Ok, ein paar hatten es schon in die Kommentare geschrieben, etliche dann auch per Mail. Wie viel Leute wohl einen Aufruf an die Musikindustrie, ihre Kunden evtl. nicht als Schwerstkriminelle zu behandeln, folgen würden.

Das kann man mal ausprobieren, in dem man diesen Button () in sein Blog aufnimmt und auf eine Musikfirma, diesen und/oder den unten stehenden Artikel oder andere Sammelstellen die sich gegen die Politik der Musikindustrie wenden, verlinkt.

Es muss doch eine Möglichkeit geben, der Musikindustrie deutlich zu machen, dass sie so nicht weitermachen kann, und das man sich als Kunde, als jemand der für eine Leistung willens ist, Geld zu zahlen, sich so nicht mehr behandeln lässt. Wenn mich ein Kaufhaus am Eingang als Dieb behandeln würde, wenn sie mir eine Einkaufstasche mit Sicherheitsverschluss in Hand drücken würden, damit ich nichts klaue, würde ich dieses Kaufhaus auch nicht betreten.

Das mp3s tatsächlich auch dafür sorgen, dass man als Musiker überhaupt bekannt wird, weiß man nicht erst seit dem "Schnappi" Song, der erst monatelang durchs Internet geisterte und erst danach zu einem richtigen Hit mutierte und dementsprechend abverkaufte. Die Musikindustrie ist also Janusköpfig. Einerseits profitiert sie von im Internet verbreiteter Musik, wie zum Beispiel auch im Fall der Gruppe Tekkan, andererseits will sie Kopien nur dann zulassen, wenn es ihr genehm ist. Das Musikfirmen selber P2P Börsen mit Künstlern bestücken, um deren Hitpotential auszutesten ist eine seit langem vermutete, aber nie bewiesene Tatsache. Zumindest scheint es aber schon so, dass sie zum Beispiel Blogs beobachten, um zu sehen, ob sich dort eventuell etwas tut, mit dem man Geld verdienen könnte.

Es hilft auch nicht, wenn man sich nun hinstellt und trotzig CDs kopiert. Warum sich strafbar machen? Die meisten Menschen haben in den letzten Jahren auf die Bemühungen der Musikindustrie mit einem Schulterzucken reagiert. Vielleicht ist es an der Zeit, der Musikindustrie mitzuteilen, dass ihre Art mit diesem Problem umzugehen, immer mehr Kunden abschreckt und vor allem verärgert. Man darf nicht vergessen: Jeder, der einen mp3 Player, ein CD oder DVD Laufwerk kauft, zahlt schon eine Abgabe an die Musikindustrie. Das heißt, ob man nun eine CD kopiert oder nicht, man hat schon einen Obulus an die Industrie weitergegeben. Diese Abgabe kann man auch nicht umgehen. Bei der GEZ genügt der Nachweis, dass ich keinen Fernseher habe, bei der Musikindustrie reicht das nicht. Ich bin immer ein potentieller Verbrecher.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Das massenweise kopieren und verbreiten von Musik gehört verboten. Künstler leben davon, dass man ihre Musik auch kauft, sonst können sie keine Musik mehr machen und wir alle verlieren einen wichtigen Teil unserer Kultur. Es geht aber auch nicht, dass man ein Produkt, was man kauft, nicht mehr auf seinen mp3 Spieler rüber schieben kann, ohne dass man sich strafbar macht, weil man erst mühsam einen Kopierschutz umgehen müsste. Verhältnismäßigkeit ist das Stichwort und die hat die Musikindustrie schon längst verloren.

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kleinesf, Do, 23.03.2006, 13:45

Ich fürchte, jetzt werden Sie von der Telekom abgemahnt, weil Sie deren Magenta im Button nutzen.


muhtiger, Do, 23.03.2006, 14:13

Ich hätte da mal ein Problem

Wenn jetzt auch private Kopien, z.B. Sicherungskopien, illegal sind, muss ich die dann nun alle zurück geben?

Am besten wir schicken alle unsere neuerdings illegalen Kopien an Frau Zypriss. Einfach in ein Paket packen, Deutscher Bundestag, Platz der Repulik 1, 11011 Berlin drauf schreiben und ab damit.

Ich denke nicht das die Musikindustrie sich von Worten beeindrucken lässt. Die reagieren erst dann, wenn sie es in den Kassen spüren. Gesagt und diskutiert wurde ja schon viel. Nur leider stößt man da bei denen auf völlig taube Ohren.
Man müsste also wirklich mal 1 Woche lang die Musikbranche boykottieren und denen alle Sicherungskopien die man hat zurück schicken.
Vielleicht wird dann bei denen mal einer wach.


supatyp, Do, 23.03.2006, 14:14

ist das neue gesetz auch gültig

für mein walkman?


DonDahlmann, 23. März 2006 14:44:20 MEZ

Gerade für den! Einfach Musik auf eine Kassette aufnehmen, das geht jetzt nicht mehr! Vinyls werden sowieso auch noch verboten.


danii, 23. März 2006 15:48:16 MEZ

öha

ich dachte immer, ein vinyl hätte den kopierschutz ja sowieso schon direkt integriert weil ja rillen durchspielen und rauschen und derlei dinge.

und was macht man mit den platten? gibts bald öffentliche "brandplätze" oder ne postadresse wo man das zeug hinschickt (mei - des wird teuer)?


hcl, Do, 23.03.2006, 14:28

ist musik ein produkt?

oder ist es die CD? oder die datei? oder was?
und was wird verkauft?

Ich bin zuerst über diesen satz gestolpert:
»Künstler leben davon, dass man ihre Musik auch kauft, sonst können sie keine Musik mehr machen und wir alle verlieren einen wichtigen Teil unserer Kultur.«
ich mache musik nicht um damit geld zu verdienen, sondern ich mache es, weil ich es will und kann. und WENN ich damit geld verdienen kann, dann gut. wenn nicht, dann muss ich sehen, womit ich mein geld verdiene, aber ob ich aufhöre, musik zu machen, steht auf einem ganz anderen blatt.
es gibt sicher musik, die nicht mehr hergestellt werden würde, wenn mit musik kein geld mehr zu verdienen ist, aber dies als kulturellen verlust anzusehen, fällt mir schwer.

mit musik geld verdienen kann man, indem man produkte herstellt und verkauft oder dienstleistungen anbietet.

mit meiner eigenen musik kann ich das selbst tun (was heutzutage sogar immer wahrscheinlicher wird) oder ich beauftrage jemanden damit (was sehr selten ist) oder ich räume jemandem das recht ein, die musik zu nutzen, und erhalte dafür irgendeine gegenleistung (die verhandelbar ist. mit allen konsequenzen).

wenn ich NICHT selbst musik mache, kann ich jemanden damit beauftragen, für mich »aufzuspielen« bzw. etwas für mich zu schaffen, was ich in form von produkten und/oder dienstleistungen verwerten kann.
oder ich kaufe einfach nur die rechte. oder ich kaufe sie eben nicht, und verwerte die musik trotzdem.

das urheberrecht hatte ursprünglich den zweck, mich als urheber vor diesem letzten fall zu schützen. jetzt schützt es vor allem die inhaber der nutzungsrechte. nennen wir es also doch zutreffender nutzungsrechtinhaberrecht!

und noch: wenn ich als verbraucher über die eigenschaften des produktes bescheid weiss, kann ich entscheiden, ob ich es kaufe. idealerweise. also: kennzeichnungspflicht und dann hoffen, dass kein mensch das mehr kauft.
aber ich nehme einfach mal an, dass es IMMER auch produkte ohne DRM geben wird, deren »marktchancen« unter Umständen dadurch steigen. who knows...

ODER: die grosse masse gewöhnt sich an immer schärfere gesetze und einschränkungen und kauft weiter industriell produzierte charthits. dann ist das so.

aber musik gibt es so oder so. und das - ist auch gut so!


DonDahlmann, 23. März 2006 14:52:19 MEZ

Du sprichst da eine interessante Sache an: die Vertriebswege. Bisher ist es so, dass die Labels gleichzeitig auch als Vertriebe arbeiten.Sie sorgen also dafür, dass die über die Grossisten die Musik in die Läden kommt. Um flächendeckend Musik verkaufen zu können, braucht man einen gut funktionierenden Vertrieb. Bisher zumindest. Im Internet und dank zunehmender Breitbandanschlüsse, sieht das anders aus. Theoretisch kann man seine Musik selber übers Netz verkaufen. Das sollte die die eigene Gewinnmarge erhöhen, so dass man mit weniger verkauften CDs trotzdem leben kann. Beispiele hierfür sind mir aber bisher nicht bekannt. Ich kenne nur die Beispiele, wo jemand dank seiner Popularität über Blogs oder myspace einen Labeldeal bekommen hat.

Eine andere Frage wäre noch: können die Künstler, die die Musik bei einer Plattenfirma veröffentlichen, nicht bestimmen, ob ihre Musik per DRM geschützt wird, oder nicht?


muhtiger, 23. März 2006 15:59:09 MEZ

oder ist es die CD? oder die datei? oder was? und was wird verkauft?

Den Gedankenansatz finde ich ein wenig "absurd". Zieh mal einen Vergleich mit dem geschriebenen Wort.
Hat das Internet dafür gesorgt das Bücher aussterben? Ist das PDF-Format dafür verantwortlich das die Absatzzahlen bei Büchern und Zeitschriften zurückgehen? Wurden schon mal Bücher mit Kopiergeschützter Tinte gedruckt?

Nein. Absurd ist die Argumentation der Musikindustrie. Sie verteufeln MP3 (PDF), Tauschbörsen (Internet) und CD-Brenner (Kopierer/Scanner).
Schaut man sich einmal an womit Musiker wirklich Geld verdienen, dann wird es noch absurder. Denn die meisten Musiker leben von Konzerten und nicht so sehr von ihren Platten. Das meiste Geld das ich für eine CD bezahle, streicht die Musikindustrie ein. Sie verteidigen also nicht die Musiker, sondern ihre eigenen Pfründe. Der Musiker arbeitet, das Label kassiert.

Diese ganze DRM-Geschichte zielt doch nur auf eins ab: Die CD am Leben zu erhalten um möglichst hohe Umsätze zu garantieren. Die Musikindustrie will gar keine Downloadplattformen, denn da sind für sie die Margen viel zu klein.
Grade bei den Downloadplattformen gäbe es genug Möglichkeiten die Musiker gerecht zu entlohnen. Stell dir mal vor ein MP3-Download würde nach seiner Chartplatzierung abgerechnet werden. Und die "Mehreinnahmen" durch bessere Platzierungen würden alleine den Musikern zu gute kommen.
Oder stell dir mal vor die Musiker würden entdecken wie leicht es ist seine Musik übers Internet selber zu vertreiben. Kaum Produktionskosten, wenig Aufwand und hohe Gewinne.

Die Musikindustrie muss zusehen wie ihre Cash-Cow CD so langsam das Zeitliche segnet. Aber anstatt sich neue Vertriebswege zu öffnen, versuchen sie das tote Pferd CD so lange zu reiten wie es irgendwie geht. Und das ganze dann noch unter den Deckmäntelchen das man die Musiker schützen wolle.

Klar wird es immer Musik geben. Klar wird es immer ein paar geben die mit Musik vielleicht auch einmal ihren Lebensunterhalt verdienen wollen.
ABER! Warum wirft man kleinen Labels solche Knüppel zwischen die Beine? Denn das Gesetz macht keinen Unterschied ob die CD von einem kleinen Label oder von einem Major stammt. Das Gesetz kennt auch keinen Unterschied ob ich die Musik legal als MP3 von der Webseite der Band gezogen habe oder von einer Downloadplattform.

Wenn die Industrie ihren Quark mit DRM schützen will, bitte schön. Ich werde ja nicht gezwungen den Mist zu kaufen. Aber wenn die Industrie unsere Regierung soweit bringt das die Gesetze den Bedürfnissen weniger Major-Labels angepasst werden, wo soll das noch hinführen?
Das Gesetz soll angeblich die Musiker schützen. In Wahrheit schützt es aber nur die Musikindustrie und ihre Absatzwege. Gleichzeitig steht es vielen anderen Musikern einfach im Weg. Der "kleine Musiker" kann sich nun entscheiden: Entweder er geht den gleichen Weg wie die Industrie und zwingt seinen Hörern DRM&Co auf. Oder er steht völlig schutzlos da weil er auf alle Rechte verzichten muss (mal etwas überspitzt ausgedrückt).
Es gibt einfach keinen Mittelweg mehr. Der Gesetzgeber lässt die kleinen im Regen stehen und unterstützt nur die Aktionen der Industrie.


DonDahlmann, 23. März 2006 16:19:27 MEZ

Naja, da muss man aber auch ehrlich sein. Ein Buch auf einen Rechner zu kopieren und dort zu lesen, ist nicht so handlich, wie Musik auf einen mp3 Player zu haben.

Was die Gewinnspanne angeht, weiß ich soviel: (mein Wissen ist allerdings schon ein paar Jahre alt und evtl. nicht mehr ganz aktuell, deswegen alle Angaben pi mal Daumen.)

CD kostet 15 Euro im Handel
Handelsabgabepreis (HAP) ist meist um die 10 Euro. Das ist also der Preis, den die Labels bekommen. Die restlichen 5 Euro teilen sich Vertrieb, Grosso und Handel.
Von den 10 Euro gehen unterschiedliche Margen an die Künstler. Je berühmter, desto mehr. Man hat mal davon gesprochen, dass Metallica um die 20% vom HAP bekommen haben. Normale neue Künstler bekommen vielleicht 9%. Wenn sie Glück haben. Ich hab auch schon Verträge gesehen wo 7% stand. Die Herstellungskosten einer CD, also CD, Verpackung, Booklet, machen ca. 2% aus. Das kann in den letzten Jahren durch die Entwicklung von DRMs teuerer geworden sein. Der Rest geht in Promotion (teuer), Marketing, eigene Betriebskosten, Abgaben an Verlage und Gema, Steuern und Gewinn auf. Wie hoch der Gewinn an einer CD ist, darüber kann man nur spekulieren. Betriebsgeheimnis. war es schon immer. Aber wenig wird es nicht sein.

Das die Musikindustrie einen Trend verpennt hat, ist bekannt. Ich kann mich daran erinnern, wie ich Ende der 90er Jahre schon mit dem Leiter der damals frischen Internetabteilung, die noch der Presse zugeordnet war, zusammen gesessen habe, und dieser mir erzählte, wie er verzweifelt darum gekämpfte, eine Internetplattform für Musik ins Leben zu rufen. Wurde immer wieder abgelehnt. Wenn die Industrie nur ein bißchen weniger arrogant gewesen wäre, hätten die jetzt ein vernünftiges Itunes laufen und kein Mensch würde sich über DRMs bei CDs aufregen müssen. Ihre eigene damalige Arroganz jetzt mit politischer Macht auszubügeln sagt viel über den Charakter der Branche aus.


muhtiger, 24. März 2006 14:09:08 MEZ

Ja der Vergleich mit den Büchern hinkt immer ein wenig. Das tun aber die meisten Vergleiche.
Natürlich ist es ein Unterschied ob ich 1.200 Seiten Roman Scanne und als PDF verteile oder ob ich mal eben 3 CDs in 10 Minuten kopiere.

Dafür zeigt der Vergleich aber auch mehr als deutlich wie unterschiedlich Buch- und Musikbranche mit den neuen Medien umgehen. Anstatt das Internet zu verteufeln nutzen Verlage mittlerweile schon Blogs und Blogautoren um neue Kunden zu werben.
Auch wurde die Entwickelung und der Vertrieb von Hörbüchern von den Buchverlagen vorangetrieben. Anstatt es zu verteufeln und nach neuen Gesetzen zu schreien, wird es erst einmal ausprobiert.
Ich denke auch nicht das Buchverlage die Benutzung von mobilen Geräten wie Convertible-Notebooks oder, sofern es denn irgendwann einmal geben wird, e-Paper verbieten werden.

Es gab schon öfters Versuche mal abzuschätzen wie viel ein Künstler am Verkauf seiner Platten verdient. Eine pauschale Antwort gibt es da nicht. Denn die Prozente sind verhandlungssache. Je besser der Manager, desto besser der Verdienst eines Künstlers.
Aber es gibt ausreichend, sehr berühmte, Negativbeispiele. Eins wäre z.B. Joe Cocker. An seinen größten Hits verdient er am wenigsten. Die Plattenfirma hatte ihn ganz einfach über den Leisten gezogen. Die kannten sich halt besser aus als er.
Ich denke nicht das sich das bis heute großartig verändert hat. Neue, unerfahrene Künstler mit einem eher unerfahrenen Manager werden schlichtweg abgezogen. Die fehlende Transparenz ist hier ein weiteres Problem für die Künstler und wohl ein weiterer Grund für die Musikindustrie an der CD fest zu halten.


syberia, Do, 23.03.2006, 15:36

Von wegen "Wenn mich ein Kaufhaus am Eingang als Dieb behandeln würde...": einfach mal ins Kino in einen Mediamarkt gehen. Vor den Glastüren zwei Männer in dunkelblauer Uniform mit Security-Schriftzug auf dem Hemd, noch so einer steht an einem Pult innen an der Eingangsschranke. Die draussen werden bezahlt fürs böse gucken, der innen kontrolliert, ob man seine Taschen und Jacke auch in einen der Spinde mit Glastür eingeschlossen hat. Wenn nicht, dann heisst es "Du kommst hier nicht rein!" Zwischen den Gängen und an den Kassen lümmeln auch noch mal welche von denen rum. An den Decken hängen zahlreich Kameras und an den Artikeln sind diese Magnetcodedinger angebracht, die dafür sorgen, dass ein schriller Piepston ertönt, wenn die Kassiererin das Ding nicht über einen speziellen Scanner gezogen hat. Wenn man mit EC- oder Kreditkarte bezahlt, muss man seinen Personalausweis vorlegen und ein Formular ausfüllen. Da bin ich froh, dass ich beim Plus nur meinen Einkaufskorb anheben muss.


reyamm, Do, 23.03.2006, 16:29

Interessante Debatte. Ich habe heute auch einen Beitrag zu dem Thema veröffentlicht und unterstütze die Boykottaufrufe. Den Button werde ich noch bei mir einbauen und auch zum weitertragen aufrufen.
Copycrime

Off topic: Ich finde blöderweise den Dreh nicht, um in meinem Profil hier meine neue URL zu hinterlegen..grrr


reformstaub, Do, 23.03.2006, 16:53

und was ist mit der "kulturflatrate"?

fairsharing (www.fairsharing.de) schlägt eine kulturflatrate vor. alle nutzer von breitband-internetzugängen zahlen eine pauschale gebühr. im gegenzug wird nicht-komerzielles filesharing legalisiert. in frankreich wird bereits über einen entsprechenden gesetzesentwurf diskutiert und selbst der wissenschaftliche dienst des bundestages denkt schon darüber nach (www.bundestag.de).


muhtiger, 24. März 2006 14:16:46 MEZ

Wenn ich mir das so durchlese ohne die Webseite angeschaut zu haben, dann hört sich das für mich wie GEZ/GEMA-Gebühren für PCs an.

Ich bezahl doch schon GEMA-Gebühren für meine CD-Rohlinge. Egal was ich da drauf brenne. Ob meine Urlaubsfotos oder Musik. Auch bezahle ich GEMA-Abgaben beim Kauf eines CD-Brenners. Nun sollen noch GEZ-Gebühren für den PC hinzukommen.

Bei pauschalen Abgaben sträuben sich mir immer die Nackenhaare. Das hat mit der GEZ-Gebühr nicht geklappt, dann wird es wohl auch nich mit einer Kulturflatrate klappen. Das liegt allerdings weniger an den Konsumenten als an den Leuten die das Geld am Ende erhalten udn verbraten.

Die Musik-/Kulturbranche könnte nun natürlich hingehen und den GEZ-Leuten sagen "So. Wenn ihr schon pauschal abkassiert, dann wollen wir auch etwas davon abhaben"

Also ich möchte nicht der Überbringer dieser Botschaft an die GEZ sein...


DonDahlmann, 24. März 2006 15:02:29 MEZ

Ach, naja. Es ist vielleicht nicht die beste Lösung. Aber ich mag es nicht rum zu lamentieren, ohne einen Gegenentwurf zu haben. Eine Kulturflatrate ist mit Sicherheit besser, als das, was sich da im Moment zusammenbraut.

Man muss auch ehrlich sein: P2P Börsen sind ein Problem und sie werden immer eins sein. Die ersten Torrentnetzwerke fangen mit Verschlüsselungen an, das heißt, dass es schwerer wird festzustellen, wer in welchem Umfang, ob gewerblich oder nur ein Mal im Monat, überhaupt etwas runterlädt. Zwar kann man immer noch die IP auslesen, aber nicht mehr sehen, was runter geladen wird. Kann also eine Freeware sein, oder die 20CD Sammlung von Metallica. Und runtergeladen wird, und das nicht zu knapp, wie man bei den Netzwerken und Anbietern wie Rapidshare oder Megaupload sehen kann.

Eine andere Variante wäre auch, dass Plattenfirmen bestimmte Sachen einfach frei geben. Sie müssen nicht den Backkatalog von den Beatles freigeben, auch wenn ich der Meinung bin, dass Paul McCartney langsam genug verdient hat, aber da schlummert noch so einiges, was die Labels einfach mal frei geben könnten. Was weiß ich, ne CD für 99 Cent aus dem Backkatalog, oder so was.


sonderschüler x, Do, 23.03.2006, 18:09

was träfe die musikindustrie am härtesten

und würde selbst einem nicht weh tun?

ZU GEBURTSTAGEN ODER WEIHNACHTEN KEINE CD VERSCHENKEN!

(wenn das der führer gewusst hätte: hugenberg kriegt hoheitliche rechte.)


merryl, Do, 23.03.2006, 20:30

Aber ist das nicht alles ein wenig künstliche Aufregung? Wenn heutzutage ein Fahrrad geklaut wird und das ist ja deutlich teurer als eine CD findet man auch keinen Staatsanwalt, der das verfolgt. Sollen die denn nun wegen ein Paar Kopien auf irgendeinem Rechner anfangen, Rechner zu beschlagnahmen? Um dann im Einzelfall nachzuweisen, dass man einen Kopierschutz geknackt hat? Und das Lied nicht von einem "engen Freund" hat? Will ich irgendwie nicht so richtig glauben.


lucy in the sky, Fr, 24.03.2006, 08:35

Muss Merryl da mal zustimmen - Wen interessiert bitte ein Fahrrad? Meins wurde hier bereits mehrere Male geklaut, derzeit besitze ich keins. Aber da heult doch auch keiner wirklich rum - Dann ist das Fahrrad halt weg, Pech.
Natürlich ist es schädlich, wenn man Musik kopiert, aber inzwischen darf ich ja mit dem von mir erworbenen Produkt im Grunde garnichts mehr machen. Hilfe, was würde man sagen, wenn man plötzlich seinen Lieblingspullover nicht mehr mit auf Parties nehmen darf? Wenn ich es recht verstanden habe, ist das inzwischen eine Urheberrechtsverletzung, bin mir da aber grad nicht so sicher. Wenn ich mir eine CD kaufe, will ich sie auch auf meinen MP3-Player packen können.

Naja, aber inzwischen bin ich es ja gewohnt, zweimal vor dem Film und einmal auf Klo nach dem Film als Verbrecher bezeichnet zu werden. Die Frage ist nur, wie viel ein Boykott bringen wird - Man bedenke sämtliche Leute, die die ganze Sache nicht bedenklich finden und weiter fleißig kaufen. Ich weiß nicht, wie viele sich daran beteiligen würden, kann also nicht abschätzen, was für einen Schaden wir verursachen würden.


mutant, 24. März 2006 14:13:59 MEZ

schlechtes beispiel.
wer dein oder mein rad klaut, das interessiert tatsaechlich nur dich oder mich.
"produktpiraterie" oder privatkopie interesseirt die industrie. die haben eine lobby. du und ich und unser fahrrad nicht. nicht mal die fahrrad industrie, denn wenn das rad weg ist, muss ja ein neues gekauft werden.
hier werden industrieinteressen geschuetzt, fertig.


kleinesf, Fr, 24.03.2006, 09:45

Vorschlag für eine Auslegung:

Wenn ein Musikstück kopiergeschützt ist, KANN man es ja auch gar nicht kopieren. Daher sind alle kopierbaren Stücke auch nicht geschützt, ergo kopiererlaubt.


louis xiv, 24. März 2006 10:49:40 MEZ

Interessante Diskussion....

...aber irgendwie habe ich den bösen Verdacht, dass hier (immer noch) auf Nebenschauplätzen gekämpft wird, während die eigentliche Schlacht nur wenig Aufsehen erregt, aber erheblich weitreichendere Folgen haben wird.

Es geht m.E. nicht unbedingt mehr so sehr um den Abverkauf von CD's, das macht a) viel Arbeit, ist b) kostenintensiv und ist c) eine reichlich spekulative Angelegenheit. Was wenn der Künstler trotz teurer Werbekampagne und Support an allen Ecken und Enden floppt? Es geht doch sehr viel einfacher:

Rechte sichern. Nutzungsrechte, Verwertungsrechte, Urheberrechte. Die Industrie hat bereits vor Jahren (2003) einen Forderungskatalog vorgelegt, in dem unter Anderem auch die Abschaffung des Sendeprivilegs für Radiostationen gefordert wurde, ebenso die alleinige Inanspruchname von unbekannten und zukünftig zu entwickelnden Aufnahme- Codier- und Vertriebsverfahren. Dazu noch einen Vergütungsanspruch für die "öffentliche Wahrnehmbarmachung" von Musik und die Durchsetzung von Geräten, die einzig das kopiergeschützte Material der Industrie abspielen können. Zypries signalisierte damals eine "kooperative Gesetzgebung" zu. Hörte ich damals einen Aufschrei durch die Massen gehen? Nö.

WMG wurde vor ein paar Monaten in New York zu 5 Millionen Dollar Strafe in einer Payola-Affäre (Bestechung von Radiosendern und deren Mitarbeitern) verurteilt. Im offiziellen Statement hiess es, frei übersetzt, nach der Verhandlung: "Radio sollte nicht zu konsumentenbestimmt sein. Statt dessen sollte immer diejenige Musik gespielt werden, die von der Industrie in der bestmöglichen Qualität geboten werden kann." Deutlicher kann man's wirklich nicht sagen. Aber höre ich einen Aufschrei der Massen? Nö.

Pikantes Detail: Das war keine drei Tage bei radioandrecords.com nachzulesen, danach verschwand der Artikel sang- und klanglos im Datenhimmel. Man wollte wohl einen zahlungskräftigen Werbekunden nicht verprellen. Auf der Seite von WMG dagegen tauchte der Absatz im Statement nicht mal auf.

Es geht auch imho gar nicht unbedingt um die bösen Schwarzbrenner und Raubkopierer, die im muffigen Hinterzimmer heimlich rippen und brennen. In erster Linie schadet das, wenn überhaupt in dem dargestellten Ausmass, den Künstlern und deren Tantiemen, die sich direkt am Abverkauf der Tonträger bemessen, aber nicht so sehr den Labels. Es geht hier wohl einzig darum, die unkontrollierte Verbreitung dieser Musik durch Dritte einzudämmen. Denn ein wesentliches strategisches Mittel zur Gewinnmaximierung der Label ist die Kontrolle und Beeinflussbarkeit des Marktes und die sich daraus ergebende Vorhersage nach Abverkauf und der Erfüllung oder Verfehlung des Umsatzzieles.
Kontrolle zu haben heisst zu bestimmen was die Masse hört und kauft - Kontrolle darüber, wer ein Star wird (durch finanzielle Unterstützung, Werbung, Promotion) und wer nicht, Kontrolle darüber was sich gut verkaufen soll (Airplay, Videos, Werbespots), und vor allen Dingen die Kontrolle darüber, wohin das Geld fliesst - in Form von Rechten und Abgaben an die GEZ, die GEMA etc.
Ein Label, dass die Rechte an einem Song hält, kann ihn praktisch unbegrenzt und immer wieder vergolden: Single, Sampler, als Hintergrundmusik in Werbespots, in Filmen (und dann auf dem Soundtrack nochmal), als Cover anderer Musiker, in Songbooks, Notenblättern und und und...
Das ist wie eine legale Gelddruckerei: hinsetzen und zugucken, wie das immer mehr wird. Wer will sich denn da noch mit schwierigen Künstlern oder dem lästigen Zwischenhandel rumärgern....

Wenn das erstmal rechtlich im Trockenen ist, heute schon in Form von Abgaben auf CD's, Brenner, Player und später auch auf neue Aufnahme- und Vervielfältigungsverfahren, Senderechte und Lizenzen auf die Nutzung selbiger, dann ist die Kuh vom Eis. Hauseigene Songschreiber produzieren Müll für die Massen, der in jeder erdenklichen Form ausgeschlachtet wird. Man muss den Mist nur ausreichend bewerben, dann rollt der Rubel. Jeder will schliesslich "hip" sein und den letzten Schrei tragen, hören und konsumieren. Und genau das ist Musik heute: keine Kunst mehr, sondern Konsumartikel. Nach Gebrauch umweltfreundlich zu entsorgen: einfach "Delete" drücken...


louis xiv, 24. März 2006 11:45:50 MEZ

Das sind...

in erster Linie die Major Label, also die grossen Plattenfirmen wie Sony-BMG, Warner oder Universal. natürlich mit Allem, was dranhängt und dazugehört, also Produktionsfirmen, Studios, eigene Vertriebe etc.

Meist ist mit "Industrie" aber der Interessenverband eines Landes gemeint, in Deutschland also die IFPI, in den USA RIAA (und oft auch ASCAP), in England die BPI und so weiter. Die treffendere Bezeichnung wäre eigentlich "Lobby", da sehr oft auch schon die Wasserträger dazugerechnet werden, also Anwaltskanzleien, Rechteverwerter (in Deutschland GEMA oder GEZ) und unabhängige Distributoren, die ebenfalls ein ausgeprägtes Interesse am Wohlergehen des Wirtschaftsmolochs Musik haben... :)

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