My two Cents zu dieser unsäglichen Werbung, die ja auch hier schon nachhaltig aufs Korn genommen wurde.

Ich bin Europäer. Ich esse Croissants aus Frankreich, Pasta aus Italien, Schinken aus Spanien, Oliven aus Griechenland, Schokolade aus Belgien, Käse aus Holland, trinke Whiskey aus Großbritannien, Wein aus Italien, habe Möbel aus Schweden, höre Musik aus Finnland und blogge bei einem Anbieter aus Österreich. Ich habe in meinem Leben fast alle europäischen Länder bereist, ich bin überall nett behandelt worden und alle mit denen ich gesprochen habe, waren froh in diesem Europa leben zu können. Jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, dass ich zum Beispiel gerade in Venedig mindestens fünf europäische Nationen in einem Weinlokal getroffen habe, freue ich mich sehr, denn vor 60 Jahren, vor nicht einmal einem Menschenleben, war es völlig undenkbar. Ich freue mich, wenn ich noch nicht mal meinen Personalausweis zeigen muss, wenn ich nach Italien reise. Ich freue mich, dass ich dort leben kann, wo ich es möchte.

Ich brauche keine Werbeaktion, die mir eintrichtern will, dass Deutschland schön und so wahnsinnig viel besser ist. Ich brauche keine Werbeagenturen, die mir erzählen wollen, dass man endlich die Kommunikation wieder verbessern muss, damit es wieder aufwärts geht. Ich brauche keine Plakate, die mir ein schlechtes Gewissen machen wollen, wo es doch ganz andere haben sollten, denn ich habe alles getan so gut wie ich konnte. Die Politik hat das nicht gemacht.

Ich möchte, dass die Politik ihre Arbeit macht, und mich nicht mit dem Vorwurf belämmert, ich sei kein ordentlicher Deutscher. Was soll der ordentliche Deutsche eigentlich denn noch machen? Noch mehr Lohnverzicht, noch mehr Ein Euro Jobs und dabei immer glücklich sein, dass es einem so gut geht? Ich hab nix zu fressen, aber ich bin stolz darauf ein Deutscher zu sein?

Ich möchte ein starkes und freies Europa. Ich möchte mein Leben in einem Europa dort führen können, wo ich mich wohl fühle. Ich möchte von anderen Menschen und Völkern lernen und ich brauche keinen dumpfen Nationalismus, denn ich kann selber entscheiden, was ich bin und was ich sein möchte.

Ich bin Europäer.