Wenn man sich die Ausschreitungen in vielen arabischen Ländern zurzeit anschaut, und wenn man gleichzeitig mal einen Blick durch die Neo-Konservative Blogszene wirft und sich die teilweise recht einseitige Berichterstattung der Medien betrachtet, dann kann man sich schon die Frage stellen, woher so hoch gekochte Reaktionen eigentlich kommen.
Meinem Gefühl nach, ist der Grund für die Reaktionen hüben wie drüben, neben den politisch motivierten Gründen, Angst. Hier die diffuse Angst vor wirtschaftlichen Kalamitäten, einer unbekannten Religion und Verhaltensweisen, die man nicht kennt und mit denen man nicht umgehen kann, dort die Angst um die eigene Identität und der Verlust der Souveränität durch eine überlegene Militärpräsenz in der Nähe.

Angst ist historisch betrachtet schon immer das gewesen, was Kriege populär gemacht hat. Dabei ging es in allen Fällen nie darum, dass man Angst vor einer bestimmten Religion oder anderen sozialen Einrichtungen gehabt hat, sondern eher darum, dass man Angst vor der Wirtschaftsmacht eines anderen Landes hatte. Die Katharger haben den Römern in ersten punischen Krieg kein Ultimatum gestellt, weil sie Angst vor deren Religion hatten, sondern davor, dass sie irgendwann nicht mehr in der Lage sein würden, den römischen Machtansprüchen etwas entgegen zu setzen. Die Kreuzzüge fanden nicht statt, weil man Angst vor dem Islam hatte, sondern weil die katholische Kirche in den arabischen Ländern rapide an Einfluss und damit auch an Einnahmen verlor. Die Österreicher haben den Serben nicht unannehmbares Ultimatum gestellt, weil sie Angst vor deren militärischer Macht hatten, sondern weil sie ihren Einfluss auf dem für sie so wichtigen Balkan schwinden sahen, dessen Verlust, wie man befürchtete, eine Kettenreaktion auslösen würde, an dessen Ende die Bedeutungslosigkeit der Österreicher auf dem europäischen Kontinent stehen würde. Und so ist das auch in diesem Fall. Die Religion ist nur der Aufhänger für etwas ganz anderes. Und das gilt für beide Seiten.

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DonDahlmann, Mo, 06.02.2006, 19:14

Manche islamische Geistliche schüren in diesem bestimmten Fall die Angst und den Hass, weil die Karikaturen etwas sind, was alle Moslems angreift. Etwas, was so noch nicht vorgekommen ist. Die Angriffe der USA auf Afghanistan und den Irak wurden in vielen moslemischen Ländern mit einer ähnlichen Gleichgültigkeit wahrgenommen, wie hierzulande die Kriege auf dem afrikanischen Kontinent. Diese Karikaturen greifen aber alle Moslems gleichermaßen an, was zu den bekannten Ergebnissen führt. Mit den Protesten schürt man einen Hass, der nicht hinterfragt wird und gleichzeitig bereitet man mögliche weitere Auseinandersetzungen vor, die zum Beispiel dahin gehend gerichtet sein könnten, dass die Amerikaner ihre breite militärische Präsenz zwischen der arabischen Halbinsel und den Philippinen beenden, bzw. einschränken müssen. Denn wenn alle muslimischen Länder plötzlich anfangen würden, die amerikanische Präsenz zu bekämpfen, dürfte auch die militärische Überlegenheit der USA bzw. der Nato überfordert sein.

Gleichzeitig nutzen neo-konservative westliche Medien und Strömungen genau dieser massiven Protest dazu, zu sagen, dass man es ja immer gewusst habe und die Sache noch schlimmer sei, wo doch man doch so viele arabische Mitbürger haben. Dass keiner dieser arabischen Mitbürger zum Beispiel in Deutschland wegen der Zeichnungen brandschatzend durch Innenstädte gezogen ist, wird dabei geflissentlich vergessen. Was bleibt ist der Hinweis, dass sie es ja könnten weil sie ja hier sind. Der Normalfall, das dem Islam anhängige Menschen einfach nette, nachdenkende Menschen ohne Gewaltpotential sind, wird so völlig anders definiert.

All dies scheint aber nur der Vorwand, um den eigenen Machtraum zu erweitern, und die Menschen dahin gehend zu sensibilisieren, dass man seine "Freiheit" zur Not auch mit militärischer Gewalt schützen muss. Dabei geht es um die ökonomische Freiheit, die in den meisten Ländern aus verschiedenen Gründen in den letzten Jahren beim einzelnen Bürger immer mehr eingeschränkt wurde. Dass das ALG II nicht mehr reicht, weil durch die Verteuerung der Energiekosten fast alle Preise massiv steigen, ist ein schönes und billiges Argument um vom eigenen wirtschaftliche Versagen abzulenken.

Wenn "die Araber" uns den "Ölhahn" zu drehen, ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Stammtischgespräch, das in den letzten Jahren aber immer mehr an Brisanz gewonnen hat. Denn wenn sie es tatsächlich täten, dann würden die Opec Länder nicht wie beim letzten Mal auf ihre Ölvorräten und somit ihrer einzigen Einnahmequelle, sitzen bleiben, denn mit China hat man einen Handelspartner, der gerne und gierig die die freigewordenen Kapazitäten übernehmen würde. War beim letzten Boykott irgendwann klar, dass auch die Opec Ländern wieder verkaufen mussten, sieht die Sache seit dem wirtschaftlichen Aufschwung in China völlig anders aus.

Der eigentliche Skandal hier im Westen ist dann auch nicht Tatsache, dass ein paar Neo-Konservative hohl drehen, sondern die Tatsache, dass man seit über 30 Jahren weiß, dass man sich durch die Abhängigkeit von Öl aus diesen Gebieten in eine schwere Bredoullie bringt. Man weiß zudem seit mehr als 30 Jahren, dass das Verbrennen von Öl nicht eben besonders umweltverträglich ist. Warum man in den letzten 30 Jahren kaum bis gar nichts unternommen hat, alternative Energiequellen zu erschließen, ist mir ein Rätsel. Man hat nur 30 Jahre benötigt, um die Atomenergie nutzbar zu machen, länger hätte es bei entsprechender Anstrengung sicher auch nicht gedauert, alternative Energiequellen zumindest so weit zu erschließen, dass man den Anteil des Öls weit hätte vermindern können.

Man hat verschlafen, dies zu tun, und steht jetzt vor dem Problem, wie sich eine unter wirtschaftlichen Druck stehende, murrende Bevölkerung in eine andere Richtung bewegen lässt. In dem man die Angst vor angeblich "irren" Islamisten schürt, die nicht den mindesten Respekt vor demokratischen Grundregeln hat, bekommt man ein schönes Instrument in die Hand. Gleichzeitig ist es schon fast zynisch zu nennen, wenn Regierungen vom großen Wert der Pressefreiheit reden, und diese gleichzeitig mittels Gesetzen immer weiter einschränken.
Ich glaube zwar kaum, dass zumindest die Europäer es ernsthaft auf einen schärferen Konflikt mit den islamischen Ländern abgesehen haben, denn das ergibt keinen Sinn, zu mal man militärisch ja nicht eben benachbart ist. Wie es allerdings aussehen würde, wenn in Rom, Paris, Berlin, Amsterdam oder Brüssel U-Bahnen in die Luft fliegen, möchte ich lieber nicht wissen.

Was allerdings bleibt, ist mein Gefühl, dass Auseinandersetzunge wie die momentane erst der Anfang einer Eskalationskette sind.


sonderschüler x, Mo, 06.02.2006, 20:52

du unterliegst einer völligen fehleinschätzung

die neoliberalen blogger sind ein strang der von den primitivsten blogschmierern bis in die redaktionen und weiter bis in die thinktanks der parteien ein netzwerk bilden.

da hat keiner angst. die eskalationselemente werden zwar feiner je weiter sie sich von der primitivität des bloggens bewegen aber die aussagen bleiben substantiell gleich.

"Das Risiko einer militärischen Intervention könnte zwar Opfer in Größenordnungen des Ersten und Zweiten Weltkriegs mit sich bringen, doch der Triumph des islamistischen Terrors würde an Gräßlichkeit alles überbieten, was uns die Weltgeschichte vermittelte."
www.welt.de

ich könnte mich ja jezz seitenlang über die agierenden auslassen aber kann es auch kurz fassen:
die wollen den krieg und zwar entschlossen und unbeirrbar!

und das gefühl was du am schluss geäussert hast täuscht dich nich.


DonDahlmann, 6. Februar 2006 21:16:14 MEZ

Das meinte ich mit "hohl drehend." Interessanterweise gibt es da Übereinstimmungen mit den Jungs vom newamericancentury.org.

Es spaltet sich immer stärker in zwei Lager. Die einen, die einen Krieg nicht ausschalten, die anderen, die das unter keinen Umständen wollen. Heute Abend im ZDF gabs ja schon unter der Überschrift (ich glaube noch mit Fragezeichen) "Kampf der Kulturen" eine Einstimmung auf das, was in den nächsten Monaten im Iran-Atomstreit auf uns zu kommt. In den Redaktionen des TV scheint man die harte Gangart zu bevorzugen, während man in vielen Printmedien eine diplomatische Lösung aller Konflikte bevorzugt.


christoph k., Mo, 06.02.2006, 22:59

Keine Angst vor Neo-cons!

"...sondern eher darum, dass man Angst vor der Wirtschaftsmacht eines anderen Landes hatte."

Ob der Westen so große Angst vor der Wirtschaftsmacht arabischer Länder hat, scheint mir fraglich. Absehbar versiegende Ölquellen sind kein Technologievorsprung.

"Gleichzeitig nutzen neo-konservative westliche Medien und Strömungen..."

So so. Die "neo-konservativen westlichen Medien und Strömungen" also. Als wäre da ein einheitlicher und gefährlicher Medien-Block.

"...die Menschen dahin gehend zu sensibilisieren, dass man seine "Freiheit" zur Not auch mit militärischer Gewalt schützen muss."

Zur Not muss man das auch. Was den Karikaturen-Streit betrifft, besteht dazu allerdings nicht der geringste Anlass.
(die Anführungszeichen beim Wort Freiheit kommen mir ein bisschen abschätzig vor, warum?)

"Gleichzeitig ist es schon fast zynisch zu nennen, wenn Regierungen vom großen Wert der Pressefreiheit reden, und diese gleichzeitig mittels Gesetzen immer weiter einschränken."

Das ist wohl wahr!


DonDahlmann, 6. Februar 2006 23:19:13 MEZ

Die Wirtschaftsmacht der arabischen Länder läßt sich weniger am Bruttosozialprodukt ablesen, sondern wohl eher daher, dass sie halt auf de Öl sitzen. Ein Anstieg der Rohölpreise, oder gar das Einfrieren der Lieferungen für sagen wir mal sechs bis 12 Monate hätte ziemlich große Auswirkungen auf jede westeuropäische Wirtschaft. Allein die Preise für Energie (vom Benzin, Gas etc) würden explodieren, dazu all die Güter, deren Herstellung auf Rohöl eine Rolle spielt. Alles in allem eine massive Belastung für jede Wirtschaft. Bei den momentanen Problemen in Deutschland würde so ein Lieferstopp nicht helfen. Danach folgt dann ein Kurssturz an Aktienmärkten, wenn die Kleinanleger ihr Geld wiederholen, weil sie es für andere Dinge brauchen und manche Firmen ihre Gewinnzonen verlassen.

Das wäre ein sehr vereinfachtes Szenerio, mit dem man sicherlich keinen Staat Bankrott bekommt, aber ihm einen ziemlichen Schaden zufügt.


sonderschüler x, 6. Februar 2006 23:31:27 MEZ

christoph k.

das ehrt euch doch. es gibt links überhaupt nix vergleichbares als bademantelblogger, perverse antideutsche und selbstverliebte verinnerlichte handkes. wenn die für lau beim handelsblatt lesen halten se das für eine jazzsession beim klassenfeind wo der erschrickt und dann die internationale singt.

"einheitlicher und gefährlicher Medien-Block"
ja das stimmt mit total faschistoiden zügen wo die neonazis nachts von träumen aber nie erreichen werden.


timanfaya_, Di, 07.02.2006, 09:19

mal jenseits von angst, stattfindenden instrumentalisierungen, stattgefundenen kriegen und sonstigen dingen die rund um die aktuellen geschehnisse passieren: ich sehe es zum verrecken nicht ein, daß eine politische oder religiöse gruppe auf diesem planeten mit gewalt einfluß auf veröffentlichungen und meinungsbildungen in der westlichen welt bzw. jenseits ihres wirkungskreises nimmt. gleich welcher art, und wenn a*h selbst verarscht würde. heute sind es karrikaturen, morgen ist es ein blog in dem etwas steht, weshalb botschaften brennen. so ähnlich hat das 1933 auch angefangen. und seitdem sieht halt auch die verteidigung der freiheit gelegentlich reaktionärer aus. "Der Pazifismus der dreißiger Jahre hat Auschwitz erst möglich gemacht", mit diesem satz h. geißlers kann man sicherlich leider fast jeden krieg irgendwie "legal" rechtfertigen. aber wahr bleibt er trotzdem.

p.s.: bezeichnend, daß man im zeitalter von suchmaschinen bei öffentlichen meinungsäußerungen gewisse worte schon nicht mehr auschreibt.


DonDahlmann, 7. Februar 2006 10:49:29 MEZ

Der Satz von Geißler ist grober Unfug. Und das ist noch milde ausgedrückt. Es waren sicher nicht die Pazifisten, die Hitler haben stark werden lassen, sondern die schweigende Menge der mittleren und des Großbürgertums, die wider besseres Wissen geschwiegen, bzw. teilgenommen haben. Man darf die Appeasement Politik Chamberlains nicht mit Pazifismus verwechseln.

ich sehe es zum verrecken nicht ein, daß eine politische oder religiöse gruppe auf diesem planeten mit gewalt einfluß auf veröffentlichungen und meinungsbildungen in der westlichen welt bzw. jenseits ihres wirkungskreises nimmt

Sag das mal den Irakern. Oder den Insassen in Guantanamo. Mit dem Argument: Ok, die Amis sind böse, aber wir Europäer machen doch gar nichts, kommt man da auch nicht weiter.

Das Problem an der ganzen Sache ist wohl, dass die die entstandenen Probleme ja nicht in den letzten 10 Jahren entstanden sind, sondern teilweise weit zurück gehen. Man kann die ganze Diskussion nicht auf die Geschehnisse der letzten 10 Jahre verkürzen.


sirdregan, 7. Februar 2006 12:09:48 MEZ

das ist klar, nur wie löst man diese Spannungen auf?
Ich fühle da irgendwie nur Machtlosigkeit, denn ich glaube nicht das es so einfach ist die Fronten zu versöhnen, ich erwarte da eher noch Schlimmeres


timanfaya_, 7. Februar 2006 13:56:07 MEZ

Pazifismus [lat.-frz.], Grundhaltung, die aus religiösen, eth., oft auch polit. Gründen bedingungslose Friedensbereitschaft fordert und jede Gewaltanwendung kompromisslos ablehnt; Gesamtheit der seit dem 19. Jh. v. a. in Europa und in den USA entstandenen Friedensbewegungen. Frieden.

(c) Meyers Lexikonverlag.

es waren sicher nicht die pazifisten allein, die hitler haben stark werden lassen. aber ob nun appeasement oder ein anderer name, der die nichtbereitschaft zu kämpfen betitelt ist irgendwie nebensächlich. ich halte den satz von geißler [zu dem er übrigens heute noch steht und willy brandt seinen aus meiner sicht schlechtesten geschichtlichen auftritt hatte] für grundauf richtig. und ich halte es für falsch, mit dem heutigem wissensstand und auf basis unserer informationsmöglichkeiten die damalige real lebende "masse" zu beurteilen. mein großvater, mit dem ich mich oft über diese zeiten unterhalten habe, war nicht in der partei, hat hitler gewählt und wurde als soldat gefangen genommen. und er war ein ehrlicher mensch. aus seiner erzählung sah das eher so aus, als wenn die breite masse etwas institutionalisiert hat, was nach kurzer zeit aufgrund der allmächtigen präsenz mit bürgerlichen methoden nicht mehr angreifbar war. selbst, wenn sie gewollt hätte. was hätte man tun sollen - prostestieren?! dafür spricht ferner auch die enorm hohe anzahl der juden, die doch eigentlich wider besseren wissens [aber selbst die wußten es nicht so genau] bis zum allerbittersten ende nicht geflohen sind. man darf dabei nicht vergessen, daß das grauen des holocaust auf basis von "gerüchten" und ohne bildmaterial weiter gegeben wurde. psychologisch normal stellt sich der durchschnittsmensch sowas dann rosasonnenbrillenverdrängmäßig nicht ganz so schlimm vor. und vielleicht ist da ja auch garnichts dran. bis man die beweise auf dem tisch liegen hat, kommt man damit psychologisch prima durchs leben. geht irgendwie auch nicht anders, sonst hätte jeder letztes jahr alles für die erdbebenopfer in pakistan spenden müssen.

dabei hätte es bei hitler nur einer relativ kleinen aber entschlossenen gruppe bedurft, um den ganzen wahnsinn zumindest zu bremsen. und dazu braucht man in letzter konsequenz nun mal die uneingeschränkte entscheidung, für diesen weg auch bewußt zu töten. im zweifel auch "unschuldige" nebenbeteiligte [oder mit dem unwort colateral damage zu bezeichnende]. hitler war nun mal nicht weg zu diskutieren. mit anderen worten - pazifistische tendenzen haben hitler selbstverständlich so groß gemacht, daß er mit vergleichsweise geringen mitteln nicht mehr zu stoppen war. den preis haben dann über 50 millionen tote bezahlt. das sollte man sich dabei immer vor augen führen. es gibt keine wahrheiten. keine ethischen, keine moralischen. ein gefangener in guantanamo kann den entscheidenden hinweis zur rettung tausender geben. vielleicht aber auch nicht. vielleicht hätte sadddam israel mit irgendeinem raketenschrott angegriffen. und damit indirekt den nahen osten in eine atomare wüste verwandelt. vielleicht hätte er auch einfach nur weiterhin alberne hüte getragen [meiner ansicht nach ist genau dieses unwissen über eben diesen punkt der zentrale auslöser des zweiten irak krieges]. die ethik ist bei solchen grenzbetrachtungen schon lange überfordert.

mal abgesehen von den letzten 10 jahren und der zeit davor - das spielt sicherlich eine ganz erhebliche rolle. ich habe mich immer schon gefragt, ob die israelis sich bei vergeltungsschlägen gedanken darüber machen, was wohl der 10 jährige junge, der auf dem zerbombten haus steht unter dem seine eltern liegen in mittelfristiger zukunft wohl so machen wird. die größte rolle insgesamt spielt meiner ansicht nach aber eine historisch verzerrte entwicklung der kulturen, insbesondere ihrer religionen. nicht wenige islamische gruppen sind in ihrer entwicklung mit der katholischen kirche zu zeiten der inquisition zu vergleichen. das paßt einfach grundsätzlich nicht zusammen. so gesehen wird sich eine von beiden richtungen irgendwann durchsetzen, anders wird das wohl nicht gehen. und mir schwant dabei nichts gutes. da reicht mir ein blick zum aktuellen iranischen präsidenten.


fellow passenger, Sa, 11.02.2006, 06:12

Die von Ihnen angesprochene Angst ist sicher eine Triebfeder der gewalttätigen Auseinandersetzung. Im konkreten Fall sehe ich aber noch ein weiteres Problem. Es fehlt in vielen Ländern an allgemein zugänglicher Bildung. In islamisch orientierten Ländern vielleicht sogar mehr als in anderen. Dessen bin ich mir aber keineswegs sicher.

Sicher bin ich mir dabei nur in einem Punkt: Die Ausschreitungen aufgrund dieser leider nicht besonders gelungenen Karikaturen wären nicht geschehen, wenn die Menschen alle lesen könnten. Denn der Koran enthält kein Verbot, Mohammed bildlich darzustellen. Jeder der des Lesens kundig ist kann das leicht selbst feststellen. Analphabeten müssen sich aber auf das verlassen, was man ihnen erzählt. Und das ist eben sehr oft falsch, wenn jemand laut "Religion" brüllt, aber insgeheim Machterhaltung meint.

So wird zum selben Anlaß auch in Deutschland mit erigiertem Zeigefinger auf die Pressefreiheit verwiesen, zugleich aber eine Rechtspraxis gestützt, die den Quellenschutz regelrecht unterwandert und imstande ist die Pressefreiheit in Makulatur zu verwandeln. Immerhin kann das aber hier wenigstens fast jeder lesen. Daß man es trotzdem hinnimmt, steht auf einem anderen Blatt.

Eine aufgeklärte Gesellschaft kann Kriege sicher nicht automatisch verhindern. Aber es macht sie immerhin schwieriger zu verkaufen.

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