Dieser Text ist sicher nicht falsch. Ich beobachte das Problem mit Rente und Krankenversicherung nicht nur an mir, sondern auch in meinem Bekanntenkreis, wo es viele mehr oder weniger frei arbeitende Menschen gibt. Das überhaupt jemand eine private Rentenvorsorge UND eine Krankenversicherung gleichzeitig hat, kommt einfach nicht vor. Die meisten entscheiden sich dann für eine billige Privatversicherung und lassen die Rente Rente sein, weil eh sie davon ausgehen, dass zu dem Zeitpunkt, an dem sie sich über das Thema wirklich Gedanken machen müssen, die Lage der Rentenkassen sowieso eine völlig andere und vor allem eine nicht absehbare sein wird.

Viel schlimmer ist dieses Klima der Unsicherheit, das überall herrscht. Wie lange es wohl mit den Aufträgen gut gehen wird. Oder wie lange man noch einen Job hat. Es sind nicht nur die Selbstständigen, die vor sich hinbibbern und nicht wissen, wie lange sie ihr finanzielles Umfeld stabil halten können. Den Angestellten geht es mittlerweile genauso. Wie lange bleibt die Firma profitabel? Wie lange braucht es noch bis irgendein Beratungsmensch meinen Job wegrationalisiert, um seinen behalten zu können? Mittlerweile herrscht offenbar in vielen Firmen ein Klima, dass man nur mit den Worten "blanke, panische Angst" umschreiben kann, zumal diese auch noch durch innerbetriebliche Intrigen gesponsert wird. Ich selbst hab noch in keiner Firma gearbeitet, in der Intrigen und üble Nachrede nicht an der Tagesordnung gewesen wären.

Und weil ja gerade Wahlkampf ist: Ich überlege seit Wochen, wem ich eigentlich meine Stimme geben soll und finde keine Lösung, weil mit alle den gleichen Mist erzählen, weil niemand auch nur eine leise Idee bereithält, wie man diese Stimmung im Land verändern kann. Wie man auch nur ansatzweise etwas zum positiven verändern möchte. Wie man das ja zweifellos vorhandene Geld vernünftig verteilt. Bei allen Parteiprogrammen die man so liest, bleibt am Ende der Eindruck, dass die von sehr verzweifelten Menschen geschrieben worden sind, die gerne möchten aber nichts wissen, hilflos herumstochern und sich ansonsten von Lobby- und Interessenverbänden sagen lassen, was gut sein soll. Den Nährboden für radikale oder populistische Parteien legt die heutige "Politelite" selber, wenn sie sich nicht bald was einfallen lässt.

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isabo, Sa, 10.09.2005, 20:27

Ich habe den Verdacht, dass es noch viel schlimmer ist: der ein oder andere Politiker wüsste durchaus, was zu tun wäre. Sie lassen sich aber trotzdem alle von den Interessenverbänden sagen, was sie tun sollen. Vor allem von den Interessenverbänden derjenigen, denen es ohnehin schon ganz gut geht. Man möcht' kotzen.


syberia, 11. September 2005 07:20:47 MESZ

Das Geld ist zweifellos nicht vorhanden. Wer heute nicht privat für sein Alter vorsorgt, handelt grob fahrlässig. Adenauer ist damals auf die Löcher im System hingewiesen worden und soll beruhigt gewesen sein zu erfahren, dass diese erst Jahrzehnte nach seinem Ableben sichtbar werden würden. Und auch heute wird man keinen Politiker finden, der den Leuten die Wahrheit sagt - zumindest keinen, der gewählt werden will - dass sie nämlich privat vorsorgen müssen und dass sie mit den fast zwanzig Prozent, die ihnen vom Gehalt abgezogen werden, die heutigen Renten finanzieren.


dr. jo, 11. September 2005 08:53:07 MESZ

Wer heute nicht privat für sein Alter vorsorgt, handelt grob fahrlässig.

Der Text in der TAZ handelt von der Generation 40+. Wenn ich die fast 30.000 Euro, die ich Bafög zurückzahlen mussste vor 10 Jahren angelegt hätte, wäre das schon mal ein guter Anfang gewesen. In meinem Bekanntenkreis gibt es eine Reihe von Altersgenossen, die gar nicht wissen, was sie mit dem Geld mache sollen (Medienfonds oder doch geschlossene Immobilienfonds?). Aber die Mehrheit hat sich in den 10 Jahren nach dem Studium gerade mal ein prekäres Leben erarbeitet, wo die Mittel für private Vorsorge nicht drin sind. Die "um die 40" waren die geburtenstärksten Jahrgänge der Bundesrepublik. Grosse Klassen, überfüllte Hörsäle und für den Nachwendeboom waren sie gerade mal knapp zu jung. Für den Nachwende-Abschwung dagegen gerade richtig.

Die ganze Misere ist ja erst in den letzten Jahren vielen erst deutlich geworden. Da ist Anfang 40 der denkbar ungünstigste Zeitpunkt, eine zufriedenstellende Altersvorsorge auf den Weg zu bringen.

Mal Prersönlich: Ich habe eini Kind. Wenn ich das Geld fürs Kind in eine private Vorsorge stecken würde - und die Zeit in Arbeit investieren - hätte ich sicher mehr davon, als ihnen eine gute Ausbildung zu ermöglichen, damit sie die Renten der anderen zahlen, während ich mit der Grundsicherung klar kommen muss.


syberia, 11. September 2005 10:12:01 MESZ

Ach, tatsächlich? Mal persönlich: wie mir dieses Gejammer auf den Senkel geht...

In meiner Grundschulklasse (einer von sechs) waren siebenundvierzig Kinder, trotz massiver Elternproteste. Für die ersten Grundseminare an der Uni musste ich stundenlang anstehen, nur um mich anzumelden, denn es wurden "nur" jeweils zweihundertfünfzig Teilnehmer zugelassen. In den meisten Vorlesungen habe ich stehen müssen oder, mit etwas Glück, auf den Treppenstufen sitzen können, den Block auf den Knien. Mein Antrag auf Bafög wurde abgelehnt und da meine Eltern mir das Studium nicht bezahlen konnten, habe ich es mir mit einem Halbtagsjob selbst finanziert - und dabei Erfahrungen gesammelt, die mir von grossem Nutzen sind.

Unter anderem haben wir in dieser Branche den ersten Betriebsrat gegründet und den ersten Streik geführt; ich habe gelernt, was einen guten Arbeitsplatz ausmacht und nach dem Examen über dreissig solche guten Arbeitsplätze mit geschaffen, indem ich mit einigen ehemaligen Kollegen eine eigene Firma gründete. Die andere wurde nämlich geschlossen, um dann mit schlechteren Arbeitsverträgen, ohne Betriebsrat und weitaus niedrigeren Gehältern unter in Anspruchnahme siebenstelliger Subventionsgelder in der nächsten Stadt wieder aufgebaut zu werden.)

Die Haltung, das Leben schulde einem etwas, scheint typisch für unsere Generation. Tatsache ist jedoch, dass wir Entscheidungen treffen und die Verantwortung für sie übernehmen müssen - was nichts anderes heisst, als endlich erwachsen zu werden.


engl, 11. September 2005 11:23:57 MESZ

schon eigenartig, dieses thema, allgegenwärtig zwar. aber die 'diskusssionen', die daraus erwachsen...


kleinesf, So, 11.09.2005, 12:15

Ich sehe auch keinen Grund mehr, noch Parteiprogramme zu lesen, es sei denn, man möchte sich weiter desillusionieren.

Ohne Lobby keine Kompetenz. Daran krankt es.


stollentroll, 11. September 2005 13:23:04 MESZ

"Die meisten entscheiden sich dann für eine billige Privatversicherung und lassen die Rente Rente sein"

Das ist eigentlich genau die falsche Entscheidung fürs Alter. Dann wird die private KV plötzlich höllisch teuer, man kann nicht mehr in die Gesetzliche (auch steuerfinanzierte) KV zurück und hat zu wenig Geld fürs Alter zurückgelegt. Wer Kinder hat und sich nicht mit ihnen zerstreitet, hat doch auch eine Art Alterssicherung. Das ist der Grund, weshalb Deutschland bis zur Industrialisierung das höchste Bevölkerungswachstum hatte, vergleichbar mit dem heutigen in Afrika. Wenn die staatliche/ gemeinschaftliche Alterssicherung nicht mehr funktioniert, dann werden eben mehr Kinder gemacht. Wer möchte kann nach Norwegen auswandern, dort hat der Staat aus Öleinnahmen so viel Geld für Pensionsfonds angehäuft, dass die Altersversorgung dort für Jahrhunderte gesichert ist.


DonDahlmann, 11. September 2005 16:46:21 MESZ

Natürlich stimmt es, dass jeder selbst für sein Glück oder finanzielle Absicherung verantwortlich ist. Man kann darauf warten, dass es alles besser wird, oder man kann selbst was tun. Die Frage ist halt immer, in welchem Rahmen man das kann. Nicht jeder hat eine profunde Ausbildung mit Studium, nicht jeder ist in der Lage, ein Geschäft zu führen. Die "Geh doch arbeiten" Sätze, erinnert mich an Marie Antoinette, als sie meinte, die Leute sollen doch Kuchen essen, wenn sie schon kein Brot mehr haben. Eigeninitiative ist wichtig, aber auch nur dann, wenn man sie sinnvoll einsetzen kann. Das ist ja auch das, was ich der jetzigen Regierung vorwerfe. Wenn man die Leute mittels Kürzung der Mittel dazu bringen will, dass sie sich mehr bemühen einen neuen Job zu finden, muss erstmal auch ein Job da sein, für den man sich bewerben kann. Und genau das hat man vermieden. Solange Unternehmensgewinne zum größten Teil als Shareholder Value ausgegeben und nicht mehr reinvestiert wird, solange wird es auch keine neuen Arbeitsplätze geben.

Ich selbst beklage mich nicht, weil ich mich vor Jahren dafür entschieden habe, als Freiberufler zu leben. Und was die Krankenkasse angeht: Ich gehe jede Wette ein, dass es allerhöchstens noch 5 bis 7 Jahre dauert, und wir haben die Kopfpauschale.


n52e10, So, 11.09.2005, 17:04

Mit mitte 40 haben die meisten gemerkt, dass das Leben ein einziges großes Zeitproblem ist. Bei der Rente stimmt das aber nur zur Hälfte: Zwar wird die Zeit nicht reichen, um privat fürs Alter vorzusorgen, aber um die staatlich verordneten Rentenkürzungen mitzunehmen reicht sie allemal.


syberia, So, 11.09.2005, 18:37

Mit Mitte 40 haben die meisten gemerkt, dass das Leben ein einziges großes Zeitproblem ist.

Schon als ich anfing zu studieren wurde das Rentenproblem diskutiert – wer hat denn bitte vor zwanzig Jahren Herrn Blüm & Co. geglaubt, die Renten seien sicher?! Und wie viele haben etwas getan? Kaum zehn Prozent der Leute, die es nötig hätten, haben privat vorgesorgt. Also Arsch hoch und morgen zum Versicherungsmakler gegangen und geguckt, was man monatlich wie sparen kann. Die beste Zeit ist immer jetzt.

Eigeninitiative ist wichtig, aber auch nur dann, wenn man sie sinnvoll einsetzen kann. Das ist ja auch das, was ich der jetzigen Regierung vorwerfe. Wenn man die Leute mittels Kürzung der Mittel dazu bringen will, dass sie sich mehr bemühen einen neuen Job zu finden, muss erstmal auch ein Job da sein, für den man sich bewerben kann. Und genau das hat man vermieden.

Nicht die Politik schafft Arbeitsplätze, sondern die Unternehmen (und auch da sitzen reichlich Leute ohne Verantwortungsgefühl, was die Zukunft betrifft). Politik kann bestenfalls Rahmenbedingungen verbessern und die beginnen bereits bei der Ausbildung (Stichworte fehlende Ganztagsschulen, permanenter Unterrichtsausfall, Disziplinlosigkeit, fehlende Förderung emotionaler Intelligenz etc., etc.). Wir werden nicht den Dumpinglohn eines chinesischen Arbeiters unterbieten können, aber wir könnten weitaus mehr leistungswillige, innovative, geistreiche Arbeitnehmer stellen, als dies jetzt der Fall ist.


DonDahlmann, 11. September 2005 19:17:33 MESZ

Solange das Systen so läuft, dass Firmen aufpassen müssen, dass sie an den Aktienmärkten gut weg kommen, also weiterhin versuchen müssen, möglichst viel Dividende zu erwirtschaften, statt zu reinvestieren, solange auf Gewinne in Jahresfristen geachtet wird und nicht auf Nachhaltigkeit, wird das wohl schwer werden, mit den neuen Arbeitsplätzen. Leider wird an den Finanzmärkten wie bei den Banken ja nicht darauf geachtet, wieviel soziale Verträglichkeit eine Firma liefert.

Zu Punkt 1: Erst mal genügend Geld haben um vorsorgen zu können.


stollentroll, 11. September 2005 19:39:11 MESZ

"Leider wird an den Finanzmärkten wie bei den Banken ja nicht darauf geachtet, wieviel soziale Verträglichkeit eine Firma liefert."

Das ist so pauschal nicht ganz richtig.
unter
www.ecoreporter.de
gibt es zahlreiche Nachhaltigkeitsratings von Firmen (Umwelt und Soziales), daneben zahlreiche Nachhaltigkeitsfonds und nachhaltigkeitsorientierte Unternehmensforschungsinstitute, die Umweltbank, die GLS-Gemeinschaftsbank etc.

Weil ich gerade zufällig damit zu tun habe: Durchschnittsalter in Dtl. 2003: 41 Jahre; im Jahr 2050: 49 Jahre
Anteil der über 60-Jährigen an Gesamtbevölkerung 2003: Jeder Sechste; 2050: Jeder Dritte
Geburtenrate (Kinder pro Frau): 1,6
Lebenserwartung 2003: Mann 77 Jahre, Frau 83; 2005: Mann 83, Frau 87

Man/ frau wird später eben länger arbeiten, dafür auch länger leben. Ich habe momentan eigentlich auch kein Geld für später, aber ein wenig geht immer. Meine größte Angst vor schwarz-gelb liegt in der Kopfpauschale begründet. Nichts gegen eine Abkehr von der Lohnfixierung bei der KV oder mehr Steuerfinanzierung, aber
das ist Sozialbbau und Ungerechtigkeit hoch 3.


engl, 11. September 2005 19:45:33 MESZ

Erst mal genügend Geld haben um vorsorgen zu können.

so siehts aus. punkt.


cursor, 11. September 2005 21:38:36 MESZ

Das sehe ich genauso

Schwätzer und Besserwisser gibt es viele.
Das Konstrukt Existenz ist nicht zu sichern. Kann schief gehen, kann klappen. Und man kann zwischendurch schon mal ziemlich sauer werden.


saunabiber, 12. September 2005 10:45:30 MESZ

Die alte geht mir schon lange auf die Eier.


sonderschüler x, So, 11.09.2005, 19:41

"Den Nährboden für radikale oder populistische Parteien legt die heutige "Politelite" selber, wenn sie sich nicht bald was einfallen lässt."

es ist eine erstaunliche tatsache dass sich eine rechtspartei noch nicht gebildet hat.
wenn ich für hauptschüler und sonderschüler keine arbeitsplätze anbieten kann und denen sage: "hau doch ab nach sizilien zum gastarbeiten" wie heute geschehen in der zdf sendung ml, dann habe ich doch die potentiellen wähler geschaffen. sie müssen doch nur aufgehoben werden.
in 5 jahren, wenn die polen fremdarbeiten dürfen haben wir sie.

die angesprochene unsicherheit is im übrigen das tödlichste aller gifte für eine marktwirtschaft. binnenwirtschaftlich stecken wir in einer rezession die unglaubliche aussmasse annehmen wird.
die politischen parteien werden aber weiterhin angebotspolitik machen solange bis die ersten hakenkreuzfahnen vom mittelstand gehisst werden.

IN DIESEM WAHLKAMPF WIRD NUR VERTEILUNGSPOLITIK NICHT WACHSTUMSPOLITIK THEMATISIERT.

na gut meine damen und herren. dann machen es eben die anderen später.


syberia, 11. September 2005 19:58:15 MESZ

Erst mal genügend Geld haben um vorsorgen zu können.

Wie viel Geld müssten Sie denn monatlich zur Verfügung haben, um für Ihr Alter zu sparen? Und wie lange sind Sie bereit darauf zu warten, dass Ihnen diese Summe zur Verfügung steht?


n52e10, 11. September 2005 20:48:44 MESZ

Natürlich muss man das Geld erstmal überhaben. Und zwar um so mehr, je später man damit anfängt. Das Bewusstsein dafür ist sicherlich gestiegen, die dafür verfügbaren Einkommen in den letzten Jahren aber nicht. Und selbst, wer es heute aufbringen kann, fragt sich in Anbetracht der beschriebenen allgemeinen Verunsicherung, ob das auch morgen und nächstes Jahr noch geht. Andererseits, wer nichts tut (aus welchen Gründen auch immer), steht später mit nem halben Liter an der Bude.


engl, 11. September 2005 21:28:57 MESZ

wie warten? wo gibts denn für warten geld?


Sannie, 13. September 2005 10:51:58 MESZ

Wie viel Geld müssten Sie denn monatlich zur
Verfügung haben, um für Ihr Alter zu sparen?

Mehr als ich zum Leben brauche.
Es gibt 8.2 Mio Menschen, die von ALG/II und Sozialhilfe leben und 20% aller Steuerpflichtigen, die nur das Existenzminimum verdienen.

Eigenverantwortung muß man sich leisten können. Ich habe auch nichts über für die Rente.


syberia, 13. September 2005 13:51:16 MESZ

Stellt sich die Frage, was man zum Leben braucht. Die tägliche Schachtel Zigaretten? Ein neues Laptop? Einen schön gestalteten Balkon? Teure Konzertkarten? Wir treffen jeden Tag Entscheidungen, wofür wir unser Geld ausgeben und ich kritisiere niemandes Kaufentscheidungen. Dass nichts übrig ist für die Altersvorsorge, das glaube ich allerdings den wenigsten, die in diesem Land leben.


Sannie, 13. September 2005 14:39:47 MESZ

Finde ich nun eher naja, daß Sie von ein paar Fotos in meinem Blog auf meine finanzielle Lage schließen, werde mich hier bestimmt nicht in Rechtfertigungspose begeben.

Der Betrag, den ich für die Krankenversicherung aufbringen muß, ist vermutlich genauso so hoch wie Ihrer, nur daß ich ihn auch dann bezahlen muß, wenn ich nichts verdiene. Da bleibt nichts, das ich regelmäßig außerdem noch ansparen könnte. Und wenn doch, wird es in schlechten Monaten aufgefressen.

Aber abgesehen von meiner Lebensweise, bei der Sie sicher noch die eine oder andere Tafel Schokolade fänden, die ich doch lieber in meine Rente stecken sollte: Was ist mit den Millionen Menschen, die ich weiter oben erwähnt habe? Handeln alle grob fahrlässig und treffen die falschen Entscheidungen?


sum1, Mo, 12.09.2005, 11:08

unbegreiflich

was mir an der ganzen situation unbegreiflich ist, ist die unfähigkeit dieser ganzen hochtechnisierten und intellektuellen selbstständigen, auch von ihnen, dem blogger, überhaupt das ganze in begriffe, begrifflichkeiten zu packen.
dieses thema wurde von einer politisierten minderheit längst analysiert und an den pranger gestellt aber die unpolitischen jammerer beschweren sich immer noch bei den unfähigen parteien mit dem aufschrei "regiert mich, sagt mir wo es langgeht". der deutsche untertanengeist ist einfach immer wieder öde.

diese ganze unsicherheit nennt sich prekär, prakarisierung, prekarität, das subjekt dieser prekariat und der prozess der das ganze anstößt nennt sich neoliberalismus und globalisierung aka kapitalismus.

also augen auf und protestieremn statt nach einer besseren obrigkeit rufen.

mehr zum theme prekär: sum1.onreact.com


bürotiger, Mo, 12.09.2005, 11:21

Hmmpfffff......

diesen ganzen Wust sehrfrsutriert bedacht haben,
dann Schrödis Parteitagsrede gesehen
und ihn als geringeres Übel identifiziert.

Demokrat ist, wer trotzdem wählt.

  • Grussregierung.

febo, 12. September 2005 16:03:40 MESZ

dat is so und bleibt wohl auch so...

das Problem ist wohl nicht dat egal wat kommt es nicht recht besser wird, sondern die Flickschusterei auch nix mehr bringt. Wir können aus dem Generationenvertrag nicht mehr aussteigen können. Die Kinder die heute geboren werden, haben mit Inflation sogar schon eine Minusrendite. Problem ist das schon viel zu lange bekannt ist, das das System so nicht funktioniert. 1980 hat Helmut Schmidt schon gesagt das wir auf eine Einheitsrente umsteigen müssten, da eine Finanzierbarkeit nicht mehr möglich ist. Nun haben wir bereits 2005 und nichts hat sich groß verändert. Ich frage wer zahlt meine Rente??? Ich kann nur jedem raten das er auf jeden Fall einiges im privaten Bereich zur Finanzierung tun sollte um nicht im Alter auf ein Sozialhilfe Niveau zu fallen. In 30 Jahren werden nur noch ca. 43% deines letzten Bruttos aus der gesetzlichen Rente ausgezahlt und das auch nur für den typischen Eckrenter. 45 Jahre eingezahlt und immer den gleichen Beitrag und mal ganz ehrlich wer wird dat sein?


stollentroll, 12. September 2005 16:42:07 MESZ

Erstaunlich finde ich, dass keine deutsche Partei das Thema "Grundeinkommen" befürwortet, will heißen, alle Sozialsubventionen zusammenlegen, alle Verwaltungseinheiten diesbezüglich abschaffen und ungeprüft jedem Bürger (d.h auch jedem Kind) den dann verfügbaren Betrag auszahlen, dazu eine Hinwendung zur Konsumsteuer statt Lohnbesteuerung und der ganze Schwachsinn, dass wenige Leute sich totarbeiten, während andere Däumchen drehen, wäre erledigt. Mehr Zeit für alle, mehr Freiheit bezüglich der Berufswahl, bessere Veinbarung von Beruf und Familie etc.
Mehr darüber u.a. im aktuellen Heft von
www.brandeins.de


pascalo, Mo, 12.09.2005, 18:39

Immer diese Trennung

"die Politik muss nicht ... die Wirtschaft muss aber ..." Ich lebe, konsumiere und entscheide. Politik und Wirtschaft, oder?


karan, Mo, 12.09.2005, 22:24

schutzlos

Die Wahl zwischen Rente oder Krankenversicherung ist für viele gar nicht mehr gegeben - weil sie sich nämlich beides nicht mehr leisten können. Zur Zahl der Betroffenen gibt es höchst widersprüchliche Angaben; ich fand Statistiken, die von 180.000 Betroffenen sprechen, andere liegen weit darüber.

Die Künstlersozialkasse scheint zwar auf den ersten Blick zumindest auf dem Kultursektor das Problem ein wenig abzumildern, jedoch der Schein trügt: zum einen sind die Zulassungs-Kriterien immer schärfer geworden (ein Künstler, der einen fachfremden Nebenbeijob braucht, hat meist schon gar keine Chance mehr), zum anderen kann es gut sein, daß die Kasse selbst im Rahmen der aktuellen "Reformen" schlußendlich zur Disposition gestellt wird.

Ich kenne Künstler, die weit unter jeglichem Sozialhilfesatz von der Hand in den Mund leben - weil sie die Minimalabsicherung, die ihnen die KSK ermöglicht, unter keinen Umständen verlieren wollen.

Und ich kenne viele, die eben nicht mehr krankenversichert sind, weil sie die Kriterien nicht erfüllen, aber trotz Nebeneinkünften nicht genug für auch nur die geringste private Absicherung verdienen.

Ganz schlimm wird's, wenn Kinder mit betroffen sind...


peterlu, 13. September 2005 00:15:57 MESZ

habe auf den stollentroll gehört und den brandeins-artikel gelesen und sage: hört auf den stollentroll und lest den brandeins-artikel.


syberia, 13. September 2005 10:13:33 MESZ

Was Stollentrolle betrifft, höre ich lieber auf Prof. Nachtigaller :)


grauer, Di, 13.09.2005, 17:11

der Text

der text ist sicher nicht falsch, schlimmer. er beschreibt sehr eindringlich und ohne viel jammerei wie eine generation langsam abrutscht. gut ausgebildete, informierte leute, die dass auch noch selber merken und sich ihre zukunft ausrechnen können.
gruselig sachlich der artikel und in meinem umfeld passen immer mehr leute darein. nicht nur die erwarteten sozialwissenschaftler, nein auch bwler ings und juristen


dr. jo, Do, 15.09.2005, 13:58

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Der erste zu dem Artikel abgedruckte Leserbrief. Vorgeschlagene Lösung: Noch mehr Schulden machen, man kann eh nicht planen, nach uns die Sintflut.

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