Es gibt zwei Arten mit den Eigenarten eines Volkes umzugehen. Zum einen kann man sie überspitzt mit einem Augenzwinkern darstellen, so wie die Engländer das mit den Deutschen machen. Oder man kann mit dem Unterton von echter Abneigung die Eigenarten beschreiben. Achim Achilles, Autor beim Sponline, hat wohl letzteres getan und das so schlecht, dass sich die Redaktion vom Spiegel Online dazu genötigt sieht, sich öffentlich zu entschuldigen.

Da das Internet groß ist, und es immer einen gibt, egal wie kurz etwas online war, der solche Sachen gesehen hat und aus seinem Cache rausfummeln kann, ist der Text gerettet. Wer ihn lesen will - viel Spaß.

Nicht, dass ich die Kolumnen von Achilles sonst interessant finden würde. Ich treibe zu wenig Sport um lustig zu finden, wie jemand darüber schreibt, wie andere Leute Sport machen. Manchmal wagt er sich auch auf anderes Tearrain, so wie neulich, als Achilles über die Fußballmannschaften aus Serbien, Iran und Angola sinnierte, mit dem Unterton, dass das doch eigentlich alles Verbrecher sein könnten. In die gleiche Kerbe versucht er nun jetzt auch rein zu hauen. Der Text über den Italiener ist eine langweilige Abhandlungen von uralten Klischees, über die man vielleicht in 70er Jahren noch lachen konnte. Aber genau aus dieser Zeit kommt wohl auch das Humorverständis von Achilles, wenn man sich seine anderen Texte so durchliest. Sich über Italiener oder italienische Fußballspieler und deren theatralischen Hang zum Operettenhaften lustig zu machen - wegen mir. Die Frage ist aber nur, wie man das macht. Und dieser Text ist einfach nur schlecht geschrieben, weil er die gängigsten Stammtischklischees und dumpfesten Voruteile bedient, die man sich nur vorstellen kann. Solche Witze hat sogar RTL im Programm verboten, seitdem man "7 Tage, 7 Köpfe" rausgeworfen hat. Der Skandal ist nicht, dass dieser Text rausgenommen wurde, sondern dass er überhaupt erschienen ist. Irgendeinen CvD werden die bei Sponline doch wohl haben. Oder entscheiden das jetzt auch die Prakikanten?

(via dem Ix sein delicious Feed, der es von germanblogs hat, die es von der im Text verlinkten Dame übernommen haben. Endlich mal eine Verlinkungskette, die ich noch nachvollziehen kann)

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don dave, Do, 29.06.2006, 13:17

so gerne

ich den Italienern für dieses Spiel auch einen mitgeben würde, der text ist einfach nur schlecht und an keiner Stelle lustig. Was soll das, fragt man sich.


ichichich, Do, 29.06.2006, 13:29

Was Titanic kann,

kann eben nur Titanic. Deren alternative Nationalhymnentexte z.B.: liebevoll boshaft und auf den Punkt. Das hier dagegen: Fürn Arsch.

(Und Ihr Stöckchen greif ich mir noch, wenn ich mal Zeit habe.)


cheffe vom blog-bistro, Do, 29.06.2006, 16:41

Ob der Text nun sooo schlecht war, weiß ich nicht. Aber das ist letztlich auch Geschmacksfrage.

Was ich schwierig finde, ist die Illoyalität des Auftraggebers gegenüber dem Kolumnisten und dessen Desavouierung durch die Chefredaktion. Das gehört sich nicht.


varzil, 29. Juni 2006 20:29:29 MESZ

Geschmack ist bekanntlich Glücksache - witzig sein auch. Ich muss eine schlechte Satire nicht lesen.

Aber die Entschuldigung ist für einen witzig gemeinten Text - egal wie schlecht - wohl eine Nummer zu groß:

"Es war und ist nicht unsere Absicht, die Gefühle von Menschen zu verletzen, wie es offenkundig durch diese Kolumne geschehen ist. ..." -

Ein hehrer Anspruch, aber ich denke, längst nicht jeder Artikel wird dem gerecht. und Gott sei Dank ist das so: bei vielem, was der SPIEGEL schreibt, weiß man schon beim Schreiben und erst recht beim Lesen, dass er die Gefühle von religiös-Fanatischen (z.B. Moslems), von Sexual-Asketen, von Palestinensern etc. verletzt. Wenn man es dann trotzdem schreibt, ist das Absicht. Man kann es halt nicht allen recht machen. Na und?


stollentroll, 29. Juni 2006 21:36:07 MESZ

Ganz schön peinlich für den Spiegel, sich wegen so einem unwichtigen text zu entschuldigen. Fußball hat nun mal Stammtischniveau, Texte darüber auch und wenn sich jemand über das unwürdige Weiterkommen der Italiener auskotzen möchte, wird er sich meist eher geschmackloser Stereotypen bedienen.


sonderschüler x, 29. Juni 2006 22:28:54 MESZ

überall lauern gefahren und das zitterwolf

fresst schnell noch 3 stück lila kuchen und wärmt die reifen eures opels an


matidio, 30. Juni 2006 13:51:34 MESZ

Der unwichtige Text

hat es bis in die grossen Tageszeitungen in Italien gebracht und das schlaegt generell bis auf das Bild der Deutschen hier durch. Ich habe keine Lust mich fuer so'n Mist hier staendig zu entschuldigen, das kann der Spiegel gefaelligst selber tun.

Und Leuten, die sich eher um das Diskussionspotential der ach so drammatischen Iloyalitaet des Chefredakteurs scheren, als um das, was die Stammtischparolen eines Boulevardredakteurs bei Auslaendern im eigenen Land oder gar in deren Heimatland anrichten, wuensch ich nur, dass sie mal von Stammtischschaumschlaegern hier in die Mangel genommen werden.

Eine grosse Onlinezeitung, die grundsaetzlich unter Auslandsbeobachtung steht, sollte sich so eine Mist verkneifen koennen oder bessere Lektoren beschaeftigen.

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