Dieses Bild der US Fotografin Nina Berman gehört zu den verstörensten, die ich jemals gesehen habe. Das es nicht den World Press Photo Award, sondern "nur" ihre Kategorie "Portrait" gewonnen hat, kann ich nicht so ganz verstehen, zumal das Siegerfoto sich auch zum Thema Krieg äußerst. Das Bild ist eine der stärksten Anklagen gegen jede Form von Krieg, die man sich vorstellen kann und gehört zu dem zu einer Serie von Bildern, die die Fotografin "Purple Heart" genannt hat und die es auch als Buch zu erwerben gibt (Amazon Link). Mehr Bilder von Nina Berman findet man auch auf ihrer Webseite

Nachtrag: 11.02.2007: Der Kollege Esemka hat eine Seite aufgetrieben, auf der die Geschichte des Paares auf dem Foto genau und mit sehr vielen Links erzählt wird. Macht wirklich sprachlos.

Kommentieren



kathleen, So, 11.02.2007, 01:06

Absolut.
Man kann jetzt lange schwafeln über den Zusammenhang von Identität und Gesicht, über die Unmöglichkeit bestimmte Atavismen zu überwinden etc. - da kommen wir bei einer behavioristischen Vorlesung an. Geschenkt.
Was dieses Bild zu transportieren vermag ist die bittere Realität dieses Krieges. Jeden Krieges. Und daß sie längst nicht vorbei ist, wenn der jeweilige Krieg vorüber ist.


klausf, So, 11.02.2007, 10:47

Puh, keine leichte Kost für Sonntagvormittag. Aber ein wirklich verstörendes Bild. Das Siegerfoto und andere waren gestern auch im Hamburger Abendblatt, das Foto von Nina Berman war aber leider nicht dabei - das haben sich die Redakteure wohl nicht getraut.

Auf der Suche nach mehr Info ist mir noch diese Seite mit Fotos zum Thema Krieg und Minenopfer aufgefallen. Text ist spanisch, aber die Bilder sprechen für sich.


engl, So, 11.02.2007, 14:23

erschreckend insbesondere ihr gesicht. als würde sie seines, das nicht mehr ist, mittragen. zumindest in diesem moment.


esemka, 11. Februar 2007 15:56:18 MEZ

Die Geschichte hinter dem Foto

Mehr Infos dazu hier. Gute Geschichte, Don.


DonDahlmann, 11. Februar 2007 16:14:30 MEZ

Danke, ich hab es nachgetragen.


schluesselkind, So, 11.02.2007, 16:57

Unfassbar. Beider Gesichter werden mich noch lange verfolgen. Das Foto macht wirklich deutlich, dass der Krieg für die Menschen eben nicht jubelndes Siegen oder andernfalls ein schnelles, sauberes Ende bedeutet, sondern oft lebenslange Verstümmelung, Schmerzen, Fegefeuer. Das ist wahrscheinlich zu starker Tobak für viele; ich habe dieses Bild noch nirgendwo gesehen, das Siegerfoto hingegen schon oft.


pantoffelpunk, So, 11.02.2007, 18:02

Das Bild ist m.E. das stärksten Anklagen gegen die Dummheit von überzeugten Millitaristen: Da lässt sich einer im wahrsten Sinne des Wortes für das Vaterland und n Appel und n Ei das Gesicht wegflexen - und danch? Einsicht? Gewissensbisse? Zeifel? Nein, er heiratet in Uniform. Und die Orden hat er im Übrigen wohl nicht dafür bekommen, dass er afghanischen Kindern warme Socken gestrickt hat. Ich empfinde überhaupt kein Mitleid für einen solchen Hilfsdenker, eher Abscheu.

Ich habe definitiv viele Bilder gesehen, die die Absurdität und das Grauen des Krieges berührender und bewegender spiegeln.


kathleen, 12. Februar 2007 11:21:43 MEZ

Mein Mitleid hingegen verdoppelt sich: Um dieses Schicksals willen zum einen, um der Dummheit willen zum anderen.

Was Sie da schreiben hat den Unterton von 'überzeugten dummen Militaristen geschieht ein solches Schicksal recht.' Das können Sie doch nicht meinen, oder? Und: Es bleiben immer noch ganz andere Chargen, die die jungen Leute, überzeugte Militaristen oder nicht, in diesen Hexenkessel schicken!


pantoffelpunk, 12. Februar 2007 22:15:42 MEZ

Warum soll ich das nicht meinen können? Grundsätzlich müssen überzeugte Militaristen wissen, worauf sie sich da einlassen und dass ein Krieg nicht halb so sauber ist, wie er am Computer oder in den amerikanischen 20-Uhr-News stattfindet, dürfte sogar bei Amerikanern halbwegs durchschnittlicher Intelligenz angekommen sein. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um.

Wer nach so einem sicher schmerzhaften "Unfall" immer noch überzeugter Militarist ist und als "Militaristische Litfasssäule" den schönsten Tag seines Lebens (gnihihihihi) begeht, der hat leider immer noch NICHTS, aber auch gar nichts gerafft und darum wünsche ich ihm eigentlich, ihm möge das selbe nochmal passieren - DAS kann ich aber WIRKLICH nicht meinen, wenn ich in Klein Bloggersdorf noch halbwegs ernstgenommen humanistische Thesen vertreten möchte und darum schwäche ich das ab und schreibe: Es schert mich nicht.

Glauben Sie denn, er hat Mitleid mit den Opfern SEINER Bomben?


flood, Mo, 12.02.2007, 00:32

Wenn ich mich recht entsinne war vor einigen Wochen (oder Monaten) im Stern ein Bericht über dieses Paar.
War eher trist...der Mann ist ohne Job (klar) und im Bericht kamen er, und seine gesamte Familie eher als dumpf-patriotisch rüber.
Aber vielleicht ist das auch erst so, seit ihm das passiert ist. Als Mahnmal gegen Militarismus und Krieg wollte er mir aber nicht so recht taugen...


kathleen, 12. Februar 2007 11:17:11 MEZ

Das irritiert mich jetzt. Auch wenn der abgebildete Mensch möglicherweise 'dumpf-patriotisch' denkt - vielleicht gerade dann - kann er für alle anderen zur Antikriegsmahnung werden.


pantoffelpunk, 12. Februar 2007 22:19:33 MEZ

Da muss man dann aber schon sehr um die Ecke interpretieren. Im kriegsbejahenden, patriotischen Lager kann er auch sehr gut als Kriegsheld weggehen - und für diese Rolle hat er sich ja sehr offensichtlich entschieden.


robert64, 12. Februar 2007 22:41:28 MEZ

Nach dem zweiten Weltkrieg kamen die Sieger als Helden nach hause, weil sie die Nazis besiegt hatten. Viele werden nicht besser ausgesehen haben.

Was hat den Leuten Halt gegeben, egal wie sie aussahen? Die öffentliche Unterstützung, das Richtige getan zu haben.

Nach dem Vietnamkrieg kamen sie doppelt gebrochen zurück. Sie hatten verloren, und das, was man von ihnen verlangt hatte, war plötzlich unbedeutend.

Warum heiratet dieser Mensch in Uniform? Weil für ihn sonst alles umsonst war.

Er muß für sich als einzelner Mensch klarkommen als, ja, Opfer eines Krieges. Kann ich von Opfern Distanz zu sich selbst erwarten?

Unbestritten, ein Beweis, daß fast jeder Krieg unmenschlich und unsinnig ist. Ich würde das 'fast' weglassen, wenn es Deutschland nicht gäbe.


pantoffelpunk, 12. Februar 2007 22:52:03 MEZ

Einspruch, Euer Ehren. Dieser Mann kann m.E. niemals ein Opfer eines Krieges sein.


DonDahlmann, 12. Februar 2007 23:23:28 MEZ

Doch kann er. Sehr gut sogar. Auch weil er, ebenso wie viele Journalisten und ca. 80% der US Bevölkerung einer Propaganda auf den Leim gegangen ist. Man kennt das ja hier, mit der Kriegspropaganda und dem Kater der daraus entsteht. Eine Erfahrung, die aber selbst hierzulande ja nur noch bedingt funktioniert.

Da kann man sich aber nun lange in Schillerschen Definitionen von "Unschuldig schuldig" usw. verheddern. Das es klüger wäre, jede Form von Gewalt zu unterlassen, ist aber unbestritten.

Das Bild bleibt für mich weiter eine starke Anklage gegen den Krieg und auch gegen den Terror.


robert64, 13. Februar 2007 00:08:14 MEZ

Wie kalt Menschen urteilen können, auf dem warmen Sofa...

Wenn ich lange genug suche, finde ich ein vergleichbares Bild eines Soldaten nach dem zweiten Weltkrieg. Was machen wir denn dann? Immer noch 'selber Schuld'?

Wer hat denn seinen (deutschen) Großvater eine dumme Sau geheißen? Selber Schuld, daß Dir Finger fehlen...

Mir tut einfach der Mensch leid...


kathleen, 13. Februar 2007 09:20:24 MEZ

@pantoffelpunk
Ich habe den Worten von robert64 und don nichts hinzuzufügen.


vasili, 13. Februar 2007 12:14:40 MEZ

ich bin durchaus auch der meinung, er sei selber schuld. da trifft der typ die frau seines lebens, verliebt sich, verlobt sich - und zieht dann eben noch mal schnell zurück in seinen krieg. freiwillig, wohlgemerkt, nicht als wehrpflichtiger wie seine vorgänger im zweiten weltkrieg oder noch im vietnamkrieg. doch statt eines coolen, lukrativen abenteuers erlebt er diesen alptraum. er hat sich bewusst dafür entschieden, das ist also - ganz ohne sarkasmus - berufsrisiko.

er tut mir trotzdem leid. noch mehr leid tut mir allerdings das mädel, dessen zukunft ebenfalls im arsch ist. insofern ist das bild in meinen augen tatsächlich beides: mahnmal gegen krieg und gegen dummheit.


pantoffelpunk, 13. Februar 2007 23:45:07 MEZ

Ein Krieg und seine Opfer brauchen auch Täter, sonst macht die Gleichung keinen Sinn. Der Aff auf dem Photo sieht mir eher wie ein Täter aus. So! Gute Nacht, ich bin müde… ich wollt nur noch schnell das letzte Wort haben.


fenzel, Di, 13.02.2007, 08:34

und kottke hat auch noch ein paar links.


allons, 14. Februar 2007 16:55:48 MEZ

Latein müsste man können

de.wikipedia.org:

Monster (lat. monstrum, „Mahnzeichen“ von spätlat. monstrare, „zeigen“ und lat. monere, „mahnen, warnen“) ist ein Ausdruck für Dinge, die sich durch Größe, Stärke oder auch Hässlichkeit hervorheben.

Manchmal eben auch durch alles zusammen.

Gruß, Allons!

Please login to add a comment