re:publica Tag 2:

Mit Spannung hatte ich das Panel "Cash form Chaos - mit Blogs Geld verdienen" erwartet. Ich hatte mich nach der Erfahrungen, die ich mit dem Thema in diesem Blog hatte und den Diskussionen der letzten Tage um adical, auf eine lebhafte Diskussion vor allem durch das Publikum eingestellt, die aber überraschenderweise nicht statt fand. Was vielleicht auch daran lag, dass auf der Bühne mit Johnny Häusler, Sascha Lobo, supatyp und mir, vier Gestalten saßen, die dem Thema bekanntermaßen eher positiv gegenüber stehen. So gab es zumindest auf der Bühne einen breiten Konsens darüber, dass man

a) Werbung in einem gewissen Rahmen schalten darf und sollte
b) Die Blogszene an sich wegen ein paar Banner nicht zu Grunde geht.

Ich sprach supatyp auf die Parallelen zwischen dem Ausverkauf der Punkszene Anfang bis Mitte der 80er Jahre und den Argumenten an, die von kritischen Bloggern nun wegen der befürchteten Kommerzialisierung genannt werden. Sinn gemäß meinte er daraufhin an, dass die Punkszene nicht an der Kommerzialisierung (z.B. durch die Toten Hosen) eingegangen ist, sondern weil man sich in einem letzten Schritt den Bahnhofspennern zugewandt hat.

Unterschiedliche Meinungen gab es beim Thema "paid content". Während Johnny bezahlte Blogbeiträge bei Spreeblick kategorisch ausschloss, bin ich mir bei dem Thema nicht so sicher. Für ein Reichweiten starkes Blog wie Spreeblick ist es sicher einfacher, ein gut bezahltes Banner verkaufen zu können. Für Blogs, die deutlich weniger Besucher haben, wird es schwierig. Zwar kann man auch da sicher ein Banner verkaufen, aber die Verdienstmöglichkeiten sind eher gering. Deswegen halte ich bezahlte Einträge für eine gute Lösung, wenn sie denn - und das ist ganz wichtig - bestimmte Regeln einhalten.

  1. Der Eintrag muss als Werbung klar kennzeichnet sein
  2. Es darf keinen Einfluss seitens der Auftraggeber auf den Inhalt geben. Wer von jemanden einen Testbericht zum Beispiel für ein Handy haben will, der muss damit leben, dass er auch eine vernichtende Kritik einstecken muss.

Ich bin mir der Problematik, der allein durch Punkt Zwei verursacht wird, durchaus bewusst. Die Gefahr, dass jemand aus einer Gefälligkeit oder von mir aus auch reiner Geldgeilheit 500 Euro für einen lobhudelnden Bericht einsteckt, ist groß. Erst kommt das Fressen - dann die Moral. Was im Leben gilt, ist in der Blogwelt erst recht nicht anders.

Einig waren sich allerdings alle darüber, dass man auf gar keinen Fall auf die Idee kommen sollte, Werbung als hauptsächliche oder gar einzige Einnahmequelle zu nutzen. Die Gefahr, mit seinem Blog genau da zu landen, wo die klassischen Printmedien heute stehen ist groß. Blogs funktionieren nur dann, wenn sie unabhängig von der Werbung bleiben. Das klingt ein wenig wie "nur bisschen schwanger", hat aber einen wahren Kern. Wenn es eine Werbeindustrie gibt, die offensichtlich Interesse und Geld hat, kann man das ausschlagen, oder man kann das Geld für sich und andere Projekte nehmen, um etwas daraus zu machen. Einfaches Beispiel: Würde ich ein paar Hundert Euro durch Werbung im Monat verdienen, wäre ich dazu in der Lage, jemanden dafür zu bezahlen, dass er mit mir das Abmahnblog endlich vernünftig ausbaut.

Konsens herrschte über den Punkt, dass es deutlich besser ist die Kontrolle darüber zu haben, wer auf dem eigenen Blog wirbt, anstatt generell einen Bannerplatz zu schalten, auf dessen Inhalt man keinen Einfluss hat.

Erstaunlicherweise kam aus dem Publikum kaum Widerspruch. Trotz mehrfachen Nachfragen kamen nur wenig kritische Worte, was ich sehr bedauerlich fand. Die meisten Fragen bezogen sich darauf, wie genau man denn nun mit seinem Blog Geld verdienen kann. Ich hatte den Eindruck, dass für die meisten Anwesenden die Diskussion zum Thema "Werbung in Blogs - Ja/Nein" längst abgeschlossen war. Das sehe ich nicht ganz so, denn die wie man an dem Parfüm Desaster gesehen hat, wird vor allem im Bereich der unerwünschten Werbung und PR Aktionen immer wieder neuer Diskussionsbedarf bestehen.

Kommentieren



DaveKay, Do, 12.04.2007, 23:00

What means

"ausbaut" im Falle des Abmahnblogs?


DonDahlmann, Do, 12.04.2007, 23:12

Mehr Infos zum Thema, mehr Recherche bei den einzelnen Abmahnungen, mehr rechtlicher Hintergrund, mehr politischer Hintergrund, mehr Diskussionen zu Themen wie Urheberrecht und Gedanken, wie man das in Zukunft gestalten kann, mehr Selbsthilfemöglichkeiten usw. Die Liste ist lang. Mit fehlt einfach die Zeit dafür. Ich hab so meist schon einen 10 bis 12 Stunden Tag und Artikel lassen sich leider nicht wie Brötchen backen, sondern brauchen manchmal einfach Zeit. Manchmal schreibt man was in einer Stunde, manchmal braucht man einen ganzen Tag für einen Text.


der, Fr, 13.04.2007, 00:04

Die Gefahr, mit seinem Blog genau da zu landen, wo die klassischen Printmedien heute stehen ist groß.

Was soll sowas eigentlich immer bedeuten? Soll das bedeuten, dass es Blogs gibt, die davon bedroht sind, ein Korrespondentennetz zu bekommen, oder eine Redaktion von gut ausgebildeten Fachkräften zur Verfügung zu haben -- Fachkräfte, die mehr können, als Meinungen haben? Von Menschen mit Artikeln versorgt zu werden, die dank jahrelanger Erfahrung ein Thema einschätzen können? Sowas? Ist das, "wo die klassischen Printmedien heute stehen"?


mek, Fr, 13.04.2007, 01:41

"Punk is dead" sang Steve Ignorant schon 1978, ein knappes Jahr nach "Anarchy in the U.K."
Der Grund dafür war, dass einige Leute sich politisch zu wichtig nahmen und viele andere einfach Dosen vor sich hintreten wollten.
Dazwischen waren die, die meinten das sei das ganz große Ding, und die, die meinten, ach, es sei doch alles ganz doll dieses Punkdings, worüber rege man sich denn auf. Also schliffen sie die Rebellion ein bisschen glatt, entfernten den Geruch und plötzlich durften auch die, die den Falkland Krieg gar nicht soo schlimm fanden, ein bisschen Punk sein.


schaulaufen, Fr, 13.04.2007, 18:53

auf eine lebhafte Diskussion vor allem durch das Publikum eingestellt, die aber überraschenderweise nicht statt fand.<

wie überraschend. genauso wie die tatsache, dass sich die meisten fragen darauf bezogen, "wie genau man denn nun mit seinem Blog Geld verdienen kann". bei xavier naidoo konzerten wird auch mitgesungen, nicht gepogt. jene, die mehr können als über den sinn und unsinn von blogs, werbung, kommerzialisierung und punk zu schwafeln, lassen sich nicht auf eine derartige veranstaltung ein.

Die Gefahr, mit seinem Blog genau da zu landen, wo die klassischen Printmedien heute stehen ist groß.<

aus diesem satz spricht eine derartige arroganz und dummheit, dass es lustig wäre, wäre es nicht so traurig. und ich bin mir sicher, dass die klassischen printmedien nie da landen, wo du mit deinem blog heute stehst.


DonDahlmann, Sa, 14.04.2007, 00:04

Es wäre schön gewesen, solche Worte und Überzeugungen auf der re:publica zu hören, aber wenn die eigenen Überzeugungen nicht mal dafür reichen, dass man sie einer Konfrontration mit anderen Meinungen auf die Probe stellt, bleibt einem wahrscheinlich tatsächlich nichts anderes übrig, als ein anonymer Kommentar.


DaveKay, Sa, 14.04.2007, 01:53

Mir persönlich

geht die Werbung selber am Poppes vorbei, aber ein guter Verkäufer ist der Herr Lobo nicht. Das sieht gerade nicht schön aus.

Das Abmahnblog wäre für mich glaubwürdiger ohne Werbung. Werbung ist nun mal Kapitalismus und genau der mahnt ab.


iii, Sa, 14.04.2007, 20:08

[schaulaufen= ich. ist mein kommentar jetzt weniger anonym, wenn ich auch blogge bzw. mal gebloggt habe? wohl kaum. zudem: andererseits heißt es doch auch (allerdings nur bei einer gegensätzlichen position) dann leicht: die/der will nur klicks sammeln. wie mans macht, es ist falsch ;-)]

ich finde unangemessen, dass du aufgrund eines fernbleibens von der re:publica über die stärke meiner überzeugungen urteilst. ich habe keine. die re:publica und ähnliche veranstaltungen werde ich auch zukünftig meiden. die gründe kannst du dir natürlich gerne selbst nennen ("keine eier"). wenn es denn hilft.

Please login to add a comment