Genau das ist das Problem mit einem Kodex: das man selber immer wieder daran scheitert. Außerdem wird ein Kodex immer dann eingeführt, wenn man weiß, dass es auf gar keinen Fall besser werden kann, man der Außenwelt aber gerne das Gegenteil weiß machen möchte. (Siehe Energiekonzerne, Politiker-Abfindungen usw.)

Ich weiß auch gar nicht, was dass soll. Nicht die Journalisten müssen sich wenn überhaupt einem Kodex unterwerfen, sondern die Managementabteilungen der Verlage, die über die Wirtschaflichkeit einer Zeitung wachen und ihren Redakteuren nicht die nötige Rückendeckung und Freiheit geben. Es ist nicht weiter verwunderlich, das halb-verbeamtete Journalisten aus großen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ausgerechnet auf die Idee kommen, einen Presse-Kodex auf die Beine zu stellen. Dort sitzt man auf dem hohen Spesen-Ross und hat schlicht und ergreifend keine Ahnung, wie es auf dem freien Markt aussieht.

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tierpfleger, Fr, 24.02.2006, 14:09

So schauts aus.


dings, 24. Februar 2006 20:16:58 MEZ

wollt ich auch dazu sagen. bekräftige ich hiermit also.


esemka, Fr, 24.02.2006, 14:55

Platt (korr.)

Lieber Don, ich bin kein halb-verbeamtete Journalist, ich sitze nicht auf dem hohen Spesen-Ross und habe Ahnung, wie es auf dem freien Markt aussieht.

Ja, ich bin im Netzwerk Recherche, allein schon weil ich bessere Ausbildung für wichtig halte. Und ich finde, der Kodex ist verdammt nötig. Es geht nicht um Unterwerfung - dies ist schon an sich eine doofe, feindselige Behauptung. Es geht um Leitlinen. Um etwas, worauf hin man arbeiten sollte, damit Journalismus gut ist und etwas nützt.

Du verknüpfst Kritik (die noch dazu neidisch aussieht) an den Leuten die in Ihrer Freizeit (und ohne sich dafür Geld vom Verein für irgendetwas zahlen zu lassen) sich für mehr Recherche im Journalismus einsetzen mit dem Unverständis für diesen Kodex. Das ist wunderbar platt und populistisch. Für mehr Kritik und Zeit reicht es wohl nicht, also dann halt Schrotladung aus nächster Nähe da wo man immer trifft - "Es geht euch wohl zu gut, was? seit mal realistisch, ihr Elfenbeinturmheinis"

Wenn die Qualität des Journalismus schlechter wird, braucht man Leitlinen, die kontroverser sind, als die vom zahnlosen Presserat und sich auch auf mehr beziehen, als nur die Presse.

Das wird gerne übersehen, aber für Radio, Fernsehen und Netz gibt es gar keine Standards und ich sehe, dass es auch in der Lehre immer schwammiger mit PR und Placement zugeht.

Dafür wird gerne darauf rumgeritten das Leif keine Ahnung von Blogs hat. Hat er auch nicht, aber es wird sicher noch dieses Jahr ein Buch vom NR und andere Dinge zu dem Thema Blogs und Journalismus geben - von jungen Authoren und Studenten die nicht so verkopft und meinungsvorgefertigt sind wie Ihr da "oben".

Ich würde mich freuen, wenn Blogger wie Du sich auch mal mit Hajo Schmitts PR Begriff auseinandersetzen und dazu was sagen. Und bevor es wieder heißt, die PR Passage im Kodex wäre weltfremd, hier lesen und dann vielleicht noch mal was sagen.

Selbst wenn mir von dem Text hier die Hälfte später Leid tut - es musste die andere Hälfte mal gesagt werden.

(Korr: Ich habe 2x einen Rechtschreibfehler und 1x die Grammatik korrigiert. Besser, ich mach wieder Radio.)


DonDahlmann, 24. Februar 2006 15:46:52 MEZ

Nein, das ist ja völlig in Ordnung, was sie sagen.

Ich sehe halt keinen Grund für einen Kodex, weil die Probleme die der Journalismus zur Zeit hat, nicht Probleme sind, die Journalisten hervor gerufen haben, sondern die wirtschaftlichen Entwicklungen der letzten, sagen wir mal, 10 Jahre. Das massive Einwirken von PR Firmen auf Journalisten und vor allem auf die Anzeigenabteilunge vieler Verlage führt eben zu ebenso massiven Einschnitten in der Qualität der Berichterstattung. So werden in Kinozeitschriften kaum mehr "Verrisse" gedruckt, sondern lieber ein Film besprochen, der besser weg kommt. So erspart man sich Ärger mit den Verleihern etc, pp. In manchen Redaktionen großer, deutscher Filmzeitschriften geht das so weit, dass die Verleihe die Renzensionen "absegenen". Sicher keine Idee, auf die ein Journalist von alleine kommt.

Hajo Schumacher hat auch völlig Recht: die Trennung zwischen PR und seriösen Journalismus sind nicht immer einfach mal eben so zu ziehen. Als Beispiel mögen da Interviews dienen. Kaum ein Chefredakteur läßt ein Interview in sein Blatt mit jemanden, der nicht gerade auch etwas Neues auf den Markt bringt und deswegen eine relativ hohe Medienpräsenz besitzt. In dem Moment, in dem ich in den letzten Tagen Heiner Lauterbach interviewen konnte, musste ich zwangsläufig PR für den ZDF Film "Dresden" machen, von seinem Buch mal ganz abgesehen. Der "aktuelle Aufhänger" ist so alt, wie der Journalismus. Gleichzeitig ist es aber eben dann auch schnell PR.

Der Kodex setzt demzuufolge meiner Meinung nach an der völlig falschen Stelle an. Ich sage das gerne nochmal, nicht nur der Journalist muss an einen Berufsethos halten sondern auch die Verlage etc.

Was anderes ist es selbstverständlich, wenn ich für die Firma XY etwas über ein neues Produkt schreibe, und den gleichen Artikel dann unter der Rubrik "Test" an eine Zeitung verkaufe.

Besser als ich hat das insgesamt Lorenz Lorenz-Meyer in seinem Blog ausgedrückt

Und gegen die Recherche oder das "Netzwerk Recherche" habe ich überhaupt nichts. Ich bin mit Ihnen völlig einer Meinung, dass in dem Bereich viel mehr und besser ausgebildet werden müsste.


esemka, 24. Februar 2006 16:28:39 MEZ

Danke, ...

... ich will Ihnen (da ich ja jetzt gesiezt wurde - hm, muss noch mal über den Umgang in Blogs nachdenken) keine Zeit stehlen, aber mich interessiert noch ein Punkt.

Ich glaube nicht, dass man durch die Medienunternehmen etwas verbessern kann. Das wäre so, als würde sich der Arbeitgeber für bessere (und für Ihn wohl auch immer teurere Arbeitsbedingungen) einsetzen.

Und: Es gibt die klassischen Verleger als Idealisten (nicht) mehr, sondern AG's und Konzerne, mit Beteiligungen quer durchs Land. Wo will man da von denen aus eine Verbesserung erwarten?

Nein, das müssen die Journalisten wohl selber tun, jeder für sich und mit sicherlich Schmerzen. Genauso wie die Lehreinrichtungen auch. Es gib eben keinen einfachen und richtigen Weg.

Wenn PR und Journalismus in einem Studiengang unterrichtet wird, kann es meiner Meinung nach nur Interessenskonflikte geben, weil PR der "sichere" Job ist und auf der anderen Seite bei freien Journalisten Artikel die nach Zeile und nicht nach Zeit entlohnt werden - und so ungeprüfte Artikel dem Freien "mehr bringen" als der klassiche Gegencheck.

Es ist gut, das jeder sich Journalist nennen kann. Es ist schlecht, wenn er das ausgerechnet dann tut, wenn er es nicht ist.

Können Sie mir ein Beispiel nennen, eine Idee, einen Ansatz: Warum lohnt es sich für einen Verlag oder Sender, in Qualität zu investieren?
Mir fehlt wirklich nach allem was ich erlebt habe dazu die Eingebung, die Phantasie.


DonDahlmann, 24. Februar 2006 16:41:28 MEZ

Das ist ja gerade das Problem, dass es keine "klassischen Verleger" mehr gibt. Und die Suche der AGs nach höherer Dividende etc. hat ja in den letzten Jahren dafür gesorgt, dass Redaktionen eingestampft oder zusammen gelegt worden sind. Gleichzeitig bedient man sich immer mehr bei Praktikanten. Geben Sie mal bei einer beliebigen Jobsuchmaschine die Wörter "Journalist" oder "Redakteur" ein. Sie werden zu 90% nur Angebote für kurze Praktika entdecken. Diejenigen, die solche Angeboten neben ihrem Studium annehmen, finden sich auf einer ehemaligen Redakteursstelle wieder. Ich kenn das gut, ich hab so Praktikanten mal durchgeschleust.

Wenn sich die Verlage nicht an diesen Kodex halten, dann macht das ganze keinen Sinn. Kein Journalist mit Familie wird seinen Job aufs Spiel setzen, wenn der Chefredakteur ihm sagt, dass er mal schnell aus der PR Pressemittleilung eine Meldung machen soll.

Es sind tatsächlich die freien Journalisten, die noch am ehesten in der Lage wären, den Kodex einzuhalten, da sie (theoretisch) selber entscheiden können, was sie wann über wen schreiben.

Ich glaube, wir würden alle gerne wieder einen Journalismus erleben, der etwas unbequemer, freier und selbstständiger agiert, als der heutige. Da sind wir uns sicher einig. Ich denke halt, dass der Kodex dies nicht leisten kann, weil er völlig weltfremd ist und das Pferd von hinten aufzäumt.

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