Wenn das stimmt....

Um zumindest die Konsumenten des illegalen Angebots ermitteln zu können, griffen Staatsanwaltschaft und Beamte des Landeskriminalamtes Sachsen-Anhalt nach Informationen von SPIEGEL ONLINE zu einer bisher beispiellosen Maßnahme.

Offenbar ließen sie den Zahlungsverkehr aller deutschen Kreditkartenbesitzer daraufhin überprüfen, ob eine bestimmte Summe in einem festgelegten Zeitraum auf ein verdächtiges Konto im Ausland überwiesen worden ist. Sämtliche um Auskunft ersuchten Unternehmen der Kreditkartenwirtschaft kooperierten offenbar mit den Ermittlern und gaben die Daten ihrer verdächtigen Kunden preis.

Quelle & Via Lawblog

Sprachlos. Echt. Konten werden ohne Rückfrage überprüft, Computer sollen ohne das Wissen der Inhaber durchschnüffelt werden. Und was macht "Spiegel Online"? Packt die Meldung unter die Rubrik "Panorama", da wo sonst die Tittenbildchen und Dieter Bohlen Meldungen veröffentlicht werden. Soviel ist dem Spiegel also eine beispielose Meldung über die Verletzung von Bürgerrechten wert.

Natürlich werden jetzt viele sagen: aber wenn es doch gegen Kinderpornographie geht, da muss man doch was unternehmen. Klar. Wie wäre es, wenn man zumindest über den Vorgang mal informiert werden würde? Das ginge nicht, hört man gerne, denn dann würden ja diejenigen auch informiert, die man im Visier hat.
Klar, das macht die Polizei lieber selber, wie neulich das Landeskriminalamt Baden-Württemberg, dass per Pressemitteilung wenig geheimnisvoll verkündete, man "bereite[t] einen großen Schlag gegen Kinderpornografie vor".

Die Art und Weise, wie verschiedene staatliche Stellen in die privaten Bereiche des Lebens eingreifen, ist mehr als erstaunlich. Sie ist erschreckend. Der Generalverdacht gegen jeden der hier lebt ist schon längst da und mit Aktionen wie diesen werden selbst die Menschen verschreckt, die bisher nach der Devise lebten: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.

Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Staat und seinen Bürgern erodiert merklich. Und welche Konsequenzen das am Ende haben wird, wenn sich zum Beispiel Gruppen bilden, die sich der Überwachung des Staates deswegen entziehen möchten, einfach weil sie nichts verbrochen haben, ist gar nicht abzusehen.

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stefan_k, Mo, 08.01.2007, 18:48

dagegen wird es dann ein Gesetz geben ...

Es würde mich nicht wundern, wenn irgendwann verboten wird, keine Datenspur mehr hinter sich her zu ziehen.


smk, Mo, 08.01.2007, 21:29

Willkommen zur SQL-Gesellschaft

Lassen wir mal für einen Moment die gesetzlichen Verstösse, die Unschuldsvermutung und all die moralischen Barrieren bei Seite: Wir sind angekommen in der Gesellschaft, in der Datenbankabfragen und Verknüpfungen unser aller Leben bestimmen. Ratings bei Krediten, Scorings bei Versicherungen und Punktekonten bei Payback - und überwiegend werden wir nicht mehr gefragt.

Ich frage mich, ob es noch möglich ist, mit Bargeld zu (über)leben. Und ohne Daten über sich.

Spätestens wenn das eindeutige Identifizierungsmerkmal überall mit angegeben werden muss, dann genügt eine Abfrage "select * where id = ... " in den verfügbaren Datenbanken und das war es dann mit "privat". Die SQL-Gesellschaft ist da.

Ich fürchte mich jetzt schon.


chat atkins, Mo, 08.01.2007, 21:31

Im Grunde heißt das, dass sie auch meine Kreditkarte und meine Geldbewegungen auf dem Bildschirm hatten. Und deine. Und deine. Und deine. ...


philit, Di, 09.01.2007, 00:15

"Natürlich werden jetzt viele sagen: aber wenn es doch gegen Kinderpornographie geht, da muss man doch was unternehmen."

Genau das ist das Perfide solcher Aktionen. Unausgesprochen unterstellt man demjenigen, der sich dagegen auflehnt und wehrt, eine Unterstützung von Kinderschändern, Terroristen - wem auch immer. Im Krieg nennt man es Kollateralschäden, im Zivilbereich muss bloß die Privatsphäre dran glauben. Wer immer sich gegen derlei Aktionen wendet, dem konzediert man unterschwellig eine Unterstützung Saddam Husseins, der Al Quaida, von Mädchenhändlerringen oder Selbstmordterroristen.


roland schwarzer, Di, 09.01.2007, 12:00

Ich weiß gar nicht was ich am schlimmsten finde:
Das man 22 Mio KK-Inhaber unter Genaralverdacht stellt.
Das sich die Banken im vorauseilendem Gehorsam zu Vollstreckungsgehilfen machen lassen.
Oder die erschreckende Naivität derjenigen, den der Datenschutz am Arsch vorbeigeht, weil sie ja "nichts zu verbergen" hätten.

(Ich habe gerade ein 1a-Stasi-DejaVu)

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