adlerhof.

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mutant, Di, 08.05.2007, 14:42

in bremen gibts auch kein kamps, ist mir jedenfalls noch nicht aufgefallen, wohingegen man in hamburg ja nur kamps sieht.


lysmenia, Di, 08.05.2007, 14:55

Ich möchte empfehlen, mal im Schlosspark von Schönbrunn die Eichhörnchen und Meisen zu füttern. Erstere kommen auch gerne mal auf den Schoß, letztere auf die Hand. Das ist nett und zudem lustig wegen der Horden aufgeregter Japaner, die hinter den Eichhörnchen herlaufen.


dataloo, Di, 08.05.2007, 17:42

Käsekrainer heissen übrigens im Schmäh "ähh buklige" und wenn du noch ne Dose Bier dazu willst dann füge noch "und es bläch" hinzu.


chat atkins, Di, 08.05.2007, 17:59

Wenn du in England bist, dann musst du ja auch nicht an diesem Toast mit der Orangenmarmelade knabbern, du Luxusgeschöpf, sondern du musst um sechs Uhr morgens zum kross gebratenen Speck mit Spiegelei eine Tasse lauwarmer weißer Bohnen in dich hineinlöffeln. Das stärkt - und macht auch satt für den ganzen Tag ...


majinz, Di, 08.05.2007, 21:25

erstmal:
beim würstelstand sollte man wie folgt bestellen:
a eitrige mit am buckel und a sechszehna blech.
auf deutsch: eine käsekrainer mit dem randstück vom brot (versteht man in deutschland scherzal?) und eine dose otterkringer (otterkring = 16. bezirk)

bin ich froh das ich ab oktober in wien studieren ;) und übrigens ist es wie mir scheint in österreich normal das in "alternativen" (also rock, elektro, reggae, etc) lokalen gerne plakate für (programm)kino, theater, etc hängen. nicht nur in wien. und außerdem haben wir fm4. ;)


diestimmeausdemhintergrund, Mi, 09.05.2007, 13:04

Heast Oida, des haast "Bugl" und ned Buckel und a Käsekrainer is wenn a "Eitrige" und sicha ka "ähh buklige". Und jetz schleichts eich oder i hau eich oane in di Goschn, dass eich vierzehn Tog da Schädl woggelt!


mutant, Mi, 09.05.2007, 13:09

charmeoffensive .at


daskleinehormon, Mi, 09.05.2007, 13:17

na den pifke brauch ma a no. geh bitte mir persönlich is ja wurscht. oba muas des sein?


mutant, Mi, 09.05.2007, 13:23

also ich ess ja gern ne currykrakauer.


boomerang, Mi, 09.05.2007, 14:01

am wichtigsten aber ist, dass der würtschlinger die atrige mit buggl und krokodü und dem 16er-blech tschenifa macht. sunst wirds koid, die atrige.


diestimmeausdemhintergrund, Mi, 09.05.2007, 14:35

der Wiener Charme war mir als Tiroler immer schon fremd ;-)

P.S. für nicht 3sat Kucker: den letzten Satz habe ich frei zitiert vom legendären Mundl. Auch gerne als Sound für Fehlermeldungen genommen


kelef, Mi, 09.05.2007, 18:15

und ausserdem heißt das "kaasgraina", wenn hier schon gelautschriftmalt wird.

und "eidriche", "sechzenableech", "grogadüh" und "buhgl". und "schoafa senft".

herr stimme: oane? da hat wohl der tiroler bei ihnen durchgeschlagen. "aahne" heisst das in wien. und "in de goschn", bitte.

und herr hormon: piefke schreibt man mit "langem ie"!

der arme herr dahlmann. was wird der bloss von uns halten.


diestimmeausdemhintergrund, Mi, 09.05.2007, 18:30

also das "h" vom bugl glaub ich ihnen ehrlich gesagt nicht...
de.wikipedia.org
www.ostarrichi.org
Aber ich hab daheim ein Deutsch-Wienerisch Wörterbuch und werd nachschlagen! Beim Rest ham sie mich erwischt - es gibt einige Worte wo ich auch im echten Leben an der Aussprache scheitere:
z.B.
es fäut
Da Woi(d)l
der Dillo


kelef, Do, 10.05.2007, 14:13

herr stimme,

die zwischentöne kann man nicht lautmalern, das muss man üben. ich kenn' wiener, die das über jahrzehnte nicht gelernt haben.

das brotscherzl wird buhgl ausgesprochen, "a bugl" ist nämlich ein bodyguard in der (kleinkriminellen-)szene. und den wollen sie nicht zur wurst. klein-, gross- oder gar nicht kriminell. kein bugl.


diestimmeausdemhintergrund, Fr, 11.05.2007, 00:05

Sie sind mit Recht am Start! Zumindestens halberts...

Mein Lehrbuch sagt:
Bugl ist der Leibwächter! Aber den Bu(h)gl als Begriff für das Scherzerl nennt er gar nicht...


boomerang, Mo, 14.05.2007, 18:38

ach was, das wienerische lässt sich nicht so mirnixdirnix in akademische regeln zwängen.

und bitteschön, ein bugl kann getrost mal in ein bugl beißn. so schauts nämli aus.

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