Gestern, bevor ich auf die Autobahn anfuhr dachte ich spontan: Heute lässt Du Dir mal Zeit. Es war schönes Wetter, ich hatte Zeit und drei Katzen im Auto, von denen zwei keine Lust hatten, in ihren Körben zu bleiben. Also gondelte ich mit 140 km/h über die, zunächst, leere Autobahn und vermisste vor allem eins: Einen Tempomat.

Auf der linken Spur raste derweil das Elend, an das ich mich sonst auch genervt reinhänge, vor sich hin. Audi, BMW, Audi, VW, Audi, Audi, Audi, Mercedes, alles auch gern als Kombi. Firmenwagen Rennen also, das keiner gewinnen konnte, weil die sie alle den gleichen Motor unter der Haube hatten. Man konnte die angeschwollenen Halsschlagader durch die getönten Scheiben pumpen sehen.

Ich fahre wirklich gerne Auto, auch gerne mal schnell. Es macht Spaß, so lange man alleine ist, und niemand anderen gefährdet. Und ich hab mir auch lange gedacht, dass man kein Tempolimit braucht, aber seit meinem USA Aufenthalt im letzten Jahr sehe ich das auch anders. Es war derartig entspannend, nicht dauernd in den Rückspiegel schauen zu müssen, ob da nicht doch noch ein schwarzer Wagen mit 220 km/h angeflogen kommt, dass ich zum ersten Mal auch wieder bemerkt habe, wie schön Autofahren sein kann, wenn man den Wagen nicht an seine physikalische Leistungsgrenze bringt. Es hatte etwas von der verloren gegangenen Romantik des Autofahrens der 60er Jahre, als man den Wagen noch für einen Sonntagsausflug aus der Garage holte und gemütlich durch die Landschaft zockelte.

Und so ging mir das gestern auch. Und das Erstaunliche: ich kam vielleicht eine halbe Stunde später an, als das sonst der Fall war, fühlte mich aber deutlich fitter und war völlig ungenervt. Ein Tempolimit von 130 km/h wäre wirklich eine Wohltat, und würde die Autobahnen in Deutschland endlich zu einem befriedetem Gebiet machenn. Achja, und ein generelles Überholverbot für LKW wäre auch nicht schlecht.

Auf dem imaginären Plattenteller drehten sich gestern:

  • Eumir Deodato / Deodato II
  • I am Kloot / I am Kloot
  • Led Zeppelin / Latter Days
  • Dave Pike / Music for the Jet Set
  • Best of Polish Jazz / The 60s
  • Keith Jarret - The Köln Konzert

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florian_, Do, 05.04.2007, 19:30

österreich

komm einfach mal ins schöne österreich. hier ist bei 130 schluss. finde ich auch gut. das internet ist schon schnell genug. aber trotzdem streiten sie sich, da einige hier gern 160 oder mehr fahren würde. was solls. die herren in wien werden sich eh nicht einig und so bleibt das bei 130. hoffe ich.


andra, Fr, 06.04.2007, 10:44

130 haelt aber trotzdem die besitzer der oben genannten autos nicht davon ab zu rasen was das zeug haelt. ich kenne solche exemplare die oft genug damit angeben von wien nach klagenfurt in 1,75-2 stunden zu sein (ca 350km). Besonders diese Strecke ist ein guter Beispiel (groesstenteils 3 spuren, gerade, schnell). Also mach dir keine Hoffnung dass sich die Situation in Deutschland mit einer Tempolimit verbessern wird.


tomsdiner, Fr, 06.04.2007, 12:30

fahr doch erstmal lkw bevor du was von überholverbot laberst. mit einem tempolimit konntest du dich ja auch erst anfreunden nachdem du in den usa warst.


sakana, Fr, 06.04.2007, 12:35

ich finde ja 140 schon ganz schön schnell.


DaveKay, Fr, 06.04.2007, 13:21

gemütlich mit 140, pffft.
wissen sie aus der Sicht von jemandem, der geschätzt über 1 Million KM hinter sich hat, weil er viel auf Montage und somit auf deutschen Autobahnen zu hause war, klingt das ziemlich lächerlich.
Beim Bund bin ich immer gerne die A2 zwischen Hannover und Braunschweig gefahren, 2 Spuren, Limit 100, effektive geschwindigkeit 110-120 km/h.
Mein empfohlenes Tempolimit liegt bei max. 120 km/h (in Holland ist das sehr entspannend), besser 1110
Gemütliches Fahren liegt bei mir tatsächlich bei 110 km/h


DaveKay, Fr, 06.04.2007, 13:22

@tomsdiner

man muss nicht LKW fahren um sich ausrechnen zu können, dass ein LKW-Überholverbot die Autobahnen effektiv sicherer und flüssiger gestalten würde.


fallenbeck, Fr, 06.04.2007, 14:11

Rein interessehalber: Wie transportierst du die Monster, die nicht im Korb bleiben wollen? Mein eines macht im an der Rückbank befestigten Geschirr größtmöglichen Terror, der entspanntes Fahren nahezu unmöglich macht.
Egal ob bei 140 oder 110.

Andererseits ist in diesem Fall die halbe Stunde Gold wert.


DonDahlmann, Fr, 06.04.2007, 15:32

Die Katzen der Liebsten und meine machen da wenig Streß. Meist liegen Sie in Ihrem Korb und pennen. Meine war an ohne Korb unterwegs und lag im Fußraum des Beifahrers. Die andere schaute immer mal aus ihrem Korb raus, wenn wir standen, verschwand aber wieder drin. Machte keine Probleme. Wobei alle drei auch ziemlich erfahrene Reisekatzen sind, die Zug, Flugzeug und Auto gut kennen.

Zum Tempolimit: 140 ist noch schnell, aber man kommt voran. 120 km/h wäre mir aber auch recht.

@Tom: Bin lange genug 7,5 Tonner gefahren, um einen Eindruck zu haben.


jensscholz, Fr, 06.04.2007, 22:40

ich habe jetzt genau ein jahr tägliches pendeln von 75 kilometern pro stecke (frankfurt - weinheim und zurück) hinter mir und bin bei genau 130km/h als idealgeschwindigkeit gelandet. tempomat und radio an und gemütlich ohne ständig gas zu geben oder abzubremsen sehr oft dieselben leute an den ampeln des ortseingangs weinheim wiedertreffend, die mich in darmstadt so eilig überholt haben.


taluno, Sa, 07.04.2007, 13:15

In den bisher 7 Jahren, die ich nun in der Schweiz lebe, habe ich mich auch sehr mit dem Tempolimit auf Autobahnen angefreundet. Dort ist 120 kmh das Limit, der Durchschnittsschweizer fährt dann gern "es bizzeli" schneller, vielleicht 130. Aber es gibt eben keine 220-kmh-Geschosse.

Autofahren in Deutschland empfinde ich ich seitdem als ziemlich stressig, selbst wenn ich versuche, auch dort konsequent die 130er-Richtgeschwindigkeit zu fahren.


gn8, Sa, 07.04.2007, 13:26

Niemand muss sich ein Beispiel nehmen, an Niemandem. Und ob LKW überholen dürfen oder nicht ist mehr ein Versorgungsproblem (dann geht eben kein just-in-time mehr) der Abnehmer der Waren denn der Fahrer. Wer das Autorennen nicht mag kann ja auf der rechten Spur bleiben, da geht es meist ganz entspannt zu.


typ.o, Di, 10.04.2007, 07:38

ich find' die autobahn so gruselig (und so drogenhaft, nachdem ich mal wieder vom sog mitgerissen wurde und den firmenwagen (kombi) getreten habe, bis es nicht mehr ging), dass ich mich in meiner erz-bahn-nutzer mentalität wieder sehr bestätigt fühle: gestern mit dem ice nach B, relaxed , nur die umts abdeckung noch was besser, dann kann man durchgehend im irc bleiben.. so geht reisen doch!

(neulich gefragt, ob ich denn nen firmenwagen haben wolle, irgendwie 1% müßte da versteueret werden, abgewunken, nur ein ding vor der tür um das ich mich kümmern muß und das verpflichtung bedeutet, es zu nutzen)


mark793, Di, 10.04.2007, 09:35

@jensscholz:

Zwischen Weinheim und Kreuz DA ist es in der Regel wirklich Schwachsinn, zu versuchen, mehr als 140 zu fahren. Aber genauso idiotisch wäre es auch, auf dem vierspurigen Streckenabschnitt der A 5 (oder vergleichbar ausgebauten Strecken) alle zum Schleichen zu zwingen.

Im Übrigen: So unendlich viele Kilometer sind es ja schon lange nicht mehr, auf denen jeder kann wie er will. Und wem es zu viel Umstände macht, auch den rückwärtigen Verkehr im Auge zu behalten, der möge halt Bahn (oder Landstraße) fahren oder in die Seppeltürkei auswandern.

Da könnte ich genausogut hergehen und für ein totales Ethanolverbot plädieren, nur weil ich alkoholischen Getränken nichts abgewinnen kann, nichts vertrage und den Anblick von Besoffenen degoutant finde (von den volksgesundheitlichen Aspekten mal gar nicht zu reden).


tomsdiner, Mi, 11.04.2007, 21:28

Herr Kay

Wenn Sie tatsächlich so viele Kilometer gefahren wären wie sie behaupten, dann wäre ihnen aufgefallen das die rechte Spur für deutsche PKWs nur dann existent wird, wenn es darum geht die Autobahn zu verlassen.
Fakt ist nun einmal das die meisten PKW-Fahrer sich selbst im Weg stehen. Wenn sie einmal auf der linken Spur sind, bekommt man sie da nicht mehr runter. Es reicht wenn am Horizont ein LKW zu sehen ist damit sich eine mindestens 5KM lange Schlange aus PKWs auf der linken Spur bildet.

Nicht zu vergessen die vielen netten Gaffer. In der Regel alles PKWs. Kaum bleibt auf der anderen Fahrtrichtung ein Auto liegen, schon staut es sich.

Staus oder Verkehrsbehinderungen durch überholende LKWs sind derart selten, dass ein Überholverbot nichts bringt.
Hinzu kommt das auf weiten teilen deutscher Autobahnen eh ein Überholverbot für LKWs gilt.

Und zu guter letzt noch die gute alte StVO:
§5 Überholen
Überholen darf nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit fährt als der zu überholende.

Mal davon abgesehen das Opa Ernst sich beim Überholen ganz gerne mal seeeeeeeeeeeehr viel Zeit lässt, würde ein generelles Überholverbot wohl kaum diejenigen abschrecken, die ohnehin überholen obwohl sie nicht wesentlich schneller sind.

Ein generelles Überholverbot ist dämlicher Quatsch auf Niveau der Boulevard-Presse. Gerne von Leuten geäußert die meinen sie würden viel fahren und hätten somit Erfahrung. In der Regel aber nix mehr von ihrer Umwelt mitbekommen sobald sie hinterm Lenkrad hocken.

Ich lade gerne jeden zu ner runde LKW ein. Nach 3 Wochen LKW können wir uns dann noch mal über Sinn und Unsinn von Überholverboten unterhalten. Falls sie bis dahin nicht der Herzkasper gefangen hat.

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