Ich war mal in Belgien. Komischweise fährt man ja eher nach Holland, als nach Belgien. Vielleicht wegen diesen riesigen Kroketten die mit irgendwas merkwürdigen gefüllt sind, und ohne die keine holländische Frittenbude in Holland aufmachen darf. Wahrscheinlich gibt es eine holländische Krokettenmafia, die jeden Imbissbudenbesitzer blutig schlägt, hat er nicht die Riesenkrokette in seinem Angebot. Ich kannte Menschen, die ausschließlich deswegen nach Holland fahren. Sie sagten "Hmm, mal wieder nach Holland fahren, so eine Riesenkrokette futtern. Ach ja, neues Dope brauch auch." Ich selber hab noch nie eine gegessen, weil ich Angst hatte, mir so einen Riesenprügel mit heißem Inhalt in den Mund zu schieben. Das kann jetzt jeder sexuell interpretieren wie er will, ich wollte mir einfach nicht die Mundhöhle an diesem komischen Schleim verbrennen, der aus den Riesenkroketten raus läuft.
Irgendwann dachte ich, dass ich das kleine Land neben den Krokettenbrätern ja auch mal besuchen kann. Mal "Hallo" sagen, lecker Essen, die berühmten Fritten, vielleicht die Sehenswürdigkeiten anschauen. Das erste, was mir in Belgien auffiel, war der Himmel, der offenbar ein Stück weiter unten hing. Ich vergleich das mal so:

Holland -> schöner Altbau, hohe Decken, hell.
Belgien -> sozialer Wohnungsbau aus dem 50er Jahren, Deckenhöhe 1,50 m, Soutterain.

Das ändert sich erst, wenn an die See kommt, oder in Brügge nächtigt, dem "Venedig Belgiens". Oder war das Antwerpen? Ist Antwerpen in Belgien? Zum Venedig Belgiens möchte ich noch anfügen: Was nicht so alles das Venedig von irgendwas ist. Die Hamburger sind sehr stolz darauf, dass sie mehr Brücken als Venedig haben, und nennen sich hier und da mal „Venedig des Nordens“. Miami Beach wurde auch mal als "Venedig Floridas" beschrieben. Alles ist Venedig. Überall. Das macht mich völlig fertig. Allein das Wort schon. Ist ja gerade modern, doofe Wörter so lange laut vor sich hin zu sagen, bis sie im Kopf völlig Lächerlich klingen.

Venedig. Venedig. Venedig. Venedig. Venedig. Venedig.

Jetzt hab ich so oft geschrieben, dass ich mir unsicher geworden bin, ob man es überhaupt so schreibt. Egal. Ich also mit meinem alten Käfer nach Belgien. Natürlich toll: die beleuchteten Autobahnen. Die Belgier haben damals noch alles an- und ausgeleuchtet, was sie hatten. Ein einsames Haus mitten auf dem Feld kam nicht ohne Flakscheinwerfer aus, dass es Nachts in gleißendes Licht tauchte. Kraftwerke, Fabriken, Brücken, Bahngleise. Alles voll ausgeleuchtet. Und darauf waren die Belgier auch sehr stolz. In Brüssel hab ich mir dann das Atomium angeschaut, das irgendwie sinnlos auf einem Hügel stand, und das ebenso verrostet war, wie es stank. Es stank wirklich schrecklich, irgendwie nach Mottenkugeln und für einen Moment hatte ich die Theorie, dass die Belgier damals in den 50er Jahren unter einer wahnsinnigen Mottenplage gelitten haben was ihnen sehr peinlich war und sie deswegen dieses große Atommodell bauen ließ, damit sie die Mottenkugeln verstecken konnten. Noch hat niemand diese Theorie widerlegt
.
Ich bin dann noch einen Tag ein wenig sinnlos durch Belgien hin und her gefahren. Man kurvt über das platte Land und plötzlich poppt ein schlecht gerendertes Dorf vor einem auf in dem kein Mensch zu sehen ist, nur vielleicht eine Kuh. Dann denkt man "Ach, hier leben also auch Menschen", fragt sich, was die wohl den ganzen Tag so machen und fährt weiter. Das war eher deprimierend, auch wenn es wohl kaum einen besseren Hintergrund für meine "Bauhaus", "This Mortal Coil" und "Trisomie 21" Kassetten gab, als die Gewerbegebiete einer mittleren Kleinstadt in Belgien.

Auf dem Rückweg dann an den Ardennen vorbei geschrammt, auch aus dem Grund, selber den blöden Witz „Damals in den Ardennen“ machen zu können. In den Ardennen gibt es aber nichts. Jedenfalls nicht da, wo ich war. Nichts ist jetzt auch falsch. Es gibt sehr viele Bäume, die mit ihren lustigen Wipfeln die tief hängenden Wolken von unten fein sauber putzen. Ich kaufte noch schnell ein mächtiges Stück Ardennenschinken, den ich auf den Rücksitz warf und ca. sechs Wochen später im Hochsommer wieder gefunden habe, weil es in meinem Auto so komisch roch. Eine zeitlang dachte ich, dass noch irgendwo Teile des Hasen, der sich leider wenige Wochen zu vor in suizidaler Absicht vor meinen Wagen geworfen hatte, unter dem Auto hängen würden. Tja. Das sind meine Erinnerungen an Belgien. Stinkender Schinken, Mottenkugeln, Regen. Seitdem auch nie mehr da gewesen, außer einmal in Brüssel, als wir wegen merkwürdigen Geräuschen in der Hydraulik notlanden mussten, was meine Empfinden für Belgien auch nicht verbessert hat. Am Wochenende fahr ich aber vielleicht mal wieder in dieses Land. Vielleicht aber nach Holland, da könnte ich versuchen meine freundliche Begleitung eine dieser Kroketten essen zu lassen, um endlich mal das große Rätsel zu lösen, was in den verdammten Dingern eigentlich drin ist.

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sebastiand, Do, 12.05.2005, 20:41

Muss auch mal sein...

Wow, endlich mal ein relativ langweiliger und belangloser Beitrag. Ich hab schon langsam Minderwertigkeitskomplexe bekommen, weil hier sonst nur semigöttliches bis geniales von Ihnen verbrochen wird...


DonDahlmann, 12. Mai 2005 21:34:27 MESZ

Ich bin nicht perfekt!?


croco, 12. Mai 2005 21:57:00 MESZ

Ach, Herr Dahlmann,

mir scheint, dass Ihnen noch keiner die wunderbaren Ecken diese Landes gezeigt hat.Dieses Land hat Poesie, dieses Land ist leicht morbide und dieses Land erinnert an Silberbesteck auf Leinen.Sie müssen mal bei Sonnenschein durch die Kanäle von Brügge fahren, in Gent auf die Türme klettern und in Leuven in eine der vielen Brauereien Bier trinken. Waren sie schon auf dem Feldherrenhügel in Waterloo und haben sich die Schlacht ausgedacht? Oder im Kolonialmuseum in Tervuren eine echte Latimeria in Formaldehyd angschaut? Oder waren Sie im japanischen Tempel im Königlichen Schloßgarten, nur um die Samuraiuniformen zu sehen?
Zur Strafe sollte ich Sie eigentlich an beiden Beinen durchs Land ziehen ;-) Aber keine Angst, ich tu Ihnen nichts, wenn Sie mir versprechen, nochmals hinzufahren.


osaka, 12. Mai 2005 22:45:04 MESZ

hmmm

fahren sie wegen der kroketten oder etwa wegen des dopes?


krusty, 12. Mai 2005 23:58:07 MESZ

ach,

das noch jemand außer mir Trisomie 21- Kassetten besitzt, hätte ich jetzt auch nicht gedacht...


kopfkino, Fr, 13.05.2005, 00:31

Ich bin einmal eingebrochen war einmal in einer stillgelegten, alten Zeche in Cheratte / Belgien, die ein bißchen wie ein verwunschenes Schloss aussah Bei Gelegenheit schleppe ich Sie dort mal hin. Ziehen Sie sich jedoch dunkel und bequem an. Wir müssen über ein 2,5 Meter hohes Stahltor, das an der Hauptstraße liegt.


DonDahlmann, 13. Mai 2005 00:34:03 MESZ

Ich such gleich mal meine Trisomie 21 CD raus.


soobiem, 13. Mai 2005 00:35:46 MESZ

.. und vielleicht auch noch eine belgische Praline?..


len, 13. Mai 2005 10:22:37 MESZ

Ein ziemlich hohes Tier aus "meiner" Firma sagte einmal: "In Belgien gibts nix, nur in jedem Dorf ´nen Puff"
Nun kommt der Herr mit der gewählten Ausdrucksweise aus Luxemburg und ich frage mich, ob es da eine gewisse Abneigung zwischen Belgiern und Luxusbürgern Luxemburgern gibt!?


rollinger, 13. Mai 2005 10:54:01 MESZ

ich fahre heute noch nach Luxembourg, ich werde mal fragen. Aber ich meine sowas schon mal herausgehört zu haben. Ich weiß das die Luxemburger aber keine Franzosen mögen..warum auch immer


mcwinkel, Fr, 13.05.2005, 12:12

Na Dope halt! Was sonst...


DonDahlmann, 13. Mai 2005 12:37:36 MESZ

Dope sicher nicht. Dann eher Flohmarktschnäppchen (dies ist eigentlich ein Eintrag für hier)


erasmus von meppen, 14. Mai 2005 11:16:57 MESZ

Die Stückchen sind aus Pferdefleisch, jedenfalls wenn es sich um eine "gute" Krokette handelt.


DonDahlmann, 14. Mai 2005 15:02:56 MESZ

Gegen Pferdefleisch hab ich nichts. Nur scheint mir das gute Pferdefleisch von merküdigen Schleim bedeckt sein, das macht mich misstrauisch.


erasmus von meppen, 14. Mai 2005 19:47:08 MESZ

Woraus der gemacht ist, weiß ich leider auch nicht genau. Vielleicht aus Huflattich. Man nennt den Inhalt jedenfalls "Fleischragout" - also was mit Mehl und Schwitze.

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